Die Sauschwänzlebahn im Südschwarzwald gehört zu den bekanntesten Museumsbahnen Deutschlands. Zwischen Blumberg-Zollhaus und Weizen fahren historische Dampf- und Dieselzüge über eine außergewöhnlich kurvenreiche Bahnstrecke mit großen Viadukten, Tunneln und einem einzigartigen Kreiskehrtunnel.
Auf gerade einmal rund 9,6 Kilometern Luftlinie muss die Bahn einen Höhenunterschied von mehr als 230 Metern überwinden. Deshalb windet sich die eigentliche Bahnstrecke über rund 25 Kilometer durch das Wutachtal. Genau diese ungewöhnliche Streckenführung gab der Sauschwänzlebahn ihren Namen.
25 Kilometer Museumsbahn durch den Südschwarzwald
Die Museumsbahn verkehrt zwischen dem Bahnhof Blumberg-Zollhaus und Weizen. Dazwischen liegen mehrere Haltepunkte und Bahnhöfe wie Epfenhofen, Wutachblick, Fützen, Grimmelshofen und Lausheim-Blumegg. Für eine einfache Fahrt benötigt der historische Zug ungefähr eine Stunde. Dabei passiert er sechs Tunnel und vier große Viadukte. Viele Abschnitte verlaufen durch Wälder, über offene Hochflächen und entlang der steilen Hänge des Wutachtals. Die Strecke ist damit weit mehr als eine klassische Museumsbahn. Ein großer Teil des Erlebnisses besteht darin, die ungewöhnliche Linienführung und die historischen Ingenieurbauwerke während der Fahrt zu entdecken.Warum heißt die Bahn Sauschwänzlebahn?
Der ungewöhnliche Name geht auf den Kreiskehrtunnel bei der Stockhalde zurück. Die Bahn beschreibt dort innerhalb des Berges eine große Schleife und gewinnt auf diese Weise Höhe. Auf einer Streckenkarte erinnert diese Schleife an das geringelte Schwänzchen eines Schweins. Aus dieser Form entwickelte sich der heute weit über die Region hinaus bekannte Name Sauschwänzlebahn. Der Kreiskehrtunnel gehört zu den auffälligsten Bauwerken der Strecke. Für Eisenbahnfreunde ist besonders spannend, dass sich die ungewöhnliche Linienführung während der Fahrt nur teilweise erkennen lässt. Auf einer Karte wird erst richtig deutlich, wie stark sich die Strecke selbst überlagert.Eine Bahnstrecke mit militärischem Ursprung
Die Geschichte der Wutachtalbahn reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1875 wurde der erste Abschnitt zwischen Oberlauchringen und Stühlingen eröffnet. Ein Jahr später erreichte die Bahn Weizen. Der Weiterbau in Richtung Blumberg war technisch schwierig und teuer. Entscheidenden Einfluss auf die spätere Fertigstellung hatte schließlich das Militär des Deutschen Reichs. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 bestand aus militärischer Sicht ein Problem: Teile der bestehenden Hochrheinbahn verliefen durch die Schweiz. Im Kriegsfall hätte die neutrale Schweiz die Durchfahrt deutscher Militärzüge verhindern können. Deshalb sollte eine vollständig auf deutschem Gebiet verlaufende Verbindung zwischen Hochrheinbahn und Schwarzwaldbahn entstehen. Zwischen 1887 und 1890 wurde der technisch besonders aufwendige Abschnitt zwischen Weizen und Blumberg gebaut. Bis zu 4.500 Arbeiter aus Italien und Tirol waren zeitweise am Bau beteiligt. Am 20. Mai 1890 wurde schließlich der durchgehende Betrieb auf der Wutachtalbahn aufgenommen.Vier Viadukte und sechs Tunnel
Die ungewöhnliche Topografie machte zahlreiche Kunstbauten notwendig. Auf dem heutigen Museumsbahnabschnitt befinden sich insgesamt sechs Tunnel und vier große Viadukte. Besonders eindrucksvoll ist die Talbrücke bei Epfenhofen. Von verschiedenen Wanderwegen lässt sie sich gut überblicken. Zusammen mit dem Zug ergibt sich hier eines der bekanntesten Fotomotive der Sauschwänzlebahn. Beim Bau wurde außerdem berücksichtigt, dass die Strecke ursprünglich militärische Bedeutung hatte. Teile der Trasse, Tunnelportale sowie Pfeiler und Widerlager wurden bereits für einen möglichen zweigleisigen Ausbau vorbereitet. Seit 1988 besitzt die Strecke den Rang eines technischen Denkmals von nationaler Bedeutung. 2014 wurde sie zusätzlich als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet.Dampfzug mit der Baureihe 50
Für viele Besucher ist eine Fahrt mit dem Dampfzug der Höhepunkt. Seit 2022 wird für die Dampffahrten unter anderem die Dampflok 50 2988 eingesetzt. Die 1942 gebaute Güterzuglokomotive gehört den Dampflokfreunden Schwarzwald-Baar. Mit ihrem klassischen Erscheinungsbild passt die Baureihe 50 hervorragend zu den historischen Reisezugwagen und der kurvenreichen Strecke. Gerade auf den Steigungen und beim Anfahren lässt sich die Arbeit der Dampflok gut erleben. Durch die zahlreichen Kurven ergeben sich aus den Wagen außerdem immer wieder Blicke auf die Lok und den vorderen Teil des Zuges.Auch Dieselfahrten mit der V100
Neben den Dampftagen gibt es regelmäßige Fahrten mit historischen Diesellokomotiven. Seit 2025 wird unter anderem die rote V100 mit der Betriebsnummer 212 261-2 eingesetzt. Die Lok wurde 1965 gebaut und gehört zu jener Baureihe, die über Jahrzehnte den Nebenbahn- und Regionalverkehr der Deutschen Bundesbahn prägte. Wer vor allem die Strecke und ihre Bauwerke erleben möchte, kann deshalb auch einen Dieselfahrtag wählen. Die Tickets sind zudem günstiger als bei den Dampffahrten.Bahnhof Blumberg-Zollhaus
Der wichtigste Ausgangspunkt der Museumsbahn ist der Bahnhof Blumberg-Zollhaus. Das historische Bahnhofsgebäude stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und steht auf schwierigem Untergrund. Wegen des ehemaligen Hochmoors wurde das Gebäude auf 224 Fichtenpfählen gegründet. Die rund vier Meter langen Holzpfähle sorgen bis heute für einen stabilen Untergrund. Rund um den Bahnhof gibt es mehrere weitere eisenbahnhistorische Sehenswürdigkeiten. Besonders auffällig ist das historische Reiterstellwerk, das ursprünglich 1886 für den Bahnhof Konstanz gebaut wurde und seit 1999 in Blumberg-Zollhaus steht.Eisenbahnmuseum direkt am Bahnhof
Im ehemaligen Güterschuppen des Bahnhofs Blumberg-Zollhaus befindet sich seit 1992 ein Eisenbahnmuseum. Der Besuch lässt sich gut mit einer Fahrt auf der Sauschwänzlebahn kombinieren. Gezeigt werden zahlreiche Gegenstände aus dem früheren Eisenbahnbetrieb. Dazu gehören Signale, Einrichtungen zur Zugmeldung und Weichenstellung, historische Schilder, Uniformen und weitere Ausrüstungsgegenstände. Fotos und Dokumente erläutern außerdem den aufwendigen Bau der Wutachtalbahn. Ein Streckenmodell zeigt die ungewöhnliche Linienführung mit Tunneln und Viadukten und macht besonders den Kreiskehrtunnel anschaulich. Das Eisenbahnmuseum ist an den Fahrtagen geöffnet. Der Eintritt ist bei einer Fahrt mit der Sauschwänzlebahn bereits im Fahrpreis enthalten.Endstation Weizen
Am anderen Ende der Museumsstrecke liegt der Bahnhof Weizen. Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude wurde bereits 1971 abgebrochen. Ein interessantes historisches Detail ist das heutige Bahnsteigdach. Es stammt ursprünglich aus Freiburg und wurde bereits 1857 gebaut. Heute schützt es die Fahrgäste an der Endstation der Museumsbahn.Museumsbahn seit 1977
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die aufwendig gebaute Strecke zunehmend an Bedeutung. Der Personen- und Güterverkehr reichte nicht aus, um den kostspieligen Betrieb dauerhaft wirtschaftlich zu machen. Der Abschnitt zwischen Blumberg und Weizen wurde schließlich zum 1. Januar 1976 stillgelegt. Damit drohte der außergewöhnlichen Strecke der Rückbau. Die Stadt Blumberg und die Eisenbahnorganisation EUROVAPOR entwickelten jedoch ein neues Nutzungskonzept. Am 21. Mai 1977 nahm die Museumsbahn ihren planmäßigen Betrieb auf. Damit gehört die Sauschwänzlebahn zu den traditionsreichen Museumsbahnen in Deutschland. Die Stadt Blumberg übernahm den Abschnitt Blumberg-Weizen später vollständig.Sauschwänzlebahn und Wandern kombinieren
Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, Bahnfahrt und Wanderung miteinander zu verbinden. Mehrere Haltepunkte liegen unmittelbar an Wanderwegen. Die große Sauschwänzle-Entdeckungstour beginnt am Bahnhof Blumberg-Zollhaus und führt entlang der Bahnstrecke durch die Landschaft des Südschwarzwalds. Die komplette Route ist knapp 19 Kilometer lang. Unterwegs lassen sich Tunnelportale, Viadukte und andere Bauwerke der Strecke aus einer Perspektive betrachten, die vom Zug aus kaum möglich ist. Wer keine so lange Wanderung machen möchte, kann auch an einem der Unterwegshalte aussteigen und nur einen Teil der Strecke zu Fuß zurücklegen. Besonders der Haltepunkt Wutachblick ist dafür geeignet.Fahrbetrieb 2026
Die reguläre Saison der Sauschwänzlebahn läuft 2026 vom 25. April bis zum 25. Oktober. Während der Hauptsaison gibt es regelmäßig Fahrten mit historischen Diesel- und Dampflokomotiven. Von Blumberg-Zollhaus starten die regulären Züge häufig um 10:10 Uhr und 14:10 Uhr. Ab Weizen bestehen entsprechende Rückfahrmöglichkeiten. Der genaue Fahrplan hängt vom jeweiligen Fahrtag ab. Auch nach dem Ende der regulären Saison werden einzelne Sonderfahrten angeboten. Dazu gehören beispielsweise Nikolausfahrten im November und Dezember. Wichtig: Der Einsatz einer bestimmten Dampf- oder Diesellokomotive kann aus technischen oder betrieblichen Gründen nicht garantiert werden. Vor einer längeren Anreise sollte deshalb der aktuelle Fahrplan geprüft werden.Fahrpreise 2026
Eine Hin- und Rückfahrt mit dem Dieselzug kostet 2026 für Erwachsene 28 Euro, für Kinder von 4 bis 15 Jahren 14 Euro. Bei einer Dampffahrt kostet die Hin- und Rückfahrt 39 Euro für Erwachsene und 19,50 Euro für Kinder. Für Familien gibt es eigene Familientickets. Kleinkinder bis einschließlich drei Jahre fahren kostenlos. Auch Hunde und Fahrräder können gegen Aufpreis mitgenommen werden. Da die Züge an beliebten Dampftagen gut ausgelastet sein können, empfiehlt sich eine frühzeitige Reservierung beziehungsweise Online-Buchung.Anreise nach Blumberg-Zollhaus
Der wichtigste Startpunkt befindet sich am Bahnhof Blumberg-Zollhaus in der Bahnhofstraße 1 in 78176 Blumberg. Alternativ kann die Fahrt auch am Bahnhof Weizen begonnen werden. Gerade bei einer Kombination mit einer Wanderung kann es sinnvoll sein, die Museumsbahn nur in einer Richtung zu nutzen. Wer einen Tagesausflug plant, sollte neben der eigentlichen Fahrzeit auch genügend Zeit für das Eisenbahnmuseum, das historische Reiterstellwerk und einen Spaziergang rund um die Strecke einplanen.Lohnt sich die Sauschwänzlebahn?
Die Sauschwänzlebahn ist besonders für Eisenbahnfreunde interessant, die mehr als eine kurze Museumsbahnfahrt erleben möchten. Die lange Strecke, die historischen Züge und die außergewöhnlichen Ingenieurbauwerke sorgen für einen abwechslungsreichen Ausflug. Auch ohne besonderes Eisenbahninteresse lohnt sich die Fahrt wegen der Landschaft des Südschwarzwalds. Für Familien lässt sich die Bahnfahrt gut mit dem Eisenbahnmuseum verbinden, während Fotografen und Eisenbahnfreunde an den Viadukten und Wanderwegen zahlreiche interessante Fotostellen finden. Wer die Strecke zum ersten Mal besucht, sollte nach Möglichkeit einen Dampffahrtag wählen und zusätzlich etwas Zeit am Bahnhof Blumberg-Zollhaus einplanen. So lässt sich die besondere Geschichte der Wutachtalbahn am besten erleben.Fotonachweis
Talbrücke Epfenhofen an der Sauschwänzlebahn im Südschwarzwald. Foto: Mussklprozz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
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