Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Das ehemalige Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen-Bismarck gehört zu den eindrucksvolleren erhaltenen Eisenbahnanlagen des Ruhrgebiets. Besonders markant sind der große Ringlokschuppen und die davorliegende Drehscheibe. Beide erinnern an eine Zeit, in der Gelsenkirchen-Bismarck ein wichtiger Standort für schwere Dampflokomotiven und später auch Diesellokomotiven war.
Das Bahnbetriebswerk entstand zwischen 1924 und 1926. Es ersetzte ältere Anlagen, die dem zunehmenden Eisenbahnverkehr nicht mehr gewachsen waren. Herzstück war ein 16-ständiger Ringlokschuppen. Vor ihm liegt eine Drehscheibe mit rund 23 Metern Durchmesser, über die die Lokomotiven auf die einzelnen Schuppengleise verteilt werden konnten.
Heimat schwerer Dampflokomotiven
Besondere Bedeutung erhielt Gelsenkirchen-Bismarck in den letzten Jahrzehnten des Dampfbetriebs bei der Deutschen Bundesbahn. Hier waren unter anderem schwere Güterzuglokomotiven der Baureihe 44 stationiert.
Der Standort wurde sogar zu einem der Orte, an denen das Ende des regulären kohlegefeuerten Dampflokbetriebs bei der Bundesbahn unmittelbar miterlebt werden konnte. Im Mai 1977 bespannte die 044 508-0 von hier aus einen der letzten planmäßigen Güterzüge mit einer kohlegefeuerten Dampflok.
Später waren in Bismarck außerdem verschiedene Diesellokomotiven beheimatet. Dazu gehörten Maschinen der Vorserie der späteren Baureihe 216, Lokomotiven der Baureihe 221 sowie zeitweise die ungewöhnliche Gasturbinenlok 219 001-5.
Historische Fahrzeuge und Eisenbahnfreunde
Nach dem Ende des regulären Dampfbetriebs blieb das Bahnbetriebswerk noch längere Zeit für Werkstattarbeiten in Verwendung. Gleichzeitig entwickelte sich dort eine Szene von Eisenbahnfreunden.
Ende der 1970er-Jahre entstand eine Gruppe, die historische Fahrzeuge erhalten wollte. In Gelsenkirchen-Bismarck waren zeitweise bekannte Lokomotiven wie 41 360, 41 241, 44 508, V 160 003 und V 200 116 untergebracht. Auch Fahrzeuge des späteren DB Museums waren zeitweise zu Gast.
1991 endete schließlich auch diese Phase. Die letzten Fahrzeuge und Maschinen wurden abgezogen und das Bahnbetriebswerk geschlossen.
Ringlokschuppen unter Denkmalschutz
Trotz der Stilllegung blieb ein großer Teil der historischen Anlage erhalten. Besonders Ringlokschuppen und Drehscheibe stehen unter Denkmalschutz. Der gesamte Standort umfasst rund zehn Hektar.
Über viele Jahre gab es Pläne, das Gelände touristisch zu nutzen. Zeitweise konnten Besucher das Bahnbetriebswerk bei Führungen und Veranstaltungen besichtigen. Diese Konzepte ließen sich allerdings nicht dauerhaft umsetzen.
Neue Nutzung durch CAF
Ein neues Kapitel begann 2022 beziehungsweise Anfang 2023. Der Regionalverband Ruhr verkaufte das ehemalige Bahnbetriebswerk an den spanischen Schienenfahrzeughersteller CAF.
CAF will beziehungsweise nutzt den Standort für die Instandhaltung neuer batterieelektrischer Regionaltriebzüge. Insgesamt beschafft der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr 76 Fahrzeuge vom Typ CAF Civity BEMU. Sie ersetzen schrittweise Dieseltriebzüge im Niederrhein-Münsterland-Netz. Die Fahrzeuge sollen über ihren Lebenszyklus hinweg in Gelsenkirchen gewartet werden.
Damit erhält der historische Eisenbahnstandort wieder eine Nutzung, die direkt mit dem Bahnbetrieb verbunden ist. Der Ringlokschuppen und die Drehscheibe sollen dabei als historische Bestandteile erhalten bleiben.
Hinweis zum Besuch
Wichtig für die Gleismomente-Karte: Der Standort ist heute kein regulär geöffnetes Eisenbahnmuseum. Ältere Hinweise auf Samstagstermine oder Führungen stammen noch aus der Zeit vor der Übernahme durch CAF. Ich würde diese deshalb nicht mehr als aktuelle Besuchszeiten übernehmen.
Das Gelände sollte als Betriebs- beziehungsweise Privatgelände betrachtet werden. Für Fotos empfiehlt es sich, ausschließlich öffentlich zugängliche Wege zu nutzen und Absperrungen unbedingt zu beachten.
Adresse:
Ehemaliges Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen-Bismarck
Grimbergstraße 18
45889 Gelsenkirchen
Für Eisenbahnfreunde bleibt der Standort trotzdem spannend. Kaum ein Ort zeigt den Wandel der Eisenbahn so anschaulich: vom großen Dampflok-Bw über jahrzehntelangen Stillstand bis zur geplanten beziehungsweise neuen Nutzung für moderne Akku-Triebzüge.
Fotonachweis
Ringlokschuppen und Drehscheibe des ehemaligen Bahnbetriebswerks Gelsenkirchen-Bismarck. Foto: HenningPietsch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.

