Vorbild

Akku-Lokomotiven gab es schon 1938: Die ungewöhnliche Ks 4987

Wer bei einer Akku-Lokomotive zuerst an moderne Rangierloks mit Lithium-Ionen-Batterien denkt, liegt zeitlich einige Jahrzehnte daneben. Bereits 1938 wurde mit der Ks 4987 eine kleine elektrische Rangierlok gebaut, die ihre Energie aus Akkumulatoren bezog.

Die Lok existiert bis heute. Erhalten wird sie bei der Museumseisenbahn Hanau. Zwischen großen Dampflokomotiven und Dieselloks wirkt die kleine Ks zunächst ziemlich unscheinbar. Technisch ist sie dafür umso interessanter.

Was ist die Ks 4987?

Die Bezeichnung verrät bereits einiges über ihren ursprünglichen Einsatzzweck. Die kleinen Fahrzeuge der Bauart Ks waren für leichte Rangierarbeiten gedacht.

Solche Aufgaben gab es auf Bahnhöfen, in Bahnbetriebswerken und auf Anschlussgleisen reichlich. Nicht für jede Bewegung musste eine große Rangierlok eingesetzt werden. Für einzelne Wagen oder kurze Rangierbewegungen genügte ein wesentlich kleineres Fahrzeug.

Genau hier kamen Kleinlokomotiven ins Spiel.

Während man bei historischen Kleinlokomotiven häufig an die bekannten Köf-Bauarten mit Dieselmotor denkt, ging die Ks 4987 technisch einen anderen Weg.

Sie fuhr elektrisch.

Strom aus der Batterie statt Dieselmotor

Das Spannende an der Ks 4987 ist ihr Antrieb. Die elektrische Energie wurde in Akkumulatoren mitgeführt.

Damit brauchte die Lok während des Rangierbetriebs weder eine Oberleitung noch eine Stromschiene. Sie konnte sich auf normalen Gleisen bewegen und ihre Energie direkt an Bord mitführen.

Das Grundprinzip kommt einem heute erstaunlich bekannt vor.

Ein Elektromotor treibt das Fahrzeug an, während die dafür benötigte Energie in einem Akku gespeichert wird. Moderne Batterielokomotiven arbeiten im Kern nach derselben Idee, auch wenn sich Speichertechnik, Leistungselektronik und Steuerung seit 1938 natürlich grundlegend weiterentwickelt haben.

Die Ks 4987 zeigt deshalb sehr schön, dass batterieelektrischer Eisenbahnbetrieb keineswegs erst mit der aktuellen Diskussion über alternative Antriebe entstanden ist.

Warum überhaupt eine Akku-Kleinlok?

Für leichte Rangierarbeiten hatte ein elektrischer Antrieb durchaus Vorteile.

Ein Elektromotor lässt sich gut für langsame Bewegungen einsetzen und benötigt keinen aufwendigen Startvorgang wie ein damaliger Verbrennungsmotor. Gerade beim Rangieren, wo ständig angefahren, gestoppt und die Fahrtrichtung gewechselt wird, ist das interessant.

Hinzu kommt ein Vorteil, der heute wieder eine große Rolle spielt: Am Einsatzort entstehen keine direkten Abgase.

Gerade in Hallen, Werkstätten oder anderen Bereichen mit wenig Luftaustausch konnte das durchaus hilfreich sein.

Natürlich gab es auch Nachteile. Batterien waren schwer, ihre Kapazität begrenzt und das Aufladen benötigte Zeit. Für lange Strecken oder schwere Güterzüge waren solche Fahrzeuge daher nicht gedacht.

Für überschaubare Rangieraufgaben sah die Sache anders aus.

Kleinlokomotiven veränderten den Rangierdienst

Um die Ks 4987 richtig einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf den damaligen Bahnbetrieb.

Rangierarbeiten gehörten auf vielen kleinen und großen Bahnhöfen zum Alltag. Güterwagen mussten bereitgestellt, abgeholt oder zu neuen Zügen zusammengestellt werden. Dafür jedes Mal eine große Dampflokomotive einzusetzen, war teuer und umständlich.

Kleinlokomotiven sollten diese Arbeiten einfacher und wirtschaftlicher machen.

Aus dieser Entwicklung entstanden zahlreiche Bauarten. Besonders bekannt wurden später die Kleinlokomotiven, die man heute meist mit Bezeichnungen wie Kö, Köf oder Köf II verbindet.

Die Ks gehört zu einem weniger bekannten Kapitel dieser Geschichte.

Gerade deshalb ist die erhaltene Ks 4987 heute interessant.

Eine fast 90 Jahre alte Idee, die wieder aktuell ist

Aus heutiger Sicht bekommt die Lok noch eine zweite Bedeutung.

Batterieelektrische Züge sind wieder ein aktuelles Thema. Auf nicht elektrifizierten Strecken sollen Akkutriebwagen teilweise Dieseltriebwagen ersetzen. Moderne Fahrzeuge können unter einer Oberleitung fahren und gleichzeitig ihre Batterien laden. Auf Streckenabschnitten ohne Fahrdraht wird anschließend die gespeicherte Energie genutzt.

Natürlich lässt sich eine kleine Rangierlok von 1938 technisch kaum mit einem heutigen Akkutriebzug vergleichen.

Das grundlegende Problem ist allerdings ähnlich: Wie kann ein elektrisches Schienenfahrzeug dort fahren, wo keine dauerhafte Stromversorgung über dem Gleis vorhanden ist?

Die Ks 4987 beantwortete diese Frage schon vor fast 90 Jahren mit einer Batterie an Bord.

Die Ks 4987 ist in Hanau erhalten

Heute gehört die historische Kleinlok zum Eisenbahnerlebnis in Hanau.

Die Museumseisenbahn Hanau kümmert sich um eine umfangreiche Sammlung historischer Eisenbahnfahrzeuge. Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks sind Fahrzeuge aus unterschiedlichen Epochen der Eisenbahngeschichte erhalten.

Zwischen den wesentlich größeren Lokomotiven kann man die kleine Ks leicht übersehen.

Dabei erzählt gerade sie eine ungewöhnliche Geschichte.

Denn während Dampflokomotiven aus dieser Epoche sofort als historische Technik erkannt werden, wirkt das Konzept einer elektrisch angetriebenen Lok mit Batteriespeicher überraschend modern.

Ein interessantes Ziel für Eisenbahnfans

Wer die Museumseisenbahn Hanau besucht, sollte deshalb nicht nur nach den großen Lokomotiven Ausschau halten.

Die Ks 4987 ist ein gutes Beispiel dafür, dass Eisenbahngeschichte häufig aus technischen Lösungen besteht, die später erneut aufgegriffen werden. Ideen wie elektrische Rangierfahrzeuge, Energiespeicher im Fahrzeug oder emissionsfreies Rangieren beschäftigen die Bahnindustrie heute wieder intensiv.

Nur die Technik dahinter hat sich verändert.

Weitere Informationen zum Gelände, zur Sammlung und zum Besuch findest du auf unserer Seite zur Museumseisenbahn Hanau in der Eisenbahn-Erlebniskarte.

Ein kleiner Exot mit erstaunlich moderner Technik

Die Ks 4987 dürfte neben einer großen Dampflok kaum der erste Blickfang sein. Genau das macht sie für mich aber interessant.

1938 gebaut, elektrisch angetrieben und mit Akkumulatoren als Energiespeicher ausgestattet: Das klingt zunächst erstaunlich modern.

Die kleine Lok erinnert daran, dass Akkuantriebe auf der Schiene eine lange Geschichte haben. Heute lässt sich eines dieser frühen Fahrzeuge noch in Hanau entdecken.

Und wer beim nächsten Museumsbesuch vor der Ks 4987 steht, sieht deshalb mehr als nur eine kleine alte Rangierlok. Er steht vor einer fast 90 Jahre alten Variante eines Antriebskonzepts, das bei der Eisenbahn gerade wieder eine wichtige Rolle spielt.

Bildnachweis

  • Museumseisenbahn Hanau e. V. – Schriftliche Genehmigung zur Nutzung des Fotos liegt vor

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