Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim steht mit der Feldbahn „Suse“ ein kleines Stück fränkischer Industriegeschichte. Die 1940 gebaute Diesellokomotive war früher bei einem Ansbacher Bauunternehmen im Einsatz und transportierte mit ihren Loren Erdreich und anderes Material auf Baustellen. Heute gehört die 600-mm-Feldbahn zur Baugruppe „Technik & Gewerbe“ des Freilandmuseums. Dort ergänzt sie einen nachgebauten Muschelkalksteinbruch und zeigt anschaulich, welche Rolle kleine Schmalspurbahnen früher auf Baustellen und in Steinbrüchen spielten.Feldbahnlok „Suse“ wurde 1940 gebaut
Die kleine Diesellokomotive wurde im Jahr 1940 von der Arnold Jung Lokomotivfabrik GmbH in Jungenthal bei Kirchen an der Sieg gebaut. Es handelt sich um eine Lokomotive des Typs Jung ZL 105/B mit der Fabriknummer 9498. Die Spurweite beträgt 600 Millimeter. Damit gehört „Suse“ zu den klassischen Feldbahnlokomotiven, wie sie im 20. Jahrhundert auf Baustellen, in Steinbrüchen, Ziegeleien und vielen Industriebetrieben eingesetzt wurden.Einsatz beim Bauunternehmen Johann Baumann in Ansbach
Ursprünglich gehörte die Lok zum Ansbacher Bauunternehmen Johann Baumann Hoch-Tief-Eisenbeton. Dort erhielt sie auch ihren Namen „Suse“. Bis in die 1950er-Jahre kam die Lok auf größeren Baustellen zum Einsatz. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, mit kleinen Loren Erdreich und Baumaterial zu transportieren. Solche Feldbahnen waren flexibel einsetzbar, weil ihre schmalen Gleise mit vergleichsweise geringem Aufwand verlegt und bei Bedarf wieder umgesetzt werden konnten.Warum Feldbahnen früher so wichtig waren
Bevor Lastwagen und moderne Baumaschinen überall verfügbar waren, spielten Feldbahnen bei Materialtransporten eine wichtige Rolle. Die einfachen Schmalspurgleise konnten unmittelbar dort verlegt werden, wo Erde, Steine, Ton oder andere schwere Materialien bewegt werden mussten. Im 19. Jahrhundert wurden die kleinen Loren teilweise noch von Menschen oder Pferden bewegt. Später kamen Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven zum Einsatz. Erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden viele Feldbahnen nach und nach durch Lastwagen, Kettenfahrzeuge und Förderanlagen verdrängt.1993 kam „Suse“ ins Freilandmuseum
Das Fränkische Freilandmuseum übernahm die Feldbahn im Jahr 1993. Neben der Lok gehören auch drei Loren zur erhaltenen Garnitur. Nach Jahrzehnten des Stillstands gelang es den Museumsmechanikern, die kleine Diesellokomotive wieder gangbar zu machen. Für ihre Präsentation entstand außerdem ein rekonstruierter Lokschuppen. Die heutige Feldbahnanlage wurde 2017 und 2018 in die Baugruppe „Technik & Gewerbe“ integriert. Dort liegt die Strecke direkt beim rekonstruierten Muschelkalksteinbruch.„Suse“ fährt gelegentlich noch
Eine Besonderheit ist, dass die historische Lok nicht ausschließlich als statisches Ausstellungsstück erhalten wird. Nach Angaben des Museums ist „Suse“ gelegentlich auf der Feldbahnstrecke unterwegs. Bei früheren Vorführungen wurde gezeigt, wie die Lok mit ihren Loren über die Feldbahnstrecke fährt. Das Museum gibt für den historischen Betrieb eine Geschwindigkeit von etwa vier bis acht Kilometern pro Stunde an. Früher soll die Lok je nach Einsatz zwischen 15 und 20 Loren gezogen haben.Feldbahn im Muschelkalksteinbruch
Im Freilandmuseum steht die Feldbahn in einem passenden historischen Zusammenhang. Sie ergänzt einen nachgebildeten Muschelkalksteinbruch und verdeutlicht dort den früheren Materialtransport. Dadurch lässt sich wesentlich besser nachvollziehen, wofür solche kleinen Bahnen tatsächlich benötigt wurden. Die Feldbahn ist kein isoliert ausgestelltes Fahrzeug, sondern Teil einer größeren Darstellung historischer Arbeits- und Produktionstechniken.Technische Daten der Feldbahn „Suse“
- Name: Suse
- Hersteller: Arnold Jung Lokomotivfabrik GmbH
- Typ: Jung ZL 105/B
- Fabriknummer: 9498
- Baujahr: 1940
- Spurweite: 600 mm
- Antrieb: Dieselmotor
- Früherer Eigentümer: Johann Baumann Hoch-Tief-Eisenbeton, Ansbach
- Übernahme durch das Museum: 1993
- Erhaltene Garnitur: Lokomotive und drei Loren
Besuch im Fränkischen Freilandmuseum
Die Feldbahn befindet sich auf dem Hauptgelände des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim. Für einen Besuch ist deshalb der normale Museumseintritt erforderlich.- Museum: Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim
- Adresse: Eisweiherweg 1, 91438 Bad Windsheim
- Bereich: Technik & Gewerbe
- Objektnummer: 108b
- Vorführungen: gelegentlich
Öffnungszeiten 2026
In der Hauptsaison vom 14. März bis 24. Oktober 2026 ist das Hauptgelände täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der letzte Einlass erfolgt um 17:00 Uhr. Vom 25. Oktober bis 13. Dezember gelten verkürzte Öffnungszeiten. Wer gezielt eine Vorführung der Feldbahn erleben möchte, sollte zusätzlich einen Blick in das aktuelle Veranstaltungsprogramm des Museums werfen.Eintritt 2026
- Erwachsene: 9 Euro
- Kinder unter 6 Jahren: frei
- Ermäßigter Eintritt: 6 Euro
- Familienkarte: 21 Euro
- Teilfamilienkarte: 12 Euro
Lohnt sich die Feldbahn für Eisenbahnfreunde?
Die Feldbahn „Suse“ ist kein eigenständiges Eisenbahnmuseum und keine klassische Museumsbahn mit regelmäßigem Fahrplan. Gerade die Einbettung in den historischen Steinbruch macht sie trotzdem interessant. Hier lässt sich nachvollziehen, wofür Feldbahnen ursprünglich gebaut wurden und welche Arbeit die kleinen Lokomotiven verrichteten. Ein Besuch lohnt sich deshalb besonders in Verbindung mit einem Rundgang durch das Fränkische Freilandmuseum. Wer Glück hat und einen Vorführungstag erwischt, kann die über 80 Jahre alte Diesellok sogar noch in Bewegung erleben. Weitere Eisenbahnmuseen und historische Bahnziele findest du in unserer Übersicht der Eisenbahnmuseen in Bayern. Noch mehr Feldbahnen, Museumsbahnen und besondere Eisenbahnorte findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte. Stand: September 2026. Die Feldbahn fährt nur gelegentlich. Wer „Suse“ in Betrieb erleben möchte, sollte vor dem Besuch das aktuelle Veranstaltungsprogramm des Fränkischen Freilandmuseums prüfen.
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