Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Der Bahnpark Augsburg gehört zu den Eisenbahnmuseen, bei denen schon das Gelände selbst einen Besuch wert ist. Das Museum befindet sich in einem großen Teil des ehemaligen Bahnbetriebswerks Augsburg. Ringlokschuppen, Drehscheibe, Werkstätten, Gleisanlagen und weitere Gebäude aus der Dampflokzeit sind bis heute erhalten.
Dazwischen stehen historische Dampflokomotiven, Diesel- und Elektroloks aus mehreren europäischen Ländern. Zu den bekanntesten Fahrzeugen gehören der Gläserne Zug ET 91 01, die Schnellzuglok 03 295, die französische 231 K 22 und die Elektrolok 120 003.
Für einen Rundgang sollte man deshalb ruhig mehrere Stunden einplanen.
Ein Bahnbetriebswerk für bis zu 120 Dampflokomotiven
Das spätere Bahnbetriebswerk Augsburg entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einer Fläche von rund 240.000 Quadratmetern.
1906 wurden zwei große Ringlokschuppen gebaut. Jeder von ihnen besaß ursprünglich 31 Lokstände. In Verbindung mit den davorliegenden Drehscheiben konnten die Dampflokomotiven platzsparend abgestellt und für ihren nächsten Einsatz in die richtige Fahrtrichtung gedreht werden.
In den Hochzeiten des Dampfbetriebs wurden im Augsburger Bahnbetriebswerk bis zu 120 Dampflokomotiven versorgt.
Lokomotiven mussten hier Wasser und Kohle aufnehmen, ausgeschlackt, gewartet und repariert werden. Dafür gab es Werkstätten, Wasserkräne, Bekohlungsanlagen, Gleise, Gruben und zahlreiche weitere technische Einrichtungen.
Der nördliche Ringlokschuppen ist erhalten geblieben und steht heute unter Denkmalschutz.
Drehscheibe und Ringlokschuppen
Die Drehscheibe gehört zu den auffälligsten Teilen des Bahnparks.
Von hier führen die Gleise strahlenförmig zu den einzelnen Ständen des historischen Ringlokschuppens. Auch heute werden Fahrzeuge über die Drehscheibe bewegt.
Gerade an Veranstaltungstagen gehört der Schaubetrieb an der Drehscheibe zu den interessantesten Programmpunkten. Dann lässt sich gut beobachten, wie eine Lok auf die Scheibe fährt, gedreht und anschließend auf eines der Strahlengleise verteilt wird.
Die Anlage zeigt sehr anschaulich, wie ein größeres Bahnbetriebswerk früher funktioniert hat.
Rundhaus Europa
Im Ringlokschuppen befinden sich Fahrzeuge aus verschiedenen europäischen Ländern.
Die Idee hinter dem „Rundhaus Europa“ ist, Eisenbahngeschichte über einzelne Lokomotiven zu erzählen. Viele Maschinen stehen dabei stellvertretend für ein bestimmtes Land und einen Abschnitt europäischer Geschichte.
Zu diesen sogenannten Botschafter-Lokomotiven gehört beispielsweise die französische 231 K 22. Die 1914 gebaute Pacific-Schnellzuglok war früher vor hochwertigen Schnellzügen im Einsatz.
Aus Slowenien stammt die mächtige Dampflok 06-013. Sie wurde 1930 von Borsig in Berlin gebaut und gelangte 2006 als Dauerleihgabe nach Augsburg.
Die Schweiz ist mit der Ae 4/7 10949 vertreten. Italien wird durch die E 636 147 repräsentiert.
Auch Luxemburg, die Niederlande und Schweden sind mit eigenen historischen Lokomotiven vertreten.
Dadurch bekommt man im Rundhaus eine Fahrzeugmischung zu sehen, die in einem deutschen Eisenbahnmuseum eher ungewöhnlich ist.
Die französische CC 6503
Zu den besonders auffälligen Elektrolokomotiven gehört die französische CC 6503.
Diese Baureihe war für schnelle Reisezüge der SNCF bestimmt und gehört mit ihrem kantigen Erscheinungsbild zu den klassischen französischen Elektrolokomotiven der 1970er-Jahre.
Im Bahnpark steht sie als Symbol für die deutsch-französische Zusammenarbeit und die zunehmende Verbindung der europäischen Eisenbahnsysteme.
Direkt daneben können Fahrzeuge völlig anderer Eisenbahnepochen stehen. Gerade dieser Kontrast macht das Rundhaus interessant.
184 112-1: Eine Lok für vier Stromsysteme
Ein weiteres technisch bemerkenswertes Fahrzeug ist die 184 112-1.
Die Deutsche Bundesbahn stellte die Lok 1965 in Dienst. Sie konnte unter mehreren Stromsystemen fahren und war deshalb für grenzüberschreitenden Verkehr nach Frankreich, Belgien und Luxemburg geeignet.
Solche Mehrsystemlokomotiven waren technisch aufwendig, ermöglichten aber Zugfahrten über Landesgrenzen hinweg, ohne jedes Mal die Lok wechseln zu müssen.
Die 184 112-1 zeigt damit einen wichtigen Entwicklungsschritt auf dem Weg zum heutigen europäischen Eisenbahnverkehr.
Die 120 003
Auch die 120 003 gehört zu den technisch wichtigen Fahrzeugen im Bahnpark.
Die 1979 gebaute Lok war Teil der Vorserie der Baureihe 120. Diese Lokomotiven gehörten zu den ersten leistungsfähigen Elektroloks mit Drehstrom-Antriebstechnik.
Das Konzept war wegweisend. Eine Lok sollte sowohl schnelle Reisezüge als auch schwere Güterzüge ziehen können.
Die 120 003 erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und leistet 5.600 kW.
Viele spätere Elektrolokomotiven basieren technisch auf Entwicklungen, die mit der Baureihe 120 erprobt wurden.
Der Gläserne Zug
Eines der bekanntesten Fahrzeuge in Augsburg ist der ET 91 01, besser bekannt als Gläserner Zug.
Die Deutsche Reichsbahn stellte 1935 zwei elektrische Aussichtstriebwagen dieser Bauart in Dienst. Große Fensterflächen ermöglichten den Fahrgästen einen fast ungehinderten Blick auf die Landschaft.
Die Fahrzeuge wurden vor allem für touristische Fahrten in die Alpen eingesetzt.
Der erhaltene ET 91 01 blieb noch jahrzehntelang im Einsatz. Nach der deutschen Wiedervereinigung konnte der Triebwagen erstmals auch wieder Ziele in Ostdeutschland und Osteuropa erreichen.
1995 wurde der Gläserne Zug bei einem schweren Unfall im Bahnhof Garmisch-Partenkirchen stark beschädigt. Heute ist das erhaltene Fahrzeug im Bahnpark Augsburg zu sehen.
Gerade die großen Fensterflächen machen ihn zu einem der ungewöhnlichsten historischen Triebwagen in Deutschland.
Schnellzuglok 03 295
Mit der 03 295 besitzt der Bahnpark auch eine klassische deutsche Schnellzugdampflok.
Die Lok wurde 1937 bei Borsig in Berlin gebaut. Ihre zwei Meter großen Treibräder zeigen schon im Stand, dass diese Maschine für schnelle Reisezüge gedacht war.
Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 130 km/h, die Lok wog mit Tender rund 159 Tonnen.
Betriebsfähig ist die 03 295 heute nicht mehr. Als Ausstellungsstück vermittelt sie trotzdem sehr gut die Dimensionen der großen Schnellzugdampflokomotiven der 1930er-Jahre.
Dampflok „Emma“
Deutlich kleiner fällt die Feldbahndampflok „Emma“ aus.
Sie wurde 1920 bei Krauss & Comp. in München gebaut und fährt auf nur 600 Millimetern Spurweite.
Mit einem Dienstgewicht von knapp fünf Tonnen und einer Länge von nur etwa 4,5 Metern wirkt sie neben den großen Schnellzuglokomotiven fast winzig.
Solche kleinen Dampfloks waren früher auf Baustellen, in Steinbrüchen, Ziegeleien und anderen Industriebetrieben im Einsatz.
21 Stationen zur Dampflokzeit
Wer sich weniger für einzelne Fahrzeugnummern interessiert, sollte den ausgeschilderten Rundgang „Welt der Lok“ nutzen.
Auf 21 Stationen wird erklärt, wie ein Bahnbetriebswerk zur Dampflokzeit funktionierte.
Dabei geht es unter anderem um:
- Drehscheiben
- Ringlokschuppen
- Wasserversorgung
- Werkstätten
- Lokomotivbehandlung
- Gleisanlagen
- Arbeitsplätze der Eisenbahner
Für den Rundweg sollte ungefähr eine Stunde eingeplant werden.
Das Gelände selbst wird dadurch zu einem großen technischen Exponat.
Die historische Dampflok-Werkstatt
Ein weiterer interessanter Bereich ist die historische Dampflokhalle mit Werkstatteinrichtungen.
Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1922. Arbeitsgruben, Werkstattausrüstung und die großen Lokomotiven vermitteln hier noch etwas von der Atmosphäre eines früheren Bahnbetriebswerks.
An besonderen Fototerminen können Besucher sogar Perspektiven nutzen, die während des normalen Museumsbetriebs nicht zugänglich sind.
2026 bietet der Bahnpark beispielsweise wieder einen speziellen Fotoworkshop in der Dampflok-Werkstatt an.
Auch moderne Lokomotiven tauchen auf
Der Bahnpark ist heute nicht vollständig vom aktuellen Eisenbahnbetrieb getrennt.
Auf dem Gelände findet weiterhin Ausbildungs-, Werkstatt- und Bahnbetrieb statt. Deshalb können zwischen den historischen Fahrzeugen gelegentlich auch moderne Lokomotiven stehen.
Aufnahmen aus dem Jahr 2025 zeigen beispielsweise moderne Vectron-Lokomotiven und eine DB Cargo Vectron Dual Mode direkt an der historischen Drehscheibe.
Gerade dieser Gegensatz zwischen aktuellem Bahnbetrieb und mehr als 100 Jahre alter Infrastruktur ist fotografisch interessant.
Mini-Bahn für Familien
Für Kinder gibt es eine eigene Mini-Bahn.
Sie fährt auf 7¼ Zoll Spurweite durch einen Teil des Museumsgeländes. Ein Abschnitt besitzt zusätzlich ein 5-Zoll-Gleis.
Je nach Veranstaltung kommen Elektro- oder kleine Dampflokomotiven zum Einsatz.
Die Mini-Bahn fährt während der Sommersaison an Sonn- und Feiertagen. Voraussetzung ist trockenes Wetter. Bei Temperaturen über 30 Grad oder bei Regen kann der Betrieb ausfallen.
Baustelle im Jahr 2026
Im Bahnpark wird 2026 umfangreich saniert und umgebaut.
Das Museum bleibt trotzdem geöffnet. Besucher müssen allerdings mit abgesperrten Bereichen und zeitweisen Einschränkungen rechnen.
Auch einzelne technische Vorführungen sind betroffen. Die historische Dampfmaschine kann während der Bauarbeiten beispielsweise nicht vorgeführt werden.
Die laufenden Arbeiten erklären auch die derzeit reduzierten Eintrittspreise.
Öffnungszeiten 2026
Museum und Lok-Café sind aktuell geöffnet:
Freitag: 10:00 bis 16:00 Uhr
Samstag: 10:00 bis 16:00 Uhr
Sonntag: 10:00 bis 16:00 Uhr
Feiertage: 10:00 bis 16:00 Uhr
Vor einer längeren Anreise sollte trotzdem die aktuelle Webseite geprüft werden, besonders bei größeren Veranstaltungen oder Bauarbeiten.
Eintrittspreise 2026
Während der laufenden Bauarbeiten gelten vergünstigte Preise.
- Erwachsene: 10 Euro
- Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren: 5 Euro
- Kinder unter 12 Jahren: kostenlos
- kleine Familienkarte: 15 Euro
- große Familienkarte: 25 Euro
Die kleine Familienkarte gilt für einen Eltern- oder Großelternteil mit den eigenen Kindern beziehungsweise Enkeln bis 17 Jahre.
Die große Familienkarte gilt für Eltern oder Großeltern mit allen eigenen Kindern beziehungsweise Enkeln bis 17 Jahre.
Veranstaltungen 2026
Neben dem normalen Museumsbetrieb gibt es regelmäßig besondere Veranstaltungstage.
Im Herbst 2026 stehen unter anderem folgende Termine im Kalender:
13. September 2026
Tag des offenen Denkmals, 10:00 bis 16:00 Uhr
20. September 2026
Tag der Schiene und Jim Knopf-Express
27. September 2026
weiterer Jim-Knopf-Express-Sonntag
24. Oktober 2026
historischer Sonderzug aus München
31. Oktober 2026
Fotoworkshop in der Dampflok-Werkstatt
6. und 7. November 2026
„Nacht der Giganten“, jeweils 18:00 bis 21:30 Uhr
29. November 2026
Rundfahrten auf der Augsburger Localbahn
Gerade an den Veranstaltungstagen ist auf dem Gelände meist mehr Betrieb als während eines normalen Museumsbesuchs.
Fotografieren im Bahnpark
Für Eisenbahnfotografen bietet das Gelände sehr viele Motive.
Besonders interessant sind:
- Lokomotiven auf der Drehscheibe
- Fahrzeuge vor dem Ringlokschuppen
- Blick entlang der Strahlengleise
- historische Werkstatthalle
- Gläserner Zug
- große Dampflokomotiven
- Details an Fahrwerken und Triebwerken
- moderne und historische Fahrzeuge nebeneinander
Das Museum weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass es sich weiterhin um Eisenbahngelände handelt. Absperrungen, Arbeitsgruben und Gleisbereiche müssen beachtet werden.
Hunde
Hunde dürfen mit in den Bahnpark genommen werden.
Gerade bei einem längeren Rundgang über das große Freigelände ist das für Besucher mit Hund praktisch.
Adresse und Anreise
Bahnpark Augsburg
Firnhaberstraße 22c
86159 Augsburg
Der Bahnpark liegt im Stadtteil Hochfeld.
Mit der Bahn sind die Haltepunkte Augsburg-Morellstraße und Augsburg-Haunstetterstraße geeignet. Von dort geht es jeweils noch einige Minuten zu Fuß.
Vom Königsplatz fährt außerdem die Buslinie 41 in Richtung Bergstraße beziehungsweise Maria Stern. Von der Haltestelle Hennchstraße sind es nur wenige Minuten bis zum Eingang.
Für Autofahrer stehen kostenlose Parkplätze auf dem Gelände zur Verfügung.
Wer sich für Dampflokomotiven, historische Bahnbetriebswerke oder europäische Eisenbahngeschichte interessiert, sollte für den Bahnpark mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Bei einem Dampftag oder einer größeren Veranstaltung kann man hier problemlos einen halben Tag verbringen.
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