Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Draisinenbahnhof Rinteln Süd – Draisinenspaß Extertalbahn
Am Draisinenbahnhof Rinteln Süd beginnt eine der ungewöhnlichsten Möglichkeiten, eine ehemalige Eisenbahnstrecke selbst zu erleben. Statt in einen Zug einzusteigen, geht es hier mit einer Fahrraddraisine auf die Gleise der früheren Extertalbahn. Von Rinteln führt die Strecke durch das Extertal bis nach Alverdissen.
Die komplette Tagesstrecke ist rund 18,1 Kilometer lang. Auf dem Hinweg geht es überwiegend bergauf, zurück nach Rinteln hilft das Gefälle. Für Eisenbahnfreunde ist die Tour interessant, weil große Teile der ehemaligen Bahnstrecke erhalten geblieben sind und aus einer ganz anderen Perspektive erlebt werden können.
Von der Eisenbahnstrecke zur Draisinenbahn
Die Extertalbahn verband früher Rinteln mit Barntrup. Auf der normalspurigen Strecke fuhren ab den 1920er-Jahren elektrische Personen- und Güterzüge durch das Tal der Exter.
Der Personenverkehr verlor in den 1960er-Jahren zunehmend an Bedeutung. Zwischen Bösingfeld und Barntrup endete er 1966, der verbliebene Personenverkehr Richtung Rinteln folgte 1969. 1970 wurden die Gleise durch die Rintelner Innenstadt abgebaut. Der Güterverkehr hielt sich auf Teilen der Strecke noch wesentlich länger und endete erst Anfang der 2000er-Jahre.
Seit 2001 werden auf der Extertalbahn Fahrraddraisinen eingesetzt. Der nördliche Streckenabschnitt zwischen Rinteln Süd und Bösingfeld wurde 2007 endgültig für den regulären Eisenbahnverkehr stillgelegt und ist heute für den Draisinenbetrieb reserviert.
25 Jahre Draisinenspaß im Jahr 2026
2026 feiert der Draisinenbetrieb sein 25-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum wurde die Fahrzeugflotte gleichzeitig modernisiert.
Die ersten neuen Draisinen mit elektrischer Unterstützung sind bereits im Einsatz. Bis Ende 2027 sollen insgesamt 30 neue Fahrzeuge hinzukommen. Gerade auf dem ansteigenden Hinweg in Richtung Extertal macht sich die Unterstützung bemerkbar.
Am 28. Juni 2026 wurde das Jubiläum mit einem großen Fest direkt am Draisinenbahnhof gefeiert. Neben Probefahrten mit den neuen Fahrzeugen gab es Informationen zur Geschichte der Extertalbahn und Angebote verschiedener Partner aus der Region.
Mit Muskelkraft ins Extertal
Eine Draisine bietet Platz für bis zu vier Personen. Zwei Personen sitzen auf Fahrradsätteln und treten in die Pedale, zwei weitere können auf der Sitzbank mitfahren.
Die heutigen Aluminium-Draisinen wiegen rund 90 Kilogramm. Bei den regulären Tagesfahrten ist eine Akku-Unterstützung im Preis enthalten. Dadurch eignet sich die Tour auch für Familien und Gruppen, die die komplette Strecke etwas entspannter zurücklegen möchten.
Die Fahrt nach Alverdissen dauert in gemütlichem Tempo ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden. Unterwegs gibt es mehrere Haltepunkte, an denen Pausen eingelegt werden können.
Um 14 Uhr wechseln alle Draisinen gleichzeitig die Fahrtrichtung. Das ist notwendig, weil die Strecke eingleisig ist. Anschließend geht es zurück nach Rinteln. Durch das Gefälle dauert die Rückfahrt meist nur etwa eineinhalb Stunden.
Saison 2026
Die reguläre Saison läuft 2026 vom 1. April bis 25. Oktober. Tagesfahrten werden von Mittwoch bis Sonntag angeboten.
Gestartet wird morgens zwischen 9:00 und 11:30 Uhr am Draisinenbahnhof Rinteln Süd. Um 14:00 Uhr muss die Fahrtrichtung gewechselt werden, spätestens um 17:00 Uhr sollen alle Draisinen wieder in Rinteln angekommen sein.
Wer keine komplette Tagesfahrt machen möchte, kann mittwochs bis freitags auch eine kürzere Mittagstour buchen. Zusätzlich gibt es an ausgewählten Terminen Schnupperfahrten bis Bösingfeld. Im Herbst 2026 sind solche Fahrten unter anderem noch am 26. September, 4. Oktober und 17. Oktober geplant.
Preise 2026
Eine reguläre Tagesfahrt kostet 75 Euro pro Draisine und gilt für maximal vier Personen. Für Familien mit zwei Erwachsenen und bis zu zwei Kindern bis einschließlich 16 Jahren gibt es das Angebot „Familie in Fahrt“ für 69 Euro pro Draisine.
Die Mittagsfahrt kostet 55 Euro. Ebenfalls für 55 Euro werden die besonderen Schnupperfahrten angeboten.
Eine rechtzeitige Reservierung ist sinnvoll, besonders an Wochenenden und während der Ferien.
Fahrt durch eine ehemalige Eisenbahnlandschaft
Der eigentliche Reiz liegt in der Strecke.
Vom Draisinenbahnhof führt das Gleis langsam aus Rinteln hinaus und weiter durch das Extertal. Alte Bahntrassen, frühere Betriebsstellen und Abschnitte mitten im Grünen wechseln sich ab.
Dabei merkt man schnell, dass man sich auf einer echten ehemaligen Eisenbahnstrecke bewegt. Die Kurvenradien, Bahnübergänge und Geländeeinschnitte stammen aus der Zeit, als hier noch reguläre Züge unterwegs waren.
Für Eisenbahnfreunde lohnt es sich deshalb, nicht nur möglichst schnell bis Alverdissen zu fahren. Entlang der Strecke gibt es immer wieder Stellen, an denen sich ein Blick auf alte Bahninfrastruktur lohnt.
Auch für Familien interessant
Für Familien ist die Draisine eine gute Mischung aus Eisenbahn und Fahrradtour.
An mehreren Stellen kann angehalten werden. In Alverdissen gibt es während der Sommersaison sogar die Möglichkeit, den Besuch mit einem Freibadaufenthalt zu verbinden. Gutscheine dafür sind nach Angaben des Betreibers am Draisinenbahnhof erhältlich.
Kinder können auf der Sitzbank mitfahren. Für kleinere Kinder muss ein geeigneter Kindersitz verwendet und auf der Draisine befestigt werden. Während der Fahrt müssen alle Mitfahrer sitzen bleiben und die vorhandenen Sicherungsgurte benutzen.
Auch bei schlechtem Wetter
Die Draisinen fahren grundsätzlich auch bei Regen.
Einen festen Sonnen- oder Regenschutz gibt es allerdings nicht. Entsprechend sollte die Kleidung zum Wetter passen. Im Sommer ist Sonnenschutz wichtig, weil große Teile der Strecke offen verlaufen.
Adresse und Anreise
Draisinenbahnhof Rinteln Süd
Extertalstraße 35
31737 Rinteln
Der Startpunkt liegt etwa vier Kilometer von der Autobahnabfahrt Bad Eilsen an der A2 entfernt.
Mit der Bahn geht es zunächst bis zum Bahnhof Rinteln. Von dort liegt der Draisinenbahnhof einige Kilometer entfernt, sodass für die Weiterfahrt Bus, Taxi oder Fahrrad sinnvoll sind.
Parkplätze befinden sich direkt am Draisinenbahnhof.
Wer historische Eisenbahnstrecken gerne aktiv erkundet, findet hier ein ungewöhnliches Ziel. Man sitzt selbst auf dem Fahrzeug, folgt fast einen ganzen Tag lang den alten Schienen der Extertalbahn und bekommt dabei einen guten Eindruck davon, wie eng Bahnstrecke und Landschaft miteinander verbunden sind.
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