Zuletzt aktualisiert am 30.09.2026
Zwei Ringlokschuppen, zwei Drehscheiben und zahlreiche historische Lokomotiven: Die Museumseisenbahn Hanau hat ihre Heimat in einem weitgehend erhaltenen Bahnbetriebswerk aus der Dampflokzeit. Auf dem Gelände in Hanau-Großauheim stehen heute Dampflokomotiven, Diesel- und Kleinlokomotiven sowie historische Personenwagen.
Das Besondere ist dabei der Ort selbst. Die Fahrzeuge stehen nicht in einer modernen Ausstellungshalle, sondern dort, wo früher tatsächlich Dampflokomotiven versorgt, gewartet und repariert wurden. Damit gehört das historische Bahnbetriebswerk Hanau zu den interessanteren Eisenbahnzielen im Rhein-Main-Gebiet.
Bildplatzhalter: Dampflok vor dem Ringlokschuppen oder auf der Drehscheibe. Bildunterschrift: Historische Lokomotiven stehen in Hanau noch in ihrer ursprünglichen Umgebung eines ehemaligen Bahnbetriebswerks.
Historisches Bahnbetriebswerk mit zwei Ringlokschuppen
Schon die Gebäude sind einen Besuch wert. Das denkmalgeschützte Bahnbetriebswerk besteht aus zwei Rundlokschuppen mit jeweils eigener Drehscheibe, einem Rechteckschuppen mit Werkstatt sowie ehemaligen Verwaltungs- und Betriebsgebäuden.
Mit dem Bau der Anlage wurde zwischen 1904 und 1907 begonnen. Hanau war damals ein bedeutender Eisenbahnknoten. Hier mussten zahlreiche Dampflokomotiven versorgt und für ihre nächsten Einsätze vorbereitet werden.
Im Bahnbetriebswerk wurden Lokomotiven mit Wasser und Kohle versorgt, gewartet und repariert. Zunächst kamen Maschinen der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft hierher, später Fahrzeuge der Deutschen Reichsbahn und schließlich der Deutschen Bundesbahn.
Um 1950 arbeiteten nach Angaben des Vereins fast 900 Menschen in der Dienststelle. Erst mit dem zunehmenden Einsatz von Diesel- und Elektrolokomotiven verlor das klassische Dampflok-Bahnbetriebswerk seine ursprüngliche Aufgabe.
50 3552 „Stadt Hanau“ ist wieder unter Dampf
Eine der bekanntesten Lokomotiven in Hanau ist die 50 3552 „Stadt Hanau“. Ursprünglich wurde sie 1942 von der Berliner Maschinenbau AG als 50 1336 gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb die Lok in der DDR.
1959 erhielt sie im Reichsbahnausbesserungswerk Stendal einen neuen Hochleistungskessel und wurde anschließend als 50 3552 in die rekonstruierte Baureihe 50.35 eingereiht. Später war sie unter anderem in Magdeburg und Halberstadt im Einsatz.
Die Maschine leistet rund 1.760 PS, wiegt etwa 136 Tonnen und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Seit 2005 gehört sie zur Museumseisenbahn Hanau und trägt den Namen „Stadt Hanau“.
2026 gab es bei der Lok einen wichtigen Fortschritt. Nach umfangreichen Arbeiten konnte sie im Mai erstmals seit rund acht Jahren wieder angeheizt werden und bewegte sich bei einer Werkstattprobefahrt aus eigener Kraft durch das Bahnbetriebswerk. Beim Lokschuppenfest im Juni wurde die 50 3552 wieder unter Dampf präsentiert.
Bildplatzhalter: 50 3552 „Stadt Hanau“. Bildunterschrift: Die 50 3552 „Stadt Hanau“ gehört zu den wichtigsten Fahrzeugen der Museumseisenbahn.
Polnische Dampflok TKt48-160
Eine ungewöhnliche Dampflokomotive in Hanau ist die TKt48-160. Diese polnische Tenderlok gehört zu einer Baureihe, die ab Ende der 1940er-Jahre gebaut wurde.
Die Bezeichnung verrät bereits einiges über das Fahrzeug. Das „T“ steht für eine Güterzuglokomotive, das „K“ kennzeichnet eine Tenderlok, und das kleine „t“ beschreibt die Achsfolge 1’D1′. Die Zahl 48 verweist auf das Konstruktionsjahr 1948.
Die TKt48-160 kam 2016 nach Hanau und wurde anschließend umfangreich aufgearbeitet. Im Oktober 2025 absolvierte sie gemeinsam mit Diesellokomotiven eine erfolgreiche Werkstattfahrt von Hanau über Maintal-Ost in Richtung Frankfurt und zurück. Beim Lokschuppenfest 2026 war auch sie wieder unter Dampf zu erleben.
Neu in Hanau: Akku-Kleinlok Ks 4987 von 1938
Seit August 2026 steht in Hanau ein Fahrzeug, das selbst unter Eisenbahnfreunden eher selten bekannt ist. Die Akku-Kleinlok Ks 4987 wurde bereits 1938 gebaut und zeigt, dass batteriebetriebene Rangierlokomotiven keineswegs eine Erfindung der heutigen Zeit sind.
Der mechanische Teil der Lok entstand bei der Rheiner Maschinenfabrik Windhoff, die elektrische Ausrüstung lieferte Siemens-Schuckert. Seit Einführung der computergerechten Fahrzeugnummern trägt sie die Bezeichnung 381 020-7.
Am 31. August 2026 wurde die Lok von Mainz-Bischofsheim in das historische Bahnbetriebswerk Hanau überführt. Damit ergänzt sie die Sammlung um ein seltenes Beispiel früher elektrischer Rangiertechnik.
Weitere Dampflokomotiven im Bahnbetriebswerk
Bei Veranstaltungen sind in Hanau regelmäßig noch weitere große Dampflokomotiven zu sehen. Zum Bestand beziehungsweise zu den im Bahnbetriebswerk abgestellten Museumsfahrzeugen gehören unter anderem die 44 1616 und die 38 1772.
Die 38 1772 gehört zur ehemaligen preußischen P 8. Lokomotiven dieser Baureihe waren über viele Jahrzehnte vor Personenzügen im Einsatz und waren früher tatsächlich auch im Bahnbetriebswerk Hanau zu Hause.
Die schwere Güterzuglok der Baureihe 44 steht wiederum für eine ganz andere Leistungsklasse. Gerade solche Maschinen prägten den schweren Güterverkehr während der großen Zeit des Bahnbetriebswerks.
V60, Köf und historische Rangierlokomotiven
Neben den großen Dampflokomotiven gibt es zahlreiche kleinere Fahrzeuge. Dazu gehören mehrere Rangierdiesellokomotiven der Baureihe V60 sowie verschiedene Köf und historische Werklokomotiven.
Gerade diese kleineren Maschinen sind interessant, weil sie früher zum Alltag auf Bahnhöfen, in Bahnbetriebswerken und auf Industrieanschlüssen gehörten. Einige Fahrzeuge werden in Hanau weiterhin für Rangieraufgaben eingesetzt, andere befinden sich in Aufarbeitung oder werden museal erhalten.
Umbauwagen wie bei der Bundesbahn der 1950er-Jahre
Die Museumseisenbahn besitzt außerdem einen historischen Reisezug. Dazu gehören mehrere drei- und vierachsige Umbauwagen der Deutschen Bundesbahn.
Diese Wagen entstanden ab den 1950er-Jahren, als die junge Bundesbahn dringend modernere Fahrzeuge für den Nahverkehr benötigte. Statt einen vollständig neuen Wagenpark zu bauen, wurden Fahrgestelle älterer Wagen weiterverwendet und mit neuen Wagenkästen versehen.
In Hanau sind sechs dreiachsige B3yg vorhanden, von denen mehrere im Museumszug eingesetzt werden. Dazu kommen drei vierachsige B4yg. Mit solchen Wagen lässt sich heute noch recht gut nachvollziehen, wie eine typische Nahverkehrsfahrt während der frühen Bundesbahnzeit ausgesehen hat.
Sonderfahrten wie in den 1950er- und 1960er-Jahren
Die Fahrzeuge bleiben nicht ausschließlich im Lokschuppen. Die Museumseisenbahn Hanau veranstaltet über das Jahr verteilt historische Sonderfahrten im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus.
Je nach Veranstaltung kommen eigene Fahrzeuge oder geeignete Gastlokomotiven zum Einsatz. Ziele reichen von Weihnachtsmärkten bis zu größeren Eisenbahnveranstaltungen.
Wer tatsächlich in einem historischen Zug mitfahren möchte, sollte deshalb den Veranstaltungskalender beobachten. Das Programm ändert sich jedes Jahr und einzelne Fahrten sind teilweise früh ausgebucht.
Lokschuppenfest in Hanau
Der beste Termin für einen umfangreichen Besuch ist meist das große Lokschuppenfest. Dann werden deutlich mehr Bereiche des Bahnbetriebswerks zugänglich und zahlreiche Fahrzeuge präsentiert.
2026 waren beispielsweise die 50 3552 und die TKt48-160 unter Dampf zu sehen. Dazu kamen historische Gastlokomotiven, Diesel- und Elektroloks. Führerstandsmitfahrten, Fahrzeugausstellungen und Führungen durch die Lokschuppen gehören regelmäßig zum Programm.
Besonders interessant sind die Fahrzeugpräsentationen rund um die Drehscheiben. Genau dort zeigt sich, warum ein Besuch in einem erhaltenen Bahnbetriebswerk eine andere Atmosphäre bietet als eine reine Ausstellungshalle.
Das Eisenbahnmuseum befindet sich noch im Aufbau
Bei der Besuchsplanung sollte man wissen, dass sich das eigentliche Eisenbahnmuseum derzeit noch im Aufbau befindet. Wegen Instandsetzungsarbeiten an den historischen Gebäuden gibt es aktuell keine dauerhaft zugängliche klassische Ausstellung.
Das Gelände, die Lokschuppen und die Fahrzeuge können stattdessen im Rahmen von Führungen und besonderen Öffnungstagen besichtigt werden. In den kommenden Jahren soll auf Grundlage eines neuen Museumskonzepts eine umfangreichere Ausstellung entstehen.
Führungen durch das historische Bahnbetriebswerk
Von März bis November bietet die Museumseisenbahn im Regelfall am ersten Sonntag des Monats um 14 Uhr eine Führung durch das historische Bahnbetriebswerk an.
Dabei geht es durch die denkmalgeschützten Anlagen und zu den historischen Fahrzeugen. Die Führungen vermitteln auch, wie ein Bahnbetriebswerk während der Dampflokzeit funktionierte.
Für Gruppen können nach vorheriger Absprache zusätzliche Termine vereinbart werden. Daneben gibt es Sonderöffnungstage wie das Lokschuppenfest, den Tag des offenen Denkmals oder Veranstaltungen im Rahmen der Route der Industriekultur Rhein-Main.
Eintritt bei den regulären Öffnungstagen
- Erwachsene: 5 Euro
- Kinder von 4 bis 14 Jahren: 2,50 Euro
- Familien: 12,50 Euro
Diese Preise gelten für reguläre Öffnungstage ohne besonderes Veranstaltungsprogramm. Bei größeren Veranstaltungen können andere Eintrittspreise gelten. Kartenzahlung ist nach Angaben des Vereins bei Veranstaltungen und Fahrten derzeit nicht möglich.
Museumseisenbahn Hanau mit Kindern
Mit Kindern würde ich möglichst einen der größeren Veranstaltungstage auswählen. Dann gibt es auf dem Gelände deutlich mehr zu erleben als bei einer normalen Führung.
Beim Lokschuppenfest gehören beispielsweise Führerstandsmitfahrten, eine Kinderrallye und eine kleine personenbefördernde Modellbahn regelmäßig zum Programm. Große Dampflokomotiven aus nächster Nähe und eine Fahrt über die Gleise bleiben dabei meist stärker in Erinnerung als eine gewöhnliche Museumsvitrine.
Ein interessantes Vorbild für Modellbahner
Auch für Modellbahner ist das Bahnbetriebswerk spannend. Zwei Ringlokschuppen, Drehscheiben, Werkstattgebäude und die dazwischenliegenden Gleisanlagen zeigen sehr gut, wie ein größeres Bahnbetriebswerk aufgebaut war.
Wer selbst ein Betriebswerk auf der Modelleisenbahn plant, findet hier zahlreiche Details: Untersuchungsgruben, Schuppentore, Zufahrtsgleise, Werkstattbereiche und natürlich die Anordnung der Gleise rund um die Drehscheiben.
Adresse und Besuch
Museumseisenbahn Hanau e. V. Historisches Bahnbetriebswerk Hanau Heideäcker 1 63457 Hanau
Regelmäßige Führungen: im Regelfall erster Sonntag im Monat von März bis November, Beginn 14 Uhr Weitere Öffnungen: zu Veranstaltungen und Sonderöffnungstagen Internetseite: museumseisenbahn-hanau.de
Vor einer längeren Anreise sollte der aktuelle Veranstaltungskalender geprüft werden. Das Gelände ist außerhalb von Führungen und Veranstaltungen kein frei zugängliches Museum.
Stand: September 2026. Öffnungszeiten, Fahrzeugzustand und Veranstaltungstermine können sich ändern.
Lohnt sich ein Besuch der Museumseisenbahn Hanau?
Hanau ist vor allem dann interessant, wenn man Eisenbahnfahrzeuge gerne in ihrer ursprünglichen Umgebung erlebt. Ringlokschuppen, Drehscheiben und Werkstatt gehören genauso zum Besuch wie die Lokomotiven selbst.
Mit der wieder unter Dampf stehenden 50 3552, der polnischen TKt48-160 und der ungewöhnlichen Akku-Kleinlok von 1938 ist die Fahrzeugsammlung zusätzlich abwechslungsreich. Am meisten sieht man bei den großen Veranstaltungstagen, doch auch die monatlichen Führungen bieten einen guten Einblick in die Geschichte des Bahnbetriebswerks.
Weitere Eisenbahnziele im Bundesland findest du in unserer Übersicht Eisenbahnmuseen in Hessen. Noch mehr Museen, Museumsbahnen und besondere Bahnorte findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte.
Bildnachweis
- Dampflokomotive im historischen Bahnbetriebswerk Hanau. Foto: ThomasPetrasch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
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