Seltene Tunnelrettungslok 714 015-5 nur noch bis Ende Oktober in Nürnberg zu sehen
Wer das DB Museum Nürnberg in den nächsten Tagen besucht, kann dort eine ungewöhnliche Diesellokomotive entdecken. Die 714 015-5 gehörte früher zu den speziellen Tunnelrettungszügen der Deutschen Bahn. Seit einiger Zeit steht sie als Gastfahrzeug im Freigelände des Museums. Doch schon Ende Oktober 2026 soll ihr Aufenthalt wieder enden.
Die auffällig rot lackierte Lokomotive stammt ursprünglich aus der bekannten V-100-Familie der Deutschen Bundesbahn. Für ihren späteren Einsatz bei der Tunnelrettung wurde sie umfangreich umgebaut und mit zusätzlicher Technik ausgerüstet.
Heute gehört sie zum historischen Fahrzeugbestand des DB Museums. In Nürnberg wird sie passend zur Sonderausstellung „Tunnel“ gezeigt.
Tunnelrettungslok 714 015-5: Ein besonderer Gast im DB Museum
Die 714 015-5 ist eine Lokomotive, die im regulären Personen- oder Güterverkehr kaum jemand zu Gesicht bekam. Ihre Aufgabe bestand darin, im Ernstfall einen Tunnelrettungszug zu bewegen.
Solche Züge stehen für schwere Unfälle und andere Notfälle in Eisenbahntunneln bereit. Besonders auf den älteren Schnellfahrstrecken mit langen Tunnelabschnitten spielen sie eine wichtige Rolle.
Für das DB Museum Nürnberg ist die Lok deshalb ein passendes Ausstellungsstück. Schließlich beschäftigt sich die aktuelle Sonderausstellung mit der Geschichte und Technik von Eisenbahntunneln.
Die 714 015-5 befindet sich im Freigelände des Museums und soll dort noch bis voraussichtlich Ende Oktober 2026 zu sehen sein.
Wer das Fahrzeug fotografieren oder einmal aus der Nähe betrachten möchte, sollte den Besuch daher möglichst bald einplanen.
Mehr über das Museum und weitere historische Fahrzeuge findest du auf Gleismomente in unserer Übersicht Eisenbahnmuseen in Bayern.
Ursprünglich eine ganz normale Bundesbahn-Diesellok
Die Geschichte der 714 015-5 beginnt lange vor ihrem Einsatz bei der Tunnelrettung.
Ursprünglich wurde die Lok als V 100 2160 für die Deutsche Bundesbahn gebaut. Später erhielt sie im neuen Nummernsystem die Bezeichnung 212 160-6.
Die Baureihe 212 gehört zur bekannten V-100-Familie, die ab den frühen 1960er-Jahren auf zahlreichen nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt wurde.
Die vierachsigen Diesellokomotiven übernahmen Personenzüge, Güterzüge und Rangieraufgaben. Besonders auf Nebenbahnen waren sie über Jahrzehnte ein vertrauter Anblick.
Mit ihrem dieselhydraulischen Antrieb und einer Leistung von rund 1.350 PS war die Baureihe 212 vielseitig verwendbar.
Auch die spätere Tunnelrettungslok 714 015-5 begann ihre Laufbahn als solche Streckenlokomotive.
1996 wurde die 212 160-6 aus dem regulären Betriebsdienst ausgemustert. Damit war ihre Geschichte allerdings noch lange nicht beendet.
1997 erfolgte der Umbau zur Tunnelrettungslok
Nach dem Ende ihrer regulären Einsatzzeit erhielt die Lok eine völlig neue Aufgabe.
1997 wurde sie für den Einsatz vor Tunnelrettungszügen umgebaut. Dabei entstand aus der früheren Streckenlokomotive ein Spezialfahrzeug, das auch unter schwierigen Bedingungen eingesetzt werden konnte.
Nach dem Umbau trug sie die neue Betriebsnummer 714 015-5.
Äußerlich blieb die Herkunft aus der V-100-Familie weiterhin gut erkennbar. Allerdings kamen einige auffällige Ausrüstungsteile hinzu.
Besonders wichtig waren die zusätzlichen Scheinwerfer, eine Videokamera und eine Infrarotkamera.
Damit konnte die Besatzung die Situation vor der Lok besser beobachten, selbst wenn Rauch oder schlechte Lichtverhältnisse die Sicht erschwerten.
Eine gelbe Blinkleuchte ergänzte die Ausrüstung.
Die Lok erhielt außerdem eine auffällige rote Lackierung, die sich deutlich vom früheren Erscheinungsbild der klassischen Bundesbahn-V-100 unterschied.
Nach ihrem Umbau wurde die 714 015-5 in Fulda stationiert.
Wie funktioniert eigentlich ein Tunnelrettungszug?
Ein Unfall in einem langen Eisenbahntunnel stellt Rettungskräfte vor besondere Herausforderungen.
Die Zufahrtswege sind begrenzt, Rauch kann sich im Tunnel ausbreiten und die Entfernung zum nächsten Ausgang kann mehrere Kilometer betragen.
Aus diesem Grund hält die Deutsche Bahn auf bestimmten Schnellfahrstrecken spezielle Tunnelrettungszüge bereit.
Diese Züge können Rettungskräfte und Material in den Tunnel bringen und gleichzeitig verletzte oder eingeschlossene Personen aufnehmen.
Ein klassischer Tunnelrettungszug besteht aus mehreren Fahrzeugen.
Dazu gehören zwei Lokomotiven, zwei Transportwagen, ein Gerätewagen, ein Löschmittelwagen und ein Sanitätswagen.
Die einzelnen Wagen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Im Gerätewagen befindet sich die Ausrüstung, die für einen Rettungseinsatz benötigt wird. Der Löschmittelwagen führt Mittel zur Brandbekämpfung mit. Der Sanitätswagen dient der medizinischen Versorgung von Verletzten.
Besonders wichtig sind außerdem die geschützten Bereiche für die Besatzung und die geretteten Personen.
Warum besitzt ein Rettungszug zwei Lokomotiven?
Bei einem Tunnelrettungszug befindet sich an jedem Ende eine Lokomotive.
Das hat einen wichtigen Grund: Der Zug muss im Notfall möglichst unabhängig von der Fahrtrichtung eingesetzt werden können.
Außerdem sorgt die zweite Lokomotive für zusätzliche betriebliche Sicherheit.
Fällt eine Maschine aus, steht grundsätzlich noch eine weitere Antriebseinheit zur Verfügung.
Gerade im Tunnel kann diese Redundanz entscheidend sein.
Die Lokomotiven der Baureihe 714 waren deshalb ein wichtiger Bestandteil des gesamten Rettungskonzepts.
Auf welchen Strecken kamen die Tunnelrettungszüge zum Einsatz?
Die Tunnelrettungszüge wurden insbesondere für die älteren deutschen Schnellfahrstrecken eingerichtet.
Dazu gehören die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und die Strecke Mannheim–Stuttgart.
Beide Verbindungen besitzen zahlreiche Tunnel. Einige davon sind mehrere Kilometer lang.
Auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg müssen Züge beispielsweise durch den Landrückentunnel, der mit mehr als zehn Kilometern Länge zu den längsten Eisenbahntunneln Deutschlands zählt.
Für solche Strecken wurden spezielle Rettungskonzepte entwickelt, zu denen auch die Tunnelrettungszüge gehörten.
Heute gibt es nach Angaben des DB Museums sechs entsprechende Rettungszüge.
Die historischen Lokomotiven der Baureihe 714 wurden inzwischen durch modernere Fahrzeuge ersetzt.
2020 endete der Einsatz der 714 015-5
Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Umbau endete die aktive Zeit der Lokomotive als Tunnelrettungsfahrzeug.
Im Jahr 2020 wurde die 714 015-5 durch neuere Rettungsfahrzeuge ersetzt.
Im Februar 2022 übernahm das DB Museum die Maschine in seinen historischen Fahrzeugbestand.
Am 10. Februar 2022 gelangte sie nach Koblenz-Lützel, wo sich die Außenstelle des DB Museums befindet.
Damit blieb ein besonderes Fahrzeug der deutschen Eisenbahngeschichte erhalten.
Das ist bemerkenswert, weil viele ehemalige Bahndienstfahrzeuge nach ihrer Ausmusterung verschrottet werden. Die 714 015-5 zeigt dagegen, wie aus einer gewöhnlichen Streckendiesellok ein hoch spezialisiertes Rettungsfahrzeug wurde.
Das DB Museum Koblenz beherbergt zahlreiche weitere historische Lokomotiven der Deutschen Bundesbahn.
Auf Gleismomente findest du dazu unsere Übersicht der Eisenbahnmuseen in Rheinland-Pfalz.
Auch über die historische E41 001, den legendären Knallfrosch, haben wir bereits berichtet. Sie gehört ebenfalls zur Sammlung des DB Museums Koblenz.
Sonderausstellung „Tunnel“ im DB Museum Nürnberg
Die Tunnelrettungslok ist Teil des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Tunnel“, die seit dem 3. Juli 2026 im DB Museum Nürnberg gezeigt wird.
Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Entwicklung des Eisenbahntunnelbaus von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Berge durchquert werden, welche technischen Herausforderungen beim Bau entstehen und wie sich die Sicherheit in Tunneln entwickelt hat.
Gerade moderne Schnellfahrstrecken wären ohne lange Tunnel kaum denkbar.
Während frühere Eisenbahnstrecken häufig den natürlichen Tälern folgten, ermöglichen Tunnel heute wesentlich direktere Verbindungen.
Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 31. Dezember 2026.
Die 714 015-5 wird jedoch voraussichtlich bereits Ende Oktober wieder aus dem Freigelände verschwinden.
Auch die historische Modellbahnanlage lohnt sich
Wer wegen der Tunnelrettungslok nach Nürnberg fährt, sollte sich auch die übrigen Ausstellungen ansehen.
Ein besonderes Highlight ist die große historische Modellbahnanlage des DB Museums.
Sie stammt aus dem Jahr 1960 und wird bis heute mit einer aufwendigen Relaistechnik gesteuert.
Rund 500 Meter Gleise, etwa 5.000 Relais und bis zu 30 gleichzeitig fahrende Züge machen die Anlage zu einem bemerkenswerten technischen Zeitzeugnis.
Am 14. November 2026 gibt das Museum sogar einen besonderen Einblick in die Technik hinter den Kulissen.
Darüber haben wir bereits berichtet:
65 Jahre Modellbahn im DB Museum: Nürnberg zeigt die Technik hinter den Kulissen
Auch die übrigen historischen Fahrzeuge und das Kinder-Bahnland machen das DB Museum zu einem interessanten Ausflugsziel.
Weitere Eisenbahnmuseen und besondere Ausflugsziele findest du auf unserer Eisenbahn-Erlebniskarte.
DB Museum Nürnberg: Öffnungszeiten und Eintritt
Wer die 714 015-5 noch sehen möchte, kann das Museum regulär besuchen.
Adresse: DB Museum Nürnberg, Lessingstraße 6, 90443 Nürnberg
Die Öffnungszeiten sind:
| Tag | Öffnungszeiten |
|---|---|
| Montag und Dienstag | Geschlossen |
| Mittwoch bis Freitag | 9 bis 17 Uhr |
| Samstag und Sonntag | 10 bis 18 Uhr |
| Feiertage | 10 bis 18 Uhr |
Der reguläre Eintritt beträgt derzeit 10 Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren zahlen 6 Euro.
Eine Familienkarte für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder kostet 20 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.
Die Tunnelrettungslok steht im Freigelände. Ob einzelne Bereiche wegen Arbeiten oder Veranstaltungen vorübergehend nicht zugänglich sind, sollte vor dem Besuch beim Museum geprüft werden.
Aktuelle Informationen gibt es auf der offiziellen Webseite des DB Museums Nürnberg.
Eine seltene Gelegenheit für Eisenbahnfreunde
Die 714 015-5 gehört sicherlich nicht zu den bekanntesten historischen Lokomotiven der Deutschen Bahn.
Gerade ihre ungewöhnliche Geschichte macht sie aber interessant.
Aus einer klassischen V 100 der Bundesbahn wurde eine Speziallok für Einsätze in Eisenbahntunneln. Nach vielen Jahren im Rettungsdienst hat sie als Museumsfahrzeug überlebt.
Bis voraussichtlich Ende Oktober 2026 kann man sie nun noch im DB Museum Nürnberg besichtigen.
Wer sich für ungewöhnliche Eisenbahntechnik, Bahndienstfahrzeuge oder die Geschichte der Bundesbahn interessiert, bekommt hier eine seltene Gelegenheit.
Und vielleicht schaut man beim nächsten Besuch einer Schnellfahrstrecke etwas anders auf die langen Tunnel, die unsere Züge heute ganz selbstverständlich durchfahren.
Stand: 21. Oktober 2026
Quellen und weiterführende Informationen
- DB Museum Nürnberg: Gastlok 714 015-5
- Fahrzeuggeschichte V 100 2160 / 714 015-5
- Gleismomente: Eisenbahnmuseen in Bayern
Bildnachweis
- Foto: Andreas Praefcke / Wikimedia Commons, CC BY 3.0
