Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren e.V. verbinden Modellbahn, Eisenbahngeschichte und große Eisenbahn an einem ungewöhnlichen Standort. Das Vereinsheim besteht aus zwei historischen Bahnpostwagen, die direkt neben der Bahnstrecke von Kaufbeuren in Richtung Kempten stehen. In den Wagen treffen sich die Mitglieder, bauen an ihren Modelleisenbahnen und beschäftigen sich mit der Eisenbahn im großen Vorbild.
Besonders sehenswert ist die große H0-Modulanlage „Pforzen“. Sie zeigt den ehemaligen Bahnhof Pforzen in seinem Zustand der 1950er-Jahre und besitzt damit einen direkten Bezug zur Eisenbahngeschichte im Allgäu. Daneben betreibt der Verein eine Spur-N-Anlage, eine große Märklin-H0-Anlage und eine mobile Kindereisenbahn.
Eisenbahnverein mit rund 50 Mitgliedern
Die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren beschäftigen sich mit vielen unterschiedlichen Bereichen des Eisenbahnhobbys. Die Modelleisenbahn ist ein wichtiger Schwerpunkt, aber längst nicht das einzige Thema.
Zum Vereinsleben gehören auch Eisenbahnfotografie, historische Fahrzeuge, Verkehrsgeschichte und aktuelle Entwicklungen rund um den Schienenverkehr. Der Verein zählt nach eigenen Angaben etwa 50 Mitglieder.
Eine weitere Besonderheit ist die mobile Kindereisenbahn. Mit ihr sind die Kaufbeurer Eisenbahnfreunde regelmäßig bei Festen und Veranstaltungen unterwegs.
Vereinsheim in echten Bahnpostwagen
Schon das Vereinsheim unterscheidet die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren von vielen anderen Modellbahnclubs. Statt in einem gewöhnlichen Vereinsraum treffen sich die Mitglieder in historischen Eisenbahnwagen.
Bereits 1978 wurden zwei ehemalige Bahnpostwagen auf dem heutigen Vereinsgelände aufgestellt. Einer der Wagen war 14,5 Meter lang und diente als Aufenthalts- und Versammlungsraum. Im zweiten Wagen befand sich die Modellbahnanlage.
Die Wagen stehen auf einem eigenen Gleisstück unmittelbar neben der Bahnstrecke Kaufbeuren–Kempten. Vorbeifahrende Regional- und Fernzüge sorgen dadurch beim Vereinsabend für echte Eisenbahnatmosphäre.
Brand zerstörte 2002 die Modellbahnanlage
Ein einschneidendes Ereignis traf den Verein am 4. April 2002. Bei einem Brandanschlag wurde einer der Bahnpostwagen mitsamt der darin aufgebauten Modelleisenbahn zerstört.
Die Mitglieder entschieden sich anschließend für einen Wiederaufbau. Als Ersatz wurde ein vierachsiger und 26,4 Meter langer Eisenbahnwagen beschafft. Nach einer Aufarbeitung in den Regental-Werkstätten in Viechtach gelangte der Wagen auf dem Schienenweg nach Kaufbeuren.
Im Mai 2003 wurde er schließlich mit zwei Autokränen auf das Vereinsgrundstück gehoben. Im selben Jahr konnte der Verein auch das Grundstück von der Deutschen Bahn erwerben und damit den Standort langfristig sichern.
H0-Anlage „Pforzen“ mit regionalem Vorbild
Das bekannteste Modellbahnprojekt der Eisenbahnfreunde ist die H0-Anlage „Pforzen“ im Maßstab 1:87. Das Vorbild lag an der Bahnstrecke München–Lindau zwischen Buchloe und Kaufbeuren.
Der frühere Bahnhof Pforzen existiert in dieser Form heute nicht mehr. Für die Modellbahn entschieden sich die Mitglieder deshalb für die Darstellung der Gleisanlagen in den 1950er-Jahren. In dieser Zeit besaß der Bahnhof seine größte Ausdehnung.
Historische Gleispläne und Originalunterlagen dienten als Grundlage. Auch die Gebäude im Bereich des Bahnhofs wurden nach Originalplänen individuell gebaut.
27 Meter Modellbahn und 107 Meter Gleis
Die Anlage besteht aktuell aus 18 Modulen mit einer Gesamtlänge von rund 27 Metern. Allein im etwa 9,60 Meter langen Bahnhofsbereich liegen mehr als 42 Meter Gleis.
Auf der vollständigen Anlage wurden rund 107 Meter Roco-Line-Gleis ohne Bettung verbaut. Die Module sind digitalisiert und werden mit einer Intellibox gesteuert.
Durch die Modulbauweise lässt sich die Anordnung verändern und erweitern. Das ist vor allem bei Ausstellungen praktisch, weil einzelne Bereiche je nach vorhandenem Platz unterschiedlich zusammengestellt werden können.
Gleisanschluss zur Dynamitfabrik in Neugablonz
Historisch besonders interessant ist ein vom Bahnhof Pforzen abzweigendes Anschlussgleis. Das große Vorbild führte zu einer während des Zweiten Weltkriegs errichteten Dynamitfabrik im sogenannten „Gelände“, dem heutigen Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz.
Die Eisenbahnfreunde haben sich intensiv mit diesem Teil der regionalen Eisenbahngeschichte beschäftigt. Gleisanlagen und Betrieb des Anschlusses wurden vom Verein auch in einer eigenen Dokumentation behandelt.
Auf der Modellbahnanlage finden sich weitere typisch regionale Motive. Dazu gehören ein Bauernhof, ein Sägewerk sowie ein Torfabbaugebiet mit eigener kleiner Schmalspurbahn und Verladeanlage.
Spur-N-Modulanlage
Neben H0 spielt auch die Spur N im Maßstab 1:160 eine Rolle. Der Bau der N-Anlage begann 2010 mit zunächst 14 Modulkästen. Seit 2011 entstehen Gleise und Landschaft.
Im Gegensatz zur Pforzen-Anlage besitzt die Spur-N-Bahn kein konkretes Vorbild. Dadurch haben die Modellbauer bei Landschaft und Gleisführung deutlich mehr Freiheit.
Die Anlage orientiert sich zeitlich hauptsächlich an den moderneren Epochen V und VI. Zu sehen sind eine zweigleisige Hauptstrecke, ein Bahnhof mit großzügigen Radien, ein abzweigendes Streckengleis sowie ein kleiner Güterbereich mit Firmenanschluss.
Auch beim Gleisbau gehen die Mitglieder eigene Wege. Unter anderem kommen selbst gebaute schlanke Weichen zum Einsatz.
Große Märklin-H0-Anlage
Eine weitere H0-Anlage gelangte auf ungewöhnliche Weise zum Verein. Sie war ursprünglich fest in einem privaten Keller in Königsbrunn bei Augsburg eingebaut und sollte nach Aufgabe des Standorts erhalten bleiben.
Die Kaufbeurer Modellbahner zerlegten die Anlage in transportable Segmente und bauten sie anschließend im Vereinsheim wieder auf. Rund 4.000 Arbeitsstunden waren nach Angaben des Vereins nötig, um die Modellbahn neu entstehen zu lassen.
Heute umfasst die Anlage etwa 20 Quadratmeter. Rund 100 Meter Gleis und etwa 40 Weichen verteilen sich auf vier Ebenen. Zur Gleisführung gehören eine zweigleisige Hauptstrecke, zwei Schattenbahnhöfe sowie zwei eingleisige Nebenstrecken.
Die Märklin-Anlage wird weiterhin analog betrieben und erinnert gleichzeitig an ihren ursprünglichen Erbauer.
7-Zoll-Kindereisenbahn für Veranstaltungen
Mit einer mobilen 7-Zoll-Kindereisenbahn sind die Eisenbahnfreunde auch außerhalb des Vereinsgeländes unterwegs. Die Bahn kann bei Stadtfesten, Firmenveranstaltungen und Tagen der offenen Tür aufgebaut werden.
Die Lokomotive wird elektrisch mit Batterien betrieben. Dadurch benötigt die Bahn keinen externen Stromanschluss. Für die komplette Anlage wird eine möglichst ebene Fläche von ungefähr 13 × 23 Metern benötigt.
Die Wagen sind groß genug, dass neben Kindern auch Erwachsene mitfahren können.
Seit 1978 Eisenbahnfreunde Kaufbeuren
Die Ursprünge des Vereins reichen bis in die Mitte der 1970er-Jahre zurück. Eine Gruppe eisenbahnbegeisterter Soldaten aus Kaufbeuren suchte damals weitere Interessierte aus der Region.
Nach einem Zeitungsaufruf kamen im Oktober 1977 rund 30 Eisenbahnfreunde zu einem ersten Treffen zusammen. Am 5. April 1978 gründeten schließlich 27 Mitglieder offiziell die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren.
Schon wenige Monate später konnten die ersten beiden Bahnpostwagen als Vereinsheim aufgestellt werden. Damit entstand der ungewöhnliche Standort, der den Verein bis heute prägt.
Vereinsabend jeden Mittwoch
Die Mitglieder treffen sich nach aktuellen Angaben jeden Mittwoch ab 19:00 Uhr im Vereinsheim. Dann wird an den Anlagen gebaut, an Fahrzeugen gearbeitet oder das Vereinsgelände gepflegt.
Zusätzlich findet am ersten Dienstag jedes Monats ab 19:30 Uhr eine Monatsversammlung statt. Besucher sind grundsätzlich willkommen. Der Verein empfiehlt jedoch, sich vorab anzumelden.
Modellbahnbörsen und Ausstellungen
Die Eisenbahnfreunde organisieren regelmäßig eigene Veranstaltungen. Dazu gehören Modellbahnausstellungen und Modellbahnbörsen.
Auch 2026 war der Verein aktiv: Am 10. Januar fand beispielsweise eine Modellbahnbörse im Haus St. Martin in Kaufbeuren statt.
Aktuelle Veranstaltungstermine veröffentlicht der Verein vor allem über seine Internet- und Social-Media-Kanäle. Wer gezielt eine öffentliche Ausstellung besuchen möchte, sollte dort vor der Anreise die aktuellen Termine prüfen.
Besuch bei den Eisenbahnfreunden Kaufbeuren
Das Vereinsgelände befindet sich direkt an der Bahnstrecke am südlichen Rand von Kaufbeuren. Es handelt sich nicht um eine täglich geöffnete Modellbahn-Schauanlage. Interessierte Besucher können nach vorheriger Absprache beziehungsweise im Rahmen angekündigter Veranstaltungen vorbeikommen.
- Verein: Eisenbahnfreunde Kaufbeuren e.V.
- Adresse: Brunnenweg 2, 87600 Kaufbeuren
- Gründung: 5. April 1978
- Mitglieder: rund 50
- Vereinsheim: zwei historische Eisenbahnwagen
- Modellbahnen: H0, Märklin H0 und Spur N
- Besonderheit: H0-Anlage „Pforzen“ nach regionalem Vorbild
- Kindereisenbahn: 7 Zoll
- Vereinsabend: Mittwoch ab 19:00 Uhr
- Besuch: nach vorheriger Absprache beziehungsweise bei Veranstaltungen
Lohnt sich ein Besuch?
Die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren sind besonders für Modellbahner interessant, die Wert auf einen konkreten regionalen Vorbildbezug legen. Die 27 Meter lange Pforzen-Anlage dokumentiert einen Bahnhof, dessen frühere Gleisanlagen heute nicht mehr existieren.
Auch das Vereinsheim in echten Eisenbahnwagen macht den Standort ungewöhnlich. Zusammen mit Spur N, Märklin-Anlage und Kindereisenbahn deckt der Verein viele unterschiedliche Bereiche des Eisenbahnhobbys ab.
Weitere Modellbahnvereine, Eisenbahnmuseen und besondere Bahnziele in Bayern findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte.
Stand: September 2026. Das Vereinsheim besitzt keine regulären täglichen Museumsöffnungszeiten. Bitte vor einer gezielten Anreise Kontakt mit dem Verein aufnehmen oder die aktuellen Veranstaltungstermine prüfen.
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