Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Am Fuß der berühmten Schiefen Ebene in Oberfranken befindet sich eines der bedeutendsten Eisenbahnmuseen Deutschlands. Das Deutsche Dampflokomotiv Museum in Neuenmarkt zeigt zahlreiche historische Dampflokomotiven in einem ehemaligen Bahnbetriebswerk mit Ringlokschuppen, Drehscheibe und rekonstruiertem Kohlenhof.
Zu den bekanntesten Fahrzeugen gehören die Schnellzuglokomotiven 10 001, 01 111 und 18 612 sowie die mächtige Berglok 95 016. Neben den Lokomotiven beschäftigt sich die Ausstellung ausführlich mit der Technik der Dampflok, dem Eisenbahnerdorf Neuenmarkt und der unmittelbar am Museum beginnenden Schiefen Ebene.
Dampflokomotiven im historischen Bahnbetriebswerk
Das Herz des Museums ist der 15-ständige Ringlokschuppen. Hier stehen zahlreiche Dampflokomotiven unterschiedlicher Epochen dicht nebeneinander. Die historische Umgebung vermittelt dabei noch viel von der Atmosphäre eines klassischen Bahnbetriebswerks.
Zum Museumsgelände gehören außerdem eine Segmentdrehscheibe, historische Werkstatt- und Betriebsgebäude sowie ein rekonstruierter Kohlenhof. Dort lässt sich nachvollziehen, wie Dampflokomotiven früher mit Kohle und Wasser versorgt wurden.
10 001: das Markenzeichen des Museums
Zu den herausragenden Exponaten gehört die Stromlinien-Dampflok 10 001. Sie stammt aus der letzten für die Deutsche Bundesbahn neu entwickelten Dampflokbaureihe.
Von der Baureihe 10 wurden lediglich zwei Maschinen gebaut. 10 001 ist das einzige erhaltene Exemplar und gilt heute als Markenzeichen des Deutschen Dampflokomotiv Museums.
Die Schnellzuglok erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h und leistete rund 2.500 PS. Ihre Stromlinienverkleidung macht sie auch optisch zu einem der auffälligsten Fahrzeuge der Sammlung.
01 111 und die letzten Dampfschnellzüge
Mit 01 111 befindet sich außerdem eine klassische Einheits-Schnellzuglokomotive im Museum. Die 1934 gebaute Maschine zeigt die Baureihe 01 mit Altbaukessel und großen Wagner-Windleitblechen.
Gerade die Baureihe 01 besitzt einen engen Bezug zur Region. Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre gehörten die letzten Maschinen zum Bahnbetriebswerk Hof und kamen regelmäßig über die Schiefe Ebene.
Bis 1973 entwickelte sich die Strecke dadurch zu einem bekannten Treffpunkt für Dampflokfotografen aus vielen Ländern.
18 612: die bayerische S 3/6
Ein weiteres Highlight ist die 18 612. Die Lok wurde 1927 ursprünglich als 18 520 gebaut und gehört zur berühmten bayerischen S 3/6.
In den 1950er-Jahren erhielt sie einen neuen Hochleistungskessel und wurde anschließend als 18 612 geführt. Die S 3/6 gehört zu den bekanntesten deutschen Schnellzuglokomotiven und wurde unter anderem vor hochwertigen Fernzügen eingesetzt.
Die Museumsmaschine kam bereits 1975 nach Neuenmarkt und ist heute die letzte erhaltene Lok ihrer umgebauten Bauform.
95 016: die Bergkönigin
Auch eine typische Steilstreckenlok gehört zum Bestand. Die 1923 gebaute 95 016 trägt passend zu ihrem Einsatzgebiet den Beinamen „Bergkönigin“.
Die Baureihe 95 wurde speziell für schwere Züge auf steilen Hauptbahnen entwickelt. Maschinen dieser Baureihe wurden zwischen 1936 und 1952 auch im Schiebedienst an der Schiefen Ebene eingesetzt.
Die gewaltige Tenderlok bringt im Dienst mehr als 127 Tonnen auf die Waage und leistet rund 1.330 PS.
Von der Zahnradlok bis zur Feldbahn
Der Fahrzeugbestand reicht weit über die bekannten Schnellzuglokomotiven hinaus. Im Museum befinden sich normalspurige Dampfloks, Schmalspurlokomotiven und zahlreiche technische Raritäten.
Dazu gehört beispielsweise die Zahnradlok 97 504, von der nur noch wenige Exemplare erhalten sind. Die Lok „Kiel“ stammt sogar aus dem Jahr 1872 und ist die älteste Lokomotive der Sammlung.
Auf dem Außengelände sind außerdem Feld- und Kleinbahnfahrzeuge sowie weitere historische Eisenbahnfahrzeuge zu sehen.
Dampfloktechnik zum Ausprobieren
Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf abgestellte Lokomotiven. Medienstationen erklären, wie Dampfkessel, Zylinder und Steuerung funktionieren.
Im sogenannten LokLab können Besucher verschiedene technische Zusammenhänge selbst ausprobieren. Zusätzlich gibt es ein interaktives Erlebnis einer Führerstandsfahrt.
Dadurch eignet sich das Museum auch gut für Familien und Besucher, die bisher wenig über Dampflokomotivtechnik wissen.
Große H0-Modellbahn der Schiefen Ebene
Modellbahnfreunde finden im Museum eine große Anlage im Maßstab 1:87. Sie zeigt die Schiefe Ebene mit ihren wichtigsten Streckenabschnitten ungefähr im Zustand des Jahres 1966.
Die ursprünglich 1996 von Anlagenbauer Josef Brandl geschaffene Modellbahn wurde im Rahmen der Modernisierung des Museums überarbeitet und 2021 neu präsentiert.
Die Schiefe Ebene beginnt direkt am Museum
Ein Besuch lässt sich hervorragend mit der berühmten Schiefen Ebene verbinden. Zwischen Neuenmarkt-Wirsberg und Marktschorgast überwindet die Bahn auf knapp sieben Kilometern rund 158 Höhenmeter.
Die 1848 eröffnete Strecke gilt als älteste Steilrampe Europas, die einen bedeutenden Höhenunterschied ohne Zahnrad, Seilzug oder andere technische Hilfsmittel allein im Lokomotivbetrieb bewältigte.
Die maximale Steigung beträgt 1:40 beziehungsweise rund 25 Promille. Gewaltige Steindämme, Brücken und weitere Kunstbauten waren notwendig, um die Strecke durch das schwierige Gelände zu führen.
Lehrpfad Schiefe Ebene
Wer genügend Zeit mitbringt, kann die Eisenbahngeschichte nach dem Museumsbesuch zu Fuß weiter erkunden. Ein rund acht Kilometer langer Lehrpfad verbindet Neuenmarkt mit Marktschorgast.
Der Weg führt entlang der historischen Bahnstrecke und vorbei an zahlreichen Bauwerken der Schiefen Ebene. Dabei lassen sich die Dimensionen der historischen Steilrampe wesentlich besser erkennen als nur aus dem Zug.
Neuenmarkt wurde zum Eisenbahnerdorf
Die Eisenbahn veränderte auch den Ort Neuenmarkt grundlegend. Mit dem Bau der Strecke und des Bahnbetriebswerks entstanden ab 1846 zahlreiche Arbeitsplätze.
Neuenmarkt entwickelte sich dadurch zu einem klassischen Eisenbahnerdorf. Ein beschilderter Rundgang führt heute zu verschiedenen Orten, die an diese Zeit erinnern.
Zu sehen beziehungsweise thematisiert werden unter anderem das Empfangsgebäude, die Güterhalle, ehemalige Wohnhäuser der Eisenbahner und weitere Einrichtungen des Ortes.
Vom Bahnbetriebswerk zum Dampflokmuseum
Der planmäßige Dampfbetrieb auf der Schiefen Ebene ging in den 1970er-Jahren zu Ende. Am 11. Januar 1975 fuhr der letzte planmäßig mit einer Dampflok bespannte Personenzug über die Strecke. Im selben Jahr wurde das Bahnbetriebswerk Neuenmarkt geschlossen.
Damit begann ein neues Kapitel. Der Unternehmer Günter Knauß hatte bereits begonnen, ausgemusterte Dampflokomotiven von der Deutschen Bundesbahn zu erwerben und fand in Neuenmarkt geeignete Unterstellmöglichkeiten.
Am 22. Juli 1977 wurde das Deutsche Dampflokomotiv Museum offiziell eröffnet. Seit 1984 wird es von einem Zweckverband getragen und in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitert.
Pfingstdampftage und Veranstaltungen
Besonders viel Betrieb herrscht bei den großen Veranstaltungstagen. Zu den bekannten Terminen gehören die Pfingstdampftage, bei denen Eisenbahntechnik wesentlich lebendiger präsentiert wird als an einem normalen Museumstag.
Je nach Veranstaltung gibt es beispielsweise Führerstandsmitfahrten, Kleinbahnfahrten, Vorführungen historischer Technik oder Gastfahrzeuge.
Da Programm und eingesetzte Fahrzeuge wechseln, sollte vor einem Besuch der aktuelle Veranstaltungskalender des Museums geprüft werden.
Öffnungszeiten
Das Deutsche Dampflokomotiv Museum ist regulär von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Während der Wintersaison vom 2. November bis 15. März schließt das Museum bereits um 15 Uhr. Bei Veranstaltungen können abweichende Öffnungszeiten gelten.
Eintrittspreise
- Erwachsene: 9 Euro
- Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren sowie Schüler und Studenten: 7 Euro
- Familienkarte: 17 Euro
Für besondere Veranstaltungen gelten teilweise andere Eintrittspreise. Fahrten mit der Kleinbahn werden zusätzlich berechnet.
Barrierefreiheit
Die Gebäude und großen Teile des Außengeländes sind für Rollstuhlfahrer und Besucher mit Rollator barrierefrei zugänglich. Ein Aufzug führt unter anderem zur Modellbahnanlage.
Durch das historische Bahnbetriebswerk gibt es allerdings weiterhin Gleise, Pflaster und unebene Bereiche. Der Steg zum Führerstand der 01 111 ist nicht barrierefrei erreichbar.
Anreise nach Neuenmarkt
Das Museum befindet sich in der Birkenstraße 5 in 95339 Neuenmarkt. Durch die unmittelbare Nähe zum Bahnhof Neuenmarkt-Wirsberg eignet sich auch die Anreise mit der Bahn.
Wer sich für Dampflokomotiven interessiert, sollte für den Besuch mehrere Stunden einplanen. In Verbindung mit dem Lehrpfad Schiefe Ebene lässt sich daraus problemlos ein ganzer Eisenbahntag machen.
Lohnt sich das Deutsche Dampflokomotiv Museum?
Für Dampflokfreunde gehört das Museum zu den wichtigsten Eisenbahnzielen in Deutschland. Allein Fahrzeuge wie 10 001, 18 612, 01 111 und 95 016 machen den Besuch interessant.
Besonders reizvoll ist die historische Umgebung. Ringlokschuppen, Drehscheibe, Kohlenhof und die unmittelbar angrenzende Schiefe Ebene zeigen Eisenbahngeschichte dort, wo früher tatsächlich Dampflokomotiven für den schweren Steilstreckenbetrieb vorbereitet wurden.
Wer ausreichend Zeit hat, sollte deshalb Museum und Schiefe Ebene miteinander kombinieren.
Fotonachweis
Dampflok 18 612 im Deutschen Dampflokomotiv Museum Neuenmarkt. Foto: Steffen Mokosch, Wikimedia Commons, CC0 1.0.
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