Dampf, alte Nebenbahnwagen und kleine Bahnhöfe, die noch aussehen wie aus einer anderen Eisenbahnzeit: Die Kandertalbahn verbindet Haltingen bei Weil am Rhein mit Kandern am Rand des Südschwarzwalds. Auf knapp 13 Kilometern fährt der historische Museumszug durch das Kandertal und hält unterwegs in Binzen, Rümmingen, Wittlingen, Wollbach und Hammerstein.
Die Strecke ist normalspurig und vollständig erhalten geblieben. Bahnhöfe, Gleisanlagen und historische Fahrzeuge vermitteln deshalb einen guten Eindruck davon, wie der Verkehr auf einer kleinen Nebenbahn früher ausgesehen hat.
Von Mai bis Ende Oktober verkehren in der Regel jeden Sonntag historische Züge. Meist kommt dabei eine Dampflokomotive zum Einsatz.
Bildplatzhalter: Historischer Dampfzug der Kandertalbahn.
Bildunterschrift: Die Kandertalbahn fährt auf knapp 13 Kilometern zwischen Haltingen und Kandern.
Mit der Museumsbahn von Haltingen nach Kandern
Die Fahrt beginnt entweder in Haltingen oder am anderen Ende der Strecke in Kandern. Haltingen liegt unmittelbar an der Rheintalbahn zwischen Freiburg und Basel und eignet sich deshalb gut für die Anreise mit der Bahn. Von Haltingen führt die Strecke zunächst in Richtung Binzen. Anschließend folgt die Bahn weitgehend dem Kandertal über Rümmingen, Wittlingen, Wollbach und Hammerstein. Nach 12,9 Kilometern ist Kandern erreicht. Zwischen beiden Endbahnhöfen liegen knapp 77 Meter Höhenunterschied. Große Tunnel oder spektakuläre Viadukte gibt es auf der Strecke nicht. Genau darin liegt ein Teil ihres Reizes: Die Kandertalbahn zeigt eine typische süddeutsche Nebenbahn ohne große technische Bauwerke.Das Chanderli
Im Markgräflerland wird die Kandertalbahn häufig liebevoll „Chanderli“ genannt. Der Name wird inzwischen besonders mit der bekannten Dampflok 30 verbunden. Die dreiachsige Tenderlok wurde 1904 von Borsig in Berlin gebaut. Ursprünglich war sie für die Nebenbahn Biberach–Oberharmersbach bestimmt. 1955 kam sie zur Kandertalbahn und blieb dort bis 1966 im regulären Einsatz. Bereits 1969 konnte die Lok wieder für historische Fahrten eingesetzt werden. Damit gehört sie seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Fahrzeugen der Museumsbahn. Aktuell muss man allerdings auf das klassische Chanderli verzichten. Seit Herbst 2024 befindet sich Lok 30 in einer umfangreichen Hauptuntersuchung. Auch 2026 wird weiter an Fahrwerk, Bremsanlage und anderen Bauteilen gearbeitet.Lok 20 übernimmt die Dampfzüge
Der Dampfbetrieb geht trotzdem weiter. Seit 2025 übernimmt vor allem Lok 20 die Zugleistungen auf der Kandertalbahn. Die Maschine wurde 1928 von der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe gebaut. Sie ist eines von nur zwei Exemplaren dieser Bauart, wobei die Schwesterlok bereits in den 1960er-Jahren verschrottet wurde. Damit ist Lok 20 auch unabhängig von ihrem Einsatz auf der Kandertalbahn ein interessantes Stück badischer Eisenbahngeschichte. Sie gehört zu den letzten Lokomotivkonstruktionen der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe und leistet rund 475 PS. Bildplatzhalter: Dampflok vor dem Museumszug. Bildunterschrift: Die Museumszüge verkehren in der Regel mit Dampflokomotive und historischen Nebenbahnwagen.Lok 7 soll wieder fahren
Noch enger mit der Strecke verbunden ist die Lok 7. Die kleine zweiachsige Borsig-Dampflok wurde 1907 gebaut und war tatsächlich auf der Kandertalbahn im regulären Einsatz. 1961 zog sie ihren letzten Zug durch das Kandertal. Danach stand die Lok fast 50 Jahre als Denkmal beim Gymnasium in Staufen. Inzwischen befindet sie sich wieder in Kandern. Seit 2016 arbeitet der Verein daran, die stark geschädigte Maschine wieder betriebsfähig herzurichten. Das langfristige Ziel ist, mit einer echten historischen Kandertalbahn-Lokomotive wieder Züge auf ihrer alten Stammstrecke fahren zu lassen.Historische Wagen statt moderner Museumszug
Interessant ist nicht nur die Lok vor dem Zug. Der Verein versucht, auch bei den Personenwagen möglichst gut zu zeigen, wie Nebenbahnzüge verschiedener Epochen ausgesehen haben. Zum Fahrzeugbestand gehören Wagen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Einige Fahrzeuge waren tatsächlich früher auf der Kandertalbahn unterwegs, andere stammen von vergleichbaren Nebenbahnen. Der älteste Personenwagen im Bestand stammt aus dem Jahr 1881. Weitere Wagen wurden unter anderem 1890, 1894, 1896 und 1900 gebaut. Damit sitzt man während der Fahrt teilweise in Fahrzeugen, deren Geschichte weit mehr als 100 Jahre zurückreicht.Seit 1895 fährt die Kandertalbahn
Der Wunsch nach einer Eisenbahnverbindung ins Kandertal entstand bereits im 19. Jahrhundert. Nach längeren Diskussionen fiel schließlich die Entscheidung für eine normalspurige Nebenbahn von Haltingen nach Kandern. Die Bauarbeiten begannen im August 1894. Schon im Dezember desselben Jahres lag das Gleis bis Kandern. Nach weiteren Arbeiten im Frühjahr konnte die Strecke am 1. Mai 1895 für den öffentlichen Verkehr eröffnet werden. Zur ersten Ausstattung gehörten zwei kleine Dampflokomotiven, sieben Personenwagen, zwei Post- und Packwagen sowie mehrere Güterwagen.Güterverkehr war ursprünglich besonders wichtig
Heute denkt man bei der Kandertalbahn vor allem an den historischen Dampfzug. Beim Bau spielte allerdings der Güterverkehr eine wichtige Rolle. Entlang der Strecke gab es Ladestraßen, Rampen, Kräne und verschiedene Gleisanschlüsse. Bei Binzen wurden beispielsweise Steinbrüche über Anschlussgleise bedient. Viele Spuren dieses Güterverkehrs sind noch vorhanden. Auch historische Güterwagen gehören zur Sammlung des Vereins.1983 endete der reguläre Personenverkehr
Der reguläre Personenverkehr hielt sich bis in die 1980er-Jahre. Am 4. Juli 1983 wurde er nach einer Streckenunterbrechung eingestellt. Ein Restgüterverkehr zwischen Haltingen und Wollbach blieb noch bis zum 1. April 1985 bestehen. Die Strecke verschwand danach glücklicherweise nicht. Gemeinden, Landkreis und Eisenbahnfreunde setzten sich für ihren Erhalt ein. Am 1. Mai 1986 begann der heutige Museumsbahnbetrieb.Eine komplette Nebenbahn als Museum
Genau dieser vollständige Erhalt macht die Kandertalbahn interessant. Es wurde nicht nur ein kurzer Museumsabschnitt mit einigen hundert Metern Gleis gerettet. Die komplette Strecke zwischen Haltingen und Kandern mit ihren Bahnhöfen und Haltepunkten blieb erhalten. Dadurch lässt sich der Betrieb einer klassischen Nebenbahn tatsächlich während einer richtigen Zugfahrt erleben. Der Zweckverband Kandertalbahn kümmert sich um Strecke, Brücken und Bahnanlagen. Die historischen Fahrzeuge werden vom Kandertalbahn e.V. überwiegend ehrenamtlich restauriert, gewartet und betrieben.Neuzugang V 34-04 im Jahr 2026
Auch die Sammlung wird weiter ergänzt. Im Mai 2026 kam mit der V 34-04 eine historische Henschel-Diesellokomotive nach Kandern. Die Lok wurde 1956 bei Henschel in Kassel gebaut und war zunächst auf der Achertalbahn im Einsatz. Später fuhr sie unter anderem auf der Kaiserstuhlbahn. Nach ihrer Aufarbeitung soll sie bei Bedarf auch vor den Museumszügen eingesetzt werden. Besonders bei großer Trockenheit kann eine Diesellok wichtig werden, wenn der Dampfbetrieb wegen der Waldbrandgefahr eingeschränkt werden muss.Fahrplan der Kandertalbahn 2026
In der Saison 2026 fährt die Kandertalbahn vom 1. Mai bis Ende Oktober jeden Sonntag. In der Regel verkehren die Züge als Dampfzüge mit Barwagen.- Ab Kandern: 9:10 Uhr, 13:00 Uhr und 16:00 Uhr
- Ab Haltingen: 10:15 Uhr, 14:15 Uhr und 17:00 Uhr
- Fahrzeit Kandern–Haltingen: rund 35 bis 45 Minuten
Fahrpreise 2026
- Einfache Fahrt Kandern–Haltingen: 10 Euro
- Hin- und Rückfahrt: 18 Euro
- Teilstrecke bis drei Stationen: 6 Euro
- Hin und zurück auf einer Teilstrecke: 12 Euro
- Kinder von 6 bis 16 Jahren in Begleitung Erwachsener: 1 Euro pro Fahrt
Bahnhof Kandern und Lokschuppen
Für Eisenbahnfreunde ist Kandern der spannendere Endpunkt. Hier sind die historischen Fahrzeuge beheimatet. Neben dem Bahnhofsgebäude gibt es den Lokschuppen und eine zusätzliche Wagenhalle zur geschützten Unterbringung der Sammlung. Im Bahnhofsgebäude befindet sich außerdem der Bahn-Shop der Kandertalbahn. Er ist an den Fahrtagen geöffnet. Zu ausgewählten Terminen werden in Kandern auch Führungen über das Bahnhofsgelände und durch den Lokschuppen angeboten. Dabei bekommt man einen besseren Einblick in die Fahrzeuge und die Arbeit des Vereins.Kandertalbahn mit Kindern
Die Kandertalbahn eignet sich gut für einen Familienausflug. Die Fahrt ist lang genug, damit echtes Eisenbahngefühl aufkommt, dauert aber nicht mehrere Stunden. Besonders interessant ist natürlich ein Fahrtag mit Dampflok. In Kandern lässt sich häufig beobachten, wie die Lok umgesetzt, versorgt oder für die nächste Fahrt vorbereitet wird. Für Kinder ist außerdem der günstige Fahrpreis interessant. In Begleitung eines Erwachsenen zahlen Kinder zwischen sechs und 16 Jahren 2026 nur einen Euro pro Fahrt.Ausflug nach Kandern
Eine Fahrt lässt sich gut mit einem Aufenthalt in Kandern verbinden. Der Ort ist für seine Töpfertradition bekannt und liegt zwischen Markgräflerland und Südschwarzwald. Wer morgens mit dem Zug nach Kandern fährt, kann einige Stunden im Ort verbringen und später mit einem der Nachmittagszüge wieder zurück nach Haltingen fahren.Adresse und Besuch
- Name: Kandertalbahn / Chanderli
- Bahnhof Kandern: Bahnhofstraße 15, 79400 Kandern
- Bundesland: Baden-Württemberg
- Strecke: Haltingen – Binzen – Rümmingen – Wittlingen – Wollbach – Hammerstein – Kandern
- Streckenlänge: 12,9 Kilometer
- Spurweite: 1.435 Millimeter / Normalspur
- Eröffnung: 1. Mai 1895
- Museumsbetrieb seit: 1. Mai 1986
- Fahrtage: Mai bis Ende Oktober in der Regel jeden Sonntag
- Internetseite: www.kandertalbahn.com
Warum sich eine Fahrt mit der Kandertalbahn lohnt
Der Reiz der Kandertalbahn liegt für mich gerade in ihrer Überschaubarkeit. Hier fährt kein großer Schnellzug und die Strecke führt auch nicht über spektakuläre Hochgebirgsviadukte. Stattdessen erlebt man eine klassische Nebenbahn mit kleinen Bahnhöfen, alten Wagen und einer Dampflok an der Spitze. Dass die komplette Strecke erhalten geblieben ist, macht den Unterschied. Eine Fahrt von Haltingen nach Kandern fühlt sich deshalb weniger wie eine Runde auf einer Museumsanlage an und mehr wie eine Reise auf einer Nebenbahn vor vielen Jahrzehnten. Weitere Museumsbahnen und historische Eisenbahnziele im Bundesland findest du in unserer Übersicht Eisenbahnmuseen in Baden-Württemberg. Noch mehr besondere Bahnorte findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte.Bildnachweis
- Dampflok der Kandertalbahn in Kandern. Foto: PantaRhei / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
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