Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Am Neckarufer zwischen Marbach und dem Kraftwerk verlief über viele Jahrzehnte eine eigene Werkbahn. Die knapp vier Kilometer lange Anschlussbahn versorgte das damalige Dampfkraftwerk mit Kohle und später mit Heizöl. Heute fahren hier keine Züge mehr. Große Teile der ehemaligen Strecke lassen sich inzwischen auf einem Radweg verfolgen.
Die Bahn entstand 1938 und 1939 zusammen mit dem Ausbau des Kraftwerks. Sie war normalspurig mit 1.435 Millimetern Spurweite. Um die Güterwagen vom Bahnhof Marbach zur neuen Kraftwerksbahn bringen zu können, wurde ein Abschnitt der eigentlich schmalspurigen Bottwartalbahn mit einem dritten Gleis versehen. Dadurch konnten auf demselben Bahnkörper sowohl die 750-Millimeter-Fahrzeuge der Bottwartalbahn als auch normalspurige Güterwagen verkehren.
Kohlezüge zum Kraftwerk
Nördlich von Marbach entstand die Abzweigstelle EVS mit einem Übergabebahnhof. Von dort führte die eigentliche Kraftwerksbahn am Neckar entlang zum Werksgelände.
In den ersten Jahrzehnten dominierten schwere Kohlezüge. Nachdem das Kraftwerk später auf Ölfeuerung umgestellt worden war, kamen auch Kesselwagen zum Einsatz. Selbst schwere Transformatoren und andere Großbauteile wurden über die Strecke transportiert.
Auf der Werkbahn waren mehrere eigene Lokomotiven unterwegs. Dazu gehörten eine dieselelektrische Henschel-Lokomotive von 1939, eine Lok der Maschinenfabrik Esslingen, eine feuerlose Henschel-Dampfspeicherlok von 1952 und später eine Henschel DHG 700 C. Einige dieser Fahrzeuge blieben nach ihrer Zeit in Marbach erhalten.
Ein Personenzug nur für Kraftwerksmitarbeiter
Die wohl ungewöhnlichste Besonderheit der Strecke war der nichtöffentliche Personenverkehr für Mitarbeiter des Kraftwerks.
Mehrmals täglich fuhr ein eigener Zug zwischen Marbach und dem Werk. Ausgangspunkt war der Haltepunkt Neckarsteg nahe der heutigen Schiffsanlegestelle. Unterwegs gab es am Eichgraben einen weiteren kleinen Haltepunkt für Beschäftigte aus den Wohngebieten Hörnle und Eichgraben. Erst am 30. Dezember 1982 endete dieser Werkspersonenverkehr.
Als Personenwagen diente ein ehemaliger württembergischer Wagen aus dem Jahr 1902 mit 88 Sitzplätzen. Da der Wagen in Richtung Kraftwerk geschoben wurde, erhielt er sogar ein eigenes Dreilicht-Spitzensignal und ein zusätzliches Fenster an der Plattform. Nach dem Ende des Werkspersonenverkehrs gelangte der Wagen zur Museumsbahn Kuckucksbähnel in der Pfalz.
Verbindung zur Bottwartalbahn
Die Geschichte der Kraftwerksbahn hängt eng mit der Bottwartalbahn zusammen. Die schmalspurige Strecke führte einst von Marbach über Steinheim, Großbottwar und Beilstein bis Heilbronn.
Nach dem Ende des Schmalspurbetriebs wurde der Abschnitt zwischen Marbach und Steinheim für den normalspurigen Güterverkehr umgebaut. Dadurch nutzten Güterzüge zum Kraftwerk zeitweise denselben Korridor wie die frühere Bottwartalbahn. Der Güterverkehr Richtung Steinheim endete 1990, während die Verbindung zum Kraftwerk noch einige Jahre länger bestand.
Das Ende der Kraftwerksbahn
Um die Jahrtausendwende endete auch der regelmäßige Güterverkehr zum Kraftwerk. Die letzte Zugfahrt fand am 30. Juni 2002 statt, als die Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen einen Sonderzug über die Strecke fahren ließ.
2015 wurden große Teile des ehemaligen Anschlussgleises abgebaut. Anschließend entstand auf der Trasse entlang des Neckars ein asphaltierter Radweg, der im Juni 2016 eröffnet wurde. Auch die frühere Eisenbahnbrücke über die L1100 wurde entfernt und durch eine leichtere Brücke für Fußgänger und Radfahrer ersetzt.
Wer heute dort unterwegs ist, muss deshalb etwas genauer hinschauen. Verlauf und Gelände erinnern weiterhin an die frühere Bahn, während die eigentlichen Gleise auf dem Abschnitt zum Kraftwerk weitgehend verschwunden sind. Gerade in Verbindung mit der Bottwartalbahn ist die Strecke trotzdem ein interessantes Ziel für Freunde vergessener Eisenbahnen.
Fotonachweis
Ehemalige Kraftwerksbahn Marbach: Das Verbindungsgleis überquerte hier die L1100 auf dem Weg zum Kraftwerk. Die Brücke wurde später für den heutigen Radweg ersetzt. Foto: Ssch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.
. Leider wurden keine Einträge gefunden. Bitte ändere deine Suchkriterien und versuche es erneut.
Leider konnte die API für den Kartendienst nicht geladen werden.

