Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
In Schöllkrippen beschäftigen sich die Eisenbahnfreunde Kahlgrund e.V. mit zwei Eisenbahnstrecken, die den Raum Aschaffenburg und den westlichen Spessart über Jahrzehnte geprägt haben. Im Vereinsheim entstehen in H0 umfangreiche Nachbildungen der früheren Spessartrampe zwischen Laufach und Heigenbrücken sowie der Kahlgrundbahn zwischen Schöllkrippen und Kahl am Main. Dabei geht es nicht nur um möglichst viele fahrende Modellzüge. Historische Bahnhöfe, Gebäude, Gleisanschlüsse und typische Betriebsabläufe werden anhand alter Fotos und Unterlagen rekonstruiert. Besonders eindrucksvoll ist der automatische Schiebedienst schwerer Güterzüge auf der Spessartrampe.Eisenbahnfreunde Kahlgrund seit 1986
Der Verein wurde 1986 in Schöllkrippen gegründet. Seine Mitglieder kommen heute aus dem gesamten Großraum Aschaffenburg und vom bayerischen Untermain. Von Anfang an stand die Eisenbahngeschichte der eigenen Region im Mittelpunkt. Bereits im Gründungsjahr begann die Beschäftigung mit der Spessartrampe, die später zur großen stationären Vereinsanlage wurde. 2026 feierten die Eisenbahnfreunde ihr 40-jähriges Bestehen mit einer großen Sonderausstellung in Schöllkrippen.Die alte Spessartrampe im Modell
Die größte Vereinsanlage zeigt die frühere Spessartrampe zwischen Laufach und dem Schwarzkopftunnel bei Heigenbrücken. Diese Strecke war über viele Jahrzehnte für ihren aufwendigen Schiebebetrieb bekannt. Schwere Güterzüge benötigten zusätzliche Lokomotiven, die in Laufach am Zugende angesetzt wurden und den Zug über die steile Rampe in Richtung Schwarzkopftunnel schoben. Seit 2017 fahren die Züge auf einer neu gebauten Strecke. Der alte Abschnitt mit Schwarzkopftunnel verlor damit seine ursprüngliche Bedeutung. Auf der Modellbahnanlage der Eisenbahnfreunde bleibt der klassische Betrieb jedoch erhalten.Bahnhof Laufach mit Schiebelokomotiven
Ein Schwerpunkt der Anlage ist der Bahnhof Laufach. Hier warten die Schiebelokomotiven auf ihren nächsten Einsatz. Dargestellt wird schwerpunktmäßig die Epoche III kurz nach Beginn der Elektrifizierung. Dadurch können Dampflokomotiven und die damals noch jungen Elektrolokomotiven gemeinsam eingesetzt werden. Typische Szenen zeigen schwere Güterzüge mit Dampflok, dahinter eine zusätzliche Schiebelok oder später Elektrolokomotiven der Baureihe E 94 beziehungsweise 194.Automatischer Schiebebetrieb
Technisch gehört der Schiebebetrieb zu den spannendsten Teilen der Anlage. Die Schiebelok setzt sich hinter einen Güterzug und unterstützt ihn auf der Bergfahrt. Im Modell wird dieser Ablauf inzwischen vollständig digital und computergesteuert dargestellt. Zug- und Schiebelokomotive müssen dabei exakt aufeinander abgestimmt werden. Am Ende der Steigung löst sich die Schiebelok wieder vom Zug und kehrt über das Gegengleis nach Laufach zurück. Auch die entsprechenden Fahrstraßen und Signale werden automatisch gesteuert.Mehr als 200 Meter H0-Gleis
Die Spessartrampenanlage besitzt ungefähr acht mal acht Meter Grundfläche und ist U-förmig aufgebaut. Mehr als 200 Meter Gleis, 72 Weichen und 20 Signale wurden verbaut. Zwei jeweils zehn Gleise umfassende Schattenbahnhöfe ermöglichen einen abwechslungsreichen Zugbetrieb. Zusammen mit den Blockabschnitten können auf der Anlage bis zu rund 35 Zuggarnituren eingesetzt beziehungsweise bereitgehalten werden.TrainController und zwei Digitalzentralen
Die Steuerung erfolgt digital. Eine Intellibox übernimmt Weichen, Signale und Fahrstraßen, eine zweite Zentrale steuert die Fahrzeuge. Als Software wird TrainController Gold eingesetzt. 96 Rückmelder erfassen die Position der Züge und ermöglichen den weitgehend automatischen Betrieb.Car-System rund um die Eisenwerke
Neben den Zügen bewegen sich auch Straßenfahrzeuge. Ein computergesteuertes Car-System wurde unter anderem im Bereich der nachgebildeten Eisenwerke Düker integriert. Busse bedienen Haltestellen und Lastwagen können in den Industriebereich fahren. Selbst ein Ladegutumschlag zwischen Straße und Schiene gehört zum Konzept.Gebäude entstehen im kompletten Selbstbau
Viele markante Gebäude entlang der historischen Strecke gibt es nicht als Modellbahn-Bausatz zu kaufen. Empfangsgebäude, Beamtenwohnhaus, Bahnmeisterei, Güterschuppen und Lokschuppen in Laufach wurden deshalb nach Fotos und eigenen Vermessungen vollständig selbst gebaut. Selbst das typische Buntsandsteinmauerwerk entstand in Handarbeit aus bearbeiteten Polystyrolplatten.Die Kahlgrundbahn als zweite große Vereinsanlage
Die zweite große Anlage widmet sich der Kahlgrundbahn zwischen Schöllkrippen und Kahl am Main. Mit dem Bau begann der Verein 1989. Die transportable H0-Modulanlage erreicht inzwischen eine Gesamtlänge von ungefähr 30 Metern. Im Gegensatz zur Spessartrampe steht hier weniger der schwere Hauptbahnbetrieb im Mittelpunkt. Die Anlage zeigt vielmehr den Charakter einer regionalen Privat- und Nebenbahn mit Bahnhöfen, Güterverkehr und typischen Fahrzeugen.Bahnhof Schöllkrippen um 1960
Besonders aufwendig wurde der Bahnhof Schöllkrippen rekonstruiert. Die Modellbauer entschieden sich für den Zustand um 1960. Diese Zeit ist eisenbahngeschichtlich besonders interessant: Dampflokomotiven verschwanden zunehmend aus dem Alltag, während Dieseltriebwagen immer mehr Leistungen übernahmen. Gleichzeitig spielte der Güterverkehr noch eine wichtige Rolle. Viele damalige Gebäude existieren heute nicht mehr. Bahnhofsgebäude, alter Lokschuppen, Waggondrehscheibe, BayWa-Lagerhäuser und große Laderampe mussten deshalb anhand alter Fotografien rekonstruiert werden.Bahnhof Kahl auf 14 Metern Länge
Am anderen Ende der Modellstrecke steht der Bahnhof Kahl am Main. Er wurde nahezu kompromisslos auf einer Länge von rund 14 Metern nachgebaut. Mit den beiden Wendeln, die gleichzeitig als Zugspeicher dienen, erreicht dieser Anlagenteil sogar ungefähr 18 Meter Länge. Damit ist der vollständige Bahnhof zu groß, um dauerhaft im Vereinsheim aufgebaut zu bleiben. Bei größeren externen Ausstellungen kann er dagegen vollständig präsentiert werden.Analog und digital auf derselben Anlage
Die Kahlgrundbahn-Anlage ist technisch ungewöhnlich flexibel aufgebaut. Sie kann sowohl analog als auch digital gefahren werden. Für Weichen, Beleuchtung, Tore, Drehscheiben und weitere Funktionen entwickelten die Vereinsmitglieder eigene Mikrocontroller-Steuerungen und Schaltplatinen. Auch das große Stellpult sowie Teile der Steuerungssoftware entstanden im Eigenbau.Kinder dürfen selbst Lokführer spielen
Bei öffentlichen Ausstellungstagen geht es nicht nur ums Zuschauen. Kinder und interessierte Erwachsene dürfen auf der Kahlgrundbahn selbst einen Zug steuern. Dafür nutzt der Verein unter anderem eine Smartphone-Steuerung. Gerade für Familien macht das die Ausstellung deutlich interaktiver als eine reine Schauanlage.Ausstellungstermine 2026
Nach dem Jubiläumswochenende im September sind für 2026 noch mehrere öffentliche Ausstellungstage im Vereinsheim angekündigt:- 4. Oktober 2026: 10 bis 17 Uhr
- 8. November 2026: 10 bis 17 Uhr
- 12. Dezember 2026: Adventsausstellung, 14 bis 18 Uhr
- 13. Dezember 2026: Adventsausstellung, 10 bis 17 Uhr
Vereinsabend jeden Mittwoch
Auch außerhalb der öffentlichen Ausstellungen können Interessierte den Verein kennenlernen. Die Eisenbahnfreunde treffen sich jeden Mittwoch ab 18 Uhr im Vereinsheim. Gäste und neue Modellbahninteressierte sind ausdrücklich willkommen. Wer gezielt wegen einer Anlagenbesichtigung anreist, sollte den Besuch trotzdem vorher mit dem Verein abstimmen.Barrierefrei zugängliches Vereinsheim
Das Vereinsheim in Schöllkrippen ist nach Angaben des Vereins barrierefrei zugänglich. Vom Bahnhof Schöllkrippen sind es ungefähr einen Kilometer zu Fuß. Der Bahnhof ist über die Kahlgrundbahn mit Kahl am Main verbunden, wo Anschluss an den Regionalverkehr Richtung Aschaffenburg und Frankfurt besteht.Adresse
Eisenbahnfreunde Kahlgrund e.V. Am Sportgelände 5 63825 SchöllkrippenLohnt sich ein Besuch?
Die Eisenbahnfreunde Kahlgrund sind besonders für Besucher interessant, die Modellbahn und echtes Eisenbahnvorbild miteinander verbinden möchten. Die Spessartrampe zeigt einen Betriebsablauf, der auf der echten Strecke seit 2017 Geschichte ist. Gleichzeitig bewahrt die Kahlgrundbahn-Anlage mit dem Bahnhof Schöllkrippen um 1960 ein Stück regionaler Verkehrsgeschichte im Maßstab 1:87. Für Technikinteressierte kommen Computersteuerung, eigene Elektronik, Rückmeldetechnik und Car-System hinzu. Am besten eignet sich einer der öffentlichen Ausstellungstage, wenn beide großen Vereinsanlagen in Betrieb sind.
Wird geladen …
Keine Einträge gefunden
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Laden der Karte ist fehlgeschlagen.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.
