Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Das historische Bahnbetriebswerk Adorf im Vogtland gehört zu den Eisenbahnorten, bei denen nicht nur einzelne Fahrzeuge erhalten geblieben sind. Hier lässt sich noch eine weitgehend vollständige Betriebsanlage mit Ringlokschuppen, Drehscheibe, Wasserkran und weiteren Einrichtungen eines früheren Bahnbetriebswerks erleben.
Seit 1995 kümmert sich der Vogtländische Eisenbahnverein Adorf e.V. um den Erhalt des Geländes. Der Verein beschreibt das Bw Adorf heute als einziges noch intaktes historisches Bahnbetriebswerk im Vogtland. Seit 2006 befinden sich die Anlagen im Eigentum des Vereins.
Für Eisenbahnfreunde ist Adorf deshalb besonders interessant. Wer schon einmal wissen wollte, wie Dampflokomotiven früher versorgt, gedreht und im Lokschuppen abgestellt wurden, findet hier viele der dafür notwendigen Einrichtungen noch an ihrem ursprünglichen Standort.
Ein Bahnbetriebswerk von 1909
Die Geschichte des Lokomotivbetriebs in Adorf reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Nachdem die Eisenbahnverbindungen nach Adorf immer wichtiger geworden waren, entstanden bereits in den 1870er-Jahren erste Anlagen für die Unterbringung und Versorgung von Lokomotiven.
Die Anlagen direkt am Bahnhof wurden jedoch bald zu klein. Zwischen 1905 und 1912 wurde der Bahnknoten Adorf deshalb umfangreich umgebaut. Rund einen Kilometer vom Bahnhof entfernt entstand am Kaltenbach ein neues Lokomotivdepot. Die neue Anlage wurde Ende Juni 1909 in Betrieb genommen.
Zum neuen Bahnbetriebswerk gehörten ein Halbrundlokschuppen und eine 20 Meter lange Drehscheibe. In den Jahren 1928 bis 1933 wurde das Bw nochmals erweitert. Werkstattbereiche und Nebengebäude wurden ausgebaut und die technischen Einrichtungen verbessert.
Heute besitzt der erhaltene Ringlokschuppen zwölf Stände. Zusammen mit der Drehscheibe bildet er das Herzstück des Eisenbahnmuseums.
Ringlokschuppen und Drehscheibe
Gerade der Ringlokschuppen macht das Bw Adorf zu einem sehenswerten Ziel. Die Lokomotiven konnten früher über die Drehscheibe auf das benötigte Schuppengleis verteilt werden.
Für Dampflokomotiven war ein solches Bahnbetriebswerk ein wichtiger Bestandteil des täglichen Betriebs. Hier wurden die Maschinen kontrolliert, gewartet und für ihren nächsten Einsatz vorbereitet.
In Adorf sind neben Ringlokschuppen und Drehscheibe auch ein Wasserkran, Teile der ehemaligen Bekohlungsanlage, Nebengebäude und die frühere Lokleitung erhalten.
Damit lässt sich noch heute nachvollziehen, wie ein klassisches Bahnbetriebswerk aufgebaut war. Gerade für Modellbahner bietet das Gelände viele interessante Vorbilder für ein eigenes Betriebswerk auf der Anlage.
Dampflok 86 607
Eines der wichtigsten Fahrzeuge in Adorf ist die Dampflokomotive 86 607.
Die Lok wurde 1942 bei Borsig gebaut. Von November 1952 bis März 1953 war sie tatsächlich im Bahnbetriebswerk Adorf stationiert. Dadurch besitzt die Maschine einen direkten historischen Bezug zu ihrem heutigen Ausstellungsort.
Die Baureihe 86 wurde ab Ende der 1920er-Jahre als leistungsfähige Einheits-Tenderlokomotive entwickelt. Ihre Bauweise machte sie besonders geeignet für Nebenstrecken und Strecken mit häufig wechselnder Fahrtrichtung.
Bereits ab 1932 wurden Lokomotiven der Baureihe 86 vom Bw Adorf aus eingesetzt. Die heute erhaltene 86 607 gehört dem Verkehrsmuseum Dresden und befindet sich als Dauerleihgabe im Bw Adorf. Der Vogtländische Eisenbahnverein betreut und erhält die Lok vor Ort.
Gerade zusammen mit dem historischen Ringlokschuppen und der Drehscheibe wirkt die Maschine wesentlich authentischer als eine Dampflok, die lediglich auf einem kurzen Ausstellungsgleis steht.
ELNA-Dampflok und weitere Fahrzeuge
Neben der 86 607 gibt es weitere interessante Fahrzeuge zu entdecken. Dazu gehört eine ELNA-Dampflokomotive von Hanomag aus dem Jahr 1931.
ELNA steht für den „Engeren Lokomotiv-Normen-Ausschuss“. Ziel war es, standardisierte Lokomotivtypen für Klein- und Privatbahnen zu entwickeln. Dadurch sollten Bau und Unterhaltung der Fahrzeuge vereinfacht werden.
Zum Bestand beziehungsweise zu den ausgestellten Fahrzeugen gehören außerdem verschiedene Kleinlokomotiven, eine Dampfspeicherlok und weitere Eisenbahnfahrzeuge. Bei Veranstaltungen können sich die ausgestellten Fahrzeuge ändern.
Ein Schienentrabi auf Eisenbahnrädern
Ein besonders ungewöhnliches Fahrzeug ist der Schienentrabi Kl 2006.
Das Gleiskraftrad wurde für Bahnmeistereien der Deutschen Reichsbahn entwickelt. Für Antrieb und Fahrwerk verwendete man teilweise Technik aus dem Automobilbau. Dazu gehörten Komponenten des Trabant P50.
Diese kleinen Fahrzeuge wurden für Kontrollfahrten und Arbeiten entlang der Bahnstrecken eingesetzt. Frühe Fahrzeuge mussten zum Wenden teilweise von Hand umgesetzt werden. Spätere Exemplare erhielten mechanische oder hydraulische Wendeeinrichtungen.
Nach Angaben des Vereins entstanden ungefähr 100 dieser Fahrzeuge. Nur wenige sind heute museal erhalten.
Für Besucher ist der Schienentrabi ein schönes Beispiel dafür, dass Eisenbahngeschichte weit mehr umfasst als Dampflokomotiven und große Dieselloks.
LVT der Baureihe 771 und 772
Das Bw Adorf ist außerdem Heimat historischer Leichtverbrennungstriebwagen der Baureihen 771 und 772.
Diese Fahrzeuge werden häufig als „Ferkeltaxe“ bezeichnet und gehörten über Jahrzehnte zum typischen Bild auf Nebenstrecken der Deutschen Reichsbahn.
Seit 2005 nutzt die Eisenbahnnostalgie Vogtland das Bw Adorf als Heimat für ihre Triebwagen. Die Fahrzeuge werden dort abgestellt und gewartet. Adorf dient außerdem als Ausgangspunkt für Sonder- und Charterfahrten.
Historisch passt das gut zum Standort. Ab 1966 kamen LVT der Deutschen Reichsbahn auch auf den Strecken rund um Adorf zum Einsatz.
Seit 2013 finden zudem Sonderfahrten auf der Strecke Adorf–Zwotental statt, auf der heute kein regulärer Reiseverkehr mehr durchgeführt wird.
Das Bw besitzt weiterhin einen Gleisanschluss
Eine weitere Besonderheit ist die noch vorhandene Anschlussbahn.
Das historische Bahnbetriebswerk liegt ungefähr einen Kilometer vom Bahnhof Adorf entfernt und ist über eine eigene Anschlussbahn mit dem übrigen Schienennetz verbunden.
Diese Verbindung konnte erhalten werden und wird weiterhin für Fahrzeugbewegungen genutzt. 2012 wurde ein neuer Infrastrukturanschlussvertrag abgeschlossen. Bereits am 1. Mai 2012 wurde die Verbindung wieder genutzt, als zwei Triebwagen zur Wartung ins Bahnbetriebswerk gebracht wurden.
Dadurch ist das Bw keine vollständig vom Eisenbahnnetz abgeschnittene Sammlung. Fahrzeuge können weiterhin auf dem Schienenweg das Gelände erreichen oder verlassen.
Vom regulären Bw zum Eisenbahnmuseum
Im regulären Eisenbahnbetrieb verlor Adorf nach und nach an Bedeutung.
1970 verlor das Bw seine Selbstständigkeit und wurde Einsatzstelle des größeren Bahnbetriebswerks Reichenbach. Nach der deutschen Wiedervereinigung nahm die Bedeutung weiter ab. 1994 beziehungsweise 1995 endete schließlich die Nutzung durch die Deutsche Bahn.
Am 22. Juli 1995 übernahm der neu gegründete Vogtländische Eisenbahnverein die Anlage. Ziel war von Anfang an, das Bahnbetriebswerk möglichst vollständig zu erhalten und gleichzeitig einen Standort für historische Fahrzeuge aufzubauen.
Das war für den Erhalt der Anlage entscheidend. Statt Drehscheibe und Lokschuppen abzubrechen oder das Gelände anderweitig zu nutzen, blieb das Ensemble erhalten.
Besuch und Öffnungstage 2026
Das Bw Adorf besitzt keine täglichen Museumsöffnungszeiten. Der Verein öffnet das Gelände regelmäßig zu Bw-Nachmittagen, Tagen der offenen Tür und besonderen Veranstaltungen.
Für 2026 wurden mehrere Bw-Nachmittage jeweils von 14 bis 17 Uhr angekündigt. Nach aktuellem Stand gibt es 2026 noch einen Termin am 10. Oktober.
Ein besonderer Termin steht unmittelbar bevor: Zum Tag der Schiene am Samstag, 19. September 2026, ist das historische Bahnbetriebswerk von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Da das Museum ehrenamtlich betrieben wird, sollte man vor einer längeren Anreise immer noch einmal die aktuellen Termine des Vereins prüfen.
Anfahrt
Das historische Bahnbetriebswerk befindet sich unter folgender Adresse:
Am Kaltenbach 17
08626 Adorf/Vogtl.
Vom Bahnhof Adorf liegt das Bw ungefähr einen Kilometer entfernt. Bei größeren Veranstaltungen wurde in der Vergangenheit teilweise ein Pendelverkehr mit historischen Triebwagen zwischen Bahnhof und Bahnbetriebswerk angeboten. Ob dieser stattfindet, sollte jeweils im aktuellen Veranstaltungsprogramm geprüft werden.
Lohnt sich das Bw Adorf?
Für Freunde historischer Bahnbetriebswerke ist Adorf ein sehr interessantes Ziel. Hier stehen nicht nur Lokomotiven in einer Ausstellung. Das eigentliche Bahnbetriebswerk ist der wichtigste Teil des Museums.
Ringlokschuppen, Drehscheibe, Wasserkran, Bekohlungsanlage und die historische Anschlussbahn vermitteln einen guten Eindruck davon, wie ein Bahnbetriebswerk früher funktioniert hat.
Dazu kommen Fahrzeuge mit unmittelbarem Bezug zur Region. Besonders die 86 607 passt hervorragend an diesen Standort, da sie Anfang der 1950er-Jahre selbst in Adorf stationiert war.
Auch die LVT der Baureihen 771 und 772, verschiedene Kleinlokomotiven, der Schienentrabi und weitere Fahrzeuge sorgen dafür, dass es auf dem Gelände einiges zu entdecken gibt.
Wer im Vogtland unterwegs ist und sich für Eisenbahngeschichte interessiert, sollte sich einen der Öffnungstage vormerken. Besonders empfehlenswert sind größere Veranstaltungstage, an denen zusätzliche Fahrzeuge gezeigt werden und auf der Anlage mehr Betrieb stattfindet.
Fotonachweis
Foto: Steffen Mokosch / Wikimedia Commons. Dampflokomotive 86 607 und zwei Werklokomotiven von LKM Babelsberg im Bahnbetriebswerk Adorf, aufgenommen am 3. Juni 2023. Lizenziert unter Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0). Quelle: Wikimedia Commons, „86 607, V 10 B Adorf Vogtl Bw.jpg“. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.

