Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Direkt neben dem Bahnhof Mühlacker befindet sich eine große Modellbahnwelt in einem Gebäude, das selbst zur Eisenbahngeschichte gehört. Der Modelleisenbahnclub Mühlacker e.V., kurz MCM, betreibt seine Anlagen im denkmalgeschützten ehemaligen Maschinen- und Kesselhaus der Königlich Württembergischen Eisenbahn. Im Erdgeschoss erwartet Besucher eine rund 50 Quadratmeter große H0-Anlage mit Kopfbahnhof, Bahnbetriebswerk, zweigleisiger Hauptstrecke, Schnellfahrstrecke, Nebenbahn und einer H0m-Gebirgsbahn nach Schweizer Vorbild. Im Obergeschoss befindet sich zusätzlich eine rund 50 Quadratmeter große Spur-1-Anlage.Modelleisenbahnclub seit 1981
Die Geschichte des Modelleisenbahnclubs Mühlacker begann am 10. September 1981. Damals schlossen sich 14 Modellbahnbegeisterte zur Modellbahngruppe Mühlacker zusammen. Die Deutsche Bundesbahn stellte der jungen Gruppe zunächst einen Kellerraum unter der ehemaligen Güterabfertigung zur Verfügung. Dort entstand nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die erste gemeinsame H0-Anlage. Schon in den ersten Jahren präsentierten die Modellbahner ihre Anlage bei Modellbahntagen, Bahnhofs- und Stadtfesten öffentlich.Umzug in ein echtes Eisenbahngebäude
Ende der 1980er-Jahre wurde deutlich, dass das bisherige Clubheim langfristig nicht erhalten bleiben würde. Nach Verhandlungen mit der damaligen Bundesbahn und der Stadt Mühlacker konnte der Verein 1993 schließlich ein ehemaliges Bahngebäude unmittelbar am Bahnhof übernehmen. Seit dem 23. Juli 1993 trägt die Gruppe offiziell den Namen Modelleisenbahnclub Mühlacker e.V.Maschinen- und Kesselhaus von 1894
Das heutige Vereinsheim wurde 1894 als Maschinen- und Kesselhaus der Königlich Württembergischen Eisenbahn errichtet. Das rund 24,5 Meter lange Backsteingebäude diente früher dazu, elektrischen Strom für die Gebäude und technischen Anlagen des großen Bahnhofs Mühlacker zu erzeugen. Zum Bau gehörte ursprünglich ein etwa 25 Meter hoher Schornstein. Als der Modelleisenbahnclub das Gebäude übernahm, befand es sich in einem schlechten Zustand. Mit viel Eigenleistung wurde das historische Bahngebäude restauriert und zu einem Vereinsheim umgebaut.Mühlacker war früher ein Grenzbahnhof
Der Standort besitzt eine ungewöhnliche Eisenbahngeschichte. Mühlacker lag früher an der Grenze zwischen dem württembergischen und dem badischen Eisenbahnnetz. Entsprechend umfangreich waren die Anlagen: Es gab einen württembergischen und einen badischen Bahnhof, zwei Bahnbetriebswerke mit Lokschuppen, Güteranlagen, Umladestellen und zeitweise bis zu acht Stellwerke. Damit befindet sich die Modelleisenbahn heute an einem Ort, an dem über viele Jahrzehnte echter Eisenbahnbetrieb in großem Umfang stattfand.50 Quadratmeter große H0-Anlage
Das Herzstück des Vereins ist die rund 50 Quadratmeter große H0-Anlage im Maßstab 1:87. Sie besitzt einen U-förmigen Grundriss. Auf einem Anlagenschenkel dominiert ein großer Kopfbahnhof mit Bahnbetriebswerk und Stadt. Auf der anderen Seite verlaufen Hauptstrecke, Schnellfahrstrecke, Nebenbahn und die schmalspurige Gebirgsbahn durch eine Mittelgebirgs- und Alpenlandschaft.Großer Kopfbahnhof mit sieben Bahnsteiggleisen
Der betriebliche Mittelpunkt der Anlage ist ein großer Kopfbahnhof mit sieben Bahnsteiggleisen. Anders als bei einer reinen automatischen Schauanlage wird hier bewusst rangiert. Bei klassischen lokbespannten Zügen wird die Lok nach der Einfahrt abgekuppelt. Am anderen Zugende übernimmt eine neue Maschine, während die bisherige Lok ins Bahnbetriebswerk fährt. Dadurch entstehen viele unterschiedliche Rangierbewegungen und Lokwechsel. Bis zu vier Züge können sich gleichzeitig im Bahnhofsbereich bewegen.Bahnbetriebswerk mit Ringlokschuppen
Direkt neben dem Kopfbahnhof liegt ein großes Bahnbetriebswerk. Mittelpunkt ist die Drehscheibe mit einem neunständigen Ringlokschuppen. Für Dampflokomotiven gibt es Behandlungsanlagen für Kohle und Wasser. Die Drehscheibe besitzt zusätzlich eine Fahrleitungsspinne, sodass auch Elektro- und Diesellokomotiven dort eingesetzt werden können.Zweigleisige Hauptstrecke
Eine zweigleisige Hauptstrecke verbindet mehrere Bereiche der Anlage. Sie ist nach dem sogenannten Hundeknochenprinzip aufgebaut und besitzt an ihren Enden große verdeckte Schattenbahnhöfe. Personen- und Güterzüge verschwinden dadurch zeitweise aus dem sichtbaren Bereich und tauchen später wieder auf. So lässt sich ein abwechslungsreicher Betrieb mit vielen unterschiedlichen Garnituren darstellen. Eine zusätzliche eingleisige Nebenbahn verbindet den Abzweigbahnhof direkt mit dem Kopfbahnhof. Dort kann beispielsweise ein Schienenbus automatisch pendeln.Eigene Schnellfahrstrecke
Parallel zur klassischen Hauptstrecke besitzt die H0-Anlage eine separate Schnellfahrstrecke. Die Züge fahren unter anderem über eine Spannbetonbogenbrücke an einem kleinen Stausee vorbei und durch mehrere Tunnel. Verdeckte Schattenbahnhöfe ermöglichen auch hier den Wechsel zwischen unterschiedlichen Zuggarnituren. Dieser Bereich kann vollständig vom Computer gesteuert werden. Dabei lassen sich beispielsweise Parallelfahrten und sogenannte fliegende Überholungen vorführen.Schweizer Gebirgsbahn in H0m
Eine der interessantesten Besonderheiten ist die schmalspurige H0m-Gebirgsbahn. Vorbild sind Strecken der Rhätischen Bahn sowie der früheren Furka-Oberalp-Bahn, die heute zur Matterhorn-Gotthard-Bahn gehört. Die Schmalspurzüge fahren aus einem viergleisigen Schattenbahnhof über Kreuzungsbahnhöfe, Kehrtunnel und Brücken hinauf in die Berglandschaft. Ein rund 40 Zentimeter hoher Steinbogenviadukt gehört zu den markanten Bauwerken dieses Anlagenteils.Zahnradbahn mit bis zu 12 Prozent Steigung
Von der H0m-Strecke zweigt zusätzlich eine Zahnradbahn ab. Sie besitzt eine funktionsfähige Modellzahnstange nach dem System Abt. Damit können entsprechend ausgerüstete Lokomotiven Steigungen von bis zu etwa zwölf Prozent überwinden. Über Kehrtunnel und Brücken steigt die Strecke bis zu einem Endbahnhof auf rund 2,5 Metern Höhe über dem Fußboden an.Bis zu sieben Schmalspurzüge automatisch unterwegs
Auch die Gebirgsbahn wird computergesteuert. Bis zu sieben Züge können dort automatisch verkehren. Da die Strecke überwiegend eingleisig ausgeführt ist, müssen sich entgegenkommende Züge in den Kreuzungsbahnhöfen begegnen. Dadurch entsteht ein Betriebsablauf, der sich deutlich von der großen zweigleisigen Hauptstrecke unterscheidet.Autos reagieren auf die Eisenbahn
Auch Straßenfahrzeuge sind in die Steuerung eingebunden. Auf einem Teil der Anlage kommt das DC-Car-System zum Einsatz. An einem funktionsfähigen Bahnübergang schließen sich die Schranken automatisch, wenn sich ein Zug nähert. Die Modellautos halten anschließend selbstständig vor dem geschlossenen Bahnübergang und fahren nach Freigabe der Straße weiter.Digitalsteuerung und Handbetrieb kombiniert
Die Anlage verbindet unterschiedliche Steuerungskonzepte. Auf der Hauptstrecke werden die Züge digital gefahren, während Fahrstraßen teilweise über selbst gebaute Relaisstellpulte eingestellt werden. Andere Bereiche wie Schnellfahrstrecke und Gebirgsbahn werden zusammen mit der Software Win-Digipet automatisch gesteuert. Damit treffen klassischer manueller Modellbahnbetrieb und moderne Computersteuerung auf derselben Anlage aufeinander.Bis zu 30 Züge an den Fahrtagen
Bei öffentlichen Fahrtagen können bis zu 30 unterschiedliche Zuggarnituren auf der großen H0-Anlage eingesetzt werden. Der Verein legt sich dabei nicht dauerhaft auf eine einzige Epoche fest. Das jeweilige Thema und die eingesetzten Fahrzeuge können sich von Veranstaltung zu Veranstaltung ändern.50 Quadratmeter Spur 1 im Obergeschoss
Im Obergeschoss wartet eine zweite große Modellbahn. Die Spur-1-Anlage umfasst ebenfalls rund 50 Quadratmeter. Spur 1 entspricht ungefähr dem Maßstab 1:32. Lokomotiven und Wagen sind dadurch wesentlich größer als ihre H0-Pendants und wirken besonders eindrucksvoll, wenn längere Züge durch den Raum fahren.Fünfgleisiger Bahnhof und Lokschuppen
Der Mittelpunkt der Spur-1-Anlage ist ein fünfgleisiger Durchgangsbahnhof mit zweiständigem Lokschuppen. Hinzu kommen eine eingleisige Ringstrecke, eine zweigleisige Hauptstrecke und ein zusätzlicher dreigleisiger Abstellbahnhof.Spur-1-Züge auf bis zu zwei Metern Höhe
Die Hauptstrecke der Spur-1-Anlage erreicht eine Länge von etwa 25 Metern. Vom Bahnhof bis zur oberen Wendeschleife überwindet sie ungefähr 60 Zentimeter Höhenunterschied. Ein Teil der Strecke verläuft schließlich in etwa zwei Metern Höhe entlang der Außenwand. Gerade lange Spur-1-Züge kommen dort besonders gut zur Geltung.Bis zu vier Spur-1-Züge gleichzeitig
Die Gleisanordnung ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von bis zu vier Zügen. Während ein Zug auf der Ringstrecke unterwegs ist, können mehrere weitere Fahrzeuge auf der Hauptstrecke verkehren. Parallel dazu sind Rangierbewegungen im Abstellbahnhof möglich. Auch die Spur-1-Anlage wird digital betrieben. Die Weichen werden über eine Computeroberfläche gesteuert, während die Geschwindigkeit der Züge weiterhin manuell geregelt wird.Modellbahnfundgrube und Vereinsbistro
Bei größeren Fahrtagen gehört häufig auch die vereinseigene Modellbahnfundgrube zum Angebot. Dort werden überzählige Modellbahnfahrzeuge, Gebäude, Modellautos und weiteres Zubehör angeboten. Im Vereinsheim gibt es außerdem einen Bistro- beziehungsweise Cafeteriabereich. Bei Veranstaltungen werden dort Speisen, Getränke, Kaffee und Kuchen angeboten.Modellbahnausstellung beim Martinimarkt 2026
Der nächste große öffentliche Termin ist am Sonntag, 8. November 2026. Anlässlich des Mühlacker Martinimarkts öffnet der Modelleisenbahnclub sein Vereinsheim. Die Modellbahnausstellung ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Nach aktuellem Veranstaltungsstand werden sowohl die große H0-Anlage als auch die Spur-1-Anlage im Betrieb gezeigt. Der Martinimarkt findet gleichzeitig in der Mühlacker Innenstadt statt und lässt sich gut mit dem Besuch der Modellbahnausstellung verbinden.Clubabend jeden Freitag
Außerhalb der öffentlichen Fahrtage handelt es sich nicht um eine täglich geöffnete Modellbahnausstellung. Der regelmäßige Clubabend findet freitags ab 18 Uhr statt. Wer den Verein außerhalb eines öffentlichen Fahrtags kennenlernen möchte, sollte vorher Kontakt aufnehmen.Direkt am Bahnhof Mühlacker
Das Vereinsheim liegt unmittelbar am Bahnhof Mühlacker. Dadurch ist die Anreise mit der Bahn besonders einfach. Der Bahnhof ist ein wichtiger Eisenbahnknoten zwischen Stuttgart, Karlsruhe und Pforzheim. Damit lässt sich der Besuch der Modellbahn passend mit einer Bahnfahrt verbinden.Adresse
Modelleisenbahnclub Mühlacker e.V. Bahnhofstraße 113 75417 MühlackerLohnt sich ein Besuch?
Der Modelleisenbahnclub Mühlacker gehört zu den interessanteren Vereinsanlagen der Region. Die große H0-Anlage bietet nicht nur viele fahrende Züge, sondern mit Kopfbahnhof, Bahnbetriebswerk, Schnellfahrstrecke und Schweizer Zahnradbahn sehr unterschiedliche Betriebsformen. Die große Spur-1-Anlage im Obergeschoss ergänzt das Angebot mit deutlich größeren Fahrzeugen. Besonders interessant ist außerdem das historische Vereinsheim: Modellbahnbetrieb findet hier in einem echten ehemaligen Bahngebäude von 1894 statt. Für einen ersten Besuch eignet sich einer der öffentlichen Fahrtage. Dann können H0- und Spur-1-Anlage mit umfangreichem Zugbetrieb erlebt werden.
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