Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Westfälisches Feldbahnmuseum in Lengerich
Das Westfälische Feldbahnmuseum in Lengerich zeigt einen Teil der Eisenbahngeschichte, der früher zum Alltag vieler Industriebetriebe gehörte. Kleine Feldbahnlokomotiven transportierten Kalkstein, Ton, Torf, Sand, Kohle und andere Rohstoffe auf schmalen Gleisen. Heute sind viele dieser Bahnen verschwunden.
Die Eisenbahnfreunde Lengerich haben in den vergangenen Jahrzehnten eine umfangreiche Sammlung historischer Feldbahnfahrzeuge zusammengetragen. Viele davon werden restauriert und können bei den Öffnungstagen auch im Betrieb erlebt werden.
Feldbahnen gehörten zur Region
Lengerich ist ein passender Standort für ein Feldbahnmuseum. Im Münsterland und im benachbarten Osnabrücker Land gab es zahlreiche Steinbrüche, Ziegeleien, Torfbetriebe und andere Unternehmen, die Feldbahnen einsetzten.
Besonders wichtig war in Lengerich die Kalk- und Zementindustrie. In den Steinbrüchen wurden Feldbahnen genutzt, um das abgebaute Material weiterzutransportieren. Mit zunehmendem Einsatz von Lastwagen, Förderbändern und anderen Transportmitteln verschwanden die kleinen Bahnen nach und nach.
Das Museum möchte Fahrzeuge und Unterlagen aus dieser Zeit erhalten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Feldbahnen aus Westfalen und der näheren Umgebung.
Angefangen hat alles mit einer einzigen Lok
Die Eisenbahnfreunde Lengerich wurden 1979 gegründet. Ursprünglich sollte vor allem das ehemalige Stellwerk Lengerich-Nord erhalten und als Vereinsheim genutzt werden.
1981 kam eher zufällig die erste Feldbahnlokomotive dazu. Sie stammte aus einer Ziegelei im ostfriesischen Jemgum und sollte eigentlich nur als Denkmal aufgestellt werden. Zusammen mit der Lok übernahm der Verein rund 14 Meter Feldbahngleis.
Nachdem es gelang, die bereits seit Jahren abgestellte Lok wieder zum Laufen zu bringen, entwickelte sich daraus ein neues Betätigungsfeld des Vereins. Weitere Fahrzeuge und Gleise kamen hinzu, ein erster Lokschuppen entstand und die Feldbahnsammlung wuchs immer weiter.
Mehr als 50 Lokomotiven
Heute besitzt das Westfälische Feldbahnmuseum eine erstaunlich große Fahrzeugsammlung.
Aktuell gehören dazu:
- 2 Dampflokomotiven
- 47 Diesellokomotiven
- 3 Elektrolokomotiven
- 4 Sonderfahrzeuge
Vertreten sind bekannte Feldbahnhersteller wie Deutz, Diema, Schöma, Gmeinder, Hatlapa und Windhoff.
Die Fahrzeuge stammen aus ganz unterschiedlichen Betrieben. Einige waren in Ziegeleien oder Torfwerken unterwegs, andere in Steinbrüchen, Bergwerken oder Industriebetrieben. Der Verein versucht, möglichst viele Lokomotiven wieder betriebsfähig herzurichten.
Dabei werden die Fahrzeuge bewusst nicht alle auf Hochglanz restauriert. Gebrauchsspuren dürfen erhalten bleiben, weil sie zur Geschichte einer echten Arbeitsbahn gehören.
Klara und andere besondere Fahrzeuge
Zu den betriebsfähigen Fahrzeugen gehört beispielsweise die Deutz-Lokomotive „Klara“. Sie wurde 1939 gebaut und war unter anderem bei den Torfwerken Deilmann in Börgermoor im Einsatz. Seit 1988 befindet sie sich in Lengerich.
Ein weiteres ungewöhnliches Fahrzeug ist der „Heppel-Blitz“ von Windhoff. Die kleine Diesellok wurde 1937 gebaut und besitzt einen Junkers-Gegenkolbenmotor. Von dieser Windhoff-Bauart sind heute nur noch sehr wenige Fahrzeuge erhalten.
Zur Sammlung gehören außerdem Schienenfahrräder, Schienenmopeds und sogar eine betriebsfähige Schneeschleuder auf einem Feldbahnfahrgestell.
Mitfahrt auf der Feldbahn
Bei den regulären Öffnungstagen gehört eine Fahrt mit der Feldbahn zum Museumsbesuch dazu.
Die Personenzüge fahren auf 600 Millimeter Spurweite durch das Museumsgelände. Die derzeit für Fahrgastfahrten genutzte Pendelstrecke ist ungefähr 300 Meter lang. Dabei geht es weniger um Geschwindigkeit als um das typische Fahrgefühl einer einfachen Feldbahn.
2025 gab es sogar Dampfbetrieb. Eine 1949 bei Jung gebaute Dampflok vom Typ Hidalgo war zu Pfingsten zu Gast und legte an einem Wochenende rund 45 Kilometer auf der kurzen Museumsstrecke zurück.
Modellbahn im ehemaligen Stellwerk
Zu den Eisenbahnfreunden Lengerich gehört außerdem eine große H0-Modellbahnanlage im ehemaligen Stellwerk Lengerich-Nord.
Die Anlage ist rund zwölf Meter lang und stellt Eisenbahnbetrieb der 1960er-Jahre dar. Zu sehen sind unter anderem ein Bahnhof, ein kleines Bahnbetriebswerk, Industrieanlagen und ein für Lengerich typischer Kalksteinbruch.
Für Gruppen können Besuche des Feldbahnmuseums und Vorführungen der Modellbahnanlage miteinander kombiniert werden.
Öffnungszeiten 2026
Das Westfälische Feldbahnmuseum ist von Pfingsten bis einschließlich Oktober jeweils am zweiten Sonntag eines Monats geöffnet.
Die Öffnungszeit ist:
11:00 bis 17:00 Uhr
Für 2026 stehen aktuell noch folgende Öffnungstage an:
-
- September 2026
-
- Oktober 2026
Sonderveranstaltungen können zusätzlich stattfinden.
Eintritt
Der Eintritt inklusive einer Fahrt mit der Feldbahn kostet derzeit:
- Erwachsene: 4 Euro
- Kinder von 4 bis 14 Jahren: 2 Euro
Für Gruppen sind nach vorheriger Anmeldung auch Führungen außerhalb der normalen Öffnungstage möglich. Eine etwa 90 bis 120 Minuten dauernde Führung durch das Feldbahnmuseum inklusive Feldbahnfahrt kostet für Gruppen bis 20 Personen derzeit 50 Euro.
Adresse und Anreise
Westfälisches Feldbahnmuseum
Lienener Straße
49525 Lengerich
Das Museumsgelände besitzt keine eigene Hausnummer. Es liegt an der Lienener Straße gegenüber der Hausnummer 33.
Besonders praktisch ist die Anreise mit der Bahn. Vom DB-Bahnhof Lengerich sind es laut Verein nur etwa fünf Minuten zu Fuß bis zum Museum. Parkmöglichkeiten gibt es am Bahnhof.
Für Freunde alter Industrie- und Feldbahnen lohnt sich ein Besuch vor allem wegen der großen Vielfalt der Fahrzeuge. Viele Lokomotiven haben tatsächlich jahrzehntelang in Steinbrüchen, Ziegeleien und Torfbetrieben gearbeitet und werden in Lengerich wieder betriebsfähig erhalten.
Fotonachweis
Quelle der Fotos: Westfälisches Feldbahnmuseum Lengerich
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