Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Zwischen Köln und Bonn verlief über viele Jahrzehnte ein Eisenbahnnetz, das für den Nahverkehr und den Gütertransport der Region eine große Bedeutung hatte. Die Köln-Bonner Eisenbahnen AG, kurz KBE, verband Städte, Industriebetriebe und Häfen miteinander. Heute erinnern die Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde e.V. in Wesseling an diese Zeit. Ihr Eisenbahnmuseum sammelt historische Technik, Dokumente, Signale, Fahrkarten, Uniformen und zahlreiche weitere Erinnerungsstücke aus der Geschichte der KBE.
Der Verein wurde im Mai 1982 von Mitarbeitern der Köln-Bonner Eisenbahnen AG gegründet. Von Anfang an ging es darum, historische Unterlagen, Fahrzeuge und technische Einrichtungen der KBE zu erhalten und die Geschichte dieses besonderen Eisenbahnunternehmens zu dokumentieren. Heute zählt der Verein nach eigenen Angaben rund 84 Mitglieder. Die gesamte Arbeit erfolgt ehrenamtlich.
Mehr als nur alte Fotos und Fahrkarten
Das Eisenbahnmuseum zeigt, wie vielfältig Eisenbahngeschichte sein kann. Zur Sammlung gehören kleine Stücke wie Fahrkarten, Schilder, Laternen und Uniformteile. Daneben gibt es größere technische Einrichtungen aus dem Bahnbetrieb.
Besonders interessant sind die historischen Signal- und Stellwerksanlagen. Besucher können Teile davon selbst bedienen. Dazu gehören ein mechanisches Formsignal sowie historische Stellwerkstechnik. An einem originalen Stelltisch lassen sich sogar Fahrstraßen einstellen. Die dazugehörigen Lichtsignale zeigen anschließend die entsprechenden Signalbilder.
Damit unterscheidet sich die Ausstellung von vielen kleinen Heimatmuseen. Eisenbahntechnik steht hier nicht nur hinter Glas. Einige Funktionen können direkt nachvollzogen werden.
Ein weiteres Thema ist der frühere Umschlaghafen Wesseling-Godorf. Ein großes Modell erinnert an die Verbindung zwischen Eisenbahn, Hafen und Industrie. Gerade dieser Bereich zeigt, welche Bedeutung die KBE weit über den reinen Personenverkehr hinaus hatte.
Vom ersten Museum zum heutigen Standort
Das erste Museum der Eisenbahnfreunde wurde am 28. Mai 1987 im Empfangsgebäude des Bahnhofs Wesseling eröffnet. Dort waren mehr als 500 Exponate zur rund hundertjährigen Geschichte der Köln-Bonner Eisenbahnen zu sehen.
Im September 1996 musste das Museum wegen baulicher Probleme geräumt werden. Rund 5.200 Besucher hatten die Ausstellung bis dahin gesehen. Mit Unterstützung der damaligen Häfen und Güterverkehr Köln konnten anschließend zwei ehemalige Werkstatträume auf dem Wesselinger Betriebsgelände genutzt werden. Bereits am 17. September 1997 wurde die Ausstellung wieder eröffnet.
Seit 2012 besitzt der Verein zudem sein Vereinszentrum in der ehemaligen Güterabfertigung Wesseling. Das Gebäude liegt nur ungefähr 50 Meter südlich des historischen Empfangsgebäudes. Dort befinden sich heute unter anderem Geschäftsstelle, Archiv, Tagungsräume, Modellbahnwerkstatt und eine etwa 160 Quadratmeter große Halle.
Die Adresse lautet:
Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde e.V.
Konrad-Adenauer-Straße 13
50389 Wesseling
Historische Fahrzeuge in Brühl-Vochem
Wer bei einem Eisenbahnmuseum vor allem große Lokomotiven und Triebwagen erwartet, muss bei den Köln-Bonner Eisenbahn-Freunden zwischen zwei Standorten unterscheiden.
Die umfangreiche Fahrzeugsammlung befindet sich größtenteils im Museumsbahnhof Brühl-Vochem. Dort stehen aktuell rund 20 historische vereinseigene Fahrzeuge, überwiegend mit direktem Bezug zur KBE oder zu Industriebahnen der Region.
Zu den Fahrzeugen gehören beispielsweise die elektrische Güterzuglok E3 und die Diesellokomotive V3 der ehemaligen Köln-Bonner Eisenbahnen. Hinzu kommen die Dampfspeicherlok DEA-UK 2 und die Diesellok DEA-UK 1 der früheren Union Kraftstoff in Wesseling.
Auch ein Uerdinger Schienenbus gehört zur Sammlung. Der Motorwagen VT 12 und der Beiwagen VB 31 sind aktuell allerdings wegen abgelaufener Fristen abgestellt.
Der Museumsbahnhof ist kein frei zugängliches Museumsgelände. Er befindet sich auf Bahngelände und darf nur nach vorheriger Absprache beziehungsweise im Rahmen besonderer Veranstaltungen oder Sonderfahrten betreten werden. Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gelände für Unbefugte gesperrt ist.
Der Silberpfeil ET 201
Eines der bedeutendsten erhaltenen Fahrzeuge der KBE ist der ET 201, bekannt als „Silberpfeil“.
Der Prototyp entstand 1960 und war für seine Zeit außergewöhnlich modern. Seine geschweißte Aluminiumkonstruktion sollte einen leichten und schnellen Nahverkehrstriebwagen ermöglichen. Mit diesem Fahrzeug begann die Entwicklung einer ganzen Serie von KBE-Silberpfeilen.
Der ET 201 wurde vom Verein direkt aus dem Bestand der KBE übernommen. In den ersten Vereinsjahren konnte er noch für Sonderfahrten eingesetzt werden. Seine damalige Betriebserlaubnis endete 1990 nach Ablauf der Hauptuntersuchungsfrist.
Heute befindet sich der Silberpfeil zusammen mit dem historischen Personenwagen 101 und zwei Bahndienstwagen in Wesseling.
Gerade der ET 201 macht die Sammlung interessant. Die Geschichte der KBE endet damit nicht bei Dampflokomotiven und klassischen Nebenbahnwagen. Das Unternehmen gehörte auch zu den Bahnen, die früh mit modernen Fahrzeugkonzepten für schnellen Nahverkehr experimentierten.
Aus der KBE wurde moderne Stadtbahn
Die Geschichte der Köln-Bonner Eisenbahnen ist im heutigen Verkehr rund um Köln und Bonn weiterhin sichtbar.
Ein besonders wichtiger Einschnitt kam am 12. August 1978. An diesem Tag endete der klassische KBE-Reisezugbetrieb auf der Rheinuferbahn. Gleichzeitig begann der Stadtbahnbetrieb der heutigen Linie 16 zwischen Köln, Wesseling und Bonn. Fahrzeuge der Kölner und Bonner Verkehrsbetriebe konnten nun durchgehend über beide Stadtbahnnetze verkehren.
Wer heute mit der Linie 16 nach Wesseling fährt, bewegt sich damit noch immer auf einer Strecke, deren Geschichte eng mit den Köln-Bonner Eisenbahnen verbunden ist.
Genau diese Verbindung zwischen alter Eisenbahn und heutigem Nahverkehr macht einen Besuch interessant. Vor dem Museum fährt moderner Stadtbahnverkehr, während drinnen Signale, Fahrkarten und Technik aus der KBE-Zeit erhalten werden.
Auch Modelleisenbahn gehört dazu
Im Vereinszentrum arbeitet außerdem eine eigene Modellbahngruppe. Sie baut eine H0-Anlage mit dem Thema „Wesseling“ auf. Durch die große Halle der ehemaligen Güterabfertigung steht dafür deutlich mehr Platz zur Verfügung als in einem normalen Vereinsraum.
Damit lässt sich regionale Bahngeschichte auch im Maßstab 1:87 darstellen. Gleichzeitig versucht der Verein, Nachwuchs für das Hobby zu gewinnen und eine Jugend-Modellbahngruppe aufzubauen.
Für Gleismomente ist das eine interessante Ergänzung, weil hier Vorbild und Modellbahn direkt zusammenkommen.
Öffnungszeiten 2026
Bei den Öffnungszeiten gibt es auf der Vereinswebseite momentan eine kleine Besonderheit. Eine ältere Unterseite des Eisenbahnmuseums trägt noch den Hinweis, das Museum sei wegen eines Umzugs geschlossen. Die deutlich aktuellere Startseite des Vereins veröffentlicht jedoch konkrete Museumsöffnungen für 2026 am Standort Konrad-Adenauer-Straße 13. Für einen Besuch würde ich mich daher an den aktuellen Terminen der Startseite orientieren und sicherheitshalber kurz vorher noch einmal kontrollieren.
Das Museum öffnet laut aktuellem Stand grundsätzlich am dritten Sonntag des Monats, außer Dezember, Januar und Februar. Für 2026 sind als nächste Termine der 20. September, 18. Oktober und 15. November, jeweils von 11 bis 15 Uhr, angegeben. Zusätzlich sind Besuche bei Veranstaltungen und nach Vereinbarung möglich.
Offizielle Webseite der Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde
Mehr als ein kleines Vereinsmuseum
Die Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde sind besonders interessant, weil sich ihre Sammlung auf mehrere Bereiche verteilt. Im Eisenbahnmuseum in Wesseling geht es um historische Technik, Dokumente und die Geschichte der KBE. Im Museumsbahnhof Brühl-Vochem stehen die großen Originalfahrzeuge. Dazu kommen Archiv, Modellbahngruppe und gelegentliche Sonderfahrten.
Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf einer Eisenbahn, die für die Region zwischen Köln und Bonn prägend war. Rheinuferbahn, Vorgebirgsbahn, Industrieanschlüsse und Güterverkehr gehörten jahrzehntelang zum Alltag.
Heute fahren moderne Stadtbahnen auf Teilen dieses Netzes. Die Eisenbahnfreunde sorgen dafür, dass die Geschichte dahinter nicht verloren geht.
Für Eisenbahnfreunde lohnt sich deshalb besonders ein Besuch an einem Veranstaltungstag, an dem möglichst mehrere Vereinsbereiche zugänglich sind. Wer speziell die historischen Fahrzeuge im Museumsbahnhof Brühl-Vochem sehen möchte, sollte vorher unbedingt einen Termin mit dem Verein abstimmen.
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