Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Die Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau ist weit mehr als eine kleine Museumsbahn. Ein Teil der heutigen Strecke geht direkt auf die frühere Industriebahn zurück, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts beim Bau des Karl-Heine-Kanals eingesetzt wurde.
Heute fahren auf den 800 Millimeter breiten Gleisen wieder historische Feldbahnlokomotiven mit Besucherzügen. Dazu kommen ein kleiner Museumsbahnhof, historische Wagen, verschiedene Arbeitsfahrzeuge und ein betriebsfähiger Eimerkettenbagger.
Feldbahngeschichte seit 1856
Die ersten nachgewiesenen Einsätze der Feldbahn stammen aus dem Jahr 1856. Beim Bau des heutigen Karl-Heine-Kanals wurden hölzerne Loren verwendet, um große Mengen Erde abzutransportieren. Die Wagen wurden damals noch von Pferden gezogen.
Als die Kanalbaustelle 1888 auf große Kiesschichten in der Schönauer Flur traf, änderte sich die Aufgabe der Bahn. Fortan transportierte sie Kies aus den Gruben. Ab 1891 gehörte auch ein neu errichtetes Mörtelwerk zu den wichtigen Zielen der Züge.
Schon 1896 wurden die Pferde durch Elektrolokomotiven ersetzt. Ab 1905 kamen zusätzlich Dampflokomotiven zum Einsatz.
Zwölf Kilometer Feldbahn durch Leipzig
Über Jahrzehnte wuchs das Streckennetz immer weiter.
Einen Höhepunkt erreichte die Lindenauer Kiesbahn um 1960. Damals waren rund zwölf Kilometer Feldbahngleise vorhanden. Bis zu 35 Lokomotiven und etwa 700 Kipploren waren im Einsatz.
Dabei existierten sogar zwei Spurweiten. Neben der heute erhaltenen 800-Millimeter-Bahn gab es auch Gleise mit 600 Millimetern Spurweite.
Die Bahn spielte nach dem Zweiten Weltkrieg eine besonders wichtige Rolle. Das stark zerstörte Leipzig benötigte große Mengen Baustoffe für den Wiederaufbau, die aus den Kiesgruben im Leipziger Westen kamen.
Das Ende der Kiesbahn
Ab Mitte der 1960er-Jahre ging der Verkehr langsam zurück.
1965 endete der Dampflokbetrieb. Zwei Jahre später verschwanden auch die Elektrolokomotiven. Zuletzt fuhren nur noch Diesellokomotiven zwischen der Rückmarsdorfer Kiesgrube und den Anlagen am Lindenauer Hafen.
Im Mai 1991 fuhr der letzte reguläre Kieszug.
Kurz danach begann bereits der Abbau der Anlagen. Eisenbahnfreunde konnten jedoch verhindern, dass die gesamte Strecke verschwand.
Im Februar 1992 wurden rund ein Kilometer Strecke, der Lokschuppen und einige weitere Gebäude als technisches Denkmal erhalten.
Vom Industriegleis zur Museumsbahn
Schon im September 1992 konnten die ersten Besucher auf umgebauten Lorenfahrgestellen über die erhaltene Strecke fahren.
Die Strecke wurde anschließend wieder auf rund 1,5 Kilometer verlängert. 1995 gründete sich der heutige Verein Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau e. V.
Heute führt die Museumsbahn vom Museumsbahnhof über den Haltepunkt Schomburgkstraße bis zum Bahnhof Schönauer Lachen.
Dort wird die Lok für die Rückfahrt umgesetzt. Insgesamt verfügt das Museum inzwischen über rund zwei Kilometer Gleise einschließlich der Bahnhofsanlagen und Nebengleise.
Historische Lokomotiven
Zum Fahrzeugbestand gehören zahlreiche Feldbahnlokomotiven aus unterschiedlichen Jahrzehnten.
Die älteste Lok des Museums stammt aus dem Jahr 1928. Dabei handelt es sich um eine Hanomag-Lokomotive mit der Fabriknummer 10664.
Daneben sind mehrere Diesellokomotiven des Lokomotivbaus Karl Marx Babelsberg erhalten. Dazu gehören Maschinen der Typen Ns3i und Ns3d aus den 1950er- und 1960er-Jahren.
Auch eine elektrische beziehungsweise akkubetriebene Feldbahnlokomotive gehört zur Sammlung.
Damit lässt sich gut nachvollziehen, wie unterschiedlich solche kleinen Industriebahnen früher betrieben wurden.
Wagen aus mehr als 100 Jahren
Auch bei den Wagen reicht die Sammlung weit zurück.
Das älteste Fahrzeug stammt bereits aus dem Jahr 1880. Dazu kommen historische Personen- und Güterwagen verschiedener Schmalspurbahnen.
Ein Aussichtswagen von 1900 basiert beispielsweise auf einem ehemaligen Personenwagen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen.
Ein geschlossener Personenwagen von 1907 stammt ursprünglich von der Schweizer Wengernalpbahn. Nach mehreren späteren Einsätzen kam er 1998 nach Leipzig und wurde wieder auf 800 Millimeter Spurweite umgebaut.
Bei den Fahrtagen kommen außerdem speziell für den Personenverkehr hergerichtete Loren und Wagen zum Einsatz.
Ein Eimerkettenbagger in Aktion
Ein ungewöhnliches Exponat ist der betriebsfähige Eimerkettenbagger.
Der Bagger wurde 1951 von der Maschinenfabrik Willy Ertmer in Ludwigshafen gebaut und besitzt einen 11 PS starken Motor.
Der Verein übernahm ihn 2005 aus einer ehemaligen Sandgrube. Dort hatte das Gerät jahrzehntelang Sand und Kies gefördert.
Nach einer umfangreichen Restaurierung konnte der Bagger 2006 wieder in Betrieb genommen werden.
An ausgewählten Fahrtagen wird er vorgeführt. Damit zeigt das Museum neben den eigentlichen Feldbahnen auch die Technik, mit der früher das Material gewonnen wurde, das anschließend auf die Loren verladen wurde.
Fahrt mit der Museumsfeldbahn
An den öffentlichen Fahrtagen pendeln die Museumszüge zwischen dem Museumsbahnhof und dem Bahnhof Schönauer Lachen.
Die Strecke führt zunächst am Lindenauer Hafen vorbei. Nach dem Haltepunkt Schomburgkstraße unterquert die Bahn die Lyoner Straße und führt anschließend weiter in Richtung der ehemaligen Kiesgruben.
Für Hin- und Rückfahrt einschließlich Museumsbesuch sollte ungefähr eine Stunde eingeplant werden.
Eine Reservierung ist an den normalen Fahrtagen nicht notwendig.
Fahrtage 2026
Die Museumsfeldbahn besitzt keine regelmäßigen wöchentlichen Öffnungszeiten. Gefahren wird an mehreren ausgewählten Veranstaltungstagen im Jahr.
Für 2026 stehen aktuell noch folgende Termine an:
13. September 2026
Tag der Industriekultur und Tag des offenen Denkmals
10:00 bis 17:00 Uhr
24. Oktober 2026
Lampionfahrten
14:00 bis 20:00 Uhr
25. Oktober 2026
Herbstfahrtag
10:00 bis 17:00 Uhr
6. Dezember 2026
Nikolausfahrtag
10:00 bis 17:00 Uhr
27. Dezember 2026
Glühweinfahrten
10:00 bis 17:00 Uhr
Vor einer längeren Anreise empfiehlt sich trotzdem ein Blick auf die aktuelle Terminübersicht des Vereins.
Fahrpreise
Eine Fahrkarte gilt für die Fahrt zum Bahnhof Schönauer Lachen und zurück sowie für den Besuch des Feldbahnmuseums.
Aktuell gelten folgende Preise:
- Erwachsene: 5 Euro
- Kinder von 7 bis 14 Jahren: 3 Euro
- Familienkarte: 12 Euro
Die Familienkarte gilt für Eltern mit eigenen Kindern beziehungsweise Großeltern mit ihren Enkeln.
Fahrkarten werden direkt beim Schaffner im Zug verkauft.
Anreise
Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau
am alten Lindenauer Hafen
Plautstraße
04179 Leipzig
Mit dem Auto empfiehlt sich die Anfahrt zum Haltepunkt Schomburgkstraße. Dort gibt es Parkmöglichkeiten. An Fahrtagen verkehren von hier etwa alle 15 Minuten Züge zum Museumsbahnhof.
Direkt am Museumsbahnhof gibt es keine Parkplätze.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann die Buslinie 80 bis Plaut-/Schomburgkstraße genutzt werden. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß.
Alternativ fährt die Buslinie 60 bis Lindenau, Hafentor. Auch von dort führt ein Fuß- und Radweg zum Museumsbahnhof.
Mit den Straßenbahnlinien 8 und 15 ist die Anreise bis Saarländer Straße möglich. Von dort sind es rund 1,2 Kilometer zu Fuß.
Gerade für Feldbahnfreunde lohnt sich ein Besuch, weil in Leipzig-Lindenau nicht einfach irgendwo eine neue Museumsstrecke gebaut wurde. Gefahren wird auf einem erhaltenen Teil einer echten Industriebahn, deren Geschichte bis 1856 zurückreicht.
Fotonachweis
Hanomag-Lokomotive von 1928 bei der Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau. Foto: Torsten Maue / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.

