Zuletzt aktualisiert am 21.09.2026
Mitten im Münchner Westend verbirgt sich eine der traditionsreichsten Modellbahnvereinigungen der Stadt. Der Modelleisenbahn-Club München e.V. wurde bereits 1933 gegründet und betreibt heute in seinem Vereinsheim im Gewerbehof Westend große digital gesteuerte Anlagen in den Spurweiten H0 und 0.
Besonders umfangreich ist die rund 100 Quadratmeter große H0-Anlage. Zweigleisige Hauptstrecke, mehrere Bahnhöfe, drei Schattenbahnhöfe, ein großes Bahnbetriebswerk, Güterverkehr, Straßenbahn und Car-System sorgen für abwechslungsreichen Betrieb.
Modellbahntradition seit 1933
Die Geschichte des Modelleisenbahn-Clubs München begann am 19. Mai 1933. Einige Eisenbahnbegeisterte gründeten damals den Verein und errichteten ihre erste Anlage auf dem Dachboden der Münchner Tumblingerschule.
Gefahren wurde zunächst in Spur 0. Ein großer Teil des verwendeten Materials stammte von Märklin und entsprach der damals verbreiteten Blechspielzeug-Bauweise.
Bereits 1936 präsentierte der Verein eine für damalige Verhältnisse große Spur-0-Anlage im Münchner Hirschgarten. Dadurch wurde der Club erstmals einem größeren Publikum bekannt.
Die große Verkehrsausstellung von 1953
Ein besonders spannendes Kapitel der Vereinsgeschichte folgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Für die Deutsche Verkehrsausstellung 1953 in München baute der Modelleisenbahn-Club die offizielle Modellbahnanlage der Deutschen Bundesbahn.
Die Dimensionen waren für eine Modellbahn außergewöhnlich. Die Spur-0-Anlage belegte eine Fläche von rund 60 × 10 Metern. Verlegt wurden etwa 1.300 Meter Gleis sowie rund 170 Weichen und ebenso viele Signale.
Auf der Anlage verkehrten 30 Lokomotiven, 60 Reisezugwagen und rund 170 Güterwagen. Für die Steuerung setzte die Deutsche Bundesbahn mehr als 2.500 Relais und drei Stellpulte ein.
Damit wurde bereits vor mehr als 70 Jahren versucht, echten Eisenbahnbetrieb im Modell möglichst vorbildgerecht nachzubilden.
Mehrere Umzüge durch München
Die Geschichte des Clubs ist auch eine Geschichte zahlreicher Umzüge. Nach ersten Räumen in der Lazarettstraße zog der Verein 1954 in das sogenannte Krauss-Gebäude an der Arnulfstraße.
1970 folgte ein Umzug auf das Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs an der Arnulfstraße. Bereits 1972 konnte dort wieder eine vollständige H0-Anlage befahren werden.
1992 musste der Verein erneut umziehen und fand im Ausbesserungswerk München-Neuaubing eine neue Heimat.
Als auch dieser Standort aufgegeben wurde, bezog der Club 2002 schließlich seine heutigen Räume im Gewerbehof Westend nahe der Donnersberger Brücke.
Rund 100 Quadratmeter H0-Modellbahn
Die heutige H0-Anlage entstand ab 2004. Nach dem Umzug zeigte sich, dass die bisherigen Bahnhofsteile nicht sinnvoll in die neuen Räume integriert werden konnten. Deshalb wurde die Anlage weitgehend neu geplant.
Heute umfasst sie rund 100 Quadratmeter. Das zentrale Streckennetz besteht aus einer zweigleisigen Hauptbahn und mehreren umfangreichen Bahnhofs- und Abstellbereichen.
Kopf- und Durchgangsbahnhof
Auf der Anlage gibt es sowohl einen Kopfbahnhof als auch einen Durchgangsbahnhof. Damit lassen sich sehr unterschiedliche Betriebsabläufe darstellen.
Im Kopfbahnhof müssen Lokomotiven umgesetzt oder Züge neu zusammengestellt werden. Im Durchgangsbahnhof können dagegen längere Reise- und Güterzüge die Strecke ohne Richtungswechsel passieren.
Nach Angaben des Vereins können auf der Anlage Züge mit einer Länge von bis zu fünf Metern verkehren.
Drei große Schattenbahnhöfe
Unter den sichtbaren Strecken befinden sich drei Schattenbahnhöfe. Dort können zahlreiche komplette Zuggarnituren abgestellt und später wieder automatisch oder manuell in den sichtbaren Anlagenbereich geschickt werden.
Dadurch lässt sich ein abwechslungsreicher Fahrbetrieb darstellen, ohne dass ständig dieselben Züge über die Anlage fahren müssen.
Ablaufberg für den Güterverkehr
Ungewöhnlich für eine Vereinsanlage ist der nachgebildete Ablaufberg. Beim großen Vorbild werden Güterwagen auf einem solchen Rangierbahnhof über einen kleinen Hügel gedrückt und anschließend nach ihren Zielgleisen sortiert.
Zusammen mit eigenen Abstellgruppen für Güterzüge bildet dieser Bereich einen wichtigen Teil des Güterverkehrs auf der Münchner H0-Anlage.
Großes Bahnbetriebswerk
Zu den auffälligsten Bereichen gehört das große Bahnbetriebswerk. Dort finden sowohl Dampf- als auch Diesel- und Elektrolokomotiven ihren Platz.
Damit lassen sich Fahrzeuge aus unterschiedlichen Eisenbahnepochen glaubwürdig einsetzen. Gerade für Besucher lohnt sich hier ein genauer Blick auf die zahlreichen kleinen Betriebs- und Werkstattszenen.
Straßenbahn in H0 und H0m
Neben der Eisenbahn spielt auch die Straßenbahn eine größere Rolle. Auf der H0-Anlage entsteht eine umfangreiche Straßenbahnstrecke.
Eine Besonderheit ist die Kombination verschiedener Spurweiten. Neben normalspurigen Straßenbahnfahrzeugen können auch meterspurige Modelle auf H0m-Gleisen eingesetzt werden.
Gerade dieser Bereich bietet einen direkten Bezug zu München, wo die Straßenbahn bis heute ein wichtiger Bestandteil des Stadtverkehrs ist.
Autos fahren ebenfalls über die Anlage
Auch der Straßenverkehr ist beweglich gestaltet. Mit einem System ähnlich dem Faller Car System können Modellfahrzeuge selbstständig über die Straßen fahren.
Dadurch beschränkt sich die Bewegung auf der Anlage nicht auf die Schienen. Autos und Nutzfahrzeuge ergänzen den Zug- und Straßenbahnbetrieb.
Feuerwehreinsatz als neues Projekt
Die Modellbahn wird weiterhin ausgebaut. 2026 arbeitet der Verein unter anderem an einer neuen Feuerwache mit integriertem Car-System.
Später sollen dort Einsätze automatisch ausgelöst werden können. Die Tore der Feuerwache öffnen sich, anschließend sollen die Einsatzfahrzeuge selbstständig ausrücken.
Solche Projekte zeigen, dass die Anlage trotz ihrer Größe kein abgeschlossenes Schaustück ist. Die Mitglieder bauen kontinuierlich weiter.
Digitale Steuerung mit DCC
Die H0-Anlage wird digital betrieben. Der Verein verwendet ein Digitalsystem von Lenz und damit das weit verbreitete DCC-System.
Für Modellbahner ist die Anlage deshalb auch technisch interessant. Lange Züge, zahlreiche Fahrwege, Schattenbahnhöfe und unterschiedliche Betriebsbereiche müssen zuverlässig miteinander koordiniert werden.
Große Spur-0-Anlage
Neben H0 betreibt der Club weiterhin eine Anlage in Spur 0. Diese Baugröße besitzt im Modell eine Spurweite von 32 Millimetern und wird üblicherweise im Maßstab 1:45 gebaut.
Damit sind Lokomotiven und Wagen etwa doppelt so groß wie entsprechende H0-Modelle. Details an Fahrzeugen, Gleisen und Gebäuden lassen sich dadurch besonders gut erkennen.
Die Spur-0-Aktivitäten sind eng mit der Vereinsgeschichte verbunden, denn bereits die erste Clubanlage von 1933 wurde in dieser Baugröße errichtet.
Vom Ausstellungsmodul zur stationären Anlage
Die heutige Spur-0-Anlage entstand ursprünglich als Modulanlage. Mit ihr nahm der MEC München an verschiedenen Modellbahnausstellungen teil.
Heute ist sie dauerhaft im Vereinsheim aufgebaut und ebenfalls digital mit DCC gesteuert.
Bahnhof Nettelkofen
Ein Mittelpunkt der Spur-0-Anlage ist der Durchgangsbahnhof Nettelkofen. Ergänzt wird er durch eine Abstellgruppe, in der auch längere Zuggarnituren Platz finden.
Auf der Anlage verkehren außerdem Schmalspurfahrzeuge. Dadurch lassen sich unterschiedliche Bahnsysteme innerhalb einer gemeinsamen Modelllandschaft darstellen.
Spur-0-Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe
Auch die Spur-0-Anlage wird derzeit erweitert. Geplant beziehungsweise im Bau ist ein größeres Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe.
Zusätzlich entsteht ein Gleisdreieck. Dadurch sollen künftig komplette Züge gewendet werden können.
Eine weitere Erweiterung umfasst einen Gleisanschluss zu einer Brauerei sowie einen Bereich für die Verladung von Straßenfahrzeugen auf Culemeyer-Straßenroller.
Besuch nur nach Voranmeldung
Der Modelleisenbahn-Club München betreibt keine täglich geöffnete öffentliche Schauanlage. Das Vereinsheim dient in erster Linie der gemeinsamen Clubarbeit.
Der regelmäßige Clubabend findet freitags statt. Besichtigungen sind nach Angaben des Vereins grundsätzlich möglich, müssen jedoch vorher vereinbart werden.
Wer die Anlagen sehen möchte, sollte deshalb vor der Anreise über die Vereinswebsite Kontakt aufnehmen und einen Termin abstimmen.
Vereinsheim im Münchner Westend
Seit 2002 befindet sich der Modelleisenbahn-Club im Gewerbehof Westend nahe der Donnersberger Brücke.
Besucheradresse: Modelleisenbahn-Club München e.V. Gewerbehof Westend Gollierstraße 70, Aufgang C 5. Stock rechts 80339 München
Durch die innerstädtische Lage lässt sich der Verein auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. In der Umgebung befinden sich unter anderem die S-Bahn-Station Donnersbergerbrücke und der Bahnhof Heimeranplatz.
Lohnt sich ein Besuch?
Der Modelleisenbahn-Club München ist besonders für Modellbahner interessant, die große Vereinsanlagen mit abwechslungsreichem Betrieb mögen. Auf der H0-Anlage treffen Hauptbahn, Rangierbetrieb, Bahnbetriebswerk, Straßenbahn und Straßenverkehr aufeinander.
Die Spur-0-Anlage bietet dagegen große, detaillierte Fahrzeuge und erinnert gleichzeitig an die Anfänge des Vereins vor mehr als 90 Jahren.
Da Besichtigungen nur nach vorheriger Absprache möglich sind, eignet sich der MEC München weniger für einen spontanen Museumsbesuch. Wer sich vorher anmeldet, bekommt dafür einen Einblick in eine traditionsreiche Münchner Modellbahnwerkstatt, in der weiterhin regelmäßig gebaut und gefahren wird.
Fotonachweis
Modellbahn-Befehlsstand auf der Deutschen Verkehrsausstellung in München, 20. Juni 1953. Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 025361a, CC BY 4.0.
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