Zuletzt aktualisiert am 17.09.2026
Im Schmallenberger Ortsteil Grafschaft befindet sich eine Modellbahnanlage, deren Größe man dem Gebäude von außen kaum ansieht. In einer ehemaligen Strickerei betreibt der Modellbahnclub Schmallenberg e.V. die „Modellbahn am Rothaarsteig“. Auf rund 66 Quadratmetern reiner Anlagenfläche fahren zahlreiche Züge durch Bahnhöfe, Landschaften und Industriegebiete. Der gesamte Ausstellungsraum umfasst etwa 180 Quadratmeter.
Die Anlage ist in Spur H0 im Maßstab 1:87 gebaut und wird weitgehend digital und computergesteuert betrieben. Aktuell liegen knapp 600 Meter Gleis und 125 Weichen. Hinzu kommen tausende Beleuchtungen, computergesteuerte Straßenfahrzeuge und mehrere Schattenbahnhöfe. Damit gehört die Modellbahn in Grafschaft zu den größeren öffentlich zugänglichen Vereinsanlagen in Nordrhein-Westfalen.
Vom Besuch in Hamburg zur eigenen Schauanlage
Die Geschichte des Modellbahnclubs begann 2007. Mehrere Modellbahnfreunde unternahmen damals gemeinsam eine Fahrt zum Miniatur Wunderland in Hamburg. Aus dem Besuch entwickelte sich die Idee, auch im Schmallenberger Sauerland eine größere öffentliche Modellbahnanlage aufzubauen. Der Verein wurde noch im selben Jahr gegründet.
Zunächst musste ein passender Raum gefunden werden. Mehrere angebotene Standorte waren zu klein, zu teuer oder für den Bau einer großen Anlage ungeeignet. Ende 2007 konnte schließlich ein Bereich der ehemaligen Strickerei Dick in Grafschaft übernommen werden. Ein wichtiger Vorteil war der ebenerdige Zugang, weil die Anlage von Anfang an möglichst gut zugänglich gestaltet werden sollte.
Nach der Renovierung der Räume begann der eigentliche Anlagenbau. Schon im Frühjahr 2009 konnte der erste Abschnitt mit Hauptbahnhof und zwei Schattenbahnhöfen in Betrieb genommen werden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 138 Meter Gleis und 35 Weichen verlegt. Seitdem wuchs die Modellbahn Schritt für Schritt weiter.
Knapp 600 Meter H0-Gleis
Heute ist von diesen ersten 138 Metern nicht mehr viel zu merken. Der aktuelle Gleisplan nennt knapp 600 Meter Gleis auf 66 Quadratmetern Anlagenfläche. Insgesamt sind 125 Weichen verbaut.
Im Mittelpunkt steht ein großer Hauptbahnhof, der als Verkehrsknotenpunkt dient. Dort treffen eine zweigleisige Hauptstrecke und eine zweigleisige Regionalstrecke aufeinander. Zusätzlich zweigt eine eingleisige Museumsbahnstrecke ab. Eine weitere Verbindung führt zum Bahnbetriebswerk mit einem 15-ständigen Lokschuppen.
Für Besucher ist die Anlage von mehreren Seiten zugänglich. Dadurch lassen sich unterschiedliche Bereiche aus vergleichsweise kurzer Entfernung betrachten. Gerade bei einer Anlage dieser Größe lohnt es sich, nicht nur den fahrenden Zügen zu folgen. Bahnhöfe, Straßen, Industrieanlagen und kleine Szenen enthalten viele Details, die man beim ersten Rundgang leicht übersieht.
Bis zu 120 Züge automatisch
Ein großer Teil des Betriebs läuft computergesteuert. Der Verein nutzt dafür unter anderem iTrain. Nach aktuellen Angaben ist das System für bis zu 120 vollautomatisch fahrende Züge ausgelegt. Weitere rund 30 Lokomotiven beziehungsweise Züge können halbautomatisch im Bahnbetriebswerk oder im Industriebereich bewegt werden.
Auf der Startseite nennt der Verein derzeit 92 eingesetzte Züge. Die höhere Zahl im technischen Gleisplan beschreibt die mögliche beziehungsweise geplante Kapazität der Anlage.
Mehrere Schattenbahnhöfe sorgen dafür, dass Züge längere Zeit aus dem sichtbaren Bereich verschwinden können. Dadurch erscheinen immer wieder andere Garnituren auf der Anlage, ohne dass Fahrzeuge von Hand ausgetauscht werden müssen.
Für Besucher mit Interesse an Digitaltechnik ist gerade dieser Bereich spannend. Eine große Vereinsanlage benötigt erheblich mehr Rückmeldungen, Fahrstraßen, Booster und Überwachung als eine typische private H0-Bahn.
Autos und Lastwagen fahren ebenfalls automatisch
Auch auf den Straßen bewegt sich einiges. Der Verein setzt computergesteuerte Fahrzeuge ein, die nicht einfach nur einer Drahtspur folgen. Schon während der frühen Ausbauphase konnten die Fahrzeuge Licht, Blinker und Bremslicht selbstständig steuern.
Aktuell nennt der technische Gleisplan 18 computergesteuerte Lastwagen, wobei langfristig eine wesentlich größere Fahrzeugflotte vorgesehen ist. Die touristische Beschreibung führt 15 regelmäßig eingesetzte Straßenfahrzeuge.
Straßen- und Schienenverkehr zusammen sorgen dafür, dass die Modelllandschaft wesentlich lebendiger wirkt. Gerade vor Bahnhöfen und in dichter bebauten Bereichen lohnt sich deshalb ein längerer Blick.
Tag und Nacht alle 24 Minuten
Eine der auffälligsten Funktionen ist die Tag-Nacht-Simulation.
Die Raumbeleuchtung wird computergesteuert abgesenkt, bis auf der Anlage Nacht wird. Gleichzeitig schalten sich Beleuchtungen in Häusern, Straßen und Fahrzeugen ein. Laut der touristischen Beschreibung dauert ein kompletter Zyklus ungefähr 24 Minuten.
Technisch steckt dahinter einiges. Nach Angaben des Vereins werden mindestens 10.000 Lampen beziehungsweise Lichtpunkte durch Computer angesteuert.
Gerade Gebäude wirken dadurch nachts völlig anders. Fenster werden teilweise einzeln beleuchtet und verschiedene Bereiche schalten zeitlich versetzt ein. Wer genügend Zeit mitbringt, sollte deshalb mindestens einen vollständigen Tag-Nacht-Wechsel abwarten.
Die Anlage ist noch immer nicht endgültig fertig
Interessant ist, dass die Modellbahn trotz ihrer heutigen Größe weiterhin als Ausbauprojekt verstanden wird. Der Verein weist in seinen aktuellen Besucherinformationen ausdrücklich darauf hin, dass sich die Anlage weiterhin in einer Bauphase befindet.
Für Modellbahner kann das sogar ein Vorteil sein. Man sieht nicht ausschließlich fertige Landschaft. An einzelnen Stellen lassen sich Aufbau, Elektrik oder spätere Erweiterungen nachvollziehen.
Der ursprüngliche Vereinsgedanke bestand ausdrücklich darin, Besucher bereits während des Baus mitzunehmen. Interessierte sollten beobachten können, wie eine große digital gesteuerte Modellbahnanlage entsteht. Dieses Konzept begleitet die Modellbahn seit den ersten Jahren.
Nachwuchs im Modellbahnclub
Auch Nachwuchsarbeit gehört zur Vereinsgeschichte. Bereits 2011 gründeten die Schmallenberger Modellbahner eine eigene Jugendgruppe. Das Eintrittsalter wurde dafür auf elf Jahre abgesenkt. Jugendliche arbeiteten anschließend unter anderem an eigenen transportablen Modulen.
Gerade eine große Vereinsanlage eignet sich gut dafür, verschiedene Bereiche des Hobbys kennenzulernen. Neben dem eigentlichen Fahrbetrieb gehören Holzbau, Elektrik, Digitaltechnik, Landschaftsgestaltung, Gebäudebau und Computersteuerung dazu.
Öffnungszeiten 2026
Die Modellbahn am Rothaarsteig ist aktuell sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Zusätzlich gibt es an einigen Feiertagen Sonderöffnungen. Gruppen ab 20 Personen können nach vorheriger telefonischer Absprache auch außerhalb der normalen Zeiten Termine vereinbaren.
Die Adresse lautet:
Modellbahn am Rothaarsteig
Am Stünzel 4a
57392 Schmallenberg-Grafschaft
Die Anlage befindet sich im mittleren Bereich des ehemaligen Strickereigebäudes. Von Schmallenberg fährt man über die K17 Richtung Grafschaft und folgt im Ort der Richtung Schanze.
Eintritt
Nach dem aktuell veröffentlichten Stand kostet der Eintritt 6 Euro für Erwachsene ab 16 Jahren und 3 Euro für Jugendliche bis 15 Jahre. Kinder unter einem Meter Körpergröße haben freien Eintritt. Bezahlt werden kann derzeit nur bar.
Mit der Schmallenberger Sauerland Card ist der Eintritt laut der offiziellen touristischen Information kostenlos.
Da die Anlage weiter wächst und sich Eintrittspreise ändern können, würde ich auf Gleismomente keine aufwendig formatierte Preistabelle anlegen. Ein kurzer Hinweis mit Link zur aktuellen Besucherinformation ist langfristig sinnvoller.
Aktuelle Besucherinformationen des Modellbahnclubs
Lohnt sich die Modellbahn am Rothaarsteig?
Für Modellbahner ist Grafschaft vor allem wegen der technischen Dimension interessant. Knapp 600 Meter H0-Gleis, 125 Weichen, mehrere Schattenbahnhöfe und eine umfangreiche Computersteuerung lassen einen Betrieb zu, der auf einer privaten Modellbahn kaum realisierbar wäre.
Dazu kommen Straßenfahrzeuge, tausende Lichtpunkte und die Tag-Nacht-Simulation. Dadurch gibt es auch für Familien und Besucher ohne tiefere Modellbahnkenntnisse genug Bewegung auf der Anlage.
Wer selbst digital fährt, sollte sich ruhig etwas länger mit der Steuerung beschäftigen. Gerade der automatische Betrieb vieler Züge und die Koordination der Schattenbahnhöfe sind technisch mindestens genauso interessant wie die sichtbare Landschaft.
Auch die Lage bietet sich für einen Ausflug an. Grafschaft liegt mitten im Schmallenberger Sauerland und unweit verschiedener Wanderwege. Dadurch lässt sich ein Besuch gut mit einem Aufenthalt in der Region verbinden.
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