Vorbild

AutomatedTrain S-Bahn zwischen Ditzingen und Höfingen unterwegs

Heute konnten wir zwischen Ditzingen und Höfingen eine besondere S-Bahn beobachten. Äußerlich erinnert sie an eine normale S-Bahn der Baureihe 423. Die Beschriftung „Automated Train“ verrät jedoch sofort, dass es sich um ein Fahrzeug für den Erprobungsbetrieb handelt.

Mit diesem Zug werden Technologien getestet, die den Schienenverkehr in den kommenden Jahren sicherer, zuverlässiger und leistungsfähiger machen sollen. Dabei geht es nicht darum, den Triebfahrzeugführer vollständig zu ersetzen. Vielmehr soll die Technik den Betrieb unterstützen und langfristig einzelne Aufgaben automatisieren.

Herzstück des Systems ist eine umfangreiche Sensorik. An verschiedenen Stellen des Fahrzeugs sind hochauflösende Kameras installiert. Sie überwachen den Gleisbereich vor dem Zug und erkennen Signale, Weichen, Bahnübergänge sowie Hindernisse. Ergänzt werden sie durch Laserscanner, auch LiDAR genannt. Diese senden Millionen Lichtimpulse pro Sekunde aus und erzeugen daraus ein dreidimensionales Abbild der Umgebung. Dadurch lassen sich selbst bei Dunkelheit oder schwierigen Lichtverhältnissen Entfernungen und Objekte sehr präzise bestimmen.

Zusätzlich kommen Radarsensoren zum Einsatz. Sie arbeiten unabhängig von Regen, Nebel oder Schnee und ergänzen die Daten der Kameras und Laserscanner. Die Kombination dieser verschiedenen Sensoren wird als Sensorfusion bezeichnet. Ein zentraler Rechner vergleicht permanent alle Informationen miteinander und erstellt daraus ein möglichst exaktes Bild der aktuellen Fahrsituation. Erkennt ein Sensor ein Objekt, bestätigen oder korrigieren die anderen Sensoren diese Information. Dadurch steigt die Betriebssicherheit deutlich.

Damit der Zug jederzeit seine genaue Position kennt, reicht GPS allein nicht aus. Im Bahnbetrieb werden zusätzlich Wegsensoren an den Radsätzen, Beschleunigungssensoren und digitale Streckenkarten genutzt. Zusammen ermöglichen sie eine Positionsbestimmung im Zentimeterbereich. Das ist wichtig, um beispielsweise exakt vor einem Signal oder am Bahnsteig anzuhalten.

Ein weiterer Baustein ist die digitale Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur. Über moderne Funkverbindungen tauscht der Zug Informationen mit Stellwerken und Leitsystemen aus. Perspektivisch spielt dabei das europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS eine wichtige Rolle. Es übermittelt Fahrterlaubnisse und Geschwindigkeiten direkt in den Führerstand. In Verbindung mit dem zukünftigen Funkstandard FRMCS können diese Daten noch schneller und zuverlässiger übertragen werden.

Die eigentliche Steuerung übernimmt ein leistungsfähiger Bordcomputer. Er verarbeitet die Sensordaten in Echtzeit und berechnet fortlaufend die optimale Fahrweise. Beschleunigung, Bremsvorgänge und Haltepunkte können dadurch sehr gleichmäßig ausgeführt werden. Das spart Energie, reduziert den Verschleiß und sorgt für einen ruhigeren Fahrkomfort.

Trotz der modernen Technik fährt der Zug derzeit nicht unbeaufsichtigt. Während aller Testfahrten befindet sich weiterhin qualifiziertes Personal im Führerstand. Die Systeme werden unter realen Bedingungen erprobt und jede Fahrt liefert neue Daten für die Weiterentwicklung der Software und der Sensorik.

Für Eisenbahnfans ist ein solcher Zug ein echtes Highlight. Von außen unterscheidet er sich nur in wenigen Details von einer normalen S-Bahn. Wer genauer hinsieht, entdeckt zusätzliche Kameras, Antennen und Sensorgehäuse auf dem Dach oder an der Fahrzeugfront. Hinter diesen unscheinbaren Komponenten steckt eine Technik, die den Bahnverkehr in den nächsten Jahren nachhaltig verändern könnte.

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