Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Das Eisenbahnmuseum Würzburg ist kein klassisches Museum mit festen Rundgängen und Vitrinen. Auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs Würzburg-Zell befindet sich eine aktive Museumswerkstatt mit historischen Lokomotiven, Personenwagen und Güterwagen.
Viele Fahrzeuge werden betriebsfähig erhalten und verlassen Würzburg regelmäßig für Sonderfahrten. Im Mittelpunkt steht dabei die Dampflok 52 7409 „Stadt Würzburg“, die seit vielen Jahren vor historischen Zügen in Franken und darüber hinaus unterwegs ist.
Wer hier vorbeikommt, erlebt deshalb eher eine echte Eisenbahnwerkstatt als eine fertig eingerichtete Ausstellung.
Vom Eisenbahner-Hobby zum Museumsstandort
Die Wurzeln des heutigen Museums liegen in den 1980er-Jahren. Aktive und ehemalige Eisenbahner des Würzburger Betriebswerks hatten sich damals in einer örtlichen Gruppe zusammengeschlossen, um historische Schienenfahrzeuge zu erhalten.
Ein entscheidender Schritt folgte 1984. Gesucht wurde eine Dampflokomotive, die an die große Eisenbahngeschichte Würzburgs erinnern sollte.
Schließlich fand man in Linz die dort abgestellte 52 7409. Die Stadt Würzburg kaufte die Lok von den Österreichischen Bundesbahnen. Im August 1984 wurde sie nach Würzburg überführt.
Was zunächst als Denkmallokomotive gedacht war, entwickelte sich zu einem deutlich größeren Projekt. Die Eisenbahnfreunde wollten die Maschine wieder fahrfähig machen.
14 Jahre Arbeit an der 52 7409
Der Zustand der Dampflok war alles andere als museumsreif. In Würzburg wurde sie weitgehend zerlegt und Stück für Stück aufgearbeitet.
Kessel, Rahmen, Fahrwerk, Bremsanlage und zahlreiche kleinere Bauteile mussten untersucht, repariert oder neu angefertigt werden. Insgesamt steckten die Helfer mehr als 20.000 Arbeitsstunden in die Lok.
Nach fast 14 Jahren war es geschafft. Die letzten Arbeiten wurden im Dampflokwerk Meiningen durchgeführt. Am 5. September 1998 erhielt die Maschine ihre endgültige Betriebsgenehmigung.
Seitdem gehört die 52 7409 zu den wichtigsten Fahrzeugen des Würzburger Museumsstandorts.
Dampflok 52 7409 „Stadt Würzburg“
Die Lok wurde 1943 bei der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf gebaut. Die Baureihe 52 entstand während des Zweiten Weltkriegs als vereinfachte Güterzuglokomotive.
Nach dem Krieg blieb die 52 7409 in Österreich. Sie war unter anderem in Mürzzuschlag, Graz, St. Veit, Linz und Wien stationiert. Bis zu ihrer Abstellung legte sie nach Angaben des Museums rund 1,5 Millionen Kilometer zurück.
Heute präsentiert sich die Lok wieder als betriebsfähige Museumsmaschine.
Einige technische Daten:
- Baujahr: 1943
- Hersteller: Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf
- Achsfolge: 1’E h2
- Länge über Puffer: 23,05 Meter
- Gewicht: 143,1 Tonnen
- Leistung: rund 1.620 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
Gerade bei Sonderfahrten ist die große Güterzugdampflok das Aushängeschild des Museums.
Die V 100 1200
Neben der Dampflok gehört auch die Diesellokomotive V 100 1200 zum Fahrzeugbestand.
Die Lok wurde 1963 von Henschel in Kassel gebaut und besitzt einen 1.100 PS starken Dieselmotor. Sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.
Das Fahrzeug hat einen besonderen Bezug zu Würzburg. Die Lok war früher bereits bei der Bundesbahn in Würzburg beheimatet.
2002 kam sie zum heutigen Museumsstandort. Nach einer umfangreichen Aufarbeitung konnte sie 2009 wieder in Betrieb genommen werden.
Aktuell befindet sich die V 100 1200 laut Fahrzeugübersicht des Museums in Hauptuntersuchung.
Köf und weitere Kleinlokomotiven
Für den Rangierbetrieb auf dem eigenen Gelände stehen mehrere kleinere Diesellokomotiven zur Verfügung.
Dazu gehört die Köf 6731 von 1959. Die bei Jung gebaute Lok besitzt 128 PS und ist weiterhin betriebsfähig.
Weitere Kleinlokomotiven verschiedener Hersteller befinden sich im Bestand oder werden aufgearbeitet.
Gerade auf einem Museumsgelände sind solche Fahrzeuge wichtig. Personenwagen und Güterwagen müssen regelmäßig zwischen Werkstatt, Abstellgleisen und Zugverbänden verschoben werden.
Donnerbüchsen und Umbauwagen
Zum Eisenbahnmuseum gehört eine umfangreiche Sammlung historischer Personenwagen.
Besonders typisch sind die sogenannten Donnerbüchsen aus den späten 1920er-Jahren. Die einfachen Personenwagen mit offenen Einstiegsplattformen und teilweise noch hölzerner Innenausstattung vermitteln bei einer Sonderfahrt ein ganz anderes Reisegefühl als moderne Züge.
Daneben besitzt das Museum Umbauwagen aus den 1950er-Jahren. Diese Fahrzeuge stehen für die Zeit des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders bei der Deutschen Bundesbahn.
Auch Nahverkehrswagen aus den 1960er- und 1970er-Jahren gehören zum Bestand.
Die Sammlung reicht darüber hinaus bis zu deutlich älteren Fahrzeugen. Ein Gepäckwagen stammt beispielsweise bereits aus dem Jahr 1910, ein weiterer Reisezugwagen aus dem Jahr 1896.
Hinzu kommen historische Güter- und Bahndienstwagen.
Eine echte Eisenbahnwerkstatt
Das Herz des Museums befindet sich in einer ehemaligen Wagenwerkstatt auf dem Gelände des Güterbahnhofs Würzburg-Zell.
Die dreigleisige Halle wird bis heute für Arbeiten an den historischen Fahrzeugen genutzt. Auf den Gleisen vor und hinter dem Gebäude stehen weitere Lokomotiven und Wagen.
Zum eigenen Betriebsgelände gehören rund 1.357 Meter Gleis und vier Weichen.
Für größere Arbeiten stehen eine Hebeanlage, eine Achssenke und ein Bockkran zur Verfügung. Damit können viele Wartungs- und Reparaturarbeiten direkt in Würzburg durchgeführt werden.
Das ist wichtig, denn auch historische Fahrzeuge müssen regelmäßige technische Untersuchungen bestehen, wenn sie weiterhin auf dem öffentlichen Eisenbahnnetz eingesetzt werden sollen.
Das Museum fährt durch Franken
Am besten lässt sich das Eisenbahnmuseum Würzburg deshalb bei einer Sonderfahrt erleben.
Der Verein stellt aus seinen Wagen historische Züge zusammen, die je nach Einsatz mit der Dampflok 52 7409 oder einer Diesellokomotive bespannt werden.
Die Fahrten führen überwiegend durch Nordbayern und die angrenzenden Regionen.
Auch komplette Züge können für besondere Veranstaltungen gechartert werden. Je nach Zusammenstellung stehen Donnerbüchsen, Umbauwagen und weitere historische Personenwagen zur Verfügung.
Damit bleibt die Sammlung nicht auf dem Museumsgelände stehen. Ein wesentlicher Teil des Museumskonzepts besteht darin, historische Eisenbahn im Betrieb zu zeigen.
Öffnungszeiten und Besuch
Das Eisenbahnmuseum Würzburg besitzt keine regulären Museumsöffnungszeiten.
Der Verein weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um einen Museumszug mit Werkstatt handelt. An den Fahrzeugen wird regelmäßig dienstags und samstags gearbeitet.
Wer den Eisenbahnfreunden dabei über die Schulter schauen oder sich für eine Mitarbeit interessieren möchte, kann Kontakt mit dem Verein aufnehmen beziehungsweise an einem der Arbeitstage vorbeischauen.
Für einen klassischen Museumsbesuch mit Führung sollte vorher geprüft werden, ob ein öffentlicher Veranstaltungstag angekündigt ist.
Für 2026 sind auf der offiziellen Webseite derzeit noch keine konkreten Sonderfahrttermine veröffentlicht. Das Fahrtenprogramm wird dort weiterhin als in Planung bezeichnet.
Eintritt
Da es keine regulären Museumsöffnungszeiten gibt, existiert auch kein normaler Museumseintritt.
Bei Sonderfahrten und Veranstaltungen gelten jeweils eigene Fahrpreise beziehungsweise Eintrittsregelungen.
Die aktuellen Termine und Preise sollten deshalb vor einem Besuch direkt beim Eisenbahnmuseum geprüft werden.
Adresse
DGEG Eisenbahnmuseum Würzburg
Veitshöchheimer Straße 107b
97080 Würzburg
Das Museum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Würzburg-Zell.
Für Eisenbahnfreunde ist der Standort besonders interessant, weil hier historische Fahrzeuge weiterhin wie echte Eisenbahnfahrzeuge behandelt werden. Sie werden gewartet, untersucht, rangiert und anschließend wieder auf die Strecke geschickt. Gerade die Verbindung aus Werkstatt, historischem Wagenpark und der großen Dampflok 52 7409 macht Würzburg zu einem besonderen Eisenbahnziel.
Fotonachweis
Museumswerkstatt und Abstellhalle des Eisenbahnmuseums Würzburg. Foto: ThF / WürzburgWiki / CC BY-SA 4.0
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