DCCTechnik

DCC Programmiergleis oder POM: Unterschiede einfach erklärt

Wer bei einer digitalen Modelleisenbahn Einstellungen am Lokdecoder verändern möchte, stößt früher oder später auf zwei Begriffe: Programmiergleis und POM. Mit beiden Verfahren lassen sich CV-Werte verändern. Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied.

Auf dem Programmiergleis wird der Decoder in einem eigenen Programmiermodus angesprochen. POM dagegen programmiert eine bestimmte Lok direkt auf dem normalen Hauptgleis. Für kleine Änderungen während des Betriebs ist das ausgesprochen praktisch. Für die erste Einrichtung eines Decoders würde ich trotzdem weiterhin das Programmiergleis verwenden.

Wenn du mit CVs bisher wenig zu tun hattest, findest du im Artikel DCC-Decoder programmieren: CVs auslesen und einstellen zunächst die wichtigsten Grundlagen.

Was ist ein DCC-Programmiergleis?

Das Programmiergleis ist ein Gleisabschnitt, der für die Einrichtung und Programmierung von Decodern verwendet wird. Je nach Digitalzentrale besitzt es einen eigenen Ausgang oder die Zentrale schaltet ihren normalen Gleisausgang vorübergehend in den Programmiermodus.

Auf diesem Gleis sollte sich während der Programmierung nur das Fahrzeug befinden, dessen Decoder verändert werden soll. Die Zentrale kann den Decoder dort direkt ansprechen, ohne seine aktuelle Lokadresse kennen zu müssen.

Das ist besonders praktisch bei einer gerade digitalisierten Lok. Selbst wenn du nicht weißt, welche Adresse eingestellt ist, kannst du beispielsweise CV1 oder CV8 auslesen und damit erste Informationen über den Decoder erhalten.

Typische Aufgaben auf dem Programmiergleis sind:

  • Lokadresse auslesen und ändern
  • CV-Werte auslesen
  • CV-Werte schreiben
  • unbekannte Decoder untersuchen
  • neu eingebaute Decoder erstmals testen
  • CV29 kontrollieren
  • Decoder auf Werkseinstellungen zurücksetzen

Gerade nach dem Einbau eines neuen Decoders ist das Programmiergleis für mich der sinnvollste erste Schritt. Dort lässt sich kontrollieren, ob Decoder und Zentrale überhaupt miteinander kommunizieren, bevor die Lok auf die Anlage kommt.

Was bedeutet POM?

POM steht für Programming on Main. Gemeint ist damit die Programmierung direkt auf dem normalen Hauptgleis.

Die Lok muss dafür nicht von der Anlage genommen werden. Die Digitalzentrale schickt den Programmierbefehl gezielt an die Adresse des gewünschten Decoders.

Stehen beispielsweise zehn Lokomotiven auf der Anlage und du möchtest bei Lok 23 die Bremsverzögerung verändern, kannst du die entsprechende CV über POM an Adresse 23 senden. Die anderen Lokdecoder reagieren auf diesen Befehl normalerweise nicht.

Genau darin liegt der große Vorteil von POM. Eine Einstellung lässt sich ändern und anschließend direkt beim Fahren testen.

Ein praktisches Beispiel

Angenommen, eine Lok bremst viel zu langsam ab. Die Bremsverzögerung ist bei vielen Decodern über CV4 eingestellt.

Auf dem Programmiergleis müsste ich die Lok von der Anlage nehmen, auf das Programmiergleis stellen, CV4 verändern und die Lok anschließend wieder zurück auf die Anlage setzen.

Mit POM kann ich die Lok dagegen auf ihrem Gleis stehen lassen:

  1. Lokadresse auswählen.
  2. POM-Programmierung öffnen.
  3. CV4 auswählen.
  4. neuen Wert schreiben.
  5. Lok direkt anfahren und Bremsverhalten testen.

Passt die Verzögerung noch nicht, ändere ich den Wert einfach noch einmal. Gerade beim Abstimmen von Motor- und Fahreigenschaften spart das viel Zeit.

Programmiergleis und POM im Vergleich

FunktionProgrammiergleisPOM
Separates Gleis erforderlichje nach ZentraleNein
Programmierung auf der AnlageNeinJa
Aktuelle Lokadresse muss bekannt seinNeinJa
CV schreibenJaJa
CV auslesenIn der Regel janur mit geeigneter Rückmeldung, beispielsweise RailCom
Neue Decoder einrichtenSehr gut geeignetweniger geeignet
Fahreigenschaften ausprobierenumständlicherSehr praktisch
Unbekannte LokadresseGut geeignetproblematisch

Warum kann das Programmiergleis CVs auslesen?

Beim klassischen Programmierverfahren kann die Zentrale eine Rückmeldung des Decoders auswerten. Dadurch lässt sich beispielsweise abfragen, welcher Wert gerade in CV1, CV8 oder CV29 gespeichert ist.

Das ist besonders hilfreich, wenn eine Lok gebraucht gekauft wurde oder man nach längerer Zeit nicht mehr weiß, welche Einstellungen im Decoder gespeichert sind.

CV8 kann beispielsweise Hinweise auf den Decoderhersteller liefern. Über CV1 lässt sich die kurze Lokadresse kontrollieren. Bei einer langen Adresse spielen zusätzlich CV17, CV18 und CV29 eine Rolle.

Wie kurze und lange Adressen zusammenhängen, erklären wir ausführlicher unter Kurze und lange DCC-Adressen einfach erklärt.

Kann POM CV-Werte auch auslesen?

Hier liegt einer der wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Verfahren.

Das Schreiben einer CV über POM funktioniert grundsätzlich ohne RailCom. Die Zentrale sendet den neuen Wert an den angesprochenen Decoder.

Beim Auslesen wird es schwieriger. Der Decoder muss seinen Wert irgendwie an die Digitalzentrale zurückmelden können. Genau dafür kann RailCom verwendet werden.

Unterstützen Decoder, Digitalzentrale und gegebenenfalls Booster diese Rückmeldung, können geeignete Systeme CV-Werte auch auf dem Hauptgleis zurücklesen.

Wie das funktioniert, findest du ausführlich in unserem Artikel DCC RailCom einfach erklärt: Rückmeldung, CV-Auslesen und Voraussetzungen.

Welche Einstellungen eignen sich besonders für POM?

POM ist immer dann angenehm, wenn eine Einstellung anschließend direkt getestet werden soll. Typische Beispiele sind:

  • Anfahrverzögerung
  • Bremsverzögerung
  • Höchstgeschwindigkeit
  • Motorregelung
  • Lichthelligkeit
  • Funktionsmapping
  • Soundeinstellungen
  • Rangierfunktionen

Bei diesen Einstellungen kennt man normalerweise bereits die Adresse der Lok. Der Decoder kann daher gezielt angesprochen werden.

Lokadresse besser auf dem Programmiergleis ändern

Bei der Lokadresse würde ich weiterhin das Programmiergleis verwenden. Gerade bei einer Änderung von CV1 oder beim Wechsel auf eine lange Adresse über CV17, CV18 und CV29 kann man sich sonst schnell selbst aussperren.

Ist anschließend nicht mehr klar, unter welcher Adresse die Lok angesprochen werden muss, hilft POM wenig weiter. Das Programmiergleis kann den Decoder dagegen unabhängig von seiner normalen Fahradresse ansprechen.

Besonders wichtig ist dabei CV29. Dort wird unter anderem festgelegt, ob der Decoder seine kurze Adresse aus CV1 oder die lange Adresse aus CV17 und CV18 verwendet.

POM bei der Roco z21 und Z21

Mit der Z21 App lassen sich CVs sowohl über das Programmiergleis als auch über POM bearbeiten.

Bei der schwarzen Z21 gibt es einen eigenen Anschluss für das Programmiergleis. Hauptgleis und Programmiergleis können dadurch getrennt angeschlossen werden.

Bei der weißen z21 beziehungsweise z21 start sieht das etwas anders aus. Dort befinden sich Hauptgleis und Programmierfunktion am selben Gleisausgang. Die Zentrale schaltet den Ausgang entsprechend um. Ein dauerhaft separat angeschlossener Programmiergleisausgang wie bei der schwarzen Z21 ist deshalb nicht vorhanden.

Für POM ist diese Unterscheidung ohnehin nicht wichtig. Die Programmierung erfolgt direkt über das Hauptgleis.

Wann verwende ich das Programmiergleis?

Ich würde das Programmiergleis immer dann verwenden, wenn ein Decoder neu ist oder seine Konfiguration nicht bekannt ist.

  • nach dem Einbau eines neuen Decoders
  • bei einer gebraucht gekauften Digitallok
  • wenn die Lokadresse unbekannt ist
  • zum Auslesen von CV1 oder CV8
  • beim Wechsel zwischen kurzer und langer Adresse
  • bei größeren Änderungen an CV29
  • bei Problemen mit der Decoderprogrammierung
  • für einen Decoder-Reset

Wenn die Einstellungen völlig durcheinandergeraten sind, kann als letzter Schritt auch ein Zurücksetzen sinnvoll sein. Dazu findest du eine eigene Anleitung unter DCC-Decoder zurücksetzen: CV8 Reset einfach erklärt.

Wann ist POM praktischer?

Sobald eine Lok grundsätzlich eingerichtet ist und zuverlässig fährt, verwende ich für kleinere Anpassungen lieber POM.

Das gilt besonders für Einstellungen, die man nur sinnvoll beurteilen kann, wenn die Lok tatsächlich fährt. Beschleunigung, Bremsweg und Höchstgeschwindigkeit sind typische Beispiele. Statt die Lok ständig zwischen Anlage und Programmiergleis hin und her zu setzen, kann der Wert direkt verändert und ausprobiert werden.

Ein häufiger Fehler bei POM

Bei POM muss die Zentrale wissen, welcher Decoder programmiert werden soll. Deshalb muss die aktuelle Adresse stimmen.

Reagiert die Lok beispielsweise unter Adresse 38, während in der Zentrale Adresse 3 ausgewählt wurde, erreicht der POM-Befehl den gewünschten Decoder nicht.

Wenn eine Lok überhaupt nicht mehr reagiert oder ihre Adresse unbekannt ist, würde ich daher nicht lange mit POM experimentieren. Die Lok kommt auf das Programmiergleis und dort werden zunächst CV1, CV17, CV18 und CV29 kontrolliert.

Programmiergleis oder POM: Was ist besser?

Beide Verfahren haben ihren festen Platz im DCC-Betrieb. Das Programmiergleis ist für die Grundeinrichtung, Fehlersuche und unbekannte Decoder die bessere Wahl. POM wird interessant, sobald eine Lok eingerichtet ist und einzelne Einstellungen im laufenden Anlagenbetrieb verändert werden sollen.

Meine einfache Faustregel lautet daher: Neue oder unbekannte Lok aufs Programmiergleis, bekannte Lok für Feineinstellungen per POM programmieren.

Wer zusätzlich RailCom verwendet, bekommt noch mehr Möglichkeiten. Dann können geeignete Digitalzentralen und Decoder bestimmte Informationen auch während des normalen Betriebs zurückmelden.

Kurz erklärt

Was bedeutet POM?Programming on Main, also Programmierung auf dem Hauptgleis.
Brauche ich für POM ein Programmiergleis?Nein.
Kann ich mit POM CVs schreiben?Ja, sofern Decoder und Zentrale die jeweilige Funktion unterstützen.
Kann POM CVs auslesen?Mit geeigneter Rückmeldetechnik wie RailCom ist das bei entsprechenden Systemen möglich.
Wann ist das Programmiergleis sinnvoll?Bei neuen Decodern, unbekannten Adressen, Fehlersuche und Grundeinrichtung.
Wann ist POM sinnvoll?Für schnelle Änderungen und Feineinstellungen direkt auf der Anlage.

Mehr zum Thema DCC

Auf Gleismomente findest du inzwischen zahlreiche Anleitungen, Rechner und Grundlagen rund um Decoder, CVs und Digitalbetrieb. Eine Übersicht aller Beiträge findest du in unserem DCC-Hub für die Modelleisenbahn.

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