Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Eisenbahnmuseum Jünkerath
Das Eisenbahnmuseum Jünkerath erzählt die Geschichte eines Ortes, der über Jahrzehnte von der Eisenbahn geprägt wurde. Jünkerath war einst einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte der Eifel. Bahnhof, Bahnbetriebswerk und weitere Dienststellen boten zeitweise mehr als 800 Eisenbahnern Arbeit.
Heute erinnert ein kleines, mit viel Engagement aufgebautes Museum an diese Zeit. Statt großer Lokomotiven stehen hier die Dinge im Mittelpunkt, die früher zum Alltag der Eisenbahner gehörten.
Als Jünkerath mit der Eisenbahn wuchs
Die Eisenbahn kam vergleichsweise spät in die Eifel. Mit dem Bau der Strecke Köln–Trier entstand 1870 auf damals kaum bebautem Gelände der Bahnhof Jünkerath.
Am 15. November 1870 wurde der Abschnitt Köln–Gerolstein eröffnet. Rund um den Bahnhof entstanden Wohnungen für Eisenbahner, Werkstätten und weitere Bahnanlagen. Der kleine Ort wuchs dadurch schnell.
Eine noch größere Bedeutung bekam Jünkerath ab 1909. Mit dem Bau der Strecken Richtung Dümpelfeld und über Losheim nach Weywertz wurde der Bahnhof zu einem wichtigen Knotenpunkt.
1912 waren die umfangreichen Erweiterungen abgeschlossen. Neben dem Personenbahnhof gab es große Güteranlagen und ein Bahnbetriebswerk.
Ein großer Eisenbahnknoten in der Eifel
In den folgenden Jahrzehnten war in Jünkerath rund um die Uhr Eisenbahnbetrieb.
Besonders während der beiden Weltkriege liefen zahlreiche Militär- und Güterzüge über den Bahnhof. 1939 arbeiteten rund 850 Eisenbahner in den verschiedenen Dienststellen des Ortes.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Jünkerath zunächst wieder eine wichtige Rolle. Um 1950 wurden täglich bis zu 400 Güterwagen abgefertigt.
Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf andere Strecken begann jedoch der langsame Rückzug der Bahn. 1973 endete der Personenverkehr auf der Strecke Richtung Dümpelfeld. Weitere Dienststellen wurden geschlossen und Gleise verschwanden.
1997 wurde auch die Zugbildung nach Gerolstein verlegt. Seit der Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks im Jahr 2006 gibt es in Jünkerath keinen klassischen Eisenbahner-Arbeitsplatz mehr.
Erinnerungsstücke aus dem Eisenbahneralltag
Die Eisenbahnfreunde Jünkerath sammeln seit vielen Jahren Gegenstände, Fotos und Dokumente aus dieser Zeit.
Zu sehen sind unter anderem historische Eisenbahneruniformen, Lampen, Signale, Telefone, Stellwerkshebel, Fahrkartenzangen, Werkzeuge und Lokschilder.
Dazu kommen Fahrpläne, Dienstvorschriften, Fahrkarten und weitere Unterlagen aus dem früheren Bahnbetrieb.
Ein historischer Fahrkartenschalter wurde im Museum vollständig nachgebaut. Gerade diese vielen kleineren Gegenstände vermitteln einen guten Eindruck davon, wie umfangreich der Eisenbahnbetrieb früher war.
Historische Pläne und Dokumente
Eine Besonderheit der Sammlung ist das umfangreiche Planarchiv.
Die Eisenbahnfreunde besitzen mehrere hundert historische Zeichnungen und Pläne von Eisenbahnstrecken und Anlagen im Eifel- und Moselraum. Darunter befinden sich Gleispläne, Oberbaupläne sowie Zeichnungen von Gebäuden, Brücken und Tunneln.
Für Eisenbahnfreunde, die sich genauer mit verschwundenen Strecken und Bahnanlagen beschäftigen, ist dieser Teil der Sammlung besonders interessant.
Neuanfang nach der Flut 2021
Bis 2021 befand sich das Eisenbahnmuseum am Römerwall.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 traf die Hochwasserkatastrophe auch Jünkerath. Die Museumsräume wurden vollständig überflutet. Zahlreiche Exponate gingen verloren oder wurden schwer beschädigt.
Die Eisenbahnfreunde gaben ihre Sammlung trotzdem nicht auf. In einer ehemaligen Mühle im Ortsteil Glaadt entstand ein neues Museum.
Am 2. Juni 2024 konnte das Eisenbahnmuseum in der Mühlengasse 3a wieder eröffnet werden. Die Ausstellung befindet sich heute hochwassersicher im ersten Stock des Gebäudes und umfasst rund 95 Quadratmeter.
Audioguide und neue Ausstellung
Zur Saison 2026 wurde die Ausstellung weiter ausgebaut.
Besucher können inzwischen einen Audioguide mit dem eigenen Smartphone nutzen. An insgesamt 42 Stationen gibt es zusätzliche Informationen zu den Exponaten.
Die Inhalte stehen auf Deutsch, Englisch und Niederländisch zur Verfügung.
Mehrere Bildschirme ergänzen die Ausstellung mit historischen Bildern und Informationen. Ein weiteres interessantes Projekt ist ein funktionsfähiges Modell einer Heusinger-Steuerung, das im ehemaligen Bahnbetriebswerk Jünkerath gebaut wurde.
Der Roheisenpfannenwagen
Eisenbahn und Eisenindustrie gehören in Jünkerath eng zusammen. Ein besonders ungewöhnliches Zeugnis dafür ist ein großer Roheisenpfannenwagen.
Der Wagen wurde 1966 in der Jünkerather Maschinenfabrik gebaut. Er konnte bis zu 80 Tonnen flüssiges Roheisen aufnehmen und wurde ursprünglich an ein Stahlwerk in Bremen geliefert.
2002 holten die Eisenbahnfreunde den Wagen zurück nach Jünkerath.
Seit Juni 2025 steht er an einem neuen Standort an der Park-and-Ride-Anlage an der Gewerkschaftsstraße gegenüber dem Bahnhof. Der Wagen wiegt rund 55 Tonnen und erinnert an die lange Geschichte des Eisen- und Maschinenbaus in Jünkerath.
Wer das Museum besucht, sollte deshalb auch dort kurz vorbeischauen.
Öffnungszeiten 2026
Das Eisenbahnmuseum ist vom 1. April bis zum 30. September jeweils samstags geöffnet.
Samstag: 14:00 bis 16:00 Uhr
Für die Museumssaison 2026 bedeutet dies, dass das Museum noch bis zum 26. September 2026 regulär geöffnet ist.
Für Gruppen können nach vorheriger Vereinbarung auch andere Besuchstermine angeboten werden.
Am 19. September 2026 beteiligt sich das Museum außerdem am Tag der Schiene und öffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr mit zusätzlichen Angeboten.
Eintritt
Seit 2026 gelten feste Eintrittspreise:
- Erwachsene: 2 Euro
- Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren: 1 Euro
- Kinder unter 6 Jahren: kostenlos
- Gruppen mit Führung: 2 Euro pro Person, mindestens 20 Euro
Inhaber der GeroCard und Vereinsmitglieder haben freien Eintritt.
Hunde dürfen nicht mit in das Museum genommen werden.
Adresse und Anreise
Eisenbahnmuseum Jünkerath
Mühlengasse 3a
54584 Jünkerath-Glaadt
Die Ausstellung befindet sich im ersten Stock und ist über die Außentreppe mit dem Schriftzug „Eisenbahnmuseum“ erreichbar.
Direkt am Museum gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten. Bei Veranstaltungen empfiehlt der Verein den Parkplatz am Birbach an der Ecke Gewerkschaftsstraße und Escher Straße.
Vom Bahnhof Jünkerath sind es zu Fuß ungefähr 15 Minuten bis zum Museum.
Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann den Weg mit einem Rundgang durch die denkmalgeschützte Eisenbahnersiedlung „Neue Kolonie“ verbinden.
Fotonachweis
Blick in die Ausstellung des Eisenbahnmuseums Jünkerath am neuen Standort in Glaadt. Foto: Ahrdorfer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
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