Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
In Taufkirchen an der Vils entsteht auf rund 190 Quadratmetern eine große H0-Modellbahnanlage mit einem ganz besonderen regionalen Schwerpunkt. Die Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Taufkirchen/Vils e.V., kurz EMFT, lassen hier unter anderem die längst verschwundene Lokalbahn Dorfen–Taufkirchen–Velden im Maßstab 1:87 wieder aufleben.
Die Bahnhöfe Taufkirchen und Velden werden möglichst authentisch nach dem Zustand der 1960er-Jahre nachgebildet. Daneben bietet die Vereinsanlage große Haupt- und Güterbahnhöfe, ein Bahnbetriebswerk, einen S-Bahnhof, mehrere Schattenbahnhöfe und abwechslungsreichen Fahrbetrieb mit Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven.
Eisenbahnfreunde mit Wurzeln in Dorfen
Die Geschichte des Vereins begann bereits 1988. Wolfgang Anzinger und Rudolf Meindl suchten damals über eine Anzeige nach weiteren Modelleisenbahnern aus dem Raum Dorfen.
Noch im Dezember 1988 beteiligte sich die kleine Gruppe an einer Ausstellung der Raiffeisen-Volksbank Dorfen zum Thema „Die Eisenbahn in Dorfen“. Neben historischen Bildern und Fahrkarten wurden dort auch Modelleisenbahnen gezeigt.
Am 29. Januar 1989 folgte die Vereinsgründung. Wenige Tage später wurde der Verein als Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Dorfen e.V. in das Vereinsregister eingetragen.
Erste Clubanlage in Schwindegg
Die Suche nach geeigneten Räumen war von Anfang an eine Herausforderung. Nach einer kurzen Zeit in einer ehemaligen Skifabrik in Dorfen fand der Verein 1990 auf einem ausgebauten Dachboden in Schwindegg eine längerfristige Heimat.
Ab 1992 entstand dort die erste größere Clubanlage. Technik und Ansprüche entwickelten sich jedoch schnell weiter. 1998 entschieden sich die Mitglieder deshalb für einen kompletten Neubau mit moderner Digitaltechnik.
Lediglich der große 42-gleisige Schattenbahnhof der bisherigen Anlage wurde weiterverwendet und für das neue Konzept angepasst.
Umzug nach Taufkirchen an der Vils
Zum 20-jährigen Vereinsbestehen erfolgte 2009 der Wechsel von Dorfen nach Taufkirchen an der Vils. Gleichzeitig entstand der heutige Vereinsname Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Taufkirchen/Vils e.V.
Doch auch dort blieb die räumliche Situation zunächst schwierig. Ende 2014 verlor der Verein sein damaliges Vereinsheim an der Dorfener Straße. Mehrere Jahre musste ohne dauerhaft aufgebaute große Clubanlage gearbeitet werden.
190 Quadratmeter für die neue Modellbahn
Am 1. Juli 2018 begann schließlich ein neues Kapitel. In der Landshuter Straße 18 konnte der Verein drei zusammenhängende Kellerräume mit insgesamt rund 190 Quadratmetern übernehmen.
Die Mitglieder bauten die Räume umfassend aus. Neben der eigentlichen Modellbahnanlage entstanden eine Werkstatt und Bereiche für das gemeinsame Vereinsleben.
Bereits 2019 war erster Fahrbetrieb möglich. Seitdem wird die Anlage kontinuierlich erweitert und technisch weiterentwickelt.
Die ehemalige Lokalbahn Dorfen–Velden im Modell
Ein besonders interessanter Teil der H0-Anlage beschäftigt sich mit der früheren Lokalbahn von Dorfen über Taufkirchen nach Velden.
Die 20,5 Kilometer lange Nebenbahn wurde am 24. Dezember 1898 eröffnet. Sie verband Taufkirchen und Velden mit der Hauptbahn München–Mühldorf und war sowohl für den Personenverkehr als auch für den Transport von Holz, landwirtschaftlichen Produkten und später weiteren Industriegütern von Bedeutung.
Der Personenverkehr endete am 26. Mai 1968. Güterzüge fuhren dagegen noch bis 1993. Anschließend wurde die Strecke stillgelegt und bis 1995 weitgehend abgebaut.
Bahnhof Taufkirchen wie in den 1960er-Jahren
Auf der Modellbahn soll ein Stück dieser verschwundenen Eisenbahngeschichte möglichst authentisch erhalten bleiben. Der Bahnhof Taufkirchen wird nach seinem Erscheinungsbild während der späteren Betriebszeit der Lokalbahn nachgebildet.
Dabei beschränken sich die Modellbauer nicht auf Gleise und Bahnhofsgebäude. Auch typische Gebäude aus dem direkten Umfeld werden berücksichtigt.
Dazu gehören unter anderem die frühere Molkerei und ein Sägewerk am Bahnhof. Historische Fotos, Pläne und andere Unterlagen dienen dabei als Grundlage.
Bahnhof Velden im Maßstab 1:87
Ein zweites regionales Highlight ist der Bahnhof Velden. Das historische Empfangsgebäude mit seiner charakteristischen Ziegelbauweise wurde aufwendig im Modell umgesetzt.
Auch die kleine Bahnhofskapelle und weitere Gebäude des damaligen Bahnumfelds werden berücksichtigt. Dadurch entsteht nicht nur ein Bahnhof, sondern ein Stück des früheren Ortsbildes im Maßstab 1:87.
Lasercut statt Gebäude von der Stange
Viele der regionalen Gebäude kann man nicht einfach als Bausatz kaufen. Deshalb konstruiert der Verein die Modelle selbst.
Für Wände, Fenster, Dächer und weitere Bauteile wird unter anderem Lasercut-Technik eingesetzt. Auf diese Weise können historische Gebäude wesentlich genauer nachgebildet werden als mit handelsüblichen Standardbausätzen.
3D-Druck für kleine Details
Auch 3D-Druck gehört inzwischen selbstverständlich zur Werkstatt der Modellbahner. Kleine Bauteile, Ausstattungselemente und individuelle Konstruktionen werden am Computer entwickelt und anschließend selbst hergestellt.
Damit verbindet der Verein klassischen Modellbau aus Holz, Karton und Landschaftsmaterial mit modernen digitalen Fertigungsmethoden.
Gleichstrom und Märklin auf einer Anlage
Technisch besitzt die Anlage eine weitere Besonderheit. Die Eisenbahnfreunde verwenden sowohl das Zweileiter-Gleichstromsystem als auch das Märklin-Dreileitersystem.
Beide Bereiche werden digital betrieben und in das Gesamtkonzept der Anlage eingebunden. Dadurch können Fahrzeuge verschiedener Systeme auf der Vereinsanlage eingesetzt werden.
Neuer Schattenbahnhof für den Märklin-Bereich
Auch 2026 wird kräftig weitergebaut. Unter dem Dreileiter-Bereich entstand ein neuer kompletter Schattenbahnhof.
Über eine Gleiswendel gelangen die Züge von dort in die sichtbaren Ebenen. Damit können inzwischen deutlich mehr Märklin-Züge im laufenden Betrieb eingesetzt werden.
Hauptbahnhof, Güterbahnhof und Bahnbetriebswerk
Neben der historischen Lokalbahn besitzt die Anlage frei gestaltete größere Eisenbahnbereiche. Dazu gehören ein Hauptbahnhof, ein Güterbahnhof sowie ein umfangreiches Bahnbetriebswerk.
Direkt an das Betriebswerk grenzt außerdem ein eigener S-Bahnhof. Dadurch können auf der Anlage ganz unterschiedliche Betriebsformen dargestellt werden.
Vom kurzen Lokalbahnzug über Triebwagen und S-Bahn bis zum langen Güter- oder Schnellzug ist entsprechend viel Abwechslung möglich.
Autos bewegen sich ebenfalls
Auch der Straßenverkehr wird in die Modellwelt integriert. Ein Car-System ermöglicht selbstständig fahrende Fahrzeuge im Maßstab 1:87.
Zusätzlich setzen die Mitglieder zahlreiche Licht- und Elektronikfunktionen ein. Gebäude, Fahrzeuge und Landschaftsszenen können beleuchtet und teilweise automatisch gesteuert werden.
Tag und Nacht auf der Modellbahn
Zur Präsentation gehört eine wechselnde Beleuchtung. Dadurch kann die Anlage unterschiedliche Tageszeiten darstellen.
Gerade bei Dunkelheit wirken beleuchtete Bahnhöfe, Straßenfahrzeuge und Gebäude besonders eindrucksvoll und machen sichtbar, wie viel Elektronik inzwischen unter der Modelllandschaft verborgen ist.
Jugendgruppe und Nachwuchsarbeit
Der Verein beschäftigt sich intensiv mit Nachwuchsarbeit. Eine eigene Jugendgruppe baut an Modellbahnprojekten und lernt dabei nicht nur Landschaftsbau und Fahrbetrieb kennen.
Auch Holzbearbeitung, Elektrik und Elektronik gehören dazu. Damit vermittelt der Verein praktische Fähigkeiten, die weit über das reine Sammeln und Fahren von Modellzügen hinausgehen.
Weitere Ausstellungsanlagen
Neben der fest installierten großen Vereinsanlage besitzt der EMFT weitere transportable Modellbahnen.
Eine H0-Modulanlage wird beispielsweise bei Veranstaltungen außerhalb des Vereinsheims präsentiert. Zusätzlich besitzt der Verein eine nostalgische Modellbahnanlage aus den 1950er-Jahren.
Besuch im Vereinsheim
Bei den Eisenbahn- und Modellbahnfreunden handelt es sich nicht um eine täglich geöffnete kommerzielle Schauanlage. Interessierte Besucher sind nach Angaben des Vereins aber ausdrücklich willkommen.
Der Vereinsabend findet jeden Donnerstag von 19 bis 22 Uhr statt. Wer die Anlage gezielt besuchen möchte, sollte vor einer längeren Anreise sicherheitshalber Kontakt mit dem Verein aufnehmen.
Nächster Modellbahnmarkt 2026
Der nächste öffentliche Termin ist der traditionelle Modellbahnmarkt am 8. November 2026 von 9:30 bis 13 Uhr.
Die Börse findet nicht im Vereinsheim, sondern im Bürgersaal Taufkirchen statt. Angeboten werden Lokomotiven, Wagen, Gleise, Gebäude, Zubehör und Landschaftsmaterial verschiedener Spurweiten.
Für Gleich- und Wechselstromfahrzeuge stehen analoge und digitale Probegleise zur Verfügung. Der Eintritt kostet 3 Euro, Kinder bis einschließlich 14 Jahre haben freien Eintritt.
Modellbahnausstellung 2027
Der nächste große Tag der offenen Tür im Vereinsheim ist bereits angekündigt:
- 20. Februar 2027: 13 bis 18 Uhr
- 21. Februar 2027: 10 bis 17 Uhr
Dann soll die weiter ausgebaute Vereinsanlage mit Gleichstrom- und Märklin-Bereich, Lokalbahnstrecke, Haupt- und Güterbahnhof, Bahnbetriebswerk und den neuen Schattenbahnhöfen wieder im umfangreichen Fahrbetrieb gezeigt werden.
Adresse des Vereinsheims
Eisenbahn- und Modellbahnfreunde Taufkirchen/Vils e.V. Landshuter Straße 18 84416 Taufkirchen (Vils)
Der Modellbahnmarkt findet dagegen im Bürgersaal in der Landshuter Straße 21 statt. Beide Adressen sollten deshalb bei Veranstaltungen nicht verwechselt werden.
Lohnt sich ein Besuch?
Die Vereinsanlage ist besonders für Modellbahner interessant, die neben umfangreichem Fahrbetrieb auch regionalen Modellbau sehen möchten. Die Nachbildung der ehemaligen Lokalbahn Dorfen–Taufkirchen–Velden gibt der Anlage einen eigenen Charakter und bewahrt gleichzeitig ein Stück regionaler Eisenbahngeschichte.
Technisch bietet die Anlage ebenfalls viel Abwechslung. Zwei- und Dreileiterbetrieb, Digitalsteuerung, Schattenbahnhöfe, Car-System, Beleuchtung, Lasercut und 3D-Druck zeigen viele unterschiedliche Bereiche des modernen Modellbahnhobbys.
Für den ausführlichsten Eindruck empfiehlt sich der Tag der offenen Tür. Wer den Verein und seine Arbeit einfach kennenlernen möchte, kann nach vorheriger Prüfung auch einen der regelmäßigen Vereinsabende nutzen.
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