DCCTechnik

Kurze und lange DCC-Adressen einfach erklärt

Jede digitale Lokomotive benötigt eine eigene Adresse. Über diese Adresse erkennt der Decoder, welche Fahr- und Funktionsbefehle für ihn bestimmt sind. Gibt die Digitalzentrale beispielsweise einen Fahrbefehl für Adresse 103 aus, reagiert nur die Lok, deren Decoder auf diese Adresse programmiert wurde.

Im DCC-System gibt es dafür zwei Adressarten. Man spricht von kurzen und langen Adressen. Der Unterschied liegt nicht nur in der Anzahl der möglichen Ziffern. Die beiden Adressarten werden in unterschiedlichen Konfigurationsvariablen des Decoders gespeichert. Außerdem muss der Decoder über CV29 wissen, welche Adresse er verwenden soll.

Was ist eine kurze DCC-Adresse?

Die kurze Adresse wird häufig auch als Basisadresse oder primäre Adresse bezeichnet. Sie wird direkt in CV1 gespeichert.

Nach der aktuellen NMRA-Spezifikation kann CV1 eine DCC-Adresse zwischen 1 und 127 enthalten. Der Wert 0 ist für eine normale Lokadresse nicht vorgesehen. Viele Decoder werden ab Werk mit der Adresse 3 ausgeliefert. Deshalb reagieren neue oder zurückgesetzte Decoder meistens zunächst auf Lokadresse 3.

Für eine kurze Adresse ist nur eine einzige CV erforderlich. Soll eine Lok beispielsweise die Adresse 24 erhalten, wird in CV1 der Wert 24 eingetragen.

Damit der Decoder die kurze Adresse aus CV1 tatsächlich verwendet, muss in CV29 das Bit 5 ausgeschaltet sein. Dieses Bit besitzt den Zahlenwert 32. Ist es nicht gesetzt, arbeitet der Decoder mit der Adresse aus CV1. Ist es gesetzt, greift er auf die lange Adresse aus CV17 und CV18 zurück.

Eine typische CV29-Einstellung für eine Lok mit kurzer Adresse, 28 oder 128 Fahrstufen und zugelassenem Analogbetrieb lautet:

CV29 = 6

Wird zusätzlich RailCom aktiviert, ergibt sich häufig:

CV29 = 14

Welche weiteren Funktionen über CV29 aktiviert sind, hängt vom eingetragenen Gesamtwert ab. Entscheidend für die Adresswahl ist der Wert 32.

[Foto-Platzhalter: CV1 mit eingetragener kurzer Lokadresse in der z21-App]

Alt-Text: Kurze DCC-Lokadresse in CV1 mit der z21-App programmieren

Wann ist eine kurze Adresse sinnvoll?

Für kleinere Anlagen reicht der Bereich der kurzen Adressen meistens aus. Wer zehn, zwanzig oder auch fünfzig Fahrzeuge besitzt, kann problemlos jeder Lok eine eigene Nummer zwischen 1 und 127 zuweisen.

Viele Modellbahner verwenden die Baureihennummer als Adresse. Eine Lok der Baureihe 103 erhält dann beispielsweise die Adresse 103. Bei einer Baureihe 64 bietet sich die Adresse 64 an.

Schwieriger wird es bei Baureihen oberhalb von 127. Eine BR 218 kann nicht unter der kurzen Adresse 218 gespeichert werden, da CV1 nur den Bereich bis 127 abdeckt. Hier wird eine lange Adresse benötigt.

Was ist eine lange DCC-Adresse?

Eine lange Adresse wird im DCC-Standard auch als erweiterte Adresse bezeichnet. Sie wird auf zwei Speicherplätze verteilt:

  • CV17 enthält den oberen Teil der Adresse
  • CV18 enthält den unteren Teil der Adresse

Damit der Decoder diese beiden CVs verwendet, muss in CV29 das Bit 5 aktiviert werden. Zum bisherigen CV29-Wert wird dafür 32 addiert. Die NMRA definiert CV17 und CV18 ausdrücklich als Speicher für die erweiterte Adresse und legt die Aktivierung über Bit 5 von CV29 fest.

Aus CV29 = 6 wird bei einer langen Adresse daher:

6 + 32 = 38

Bei aktiviertem RailCom könnte aus CV29 = 14 folgender Wert werden:

14 + 32 = 46

Die lange Adresse kann technisch bis 10239 reichen. In der Praxis verwenden viele Modellbahner deutlich kleinere Werte, weil sich Loknummern und Baureihen damit übersichtlicher abbilden lassen.

Eine Baureihe 218 kann beispielsweise die Adresse 218 erhalten. Für eine Lok mit der Betriebsnummer 482 047 wäre je nach persönlichem System die Adresse 482 oder 2047 denkbar.

[Foto-Platzhalter: Lange Adresse einer Lok in der Fahrzeugverwaltung der z21-App]

Alt-Text: Lange DCC-Adresse 218 in den Fahrzeugeinstellungen der z21-App

Warum werden für lange Adressen zwei CVs benötigt?

Eine einzelne CV kann Werte zwischen 0 und 255 speichern. Für einen größeren Adressbereich reicht das nicht aus. Deshalb wird die lange Adresse auf CV17 und CV18 verteilt.

Die Berechnung übernimmt normalerweise die Digitalzentrale oder die verwendete App. Wer in der z21-App eine lange Adresse programmiert, muss die Werte für CV17 und CV18 daher in der Regel nicht selbst ausrechnen.

Für das technische Verständnis kann die Berechnung trotzdem hilfreich sein.

Für eine gewünschte lange Adresse gilt:

CV17 = 192 + ganzzahliger Anteil aus Adresse geteilt durch 256

CV18 = Rest aus Adresse geteilt durch 256

Für die Adresse 218 ergibt sich:

218 geteilt durch 256 ergibt einen ganzzahligen Anteil von 0 und einen Rest von 218.

Damit lauten die Werte:

CV17 = 192
CV18 = 218

Für die Adresse 482 ergibt sich:

482 geteilt durch 256 ergibt einen ganzzahligen Anteil von 1 und einen Rest von 226.

Damit lauten die Werte:

CV17 = 193
CV18 = 226

Zusätzlich muss Bit 5 in CV29 gesetzt sein. Ohne diese Umschaltung bleiben CV17 und CV18 zwar gespeichert, der Decoder hört jedoch weiterhin auf die kurze Adresse aus CV1.

Kurze oder lange Adresse?

Die Begriffe können etwas verwirrend sein. Eine kurze Adresse hat nicht automatisch nur eine oder zwei Ziffern. Auch die Adresse 103 ist eine kurze Adresse, weil sie in CV1 gespeichert wird.

Als einfache Orientierung kann man sich merken:

AdressbereichÜbliche AdressartSpeicherort
1 bis 127kurze AdresseCV1
ab 128lange AdresseCV17 und CV18
Umschaltungüber CV29Bit 5, Wert 32

Technisch können manche Zentralen und Decoder eine lange Adresse auch für Werte unterhalb von 128 speichern. Das führt jedoch schnell zu Verwirrung, weil dieselbe Zahl dann als kurze oder lange Adresse existieren kann. Für eine übersichtliche Fahrzeugverwaltung ist es sinnvoll, Adressen bis 127 als kurze Adresse und höhere Werte als lange Adresse anzulegen.

Die Adresse mit der z21-App programmieren

Mit der z21 und der zugehörigen App lassen sich CVs über das Programmiergleis oder per POM programmieren. Die App kann die einzelnen Bits einer CV anzeigen, was besonders bei CV29 hilfreich ist.

Am sichersten lässt sich eine neue Adresse über das Programmiergleis einrichten. Dabei sollte sich nur die gewünschte Lok im Programmierbereich befinden.

Eine mögliche Vorgehensweise:

  1. Lok auf das Programmiergleis stellen.
  2. CV-Programmierung in der z21-App öffnen.
  3. Aktuelle Decoderadresse auslesen.
  4. Neue kurze oder lange Adresse auswählen.
  5. Adresse in den Decoder schreiben.
  6. Fahrzeugadresse in der Lokverwaltung anpassen.
  7. Fahrtrichtung, Licht und Funktionen testen.

Bei einer kurzen Adresse muss CV1 geschrieben und Bit 5 in CV29 ausgeschaltet werden. Bei einer langen Adresse müssen CV17 und CV18 berechnet und Bit 5 in CV29 aktiviert werden. Nutzt man die Adressprogrammierung der App, übernimmt sie diese Schritte meist gemeinsam.

[Foto-Platzhalter: Auswahl zwischen Programmiergleis und POM in der z21-App]

Alt-Text: Auswahl der CV-Programmierung über Programmiergleis oder POM in der z21-App

[Foto-Platzhalter: Bitdarstellung der CV29 in der z21-App]

Alt-Text: Bit 5 für die lange DCC-Adresse in CV29 innerhalb der z21-App

Programmierung auf dem Hauptgleis

POM steht für „Programming on Main“. Damit können CVs geändert werden, während die Lok auf der Anlage steht. Die Befehle werden gezielt an die aktuelle Adresse des Decoders gesendet.

Bei Änderungen an der Lokadresse ist etwas Vorsicht sinnvoll. Sobald die neue Adresse geschrieben und aktiviert wurde, reagiert die Lok möglicherweise nicht mehr unter ihrer bisherigen Adresse. Die Lok muss anschließend in der z21-App unter der neuen Adresse aufgerufen werden.

Bei Problemen mit einer unbekannten oder falsch eingestellten Adresse ist das Programmiergleis besser geeignet. Dort kann der Decoder unabhängig von seiner aktuellen Lokadresse angesprochen und ausgelesen werden.

Bei einer weißen z21 beziehungsweise z21 start liegen Hauptgleis und Programmiergleis am gleichen Ausgang. Während der Programmierung sollte daher darauf geachtet werden, dass keine weiteren Fahrzeuge ungewollt mitprogrammiert werden. Bei der schwarzen Z21 gibt es einen separaten Anschluss für das Programmiergleis.

Die Lok reagiert nach der Adressänderung nicht mehr

Reagiert eine Lok nach der Programmierung nicht mehr, liegt die Ursache häufig bei CV29.

Wurde eine lange Adresse in CV17 und CV18 gespeichert, aber Bit 5 in CV29 nicht aktiviert, hört die Lok weiterhin auf die kurze Adresse aus CV1.

Wurde Bit 5 aktiviert, obwohl keine passende lange Adresse programmiert wurde, reagiert der Decoder unter der erwarteten kurzen Adresse ebenfalls nicht mehr.

Folgende Werte sollten dann auf dem Programmiergleis ausgelesen werden:

  • CV1 für die kurze Adresse
  • CV17 für den oberen Teil der langen Adresse
  • CV18 für den unteren Teil der langen Adresse
  • CV29 für die Auswahl der Adressart

Für einen ersten Test kann CV29 auf eine bekannte Einstellung zurückgesetzt werden. Der Wert 2 aktiviert üblicherweise 28 beziehungsweise 128 Fahrstufen und verwendet die kurze Adresse. Mit Analogbetrieb lautet der Wert 6. Anschließend kann die Adresse aus CV1 getestet werden.

Dabei sollte immer die Anleitung des verbauten Decoders beachtet werden. Einige Hersteller bieten eigene Programmierabläufe oder zusätzliche Hilfs-CVs an.

Ein sinnvolles Adresssystem für die eigene Sammlung

Bei wenigen Fahrzeugen kann die Adresse frei vergeben werden. Mit einer wachsenden Sammlung lohnt sich ein einheitliches System.

Eine Möglichkeit ist die Verwendung der Baureihennummer:

  • BR 64 erhält Adresse 64
  • BR 103 erhält Adresse 103
  • BR 140 erhält Adresse 140
  • BR 218 erhält Adresse 218
  • BR 482 erhält Adresse 482

Bis einschließlich 127 werden kurze Adressen verwendet. Höhere Baureihennummern werden als lange Adressen programmiert.

Besitzt man mehrere Lokomotiven derselben Baureihe, kann die Betriebsnummer einbezogen werden. Eine BR 218 mit der Ordnungsnummer 105 könnte beispielsweise die Adresse 2105 erhalten. Wichtig ist vor allem, dass jede Adresse eindeutig bleibt und sich später wieder nachvollziehen lässt.

Fazit

Kurze DCC-Adressen werden in CV1 gespeichert und decken den Bereich von 1 bis 127 ab. Für höhere Nummern kommt die lange Adresse zum Einsatz. Sie liegt in CV17 und CV18.

Welche Adressart der Decoder verwendet, wird über Bit 5 in CV29 gesteuert. Bei einer kurzen Adresse bleibt dieses Bit ausgeschaltet. Für eine lange Adresse wird der Wert 32 zum bisherigen CV29-Wert addiert.

Mit der z21-App lässt sich die Adressprogrammierung komfortabel durchführen. Die App übernimmt bei langen Adressen normalerweise die Berechnung von CV17 und CV18. Trotzdem hilft das Wissen über die beteiligten CVs, wenn eine Lok nach einer Änderung plötzlich nicht mehr reagiert oder unter einer unerwarteten Adresse fährt.

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