Überholbahnhof einfach erklärt: Warum schnelle Züge langsamere überholen
Ein Überholbahnhof ermöglicht es einem schnelleren Zug, einen langsameren Zug zu überholen. Dafür besitzt die Betriebsstelle zusätzliche Gleise, auf denen ein Zug warten kann, während ein anderer Zug vorbeifährt.
Überholungen sind besonders auf stark befahrenen Bahnstrecken wichtig. Güterzüge, Regionalzüge und Fernverkehrszüge fahren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Ohne geeignete Überholmöglichkeiten würde ein langsamer Zug die schnelleren Züge hinter sich über längere Zeit ausbremsen.
Überholbahnhöfe helfen deshalb dabei, die vorhandene Strecke besser auszunutzen und unterschiedliche Zugarten miteinander zu koordinieren.
Was ist ein Überholbahnhof?
Ein Überholbahnhof ist vereinfacht gesagt eine Betriebsstelle, an der ein Zug auf ein zusätzliches Gleis fahren kann, damit ein schnellerer Zug ihn überholt.
Auf einer zweigleisigen Hauptstrecke gibt es normalerweise für jede Fahrtrichtung ein Streckengleis. Soll ein Zug überholt werden, benötigt man deshalb mindestens ein zusätzliches Überholgleis.
Der langsamere Zug fährt in dieses Gleis ein und wartet dort. Der schnellere Zug bleibt auf dem durchgehenden Hauptgleis und kann ohne zusätzlichen Fahrtrichtungswechsel vorbeifahren.
Warum braucht die Eisenbahn Überholbahnhöfe?
Auf vielen Bahnstrecken verkehren sehr unterschiedliche Züge. Ein ICE kann deutlich schneller fahren als ein schwerer Güterzug. Regionalzüge halten zusätzlich an vielen Bahnhöfen, während Fernzüge einzelne Stationen ohne Halt passieren.
Das Problem: Züge können sich auf demselben Gleis nicht einfach gegenseitig überholen. Ein schneller Zug muss deshalb so lange hinter dem langsameren Zug bleiben, bis eine geeignete Überholmöglichkeit erreicht wird.
Überholbahnhöfe schaffen genau diese Möglichkeit. Sie sorgen dafür, dass schnellere Züge ihre Geschwindigkeit besser ausnutzen können und langsame Züge den übrigen Verkehr möglichst wenig behindern.
So funktioniert eine Überholung
1. Ein langsamer Zug fährt voraus
Ein Güterzug fährt beispielsweise mit geringerer Geschwindigkeit auf einer Hauptstrecke. Dahinter nähert sich ein schnellerer Fernverkehrszug.
Würde der Güterzug einfach weiterfahren, müsste der schnellere Zug seine Geschwindigkeit reduzieren.
2. Der langsamere Zug fährt ins Überholgleis
Am nächsten geeigneten Überholbahnhof wird der Güterzug über eine Weichenverbindung vom durchgehenden Hauptgleis auf ein Überholgleis geleitet.
Dort hält er und wartet auf die Überholung.
3. Der schnellere Zug fährt vorbei
Das durchgehende Hauptgleis ist nun frei. Der schnellere Zug kann den Bahnhof passieren und den langsameren Zug überholen.
Je nach Streckengeschwindigkeit und Weichenlage muss der überholende Zug dabei möglicherweise nur wenig oder gar nicht abbremsen.
4. Der langsamere Zug fährt weiter
Nachdem der schnellere Zug einen ausreichenden Abstand erreicht hat und der Fahrweg wieder frei ist, kann der wartende Zug aus dem Überholgleis zurück auf das Streckengleis fahren.
Wie ist ein Überholbahnhof aufgebaut?
Der einfachste Überholbahnhof an einer zweigleisigen Strecke besitzt neben den beiden durchgehenden Hauptgleisen mindestens ein zusätzliches Gleis.
- durchgehende Hauptgleise – Züge können den Bahnhof ohne Gleiswechsel passieren
- Überholgleis – hier wartet der langsamere Zug
- Weichen – verbinden Überholgleis und Hauptgleis
- Signale – sichern Einfahrt, Ausfahrt und Zugfolge
Größere Anlagen können mehrere Überholgleise besitzen. Dadurch können auch mehrere Güterzüge warten oder Überholungen in beiden Fahrtrichtungen stattfinden.
Überholgleis muss lang genug sein
Ein entscheidender Punkt ist die Länge des Überholgleises. Der komplette Zug muss zwischen den maßgeblichen Signalen beziehungsweise innerhalb des nutzbaren Gleisabschnitts Platz finden.
Das ist besonders bei langen Güterzügen wichtig. Ist ein Überholgleis zu kurz, kann ein langer Zug dort nicht vollständig aufgenommen werden.
Deshalb werden Überholgleise auf wichtigen Güterverkehrsstrecken teilweise verlängert, um auch längere Güterzüge aufnehmen zu können.
Überholbahnhof oder normaler Bahnhof?
Ein Überholbahnhof muss nicht ausschließlich für Überholungen gebaut worden sein. Viele normale Bahnhöfe besitzen zusätzliche Gleise, die ebenfalls für Überholungen verwendet werden können.
Ein Bahnhof kann also gleichzeitig dem Personenverkehr dienen und Überholgleise besitzen.
Daneben gibt es Betriebsstellen, deren wichtigste Aufgabe tatsächlich darin besteht, Zugüberholungen und Kreuzungen zu ermöglichen. Fahrgäste spielen dort teilweise überhaupt keine Rolle.
Warum werden häufig Güterzüge überholt?
Güterzüge gehören auf vielen Mischverkehrsstrecken zu den langsameren Zugarten. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt häufig unter der von Intercity- oder ICE-Zügen.
Zusätzlich beschleunigen schwere Güterzüge deutlich langsamer. Auf dicht befahrenen Strecken werden sie deshalb regelmäßig für schnellere Personenzüge zur Seite genommen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass immer der Güterzug warten muss. Die tatsächliche Reihenfolge hängt vom Fahrplan und von der aktuellen Betriebslage ab.
Überholbahnhöfe und Fahrplan
Überholungen werden häufig bereits bei der Fahrplanplanung berücksichtigt. Dabei wird festgelegt, welcher Zug an welcher Stelle warten soll und welcher Zug vorbeifährt.
Im laufenden Betrieb können zusätzliche Überholungen notwendig werden. Verspätungen verändern die ursprüngliche Zugreihenfolge und die Betriebssteuerung muss entscheiden, welche Lösung möglichst wenige Folgeverspätungen verursacht.
Überholgleise geben der Betriebsführung dadurch zusätzliche Möglichkeiten, auf Störungen und Verspätungen zu reagieren.
Was ist der Unterschied zwischen Überholen und Kreuzen?
Bei einer Überholung fahren beide Züge grundsätzlich in dieselbe Richtung. Der schnellere Zug zieht am langsameren vorbei.
Bei einer Zugkreuzung begegnen sich dagegen zwei Züge aus entgegengesetzten Richtungen.
Auf einer eingleisigen Strecke ist eine solche Kreuzung nur an einer Stelle möglich, an der mindestens zwei Gleise vorhanden sind. Einer der beiden Züge wartet dort, während der andere vorbeifährt.
Überholen auf einer viergleisigen Strecke
Auf viergleisigen Strecken kann die Trennung verschiedener Zugarten bereits durch unterschiedliche Streckengleise erfolgen. Beispielsweise können schnelle Personenzüge auf einem Gleispaar fahren, während Regional- und Güterzüge ein anderes Gleispaar nutzen.
Dadurch sind weniger klassische Überholvorgänge notwendig. Trotzdem können zusätzliche Überleitstellen und Bahnhöfe erforderlich sein, damit Züge zwischen den Gleisen wechseln können.
Was passiert bei einer Überholung mit einem Personenzug?
Auch Regionalzüge können überholt werden. Besonders auf Strecken mit Fern- und Nahverkehr kann ein langsamerer Regionalzug an einem Bahnhof warten, während ein schneller Fernzug vorbeifährt.
Wenn der Regionalzug dort ohnehin einen planmäßigen Halt hat, kann die Überholung in diesen Aufenthalt integriert werden. Dadurch entsteht weniger zusätzliche Wartezeit.
Warum steht ein Güterzug manchmal lange im Bahnhof?
Wer Eisenbahnverkehr beobachtet, sieht immer wieder Güterzüge, die längere Zeit auf einem Nebengleis stehen. Eine mögliche Ursache sind geplante oder betriebsbedingte Überholungen.
Es können mehrere schnellere Züge vorbeifahren, bevor der Güterzug seine Fahrt fortsetzen kann. Weitere Gründe für längere Aufenthalte können Fahrplanlagen, Personalwechsel oder betriebliche Maßnahmen sein.
Überholbahnhof auf der Modellbahn
Ein Überholbahnhof eignet sich sehr gut für eine Modellbahnanlage, weil damit abwechslungsreicher Zugbetrieb möglich wird.
Ein Güterzug kann beispielsweise auf ein Überholgleis fahren und dort warten, während ein schneller Personenzug auf dem Hauptgleis vorbeifährt. Danach setzt der Güterzug seine Fahrt fort.
Für einen glaubwürdigen Betrieb sollte das Überholgleis ausreichend lang sein. Besonders in Spur N lässt sich auf vergleichsweise wenig Platz eine solche Betriebsstelle mit langen Zügen darstellen.
Kurz erklärt: Überholbahnhof
- Ein Überholbahnhof ermöglicht Zugüberholungen.
- Der langsamere Zug fährt normalerweise auf ein zusätzliches Gleis.
- Der schnellere Zug passiert ihn auf dem Hauptgleis.
- Weichen und Signale sichern den Ablauf.
- Überholgleise müssen für die dort wartenden Züge lang genug sein.
- Besonders auf Strecken mit Personen- und Güterverkehr sind Überholmöglichkeiten wichtig.
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Passend dazu erklären wir bereits den Rangierbahnhof, den Güterbahnhof, den Ablaufberg und das Bahnbetriebswerk.
