Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Der historische Bahnhof Ransbach in Ransbach-Baumbach gehört zu den interessantesten erhaltenen Bahnhöfen entlang der Brexbachtalbahn. Das aus Bruchstein errichtete Empfangsgebäude, die Gleisanlagen und Teile der historischen Bahntechnik erinnern an eine Zeit, in der die Bahn für den Westerwald eine wichtige Verbindung zum Rheintal darstellte.
Der Bahnhof liegt an der Strecke zwischen Engers am Rhein und Siershahn. Heute findet hier kein regulärer Personenverkehr statt. Trotzdem ist die Eisenbahn weiterhin präsent. Der obere Abschnitt der Brexbachtalbahn zwischen Grenzau und Siershahn besitzt seit 2021 wieder eine Betriebsgenehmigung für Güterverkehr. In Ransbach wurden zeitweise Holzzüge verladen, während der Verein Brexbachtalbahn e.V. an einer Rückkehr des touristischen Personenverkehrs arbeitet.
Eine Bahn vom Rhein hinauf in den Westerwald
Die Brexbachtalbahn wurde am 30. Mai 1884 eröffnet. Ihre Stammstrecke von Engers nach Siershahn ist rund 21,6 Kilometer lang. Dabei überwindet sie ungefähr 230 Höhenmeter zwischen dem Rheintal und den Höhen des Westerwaldes.
Der Bau war für die damalige Zeit aufwendig. Um das enge Brexbachtal zu überwinden, entstanden 36 Brücken und Viadukte sowie sieben Tunnel. Alle Tunnel zusammen erreichen eine Länge von mehr als 830 Metern. Gerade der Abschnitt zwischen Bendorf-Sayn und Grenzau gilt landschaftlich als besonders reizvoll.
Von Engers führte die Bahn über Bendorf und Grenzau weiter durch den Westerwald nach Ransbach und Siershahn. Zusätzlich entstand eine Zweigstrecke von Grenzau nach Hillscheid.
Für die Orte entlang der Strecke brachte die Eisenbahn einen erheblich besseren Zugang zu den Märkten am Rhein und darüber hinaus.
Bahnhof Ransbach seit 1884
Der Bahnhof Ransbach wurde gemeinsam mit der Strecke eröffnet. Er liegt ungefähr bei Streckenkilometer 17,4 der Verbindung Engers–Au. Das Empfangsgebäude stammt ebenfalls aus der Eröffnungszeit.
Der Bahnhof war früher weit mehr als ein einfacher Haltepunkt. Im Gebäude befanden sich unter anderem die Fahrkartenausgabe, Räume für Eisenbahner und zeitweise eine Gaststätte. Güterverkehr spielte ebenfalls eine wichtige Rolle.
Gegenüber dem Empfangsgebäude stand ein Güterschuppen in Fachwerkbauweise. Dort wurden beispielsweise Waren für die örtliche Keramikindustrie umgeschlagen. Das passt gut zur Geschichte von Ransbach-Baumbach, das bis heute stark mit der Keramikherstellung verbunden ist.
1938 wurde Ransbach als Bahnhof der Rangklasse III geführt.
Eisenbahn und Keramikindustrie
Gerade für Ransbach war die Bahn wirtschaftlich wichtig. Das Kannenbäckerland entwickelte sich zu einem Zentrum der Keramikproduktion. Rohstoffe mussten zu den Betrieben gebracht und die fertigen Produkte anschließend in andere Regionen transportiert werden.
Bevor Lastwagen diese Aufgaben zunehmend übernahmen, bot die Eisenbahn dafür eine leistungsfähige Verbindung Richtung Rhein.
Der historische Bahnhof ist deshalb auch ein Zeugnis der Industriegeschichte der Region. Diese Bedeutung war später ein Grund dafür, Gebäude und Bahnanlagen unter Denkmalschutz zu stellen.
Das historische Stellwerk
Eisenbahntechnisch besonders interessant ist die noch vorhandene Stellwerkstechnik.
1927 entstand im östlichen Bereich des Bahnhofs ein Stellwerk. Später kam am Empfangsgebäude ein weiterer Stellwerksbereich hinzu. Die Anlage arbeitete über mechanische Leitungen zu Weichen und Gleissperren.
Teile dieser Technik sind bis heute erhalten. Nach Angaben der Stellwerksdatenbank wurde der mechanische Teil um 2021 wieder instand gesetzt. Signale sind inzwischen weitgehend verschwunden, Weichen und Gleissperren werden jedoch weiterhin über die historische Technik bedient.
Damit ist Ransbach für Freunde alter Sicherungstechnik besonders interessant. Solche mechanischen Stellwerksanlagen verschwinden bei der modernen Eisenbahn zunehmend.
Im Sommer 2026 war das Stellwerk sogar Ziel einer speziellen Eisenbahnexkursion. Teilnehmer konnten sich über den aktuellen Zustand der Brexbachtalbahn informieren und das Stellwerk in Ransbach besichtigen.
Seit 2019 unter Denkmalschutz
Eine wichtige Entscheidung für den Erhalt des Bahnhofs fiel 2019.
Die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz nahm das historische Bahnhofensemble unter Denkmalschutz. Dabei geht es nicht ausschließlich um das Empfangsgebäude. Auch Teile der Außenanlagen, Bahnsteige und Gleisanlagen gehören zum geschützten Ensemble.
Das zweigeschossige Empfangsgebäude besteht aus markantem Bruchsteinmauerwerk und besitzt einen L-förmigen Grundriss. Zusammen mit Bahnsteigen und Gleisen vermittelt der Bahnhof noch heute einen guten Eindruck eines kleineren Westerwaldbahnhofs aus der Zeit um 1900.
Für Eisenbahnfotografen ist das Gebäude dadurch ein interessantes Motiv, selbst wenn gerade kein Zug im Bahnhof steht.
Ende des regulären Personenverkehrs
Über Jahrzehnte gehörten Personenzüge auf der Brexbachtalbahn zum Alltag. Mit zunehmendem Autoverkehr verlor die Strecke jedoch an Bedeutung.
1989 endete der reguläre Personenverkehr zwischen Engers und Siershahn. Güterzüge fuhren zunächst weiter. Auf dem Abschnitt Engers–Grenzau endete der Güterverkehr 1994, während zwischen Grenzau und Siershahn noch bis Anfang der 2000er-Jahre Güterverkehr stattfand.
Im Bahnhof Ransbach wurden Fahrkartenverkauf und Gepäckaufbewahrung zum 1. Mai 1991 eingestellt. Später ging das Empfangsgebäude in Privatbesitz über.
Damit schien auch für Ransbach zunächst das Ende der Eisenbahn gekommen zu sein.
Die Brexbachtalbahn bekommt ein zweites Leben
2007 gründete sich der Brexbachtalbahn e.V. mit dem Ziel, die Strecke wiederzubeleben.
In den folgenden Jahren wurden zugewachsene Gleise freigeschnitten, Infrastruktur untersucht und Teile der Strecke wieder befahrbar gemacht. Ein großer Erfolg war das Jahr 2009. Zum 125-jährigen Bestehen der Strecke kamen laut Verein rund 20.000 Besucher zur Brexbachtalbahn.
Auch der Bahnhof Ransbach wurde damals wieder von historischen Zügen angefahren. Besonders gut passten die roten Schienenbusse der Baureihen VT 98 und VB 98 in die Nebenbahnatmosphäre des Westerwaldes.
Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Fotos, die den historischen Bahnhof mit Schienenbussen oder Dampflokomotiven zeigen.
Holzverkehr bringt wieder Güterzüge nach Ransbach
Ein weiterer wichtiger Schritt folgte 2021. Für den Abschnitt zwischen Grenzau und Siershahn wurde wieder eine langfristige Betriebsgenehmigung für Güterverkehr erteilt.
Davon profitierte auch Ransbach. Im Bahnhof wurde Holz verladen und mit Güterzügen abtransportiert. Um die Verladung zu verbessern, wurde sogar ein zuvor entferntes Ladegleis wieder eingebaut.
Damit wurde aus einer scheinbar stillgelegten Bahnhofsanlage zeitweise wieder ein echter Güterbahnhof.
Für Eisenbahnfreunde ist das ein interessanter Punkt. Die Brexbachtalbahn wird zwar häufig als Museumsbahnprojekt wahrgenommen, ein Teil der heutigen Nutzung hat einen ganz realen wirtschaftlichen Hintergrund.
Aktuell keine Museumszüge
Hier solltest du den bisherigen Gleismomente-Eintrag unbedingt korrigieren.
Derzeit gibt es keinen regelmäßigen touristischen Zugverkehr auf der Brexbachtalbahn. Der Betreiber weist ausdrücklich darauf hin, dass aktuell keine Fahrten stattfinden. Der Abschnitt Grenzau–Siershahn ist für Güterverkehr freigegeben. Für Personenzüge fehlt momentan die entsprechende Genehmigung.
Der Verein arbeitet weiter an einer Wiederaufnahme des touristischen Verkehrs und langfristig an der Reaktivierung der gesamten Verbindung Richtung Rhein. Dabei spielen auch die Wiederanbindung in Engers und verschiedene Infrastrukturfragen eine Rolle.
Wann wieder regelmäßig Museumszüge in Ransbach halten werden, lässt sich aktuell nicht seriös sagen.
Bahnhof ansehen
Auch ohne Zugverkehr ist der Bahnhof für Eisenbahnfreunde interessant. Empfangsgebäude, Bahnsteige, Gleisanlagen und Stellwerk sind weiterhin vorhanden.
Das Bahnhofsgebäude befindet sich in Privatbesitz. Ein Besuch bedeutet deshalb nicht, dass Gebäude oder Bahnanlagen frei betreten werden dürfen. Gerade Gleisanlagen können weiterhin betrieblich genutzt werden.
Für Fotos sollte man sich ausschließlich in öffentlich zugänglichen Bereichen aufhalten und genügend Abstand zu den Gleisen halten.
Wer mehr über die Strecke erfahren möchte, findet auf der Webseite des Brexbachtalbahn e.V. zahlreiche Informationen zu Geschichte, Infrastruktur und dem aktuellen Stand der Reaktivierung.
Lohnt sich der Bahnhof Ransbach?
Als klassisches Museumsbahnziel mit planmäßigem Zugverkehr eignet sich Ransbach aktuell nicht. Für Freunde historischer Bahnhöfe und alter Nebenbahnen ist der Ort trotzdem interessant.
Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude, das historische Stellwerk und die noch vorhandenen Gleise erzählen mehr als 140 Jahre Eisenbahngeschichte. Hinzu kommt die ungewöhnliche Situation, dass eine Strecke nach langer Stillstandszeit teilweise wieder für Güterverkehr reaktiviert wurde.
Besonders spannend bleibt die Frage, wie sich die Brexbachtalbahn in den kommenden Jahren entwickelt. Sollte der touristische Personenverkehr zurückkehren, könnte Ransbach wieder zu einem der wichtigsten Zwischenhalte der Strecke werden.
Bis dahin ist der Bahnhof ein interessantes Beispiel dafür, wie viel Eisenbahninfrastruktur auch Jahrzehnte nach dem Ende des regulären Personenverkehrs erhalten bleiben kann.
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