Doppeltraktion einfach erklärt: Zwei Lokomotiven vor einem Zug

Wenn zwei Lokomotiven gemeinsam einen Zug ziehen, spricht man häufig von einer Doppeltraktion. Besonders bei schweren Güterzügen, langen Zugverbänden oder auf Steigungsstrecken kann die Leistung einer einzelnen Lokomotive nicht ausreichen.

Bei modernen Fahrzeugen werden beide Lokomotiven meist von einem Führerstand aus gesteuert. Für den Lokführer verhält sich die Kombination damit weitgehend wie ein gemeinsames Triebfahrzeug.

Von außen sehen allerdings auch Vorspannfahrten oder reine Loküberführungen manchmal wie eine Doppeltraktion aus. Technisch und betrieblich gibt es dabei wichtige Unterschiede.

Was ist eine Doppeltraktion?

Bei einer Doppeltraktion arbeiten zwei Triebfahrzeuge gemeinsam an einem Zug. Beide stellen Zugkraft beziehungsweise Leistung zur Verfügung.

Bei Lokomotiven befinden sich die beiden Fahrzeuge meistens direkt hintereinander an der Zugspitze. Die vordere Lok wird vom Lokführer bedient und überträgt die Steuerbefehle an die zweite Lok.

Die Doppeltraktion ist damit eine spezielle Form der Mehrfachtraktion.

Warum fahren zwei Lokomotiven vor einem Zug?

Der häufigste Grund ist eine höhere benötigte Zugkraft. Ein schwerer Güterzug lässt sich mit zwei Lokomotiven leichter anfahren und über anspruchsvolle Streckenabschnitte befördern.

Besonders auf Steigungen steigt der Fahrwiderstand deutlich an. Eine zweite Lokomotive kann dann helfen, die gewünschte Geschwindigkeit zu halten oder einen schweren Zug überhaupt sicher über die Strecke zu bringen.

Auch betriebliche Gründe können eine Rolle spielen. Zwei Lokomotiven können beispielsweise gemeinsam zu einem anderen Einsatzort gelangen und gleichzeitig einen Zug befördern.

Wie funktioniert eine Doppeltraktion?

Bei moderner Doppeltraktion sind beide Lokomotiven technisch miteinander verbunden. Steuerbefehle des Lokführers werden vom führenden Fahrzeug an die zweite Lok übertragen.

Beschleunigt der Lokführer, geben beide Fahrzeuge Leistung ab. Beim Bremsen werden die beteiligten Lokomotiven ebenfalls koordiniert angesteuert.

Dafür benötigen die Fahrzeuge eine passende Mehrfachsteuerung. Welche Lokomotiven miteinander kombiniert werden können, hängt von der verwendeten Fahrzeugtechnik ab.

Braucht eine Doppeltraktion zwei Lokführer?

Bei moderner Doppeltraktion normalerweise nicht. Beide Lokomotiven können von einem Führerstand aus gesteuert werden.

Historisch war das nicht immer möglich. Wenn zwei Lokomotiven ohne gemeinsame Steuerung zusammenarbeiteten, konnte jede Lok eigenes Personal benötigen.

Müssen beide Lokomotiven baugleich sein?

Nein. Zwei Lokomotiven müssen nicht zwangsläufig derselben Baureihe angehören.

Entscheidend ist, dass ihre Steuerungssysteme miteinander kompatibel sind und die jeweilige Kombination betrieblich eingesetzt werden darf. In der Praxis sieht man deshalb häufig zwei gleiche oder technisch verwandte Lokomotiven.

Doppeltraktion oder Vorspann: Wo liegt der Unterschied?

Auf den ersten Blick sehen beide Betriebsformen fast gleich aus. In beiden Fällen können zwei Lokomotiven vor dem Zug stehen.

Beim klassischen Vorspann wird eine zusätzliche Lok vor die eigentliche Zuglok gesetzt. Beide Lokomotiven müssen dabei nicht zwingend über eine gemeinsame Steuerung verfügen. Besonders früher wurden sie häufig unabhängig voneinander bedient.

Bei einer modernen Doppeltraktion ist die gemeinsame Steuerung der beiden Fahrzeuge dagegen typisch.

Doppeltraktion oder Mehrfachtraktion?

Die Doppeltraktion ist eine Form der Mehrfachtraktion.

Arbeiten genau zwei Triebfahrzeuge gemeinsam, spricht man von Doppeltraktion. Werden mehrere Fahrzeuge gemeinsam eingesetzt und gesteuert, ist der allgemeinere Begriff Mehrfachtraktion.

Mehr dazu findest du im Artikel Mehrfachtraktion einfach erklärt.

Was ist der Unterschied zur Schiebelokomotive?

Bei einer Doppeltraktion befinden sich die beiden Lokomotiven meistens an der Zugspitze. Eine Schiebelokomotive unterstützt den Zug dagegen von hinten.

Schiebelokomotiven wurden und werden besonders auf steilen Strecken eingesetzt. Sie erhöhen ebenfalls die verfügbare Zugkraft, arbeiten aber an einer anderen Position im Zugverband.

Wie dieser Betrieb funktioniert, findest du im Beitrag Schiebelokomotive einfach erklärt.

Ist jede Fahrt mit zwei Lokomotiven eine Doppeltraktion?

Nein. Eine zweite Lokomotive kann auch lediglich mitgeführt werden.

Das kommt beispielsweise vor, wenn ein Fahrzeug zu einem anderen Einsatzort überführt werden muss. Von außen stehen dann zwar zwei Lokomotiven vor dem Zug, tatsächlich liefert aber möglicherweise nur eine davon Zugkraft.

Solche Fahrten werden häufig als Doppelbespannung wahrgenommen, obwohl technisch keine echte Doppeltraktion vorliegt.

Doppeltraktion im Güterverkehr

Besonders häufig findet man Doppeltraktionen vor schweren Güterzügen. Hohe Zuggewichte erfordern beim Anfahren und auf Steigungen viel Zugkraft.

Durch zwei Lokomotiven stehen außerdem mehr angetriebene Achsen zur Verfügung. Dadurch kann mehr Zugkraft auf die Schiene übertragen werden, sofern die Haftungsverhältnisse ausreichend sind.

Typische Einsatzgebiete sind schwere Ganzzüge, Containerzüge oder andere Güterzüge mit hohen Zugmassen.

Warum hilft eine zweite Lok auf Steigungen?

Mit zunehmender Steigung muss eine Lokomotive einen zusätzlichen Widerstand überwinden. Je schwerer der Zug ist, desto stärker wirkt sich dieser aus.

Zwei Lokomotiven können zusammen mehr Zugkraft bereitstellen und die Belastung auf mehr angetriebene Achsen verteilen. Deshalb waren zusätzliche Lokomotiven gerade auf Gebirgsstrecken schon früh ein wichtiger Bestandteil des Eisenbahnbetriebs.

Doppeltraktion bei Elektrolokomotiven

Bei modernen Elektrolokomotiven ist der Einsatz in Doppeltraktion weit verbreitet. Beide Fahrzeuge beziehen ihre Energie aus der Oberleitung und können gemeinsam Leistung abgeben.

Wie eine elektrische Lokomotive grundsätzlich funktioniert, findest du unter Elektrolokomotive einfach erklärt.

Doppeltraktion bei Diesellokomotiven

Auch Diesellokomotiven können gemeinsam eingesetzt werden. Das ist vor allem auf nicht elektrifizierten Strecken mit schweren Zügen interessant.

Voraussetzung für eine gemeinsame Bedienung ist auch hier eine passende Mehrfachsteuerung. Mehr über den Antrieb dieser Fahrzeuge findest du im Artikel Diesellokomotive einfach erklärt.

Doppeltraktion im Personenverkehr

Auch im Personenverkehr kann Doppeltraktion vorkommen. Häufiger sieht man hier allerdings mehrere miteinander gekuppelte Triebzüge.

Bei Triebzügen lässt sich die Kapazität dadurch relativ einfach anpassen. Zwei Einheiten können gemeinsam in stark ausgelasteten Zeiten fahren und später wieder getrennt werden.

Welche Vorteile hat Doppeltraktion?

Der wichtigste Vorteil ist die zusätzliche Zugkraft. Zwei Lokomotiven können schwerere Züge bewegen und Steigungsstrecken leichter bewältigen.

Moderne Mehrfachsteuerungen ermöglichen dabei eine Bedienung von nur einem Führerstand aus. Das macht den Betrieb deutlich einfacher als bei zwei vollständig unabhängig gefahrenen Lokomotiven.

Welche Nachteile gibt es?

Eine zweite Lokomotive verursacht zusätzliche Energie-, Wartungs- und Fahrzeugkosten. Außerdem steht sie während des Einsatzes nicht für einen anderen Zug zur Verfügung.

Deshalb wird Doppeltraktion meist dort eingesetzt, wo die zusätzliche Leistung oder Zugkraft tatsächlich benötigt wird.

Doppeltraktion auf der Modellbahn

Auch auf digitalen Modellbahnanlagen lassen sich zwei Lokomotiven gemeinsam steuern. Viele Digitalzentralen und Programme bieten dafür eine Traktionsfunktion.

Wichtig ist, dass beide Modelle möglichst ähnlich fahren. Wenn eine Lok deutlich schneller ist, schiebt oder zieht sie dauerhaft gegen das zweite Fahrzeug.

Deshalb sollten zunächst Höchstgeschwindigkeit, Anfahrverhalten und Bremsverhalten beider Decoder abgestimmt werden. Bei DCC lassen sich dafür beispielsweise Fahrkennlinie und entsprechende CV-Werte anpassen.

Weitere Grundlagen zur digitalen Modellbahn findest du in meinem Bereich DCC-Modellbahn.

Doppeltraktion kurz erklärt

Bei einer Doppeltraktion arbeiten zwei Triebfahrzeuge gemeinsam an einem Zug. Moderne Lokomotiven werden dabei meist von einem einzigen Führerstand aus gesteuert.

Die zusätzliche Lok erhöht die verfügbare Zugkraft und wird deshalb besonders vor schweren Güterzügen oder auf Steigungsstrecken eingesetzt. Vorspann, Schiebelokomotive und reine Loküberführungen können ähnlich aussehen, unterscheiden sich betrieblich aber deutlich von einer echten Doppeltraktion.

Weitere Begriffe aus Fahrbetrieb und Fahrzeugtechnik findest du in der Übersicht Eisenbahn-Technik einfach erklärt.

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