Vorbild

120 145 fährt wieder: Historische Bundesbahn-E-Lok kehrt in den Güterverkehr zurück

Eine der interessantesten Elektrolokomotiven der Deutschen Bundesbahn ist wieder im regulären Einsatz: Die 120 145 fährt seit Mitte September 2026 erneut vor Güterzügen der BayernBahn. Zuvor stand die Lokomotive längere Zeit abgestellt. Im Bayerischen Eisenbahnmuseum Nördlingen wurde sie technisch aufgearbeitet und erhielt ihre ursprüngliche orientrote Lackierung zurück.

Am 29. Oktober 2026 berichtete das Bayerische Eisenbahnmuseum offiziell über die erfolgreiche Wiederinbetriebnahme. Für Eisenbahnfreunde ist das eine erfreuliche Nachricht, denn die Baureihe 120 gehört zu den wichtigsten deutschen Elektrolokomotiven der Nachkriegszeit.

Sie war Ende der 1980er-Jahre ein technischer Meilenstein und hat die Entwicklung moderner Elektrolokomotiven entscheidend geprägt.

120 145 seit September 2026 wieder vor Güterzügen unterwegs

Dass die 120 145 tatsächlich wieder fährt, ist das Ergebnis mehrmonatiger Arbeiten in Nördlingen.

Im Februar 2026 übernahm die BayernBahn drei Lokomotiven der Baureihe 120. Die Maschinen mit den Betriebsnummern 120 145, 120 154 und 120 204 hatten zuvor längere Zeit in Karlsruhe beziehungsweise Wörth gestanden.

Besonders die 120 145 rückte schnell in den Mittelpunkt.

Die Lokomotive verfügte noch über gültige Fristen und bot damit gute Voraussetzungen für eine Rückkehr in den aktiven Betrieb.

Eine Gruppe von Eisenbahnfreunden begann damit, das Fahrzeug sowohl technisch als auch äußerlich wieder herzurichten.

Während die notwendigen technischen Arbeiten durchgeführt wurden, erhielt die Lok gleichzeitig ihre ursprüngliche Lackierung aus der Bundesbahnzeit zurück.

Nach einer erfolgreichen Probefahrt am 14. August 2026 konnte die Maschine schließlich wieder in Betrieb genommen werden.

Seit Mitte September 2026 wird die 120 145 regelmäßig vor Güterzügen der BayernBahn eingesetzt.

Dabei wechselt sie sich unter anderem mit den älteren Elektrolokomotiven der Baureihen 110, 139, 140 und 151 ab.

Von Ultramarinblau zurück zu Orientrot

Bei ihrer Übernahme trug die 120 145 noch eine auffällige ultramarinblaue Lackierung des Vorbesitzers.

Die Verantwortlichen in Nördlingen entschieden sich, die Lok wieder in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild herzurichten.

Damit kehrte auch die orientrote Farbgebung zurück, die viele Eisenbahnfreunde noch aus den letzten Jahrzehnten der Deutschen Bundesbahn kennen.

Charakteristisch für diese Lackierung ist die rote Grundfarbe mit dem hellen Kontrastfeld an den Fronten, das unter Eisenbahnfans auch als „Lätzchen“ bekannt ist.

Gerade auf der Baureihe 120 wirkt dieses Farbschema ausgesprochen stimmig.

Die Lok wurde 1988 gebaut und erhielt damals genau diese Lackierung.

Pünktlich zum Nördlinger Eisenbahnfest im Mai 2026 konnte sie bereits frisch lackiert präsentiert werden.

Am 14. Mai stand die 120 145 im Bahnhof Nördlingen und war einer der Blickfänge der Sonderausstellung „Elektrische Vollbahn-Lokomotiven aus sechs Jahrzehnten“.

Zu diesem Zeitpunkt war die technische Wiederinbetriebnahme allerdings noch nicht abgeschlossen.

Erst in den folgenden Monaten folgten die weiteren Arbeiten, die schließlich zur erfolgreichen Probefahrt führten.

Probefahrt von Nördlingen nach Donauwörth

Ein wichtiger Termin für die Wiederinbetriebnahme war der 14. August 2026.

An diesem Tag absolvierte die 120 145 ihre erste Werkstattprobefahrt unter der Regie der BayernBahn.

Die Fahrt führte von Nördlingen über Möttingen nach Donauwörth und anschließend wieder zurück.

Unterwegs konnte die Lokomotive nach ihrer längeren Abstellzeit erstmals wieder auf einer regulären Eisenbahnstrecke erprobt werden.

Für die beteiligten Eisenbahnfreunde war das sicherlich ein besonderer Moment.

Immerhin hatten sie bereits viele Arbeitsstunden in das Fahrzeug investiert.

Nach weiteren Vorbereitungen begann Mitte September schließlich der regelmäßige Güterzugeinsatz.

Damit ist die 120 145 heute wieder auf verschiedenen Strecken im süddeutschen Raum zu sehen.

Warum die Baureihe 120 so bedeutend war

Als die Deutsche Bundesbahn in den 1970er-Jahren mit der Entwicklung einer neuen Elektrolokomotive begann, war die Ausgangslage eine andere als heute.

Für unterschiedliche Aufgaben setzte die Bundesbahn verschiedene Lokomotivbaureihen ein.

Die Baureihe 103 übernahm vor allem schnelle Reisezüge, während schwere Güterzüge beispielsweise von den Baureihen 150 und 151 befördert wurden.

Mit der Baureihe 120 sollte sich das ändern.

Die neue Lokomotive war als Universallokomotive vorgesehen. Sie sollte sowohl schnelle Intercity-Züge als auch schwere Güterzüge befördern können.

Das Besondere war ihre damals neuartige Drehstromtechnik.

Während frühere Elektrolokomotiven andere Motorkonzepte nutzten, erhielt die Baureihe 120 leistungsfähige Drehstrom-Asynchronmotoren.

Diese wurden über moderne elektronische Umrichter gesteuert.

Dadurch konnte die Zugkraft über einen großen Geschwindigkeitsbereich gezielt geregelt werden.

Die neue Technik ermöglichte eine hohe Leistung bei gleichzeitig vergleichsweise guter Traktion.

Bereits 1979 wurden die ersten Vorserienlokomotiven der Baureihe 120.0 gebaut.

Nach umfangreichen Erprobungen folgten zwischen 1987 und 1989 insgesamt 60 Serienlokomotiven der Baureihe 120.1.

Sie gehörten zu den ersten serienmäßig gebauten Hochleistungs-Elektrolokomotiven mit moderner Drehstromantriebstechnik.

Technische Daten der Baureihe 120.1

MerkmalTechnische Daten
Baureihe120.1
Baujahre1987–1989
Anzahl Serienlokomotiven60
AchsfolgeBo’Bo‘
Länge über Puffer19.200 mm
Dienstmasserund 84 Tonnen
Stundenleistung5.600 kW
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
AntriebDrehstrom-Asynchronmotoren
Stromsystem15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
HerstellerKrauss-Maffei, Siemens, BBC und AEG

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h war die Baureihe 120 schnell genug für den hochwertigen Reisezugverkehr.

Gleichzeitig verfügte sie über ausreichend Leistung und Zugkraft für schwere Güterzüge.

Diese Vielseitigkeit war ein entscheidender Unterschied zu vielen älteren Lokomotivbaureihen.

Tagsüber Intercity, nachts Güterzüge

Die Bundesbahn setzte die Baureihe 120 ursprünglich sehr intensiv ein.

Tagsüber bespannten die Maschinen schnelle Intercity- und Interregio-Züge.

In der Nacht kamen sie teilweise vor schweren Güterzügen zum Einsatz.

Damit sollte die neue Universallokomotive möglichst wirtschaftlich genutzt werden.

Gerade diese außergewöhnlich hohe Beanspruchung führte allerdings zu einem hohen Verschleiß.

Im Laufe der Jahre mussten die Fahrzeuge immer wieder umfangreich gewartet und technisch angepasst werden.

Später verlagerte sich der Einsatz zunehmend auf den Reisezugverkehr.

Dort waren die Lokomotiven noch über viele Jahre im Fernverkehr der Deutschen Bahn zu sehen.

Erst mit dem Einsatz neuerer Lokomotivgenerationen und Triebzüge verloren sie nach und nach ihre Bedeutung.

Die Baureihe 120 als Wegbereiter moderner Elektrolokomotiven

Heute gehört die Drehstromtechnik bei modernen Elektrolokomotiven praktisch zum Standard.

Als die Baureihe 120 entwickelt wurde, war das noch keineswegs selbstverständlich.

Die Erfahrungen aus Entwicklung und Betrieb bildeten eine wichtige Grundlage für spätere Fahrzeuggenerationen.

Dazu gehören unter anderem die Lokomotiven der Baureihen 101, 145, 152 und 189.

Auch moderne Mehrsystemlokomotiven und viele elektrische Triebzüge nutzen technische Konzepte, die durch die Entwicklung der Drehstromantriebe möglich wurden.

Die Baureihe 120 nimmt deshalb eine besondere Stellung in der deutschen Eisenbahngeschichte ein.

Sie markiert den Übergang von den klassischen Bundesbahn-Elektrolokomotiven zu den modernen, elektronisch gesteuerten Lokomotivgenerationen.

Dass mit der 120 145 nun wieder eine Maschine dieser Baureihe regelmäßig im Güterverkehr eingesetzt wird, macht ihre Geschichte besonders interessant.

Die Baureihe 120 bei der Deutschen Bahn

Über Jahrzehnte gehörten die Lokomotiven der Baureihe 120 zum Erscheinungsbild des deutschen Fernverkehrs.

Besonders häufig waren sie vor Intercity-Zügen zu sehen.

Viele Eisenbahnfreunde kennen die Maschinen noch in Orientrot oder später in Verkehrsrot.

Mit der zunehmenden Modernisierung des Fahrzeugparks wurden die Lokomotiven nach und nach entbehrlich.

Im Jahr 2020 stellte DB Fernverkehr nahezu alle noch verbliebenen Maschinen der Baureihe 120 ab.

Einige für den Regionalverkehr umgebaute Fahrzeuge der Baureihe 120.2 blieben noch etwas länger im Einsatz.

Einzelne Lokomotiven fanden anschließend bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen eine neue Verwendung.

Andere wurden von Eisenbahnmuseen und Vereinen übernommen.

Die 120 145 zeigt nun, dass ein solches Fahrzeug auch Jahrzehnte nach seiner Indienststellung noch sinnvoll eingesetzt werden kann.

Bayerisches Eisenbahnmuseum Nördlingen: Historische Lokomotiven im Einsatz

Das Bayerische Eisenbahnmuseum in Nördlingen gehört zu den bekanntesten Eisenbahnmuseen Süddeutschlands.

Auf dem Gelände eines ehemaligen Bahnbetriebswerks werden zahlreiche historische Dampflokomotiven, Diesellokomotiven, Elektrolokomotiven und Wagen erhalten.

Besonders beeindruckend sind der große Ringlokschuppen und die Drehscheibe.

Anders als bei vielen reinen Fahrzeugsammlungen werden in Nördlingen zahlreiche Lokomotiven auch betriebsfähig erhalten.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die BayernBahn, die als Eisenbahnverkehrsunternehmen eng mit dem Museum verbunden ist.

Neben historischen Sonderzügen werden mit den Fahrzeugen auch reguläre Güterverkehrsleistungen erbracht.

Dadurch bleiben ältere Elektrolokomotiven im praktischen Betrieb erhalten.

Auch die Baureihe 151 ist bei der BayernBahn unterwegs

Ein gutes Beispiel dafür ist die Baureihe 151.

Die schweren sechsachsigen Elektrolokomotiven waren über Jahrzehnte im Güterverkehr der Deutschen Bundesbahn und später der Deutschen Bahn im Einsatz.

Auch nach dem Ende ihrer regulären Einsätze bei DB Cargo blieben einige Fahrzeuge bei privaten Betreibern erhalten.

Die BayernBahn setzt mehrere Lokomotiven dieser Baureihe weiterhin ein.

Im September 2026 widmete das Bayerische Eisenbahnmuseum der Baureihe 151 sogar eine eigene Sonderausstellung.

Darüber haben wir bereits ausführlich berichtet:

Baureihe 151 in Nördlingen: Sonderausstellung zum Tag der Schiene 2026

Auch in unserer Übersicht der Eisenbahnmuseen in Bayern stellen wir das Bayerische Eisenbahnmuseum und weitere interessante Eisenbahnziele vor.

Wer Nördlingen besuchen möchte, sollte sich auch die historischen Bahnanlagen rund um das Museum ansehen.

Wo kann man die 120 145 fotografieren?

Durch ihren erneuten Einsatz im Güterverkehr ist die 120 145 inzwischen wieder auf verschiedenen Strecken zu beobachten.

Eine feste Einsatzstrecke gibt es allerdings nicht.

Die BayernBahn verwendet die Lok je nach betrieblichem Bedarf und im Wechsel mit anderen Elektrolokomotiven.

Ein besonders interessanter Einsatz war Ende September 2026 zu beobachten.

Am 30. September wurde die frisch orientrot lackierte 120 145 vor dem sogenannten Henkelzug bei Gemünden am Main fotografiert.

Der Güterzug war von Gunzenhausen in Richtung Langenfeld unterwegs.

Auch bei Himmelstadt im Maintal wurde die Maschine bereits vor dem Henkelzug gesichtet.

Für Eisenbahnfotografen sind solche Einsätze besonders reizvoll.

Eine Lokomotive in klassischer Bundesbahn-Lackierung vor einem modernen Güterzug ist heute ein eher ungewöhnlicher Anblick.

Wer die 120 145 selbst fotografieren möchte, sollte aktuelle Sichtungsmeldungen verfolgen. Eine bestimmte Durchfahrtszeit lässt sich aus den bisherigen Einsätzen nicht ableiten.

Was passiert mit den beiden anderen Lokomotiven?

Neben der 120 145 hat die BayernBahn im Februar 2026 auch die Lokomotiven 120 154 und 120 204 übernommen.

Die drei Maschinen waren zuvor längere Zeit abgestellt gewesen.

Während sich die Arbeiten zunächst auf die 120 145 konzentrierten, ist über eine mögliche Wiederinbetriebnahme der anderen beiden Lokomotiven bislang weniger bekannt.

Ob auch sie künftig wieder im aktiven Güterverkehr eingesetzt werden können, bleibt abzuwarten.

Allein die Übernahme mehrerer Fahrzeuge dieser Baureihe zeigt jedoch, dass die BayernBahn weiterhin Interesse an der Erhaltung klassischer Elektrolokomotiven hat.

Ein Stück Bundesbahngeschichte zurück auf der Schiene

Die Wiederinbetriebnahme der 120 145 ist eine erfreuliche Nachricht für alle Freunde klassischer Elektrolokomotiven.

Die Maschine gehörte zu einer Baureihe, die den Übergang zur modernen Drehstromtechnik wesentlich geprägt hat.

Nach vielen Jahren im Fernverkehr und einer längeren Abstellzeit hätte ihre Geschichte durchaus enden können.

Stattdessen wurde sie in Nördlingen wieder technisch hergerichtet und erhielt ihre ursprüngliche orientrote Lackierung zurück.

Seit September 2026 steht sie wieder regelmäßig vor Güterzügen im Einsatz.

Besonders schön ist dabei, dass die Lokomotive nicht ausschließlich bei Museumsveranstaltungen zu sehen ist. Sie übernimmt wieder echte Transportaufgaben.

Damit bleibt ein wichtiges Stück Bundesbahngeschichte im täglichen Eisenbahnbetrieb erhalten.

Stand: 31. Oktober 2026

Quellen und weiterführende Informationen

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