Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Mitten in der Stader Feldmark liegt mit Lütjenkamp ein kleiner Museumsbahnhof, den man am schönsten auf der Schiene erreicht. Vom historischen Bahnhof Deinste fährt das Deutsche Feld- und Kleinbahnmuseum mit einer 600-Millimeter-Schmalspurbahn durch Felder und Wiesen bis zum Museumsschuppen Lütjenkamp. An den Museumstagen wird der Zug von einer echten Dampflokomotive gezogen. Gefahren wird in historischen Personenwagen, die teilweise mehr als 100 Jahre alt sind.
Das Deutsche Feld- und Kleinbahnmuseum, kurz DFKM, beschäftigt sich seit 1967 mit dem Erhalt historischer Feldbahnfahrzeuge. Die Sammlung begann damals noch in Holm-Seppensen. Seit mehr als 40 Jahren ist Deinste bei Stade die Heimat des Museums. Das Konzept unterscheidet sich angenehm von einer reinen Fahrzeugsammlung. Lokomotiven und Wagen sollen möglichst im Betrieb erlebt werden. Dafür entstand eine eigene Museumsstrecke, die inzwischen rund zwei Kilometer lang ist.
Vom Bahnhof Deinste nach Lütjenkamp
Die Reise beginnt unmittelbar am historischen Bahnhof Deinste. Von hier führt die schmalspurige Feldbahn zunächst zum Kleinbahnhof Deinste und anschließend hinaus in die Landschaft.
Nach etwa 800 Metern wird Hagel erreicht. Dort befindet sich eine Kreuzungsmöglichkeit für die Museumszüge. Wenig später folgt bei Kilometer 1,2 Lütjenkamp. Der aktuelle Fahrplan sieht für den Dampfzug knapp zehn Minuten reine Fahrzeit von Deinste bis Lütjenkamp vor. Die eigentliche Museumsrunde dauert länger, weil Besucher Zeit für den Museumsschuppen bekommen und anschließend wieder zurückfahren.
An Museumstagen beträgt die komplette Fahrt mit Besuch in Lütjenkamp ungefähr 50 Minuten. Gerade das macht den Ort für Familien interessant. Die Fahrt ist lang genug, um die kleine Bahn richtig zu erleben, bleibt aber auch für jüngere Kinder überschaubar.
Lütjenkamp war lange das Streckenende
Lütjenkamp spielte für die Entwicklung des Museums eine wichtige Rolle. Der dortige Museumsschuppen war lange Endpunkt der Museumsstrecke und beherbergt bis heute einen wesentlichen Teil der Ausstellung.
2003 geriet der Verein allerdings in eine schwierige Lage. Der Pachtvertrag für den Museumsschuppen sollte beendet werden. Deshalb begann die Suche nach einem neuen Standort. In Rehncampe fand sich schließlich ein ehemaliger Melkschuppen, den der Verein nutzen konnte. Damit entstand die Idee, die Feldbahn um rund 800 Meter von Lütjenkamp nach Rehncampe zu verlängern.
Später konnte der Museumsschuppen in Lütjenkamp doch erhalten werden. Der Verein entschied sich trotzdem, die Streckenverlängerung zu bauen. Nach längeren Unterbrechungen wurden die Arbeiten 2017 abgeschlossen. Seitdem besitzt die Museumsbahn ihre heutige Länge von ungefähr zwei Kilometern.
Lütjenkamp wurde dadurch vom Endbahnhof zum Zwischenhalt. Für den Dampfbetrieb bleibt der Ort dennoch besonders wichtig.
Museumsschuppen mit Feldbahngeschichte
Im Museumsschuppen Lütjenkamp befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte von Feld- und Kleinbahnen. Gezeigt werden unter anderem Werkzeuge, die früher beim Gleisbau und in Ziegeleien verwendet wurden. Außerdem gibt es eine Bücherecke und an Museumstagen einen kleinen Kiosk.
Auf dem Gelände stehen verschiedene Diesellokomotiven, die vom Verein nach und nach restauriert und wieder fahrfähig gemacht werden.
Gerade hier erkennt man gut, welchen Zweck Feldbahnen ursprünglich hatten. Sie waren keine touristischen Bahnen. Solche schmalen Gleise wurden auf Baustellen, in Ziegeleien, Torfwerken, Steinbrüchen und Industriebetrieben eingesetzt. Die Gleisanlagen waren vergleichsweise günstig, enge Radien waren möglich und die Strecken konnten bei Bedarf relativ einfach verlegt werden.
Das DFKM möchte diese Form der Eisenbahn möglichst authentisch erhalten. Der Museumsbetrieb soll ungefähr zeigen, wie eine kleine Bahn um 1930 ausgesehen haben könnte.
Henschel-Dampflok von 1927
Der Star des Museums ist die Henschel 20925, vom Verein als Lok 1 geführt. Sie wurde 1927 bei Henschel & Sohn in Kassel gebaut und gehört zum Typ Monta beziehungsweise Montua.
Die Maschine wurde ursprünglich zusammen mit zwei Schwesterlokomotiven an das Unternehmen Terwindt & Arntz in den Niederlanden geliefert. Einsatzort war die Steinfabrik Bouwkamp II bei Nijmegen. Nachdem das Werk stillgelegt worden war, blieb die Lok zunächst erhalten. Über einen Privatsammler gelangte sie später zum TÜV Nord. Seit 1992 war sie immer wieder beim Feldbahnmuseum in Deinste zu Gast. Im Jahr 2010 konnte das DFKM die Dampflok schließlich selbst erwerben. Sie ist bis heute betriebsfähig.
Mit rund 60 PS und zehn Tonnen Gewicht ist sie zwar klein im Vergleich zu einer normalspurigen Dampflok, für eine Feldbahn aber bereits eine stattliche Maschine.
An den öffentlichen Museumstagen zieht sie den historischen Personenzug zwischen Deinste und Lütjenkamp.
Mitfahrt in Heeresfeldbahnwagen von 1919
Auch die Wagen hinter der Dampflok haben eine bemerkenswerte Geschichte.
Die Personenwagen 23, 24 und 26 wurden 1919 von der Hannoverschen Waggonfabrik HAWA nach Baugrundsätzen der Heeresfeldbahnen des Ersten Weltkriegs hergestellt. Wagen dieser Bauart konnten entweder 22 Personen oder acht Verwundete auf Tragen transportieren. Dafür ließen sich die Stirnseiten vollständig öffnen.
Mehrere Wagenkästen überlebten später bei der Justizvollzugsanstalt Glasmoor als Aufenthaltsräume. Mitglieder der Vorgängerorganisation des Museums konnten sie retten. Passende Drehgestelle kamen nach der Stilllegung der Waldeisenbahn Muskau nach Deinste. Seit Ende der 1970er-Jahre werden die Wagen wieder für den Museumsverkehr eingesetzt.
Damit fährt man in Deinste tatsächlich in Fahrzeugen, deren Geschichte mehr als ein Jahrhundert zurückreicht.
14 betriebsfähige Diesellokomotiven
Die Dampflok ist nur ein Teil der Sammlung. Der Verein nennt aktuell 14 betriebsfähige Diesellokomotiven, eine Elektrolokomotive, einen Triebwagen, eine Draisine und zahlreiche unterschiedliche Güterwagen. Dazu kommen die drei Heeresfeldbahn-Personenwagen und zwei Fakultativwagen der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn.
Der Fahrzeugbestand reicht vom kleinen handgeschobenen Muldenkipper bis zum vierachsigen Personenwagen.
Vertreten sind beispielsweise Lokomotiven von Deutz, Jung, Schöma und DIEMA. Einige davon besitzen ebenfalls interessante Lebensläufe. Die Deutz-Lok 19 wurde 1934 an eine Baufirma in Worpswede geliefert und kam 1979 nach Deinste. Nach längerer Abstellzeit wurde sie ab 2020 aufgearbeitet und ist inzwischen wieder betriebsfähig.
Mit dem offenen Lorenzug bis Rehncampe
Bei gutem Wetter gibt es neben dem Dampfzug noch eine zweite Möglichkeit, die Feldbahn zu erleben.
Ein historischer Dieselzug mit offenen Sitzloren fährt vom Bahnhof Deinste über Hagel und Lütjenkamp bis zum heutigen Streckenende Rehncampe bei Kilometer 2,0. In Lütjenkamp kann zwischen Dampf- und Dieselzug umgestiegen werden.
Gerade die Fahrt in einer offenen Lore passt gut zum Feldbahnthema. Man sitzt nur knapp über dem Gleis und erlebt Geräusche, Gleisstöße und Landschaft wesentlich unmittelbarer als in einem normalen Eisenbahnwagen.
Zusätzlich besitzt das Museum eine Handhebeldraisine. Bei Veranstaltungen können Besucher damit selbst Muskelkraft auf die Schiene bringen.
Museumstage 2026
Das DFKM ist kein täglich geöffnetes Museum. Regulärer Fahrbetrieb findet nur an einzelnen Museumstagen statt.
Für 2026 stehen nach dem bereits vergangenen Tag des offenen Denkmals noch mehrere Termine an. Der nächste Fahrtag ist der 3. Oktober 2026 zum Oktoberdampf. Danach folgen Nikolausfahrten am 5. und 6. sowie 12. und 13. Dezember 2026.
Beim Oktoberdampf öffnet das Freilichtmuseum von 10:30 bis 16:30 Uhr. Die Dampfzüge starten ab Deinste stündlich zwischen 10:40 und 15:40 Uhr. Bei gutem Wetter verkehren zusätzlich die Dieselzüge mit offenen Loren.
Der aktuelle reguläre Eintrittspreis beträgt 6 Euro für Erwachsene und 3 Euro für Kinder. Eine Vorbestellung ist an normalen Museumstagen nicht nötig. Eintrittskarten werden vor Fahrtbeginn am Bahnhof Deinste ausgegeben.
Vor einer längeren Anfahrt würde ich trotzdem immer noch einmal den aktuellen Veranstaltungshinweis des Museums prüfen.
Lohnt sich Lütjenkamp?
Für Eisenbahnfreunde würde ich den Eintrag klar behalten. Er sollte nur wesentlich genauer benannt werden.
Lütjenkamp ist einer der zentralen Punkte des Deutschen Feld- und Kleinbahnmuseums. Dort befinden sich Museumsschuppen und Ausstellung, dort endet der reguläre Dampfzug und dort begegnen sich an entsprechenden Fahrtagen Dampf- und Dieselbetrieb.
Besonders schön ist das Gesamterlebnis. Man beginnt an einem historischen Normalspurbahnhof, steigt wenige Meter weiter in einen 600-Millimeter-Museumszug, fährt durch die Stader Feldmark und erreicht anschließend den kleinen Museumsschuppen in Lütjenkamp.
Für Fans großer Schnellzuglokomotiven ist das vielleicht eine ungewohnte Welt. Genau darin liegt der Reiz. Hier geht es um jene kleinen Bahnen, die früher abseits der großen Staatsbahn auf Baustellen, in Ziegeleien und Industriebetrieben gearbeitet haben.
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