Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Im Untergeschoss der Hans-Winkler-Sporthalle in Lagerlechfeld befindet sich das Zuhause des ModellbahnClub-Lechfeld e.V. Der Verein beschäftigt sich mit ganz unterschiedlichen Spurweiten und verbindet klassischen Modellbahnbau mit Digitaltechnik, Landschaftsgestaltung und regionaler Eisenbahngeschichte.
Besonders interessant ist die große H0-Anlage „Lechfeld“. Sie zeigt den Bahnhof Lagerlechfeld und einen Teil des Ortes ungefähr im Zustand der 1970er-Jahre. Zusätzlich besitzt der Club stationäre Anlagen in H0 und Spur N, eine große Gartenbahn in Spur G sowie weitere kleinere Anlagen und Module.
Modellbahnverein seit 2009
Die Geschichte des ModellbahnClub-Lechfeld begann im Sommer 2009. Nach einem Aufruf in der Schwabmünchner Allgemeinen trafen sich Modellbahnfreunde aus dem südlichen Landkreis Augsburg zunächst zwanglos in der Gaststätte „Zur Alten Mühle“ in Lagerlechfeld.
Schon nach wenigen Treffen fiel die Entscheidung, daraus einen festen Verein zu machen. Am 16. Oktober 2009 versammelten sich zwölf Modellbahnfreunde zur Gründung des ModellbahnClubs. Wenig später wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt.
Erstes Vereinsheim im ehemaligen Lazarett
Die Gemeinde Graben stellte dem jungen Verein zunächst Räume auf dem Gelände des ehemaligen Lazaretts Lagerlechfeld zur Verfügung. Das frühere Gebäude der Finanzbauverwaltung beziehungsweise eines Kindergartens wurde von den Mitgliedern renoviert.
Später konnte zusätzlich ein ehemaliger Liegesaal des Lazaretts genutzt werden. Dort fanden unter anderem die große H0-Anlage und die Gartenbahn Platz.
Seit 2019 in der Hans-Winkler-Sporthalle
2019 musste der Verein seine bisherigen Räume verlassen. Die Gemeinde Graben bot daraufhin Kellerräume in der renovierten Hans-Winkler-Sporthalle in Lagerlechfeld an.
Die ehemaligen Umkleide- und Duschräume wurden in umfangreicher Eigenleistung umgebaut. Wände wurden entfernt, Räume renoviert, Beleuchtung und Stromversorgung erneuert und neue Bereiche für Anlagen, Werkstatt und Vereinsleben geschaffen.
Ende November 2019 wurden die neuen Räume offiziell übergeben. Seitdem befinden sich die Clubanlagen im Untergeschoss der Sporthalle.
Bahnhof Lagerlechfeld um 1970 im Maßstab 1:87
Das wichtigste Projekt des Vereins ist die transportable H0-Anlage „Lechfeld“. Mittelpunkt ist der Bahnhof Lagerlechfeld an der Bahnstrecke Bobingen–Kaufering beziehungsweise in Richtung Landsberg am Lech.
Der Bahnhof und Teile seines Umfelds werden ungefähr im Zustand der 1970er-Jahre dargestellt. Dafür nutzten die Modellbauer historische Fotos, Gleispläne und Originalunterlagen der Deutschen Bundesbahn.
Auch das Bahnhofsgebäude wurde nach historischen Unterlagen im Maßstab 1:87 nachgebaut.
Die echte Lechfeldbahn als Vorbild
Lagerlechfeld liegt an der Bahnstrecke von Bobingen über Kaufering nach Landsberg am Lech. Der Bahnhof wurde bereits 1877 eröffnet und steht in engem Zusammenhang mit dem früheren Militärlager und dem späteren Fliegerhorst Lechfeld.
Diese Verbindung zwischen Eisenbahn und Militärgeschichte greift auch die Modellbahn auf. Neben dem Bahnhof sind unter anderem Bereiche des militärischen Geländes und der frühere Gleisanschluss dargestellt.
14 Segmente auf sechs mal drei Metern
Die H0-Anlage ist vollständig transportabel aufgebaut. Sie besteht aus 14 Segmenten mit jeweils ungefähr einem Meter Kantenlänge.
Bei einer Ausstellung werden die Elemente zu einem etwa sechs Meter langen und drei Meter breiten Rechteck zusammengesetzt.
Auf der Vorderseite befindet sich der sichtbare Bereich mit Bahnhof und Landschaft. Auf der Rückseite liegt ein großer verdeckter Schattenbahnhof.
Zehn Abstellgleise im Schattenbahnhof
Der Schattenbahnhof besitzt zehn Abstellgleise, zwei Umfahrgleise und zwei Kehrschleifen. Dadurch können zahlreiche Zuggarnituren abwechselnd auf die sichtbare Strecke geschickt werden.
Das ist gerade bei einer eingleisigen Nebenbahn wichtig: Die Züge verschwinden hinter der Kulisse und können später als andere Garnitur wieder in Lagerlechfeld erscheinen.
Rund 90 Meter Gleis
Auf der Anlage liegen rund 90 Meter Gleis. Verbaut sind 46 Weichen, sechs Flügelsignale, zwei Schrankenanlagen und zahlreiche verdeckte Rückmelder.
Die Gleise wurden mit echtem Steinschotter eingeschottert. Viele Bäume, Landschaftsteile und technische Komponenten entstanden im Eigenbau.
DCC und TrainController
Technisch ist die Anlage vollständig digitalisiert. Gefahren wird im DCC-System. Als Steuerungssoftware kommt TrainController Gold zum Einsatz.
Rund 190 Stromsensoren dienen der Belegtmeldung. Weichen, Signale und Schranken werden über Servoantriebe bewegt.
Viele Platinen und elektronische Komponenten wurden von Vereinsmitgliedern selbst entwickelt und aufgebaut. Damit ist die Anlage auch für Besucher interessant, die sich stärker für Digitaltechnik und Automatisierung interessieren.
Der Fliegerhorst Lechfeld im Modell
Ein eigener Anlagenteil erinnert an die militärische Geschichte Lagerlechfelds. Das riesige Flugplatzgelände konnte natürlich nicht vollständig im Maßstab 1:87 umgesetzt werden.
Stattdessen entstand eine bewusst verkürzte Interpretation mit Hauptwache, Gebäuden, Antreteplatz und einem Flugzeug vom Typ F-104 auf einem Sockel.
Zwei Modellgleise stellen den früheren Anschluss in Richtung Tanklager dar.
Vom Lechfeld ins Allgäu
Die Modellbahn endet nicht beim historischen Vorbild Lagerlechfeld. Weitere Module führen in frei gestaltete Landschaften und schließlich in Richtung eines fiktiven Allgäus.
Ein großes Bergmodul wurde 2025 fertiggestellt. Es zeigt eine alpine Landschaft mit Schlucht, Hängebrücke, Bergwald, Almen und Bergsteigern.
Die Bahnstrecke führt durch den Berg und anschließend in ein Allgäu-Tal mit Fluss, Sägewerk und Wasserrädern.
Große stationäre H0-Anlage
Neben der transportablen Lechfeld-Anlage baut der Verein in seinen Clubräumen eine weitere stationäre H0-Anlage im Zweileiter-Gleichstromsystem.
Die Strecke verläuft auf mehreren Ebenen und verbindet zwei Durchgangsbahnhöfe mit einem Schattenbahnhof.
Ein besonders auffälliger Bereich ist ein großer Burgberg. Die zweigleisige Strecke führt um den Berg herum und verschwindet anschließend in einer im Inneren verborgenen Gleiswendel.
Die Anlage befindet sich weiterhin im Ausbau. Dadurch können Besucher bei öffentlichen Terminen teilweise auch sehen, wie Unterbau, Styrodurlandschaft, Elektrik und Gleisbau entstehen.
Spur-N-Anlage aus zwei Modellbahnwelten
Eine weitere stationäre Anlage fährt in Spur N im Maßstab 1:160.
Sie entstand aus Teilen einer älteren Clubanlage und einer kompletten privaten Modellbahn, die dem Verein überlassen wurde. Beide Bereiche wurden durch neu gebaute Strecken miteinander verbunden.
Zur Anlage gehören unter anderem ein großer Durchgangsbahnhof, Stadtbereiche, Landschaft und ein Bahnbetriebswerk. Auch ein kleines Car-System wurde integriert.
Historische Canisius-Modulanlage
2024 übernahm der ModellbahnClub außerdem eine historische N-Modulanlage des aufgelösten Modellbahn Club Canisius aus Augsburg.
Die 21 Module hatten mehrere Jahre nicht mehr im regulären Betrieb gestanden. Der Lechfelder Verein möchte sie technisch überarbeiten und zugleich die Geschichte des früheren Augsburger Clubs erhalten.
Die Anlage soll künftig wieder bei Ausstellungen und Vereinsveranstaltungen eingesetzt werden.
Gartenbahn in Spur G
Am anderen Ende der Modellbahngrößen befindet sich die Spur G im Maßstab von ungefähr 1:22,5.
Die große Gartenbahnanlage ist teilweise digitalisiert und kann ebenfalls transportiert werden. Sie wird beispielsweise bei Festen, Weihnachtsmärkten und öffentlichen Vereinsveranstaltungen gezeigt.
Damit passt auch das Vereinsmotto sehr gut: „Von Z bis G ist alles OK“.
Jugendarbeit gehört zum Vereinskonzept
Der ModellbahnClub legt großen Wert darauf, auch Kinder und Jugendliche für das Hobby zu begeistern.
Bei Basteltagen geht es nicht nur ums Zugfahren. Die Teilnehmer lernen Landschaftsbau, Gebäudebau, Holzbearbeitung, Löten, Elektrik und Grundlagen der Digitaltechnik kennen.
Auch beim Ferienprogramm der Lechfeldgemeinden beteiligte sich der Verein mehrfach mit Modellbahnprojekten und Ausflügen.
Clubabende und Besuch
Die Clubräume sind keine täglich geöffnete Modellbahnschau. Der Verein veranstaltet jedoch regelmäßig Clubabende, Basteltage, Ausstellungen und Tage der offenen Tür.
Für 2026 führt der Vereinskalender weiterhin regelmäßige Clubabende, in der Regel donnerstags am Abend. Interessierte Gäste können den Verein grundsätzlich kennenlernen, sollten einen Besuch außerhalb einer öffentlichen Veranstaltung aber vorher abstimmen.
Tag der Modellbahn
Ein besonders guter Besuchstermin ist traditionell der Tag der Modellbahn. Der ModellbahnClub öffnet dazu üblicherweise am ersten Adventswochenende beziehungsweise rund um den bundesweiten Tag der Modellbahn seine Vereinsräume.
Dann werden mehrere Anlagen unterschiedlicher Spurweiten im Fahrbetrieb gezeigt. In vergangenen Jahren gehörten außerdem Modellbahnflohmarkt, lange Teststrecken und Angebote für Kinder zum Programm.
Für den konkreten Termin 2026 sollte vor der Anreise der aktuelle Veranstaltungskalender des Vereins geprüft werden.
Adresse
ModellbahnClub-Lechfeld e.V. Hans-Winkler-Sporthalle Am Sportplatz 3 86836 Graben-Lagerlechfeld
Die Vereinsräume befinden sich im Untergeschoss der Sporthalle.
Lohnt sich ein Besuch?
Der ModellbahnClub-Lechfeld ist besonders interessant, weil hier nicht nur eine einzige Schauanlage betrieben wird. H0, N und G zeigen sehr unterschiedliche Möglichkeiten des Modellbahnhobbys.
Für Eisenbahnfreunde aus der Region ist vor allem die Anlage „Lechfeld“ sehenswert. Der historische Bahnhof Lagerlechfeld, militärische Motive und die Strecke der Lechfeldbahn geben der Anlage einen klaren regionalen Charakter.
Wer sich für Digitaltechnik interessiert, findet mit DCC, Rückmeldetechnik, Servoantrieben und Computersteuerung ebenfalls viele interessante Details. Am besten eignet sich ein offizieller Tag der offenen Tür, wenn mehrere Anlagen gleichzeitig in Betrieb sind.
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