Dampfzüge im engen Selketal, kleine Bahnhöfe mitten im Harz und eine Streckenführung mit mehreren Abzweigungen: Die Selketalbahn ist für Eisenbahnfreunde einer der interessantesten Teile des Netzes der Harzer Schmalspurbahnen. Von Quedlinburg führt die meterspurige Bahn über Gernrode und Alexisbad tief in den Unterharz. Von dort geht es weiter in Richtung Stiege, Hasselfelde und Eisfelder Talmühle.
Im Vergleich zur bekannten Brockenbahn geht es auf der Selketalbahn vielerorts deutlich ruhiger zu. Die Strecke schlängelt sich durch Wälder, folgt über längere Abschnitte der Selke und passiert kleine Orte, alte Bahnhöfe und ehemalige Industriestandorte. Dampflokomotiven gehören weiterhin zum planmäßigen Betrieb, daneben sind Triebwagen unterwegs.
Bildplatzhalter: Dampfzug der Selketalbahn im Selketal. Bildunterschrift: Die Selketalbahn gehört zum meterspurigen Netz der Harzer Schmalspurbahnen.
Von Quedlinburg mit der Schmalspurbahn in den Harz
Heute beginnt die Selketalbahn in Quedlinburg. Der Schmalspurzug startet direkt am Bahnhof der Welterbestadt und fährt zunächst ein Stück durch das Harzvorland.
Über Quedlinburg-Quarmbeck und Bad Suderode erreicht die Bahn nach rund neun Kilometern Gernrode. Dieser Abschnitt gehört erst seit 2006 zur Selketalbahn. Dafür wurde ein Teil der früheren normalspurigen Bahnstrecke zwischen Quedlinburg und Gernrode auf Meterspur umgebaut.
Für Besucher hat diese Verlängerung einen großen Vorteil: Wer mit der normalen Eisenbahn nach Quedlinburg kommt, kann dort direkt in die Harzer Schmalspurbahn umsteigen.
Gernrode ist die historische Heimat der Selketalbahn
Für die Geschichte der Bahn ist Gernrode der wichtigste Ausgangspunkt. Hier begann 1887 der Betrieb der späteren Selketalbahn. Der erste Abschnitt führte von Gernrode nach Mägdesprung.
Auch heute hat Gernrode eine besondere Bedeutung. Am Bahnhof befindet sich eine Einsatzstelle der Harzer Schmalspurbahnen. Hier können Dampflokomotiven versorgt und für ihre Fahrten vorbereitet werden.
Wer genügend Zeit mitbringt, sollte deshalb nicht erst kurz vor Abfahrt am Bahnsteig erscheinen. Gerade rund um einen dampfbespannten Zug gibt es häufig schon vorher einiges zu beobachten.
Mit der Dampflok durch das Selketal
Hinter Gernrode beginnt der landschaftlich besonders schöne Teil der Strecke. Die Bahn gewinnt langsam an Höhe und erreicht über mehrere kleine Haltepunkte Mägdesprung.
Ab hier folgt die Strecke über längere Abschnitte dem Tal der Selke. Felsen, Wald und die schmale Straße liegen teilweise unmittelbar neben den Gleisen. Gerade mit einer Dampflok an der Spitze wirkt die Strecke stellenweise wie eine Eisenbahn aus einer anderen Zeit.
Eine Zahnstange benötigt die Selketalbahn trotz der teilweise kräftigen Steigungen nicht. Die Züge bewältigen die gesamte Strecke im normalen Adhäsionsbetrieb.
Bildplatzhalter: Dampflok zwischen Mägdesprung und Alexisbad. Bildunterschrift: Im eigentlichen Selketal verlaufen Gleise, Straße und Fluss stellenweise dicht nebeneinander.
Alexisbad: Eisenbahnknoten mitten im Tal
Ein besonders schöner Bahnhof liegt in Alexisbad. Das Empfangsgebäude, die Gleisanlagen und die Lage unmittelbar an der Selke vermitteln noch viel vom Charakter einer klassischen Harzer Schmalspurbahn.
Hier teilt sich die Strecke. Eine kurze Stichbahn führt hinauf nach Harzgerode, während die Hauptstrecke weiter über Silberhütte, Straßberg und Güntersberge nach Stiege verläuft.
Alexisbad war lange für die parallelen Ausfahrten zweier Dampfzüge bekannt. Diese spektakulären Szenen sind aktuell allerdings nicht möglich, da der Streckenabschnitt zwischen Alexisbad und Harzgerode gesperrt ist.
Aktuell keine Züge nach Harzgerode
Stand September 2026 ist die Strecke Alexisbad–Harzgerode weiterhin gesperrt. Nach Harzgerode fahren deshalb derzeit keine Züge der Selketalbahn. Als Ersatz kann die Buslinie 242 genutzt werden.
Wer speziell den Bahnhof Harzgerode besuchen möchte, sollte vor der Anreise prüfen, ob sich am Betriebszustand etwas geändert hat. Die übrigen Strecken der Selketalbahn werden weiterhin befahren.
Stiege und seine ungewöhnliche Wendeschleife
Ein weiterer spannender Bahnhof ist Stiege. Hier verzweigt sich das Netz erneut. Eine Strecke führt nach Hasselfelde, die andere weiter zur Eisfelder Talmühle.
Für Eisenbahnfreunde besonders interessant ist die große Wendeschleife von Stiege. Sie wurde zu Zeiten des umfangreichen Güterverkehrs gebaut, damit Züge ihre Fahrtrichtung wechseln konnten, ohne die Lokomotive umsetzen zu müssen.
Eine komplette Eisenbahn-Wendeschleife dieser Art ist ungewöhnlich. Je nach Fahrplan wird sie auch von regulären Reisezügen befahren.
Hasselfelde oder Eisfelder Talmühle?
Ab Stiege gibt es zwei interessante Möglichkeiten. Die kurze Stichstrecke führt nach Hasselfelde. Wer dagegen weiter in Richtung Eisfelder Talmühle fährt, erreicht schließlich die Verbindung zur Harzquerbahn.
Am Bahnhof Eisfelder Talmühle treffen Selketalbahn und Harzquerbahn aufeinander. Dadurch sind auch durchgehende oder abgestimmte Verbindungen in Richtung Nordhausen und Wernigerode möglich.
Mehr über diese Strecke findest du in unserem Eintrag zur Harzquerbahn. Über das HSB-Netz lässt sich außerdem die Brockenbahn erreichen.
Die älteste Schmalspurbahn im Harz
Die Geschichte der Selketalbahn reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft wurde 1886 gegründet. Bereits im August 1887 konnte der erste Abschnitt zwischen Gernrode und Mägdesprung eröffnet werden.
In den folgenden Jahren wuchs das Netz Stück für Stück. 1888 erreichte die Bahn Alexisbad und Harzgerode, später folgten Silberhütte, Straßberg, Güntersberge und Stiege. 1892 war schließlich Hasselfelde erreicht.
1905 entstand mit der Strecke von Stiege nach Eisfelder Talmühle die Verbindung zur Harzquerbahn. Damit waren die zuvor getrennten Schmalspurbahnen miteinander verbunden.
Nach dem Krieg fast vollständig abgebaut
Nach dem Zweiten Weltkrieg sah es zeitweise so aus, als könnte die Geschichte der Selketalbahn bereits beendet sein. Große Teile der Strecke wurden 1946 demontiert und als Reparationsleistung abtransportiert.
Schon kurze Zeit später begann jedoch der Wiederaufbau. Ab 1949 fuhren wieder Züge auf wichtigen Abschnitten. Die Verbindung nach Stiege blieb zunächst unterbrochen und wurde erst Jahrzehnte später vollständig wiederhergestellt.
1983 wurde die Lücke zwischen Straßberg und Stiege geschlossen. Ein Jahr später entstand die Wendeschleife in Stiege.
Dampfloks und Triebwagen im Planbetrieb
Auch auf der Selketalbahn verkehren heute noch planmäßig Dampflokomotiven. Je nach Fahrplan kommen daneben Triebwagen zum Einsatz.
Wer unbedingt mit einem Dampfzug fahren möchte, sollte deshalb nicht einfach irgendeine Verbindung auswählen. Im aktuellen Fahrplan kennzeichnet die HSB, welche Züge mit Dampflok und welche mit Triebwagen gefahren werden.
Gerade auf der Selketalbahn lohnt sich die Planung, denn Zahl und Verlauf der dampfbespannten Züge ändern sich je nach Saison.
Ein Tipp für Eisenbahnfotografen
Die Selketalbahn bietet viele schöne Fotostellen. Besonders rund um Mägdesprung und Alexisbad verläuft die Strecke immer wieder direkt durch das enge Tal. Hier lassen sich Dampfzüge gut zusammen mit Wald, Felsen und Selke fotografieren.
Auch die Bahnhöfe Gernrode, Alexisbad und Stiege sind interessant. Wer Fotos machen möchte, sollte vorher den Fahrplan studieren. Zwischen den Zügen können auf einzelnen Abschnitten längere Pausen liegen.
Selketalbahn mit Kindern
Mit Kindern würde ich für den ersten Besuch eher eine Teilstrecke wählen. Schon eine Fahrt von Quedlinburg oder Gernrode nach Alexisbad bietet viel Schmalspurbahn und lässt sich gut mit einem Aufenthalt im Harz verbinden.
Besonders spannend ist natürlich ein Zug mit Dampflok. Das Rangieren, Wasserfassen und der kräftige Auspuffschlag auf den Steigungen machen die Fahrt auch für Kinder zu einem Erlebnis.
Fahrplan der Selketalbahn
Die Harzer Schmalspurbahnen fahren nach saisonalen Fahrplänen. Die Zahl der Züge, der Fahrzeugeinsatz und einzelne Verbindungen können sich im Laufe des Jahres ändern.
Vor einer längeren Anreise sollte deshalb immer der aktuelle Fahrplan geprüft werden. Das gilt besonders, wenn eine Fahrt mit Dampflok geplant ist oder ein bestimmter Streckenast befahren werden soll.
Aktuelle Fahrpläne und Fahrkarten gibt es auf der Internetseite der Harzer Schmalspurbahnen.
Adresse und Einstieg
- Strecke: Quedlinburg – Gernrode – Alexisbad – Stiege – Hasselfelde / Eisfelder Talmühle
- Abzweig: Alexisbad – Harzgerode, derzeit gesperrt
- Spurweite: 1.000 Millimeter
- Erster Streckenabschnitt eröffnet: 1887
- Betreiber: Harzer Schmalspurbahnen GmbH
- Einstieg Quedlinburg: Bahnhofsplatz 1, 06484 Quedlinburg
- Historischer Ausgangspunkt: Bahnhof Gernrode
- Internetseite: www.hsb-wr.de
Quedlinburg eignet sich besonders gut für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer mit dem Auto anreist und sich vor allem für Dampfbetrieb und Eisenbahntechnik interessiert, kann auch direkt in Gernrode starten.
Stand der Informationen: September 2026. Die Strecke Alexisbad–Harzgerode ist derzeit gesperrt. Fahrpläne, Fahrzeugeinsatz und Streckenzustand können sich ändern. Bitte vor der Fahrt die aktuellen Angaben der HSB prüfen.
Warum sich die Selketalbahn lohnt
Die Selketalbahn hat einen anderen Charakter als die viel besuchte Strecke zum Brocken. Vieles wirkt kleiner und ruhiger. Gerade das macht für mich ihren Reiz aus.
Historische Bahnhöfe, Dampflokomotiven und die kurvenreiche Strecke durch das Selketal sorgen dafür, dass auch die Fahrt selbst zum Ausflugsziel wird. Wer das Netz der Harzer Schmalspurbahnen wirklich kennenlernen möchte, sollte deshalb neben Brocken- und Harzquerbahn auch die Selketalbahn einplanen.
Weitere Schmalspurbahnen, Museumsbahnen und besondere Eisenbahnstrecken findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte.
Bildnachweis
- Dampfzug der Selketalbahn mit 99 7232-4 bei Sternhaus-Haferfeld. Foto: Markus Trienke / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0.
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