Rangierbahnhof einfach erklärt
Ein Rangierbahnhof ist ein Bahnhof, in dem Güterzüge zerlegt, neu sortiert und anschließend wieder zu neuen Zügen zusammengestellt werden. Während ein Personenbahnhof vor allem dem Ein- und Aussteigen dient, steht beim Rangierbahnhof der Güterverkehr im Mittelpunkt.
Ein ankommender Güterzug kann Wagen für viele unterschiedliche Zielorte enthalten. Im Rangierbahnhof werden diese Wagen nach ihrem weiteren Weg sortiert und mit anderen Wagen zu neuen Zügen zusammengestellt.
Große Rangierbahnhöfe besitzen dafür teilweise Dutzende Gleise, einen Ablaufberg, automatische Weichen und Gleisbremsen. Kleinere Zugbildungsanlagen kommen dagegen auch ohne Ablaufberg aus.
Was ist ein Rangierbahnhof?
Ein Rangierbahnhof ist eine spezielle Betriebsstelle für den Güterverkehr. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Güterwagen aus ankommenden Zügen neu zu sortieren.
DB InfraGO bezeichnet solche Anlagen als Zugbildungsanlagen. Sie dienen der Bildung, Behandlung und Auflösung von Zügen mit Wagenaustausch.
Das bedeutet: Ein Güterzug kommt an, wird in einzelne Wagengruppen zerlegt und aus diesen Wagen entstehen anschließend neue Züge für unterschiedliche Zielrichtungen.
Warum werden Güterzüge überhaupt neu sortiert?
Viele Güterwagen fahren nicht vom selben Ausgangspunkt bis zum selben Ziel. Ein Güterzug kann beispielsweise Wagen für mehrere Regionen oder Industrieanschlüsse enthalten.
Damit nicht für jeden einzelnen Wagen ein eigener Zug fahren muss, werden Wagen mit ähnlichem weiteren Laufweg zusammengefasst.
Ein Wagen kann auf seiner Reise deshalb mehrere Rangierbahnhöfe durchlaufen. Dort wird er jeweils einem neuen Zug zugeordnet, bis er schließlich seinen Zielbahnhof oder Anschluss erreicht.
So funktioniert ein Rangierbahnhof
Große Rangierbahnhöfe sind meist in mehrere Bereiche aufgeteilt. Dadurch können ankommende Züge, Rangierbewegungen und abfahrbereite Güterzüge voneinander getrennt bearbeitet werden.
1. Einfahrgruppe
Ein ankommender Güterzug fährt zunächst in die Einfahrgruppe. Dort wird der Zug für die weitere Behandlung vorbereitet.
Es wird festgelegt, welche Wagen zusammenbleiben und auf welches Richtungsgleis sie später gelangen sollen. Je nach Betriebsablauf finden außerdem technische Kontrollen und weitere Arbeiten am Zug statt.
2. Ablaufberg oder Rangierbereich
Bei großen Rangierbahnhöfen folgt anschließend häufig der Ablaufberg. Eine Rangierlok schiebt die Wagen langsam über einen künstlich angelegten Hügel.
Hinter dem Scheitelpunkt rollen die getrennten Wagen durch die Schwerkraft weiter. Weichen führen sie automatisch in das vorgesehene Richtungsgleis.
Wie dieser Vorgang genau funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Ablaufberg einfach erklärt.
3. Richtungsgleise
Das Herzstück eines großen Rangierbahnhofs ist die sogenannte Richtungsgruppe. Sie besteht aus vielen parallel nebeneinanderliegenden Gleisen.
Jedes Gleis kann für eine bestimmte Richtung oder ein bestimmtes Ziel vorgesehen sein. Wagen mit gleichem oder ähnlichem weiteren Laufweg sammeln sich dadurch im selben Gleis.
Je größer der Rangierbahnhof ist, desto mehr Richtungsgleise können vorhanden sein.
4. Neue Güterzüge entstehen
Sobald genügend Wagen für eine bestimmte Verbindung zusammengekommen sind, werden daraus neue Zugverbände gebildet.
Die Wagen werden zusammengekuppelt und für die Weiterfahrt vorbereitet. Je nach Bahnhof geschieht das in der Richtungsgruppe selbst oder in einer zusätzlichen Ausfahrgruppe.
5. Ausfahrgruppe
In größeren Rangierbahnhöfen gelangen die fertig zusammengestellten Güterzüge anschließend in eine Ausfahrgruppe.
Dort werden die Züge für ihre nächste Fahrt vorbereitet. Nach Abschluss der notwendigen betrieblichen und technischen Arbeiten kann der Güterzug den Rangierbahnhof verlassen.
Typischer Aufbau eines Rangierbahnhofs
Ein großer Rangierbahnhof kann vereinfacht aus folgenden Bereichen bestehen:
- Einfahrgruppe – ankommende Güterzüge werden aufgenommen
- Ablaufberg – Wagen werden für die Sortierung abgedrückt
- Gleisbremsen – regulieren die Geschwindigkeit der ablaufenden Wagen
- Richtungsgruppe – Wagen werden nach ihren Zielrichtungen sortiert
- Ausfahrgruppe – neue Güterzüge werden für die Abfahrt vorbereitet
- Lok- und Rangierbereiche – Rangierlokomotiven und weitere Fahrzeuge werden bereitgestellt
Nicht jeder Rangierbahnhof besitzt alle diese Bereiche. DB InfraGO unterscheidet Zugbildungsanlagen unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Die Spannweite reicht von kleineren Anlagen ohne Ablaufberg bis zu großen, weitgehend automatisierten Rangierbahnhöfen.
Was macht eine Rangierlok?
Rangierlokomotiven übernehmen viele kurze Fahrbewegungen innerhalb des Rangierbahnhofs. Sie bringen Wagen von einem Gleis zum anderen, drücken Züge zum Ablaufberg oder stellen neue Zugverbände zusammen.
Historisch kamen dafür zahlreiche kleine Diesel- und Dampflokomotiven zum Einsatz. Typische Beispiele waren die Köf-Kleinlokomotiven oder größere Rangierlokomotiven wie die V 60.
In großen modernen Rangierbahnhöfen wird ein Teil dieser Arbeit inzwischen durch automatische Anlagen unterstützt. Rangierlokomotiven bleiben trotzdem ein wichtiger Bestandteil des Betriebs.
Was ist der Unterschied zwischen Rangierbahnhof und Güterbahnhof?
Die Begriffe Rangierbahnhof und Güterbahnhof werden häufig miteinander verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Aufgaben.
In einem Rangierbahnhof steht das Sortieren und Neubilden von Güterzügen im Mittelpunkt.
Ein Güterbahnhof dient dagegen stärker dem Be- und Entladen von Güterwagen oder dem Übergang von Gütern zwischen Bahn, Lkw und anderen Verkehrsmitteln.
In der Praxis konnten beide Funktionen an einem Standort miteinander verbunden sein.
Warum sind Rangierbahnhöfe so groß?
Die große Fläche entsteht vor allem durch die vielen parallelen Richtungsgleise. Jeder neue Güterzug benötigt Platz, und gleichzeitig müssen ankommende und abfahrende Züge behandelt werden können.
Hinzu kommen Weichenstraßen, Ablaufanlagen, Lokgleise, Werkstätten und weitere technische Einrichtungen. Große Rangierbahnhöfe können deshalb mehrere Kilometer lang sein.
Gibt es heute noch Rangierbahnhöfe?
Ja. Rangierbahnhöfe und andere Zugbildungsanlagen spielen weiterhin eine wichtige Rolle im Einzelwagenverkehr. Dort werden Güterwagen unterschiedlicher Versender zu neuen Zügen zusammengestellt.
Allerdings hat sich ihre Zahl gegenüber früher deutlich reduziert. Moderne Logistikkonzepte arbeiten häufig mit Ganzzügen oder kombinierten Verkehren, bei denen weniger Rangierarbeit notwendig ist.
Große Zugbildungsanlagen bleiben trotzdem wichtige Knoten im europäischen Schienengüterverkehr.
Rangierbahnhof Kornwestheim bei Stuttgart
Ein großes Beispiel befindet sich direkt nördlich von Stuttgart. Der Rangierbahnhof Kornwestheim erstreckt sich über mehrere Kilometer und besitzt zahlreiche Gleise für den Güterverkehr.
Von öffentlichen Brücken und Wegen lassen sich Teile der Anlage gut beobachten. Besonders interessant sind die Rangierbewegungen rund um den Ablaufbereich und die vielen parallel liegenden Gleise der Zugbildungsanlage.
Auf Gleismomente haben wir den Rangierbahnhof Kornwestheim bereits ausführlich vorgestellt und zeigen dort auch eigene Fotos vom Gelände.
Rangierbahnhof auf der Modellbahn
Ein Rangierbahnhof ist auch auf einer Modellbahn ein spannendes Betriebselement. Allerdings benötigt eine realistische Anlage viel Platz.
Für kleinere Modellbahnen reicht oft eine vereinfachte Version mit wenigen Richtungsgleisen und einem Ausziehgleis. Dadurch lassen sich trotzdem Güterwagen sortieren und neue Zugverbände zusammenstellen.
Ein funktionierender Ablaufberg ist im Modell deutlich anspruchsvoller. Unterschiedliche Laufeigenschaften der Wagen machen eine zuverlässige automatische Sortierung schwierig.
Kurz erklärt: Rangierbahnhof
- Ein Rangierbahnhof dient vor allem dem Güterverkehr.
- Ankommende Güterzüge werden dort zerlegt.
- Wagen werden nach ihren weiteren Zielrichtungen sortiert.
- Große Anlagen besitzen häufig einen Ablaufberg.
- In der Richtungsgruppe sammeln sich Wagen für neue Züge.
- Anschließend werden neue Güterzüge zusammengestellt.
Weitere Eisenbahn-Technik einfach erklärt
Weitere verständliche Erklärungen zu Bahnhöfen, Gleisen, Signalen und Betriebsabläufen findest du in unserem Bereich Eisenbahn-Technik einfach erklärt.
Passend zu diesem Thema erklären wir außerdem ausführlich, wie ein Ablaufberg funktioniert und warum Güterwagen dort ohne Lokomotive in ihre Richtungsgleise rollen können.
