DCCTechnik

CV29 richtig einstellen: Die wichtigste Konfigurationsvariable im DCC-Decoder

In Decoder-Anleitungen steht bei CV 29 mal eine 6, mal eine 38, mal eine 14. Woher diese Zahlen kommen, erklärt kaum jemand. Dahinter steckt ein Prinzip, das man in fünf Minuten verstanden hat, und danach ist CV 29 die harmloseste Variable im ganzen Decoder.

Ein Wert für sechs Schalter

Ein DCC-Lokdecoder hat einige Grundeinstellungen, die es nur ganz oder gar nicht gibt. Fährt die Lok vorwärts oder verkehrt herum? Hört sie auf eine kurze oder eine lange Adresse? Statt für jede dieser Fragen eine eigene Konfigurationsvariable zu verbrauchen, hat die Norm sie alle in CV 29 gepackt. Jeder Schalter hat dort eine eigene Wertigkeit:

  • 1 für den ersten Schalter
  • 2 für den zweiten
  • 4 für den dritten
  • 8 für den vierten
  • 16 für den fünften
  • 32 für den sechsten

Weil sich die Zahlen immer verdoppeln, ergibt jede Kombination von Schaltern eine andere Summe. Aus dem Wert in CV 29 lässt sich also eindeutig ablesen, welche Schalter an sind. Fachsprachlich heißen diese Schalter Bits, gezählt wird von Bit 0 bis Bit 5.

Was die einzelnen Schalter tun

1 (Bit 0) kehrt die Fahrtrichtung um. Nützlich nach einem Decodertausch, wenn die Motorkabel vertauscht sind. In allen anderen Fällen sitzt hier meist ein Vertipper.

2 (Bit 1) stellt den Decoder auf 28 oder 128 Fahrstufen. Bei modernen Decodern gehört dieser Schalter an. Steht er aus, während die Zentrale mit 28 Fahrstufen arbeitet, spinnt typischerweise das Stirnlicht.

4 (Bit 2) erlaubt den Analogbetrieb. Die Lok fährt dann auch auf einer Gleichstromanlage. Auf einer rein digitalen Anlage schaltet man diesen Schalter besser ab, weil ein gestörtes Gleissignal sonst als Analogspannung durchgehen kann. Loks, die beim Aufgleisen plötzlich mit Vollgas davonstürmen, haben fast immer dieses Problem.

8 (Bit 3) schaltet RailCom ein. Der Decoder darf dann auf dem Gleis antworten, etwa seine Adresse melden. Die Feinheiten regelt CV 28.

16 (Bit 4) aktiviert die erweiterte Geschwindigkeitstabelle. Der Decoder nimmt seine Kennlinie dann aus CV 67 bis 94, statt sie aus Anfahrspannung, Mittel- und Höchstgeschwindigkeit zu berechnen.

32 (Bit 5) stellt auf die lange Adresse um. Der Decoder hört auf die vierstellige Adresse aus CV 17 und 18 und ignoriert die kurze Adresse in CV 1. Dieser Schalter ist der häufigste Grund für Loks, die auf ihre Adresse nicht reagieren.

Es gibt noch zwei weitere Bits mit den Wertigkeiten 64 und 128. Bei Lokdecodern bleiben beide aus. Die 128 kennzeichnet Zubehördecoder wie Weichendecoder. Wenn in einem Lokdecoder ein Wert über 63 steht, ist etwas schiefgegangen.

Von den Schaltern zum Wert

Du addierst einfach die Wertigkeiten der Einstellungen, die du haben willst. Ein Beispiel: 28/128 Fahrstufen (2) plus Analogbetrieb (4) macht 6. Das ist der Wert, mit dem die meisten Decoder ab Werk ausgeliefert werden. Kommt RailCom dazu (8), landest du bei 14. Willst du zusätzlich die lange Adresse (32), wird aus der 6 eine 38 und aus der 14 eine 46.

Wer nicht im Kopf rechnen mag, setzt die Häkchen im CV29-Rechner und liest den Wert direkt ab.

Vom Wert zurück zu den Schaltern

Andersherum geht es genauso. Du ziehst von der ausgelesenen Zahl der Reihe nach die größten passenden Wertigkeiten ab.

Beispiel 38: Passt 32 hinein? Ja, bleiben 6, die lange Adresse ist also aktiv. Passt 16 in die 6? Nein, 8 auch nicht. Passt 4? Ja, bleiben 2, Analogbetrieb ist erlaubt. Die 2 passt in sich selbst, es bleibt 0, der Decoder läuft mit 28/128 Fahrstufen. Der Rechner nimmt dir das ab und zeigt zu jedem eingetippten Wert im Klartext, welche Schalter dahinterstehen.

Die Werte, die dir am häufigsten begegnen

  • 2 kurze Adresse, 28/128 Fahrstufen, kein Analogbetrieb
  • 6 dasselbe mit Analogbetrieb, der übliche Werkswert
  • 14 wie 6, zusätzlich RailCom
  • 34 lange Adresse, 28/128 Fahrstufen, kein Analogbetrieb
  • 38 lange Adresse mit Analogbetrieb
  • 46 lange Adresse mit Analogbetrieb und RailCom

CV 29 programmieren

Am zuverlässigsten läuft das auf dem Programmiergleis, weil dort jede Zentrale schreiben und auch auslesen kann. Auf dem Hauptgleis geht das Schreiben ebenfalls, Auslesen aber nur, wenn Decoder und Zentrale RailCom sprechen.

Eine Sache verwirrt regelmäßig. Wenn du in deiner Zentrale eine vierstellige Adresse eingibst, setzt sie das Bit für die lange Adresse meist von selbst mit. Aus der 6 wird dann ohne dein Zutun eine 38. Das ist Absicht und kein Fehler. Wie sich eine lange Adresse auf CV 17 und CV 18 verteilt, rechnet dir der DCC-Adressrechner aus.

Hast du dich verrannt, hilft ein Decoder-Reset. Bei den meisten Herstellern schreibst du dafür eine 8 in CV 8, bei einigen andere Werte. Das steht im Decoderhandbuch.

Wenn die Lok danach zickt

Bei seltsamem Verhalten lohnt der Blick in CV 29 fast immer als Erstes. Die Lok reagiert nicht auf ihre Adresse? Bit 5 passt nicht zur programmierten Adressart. Sie fährt verkehrt herum? Zieh die 1 wieder ab. Sie prescht beim Aufgleisen los? Nimm die 4 heraus, aus 6 wird 2 und aus 38 wird 34. Bleibt das Problem, führt dich die DCC Diagnose durch die weitere Fehlersuche. Was die übrigen Konfigurationsvariablen bedeuten, steht gesammelt im DCC CV-Lexikon.

Kurz zusammengefasst

CV 29 ist eine Summe aus sechs Wertigkeiten. Addiere, was du willst, zieh ab, was du nicht willst. Merken musst du dir eigentlich nur zwei Werte: 6 für eine Lok mit kurzer Adresse, 38 für eine mit langer. Alles andere baust du dir daraus zusammen.


Transparenzhinweis KI

Auf dieser Website werden vereinzelt Texte, Bilder und Grafiken mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet. Alle Inhalte werden vor der Veröffentlichung sorgfältig geprüft, redaktionell überarbeitet und verantwortet.

Transparenzhinweis: Die Amazon-Links in diesem Artikel sind Partnerlinks. Wenn Sie darüber bestellen, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner