Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Wer im Leipziger Hauptbahnhof unterwegs ist, kann dort überraschend viel Eisenbahngeschichte entdecken. Auf Gleis 24 stehen mehrere historische Lokomotiven und ein Schnelltriebwagen, die heute zum Bestand des DB Museums beziehungsweise des Eisenbahnmuseums Bayerischer Bahnhof zu Leipzig gehören. Das Besondere daran ist der Standort: Für den Besuch muss man keinen klassischen Museumsrundgang einplanen. Die historischen Fahrzeuge stehen direkt im Hauptbahnhof und können grundsätzlich jederzeit angesehen werden.
Das Museumsgleis 24 ist damit ein lohnendes Ziel für Eisenbahnfreunde, die Leipzig besuchen oder am Hauptbahnhof umsteigen. Unter der großen Bahnhofshalle treffen moderne ICE, Regionalzüge und S-Bahnen auf Fahrzeuge aus den 1930er- und 1940er-Jahren. Gerade dieser Kontrast macht den Ort interessant.
Historische Fahrzeuge auf Gleis 24
Auf dem Museumsgleis haben mehrere Fahrzeuge einen dauerhaften Platz gefunden. Nach Angaben des DB Museums gehören dazu die Elektrolokomotiven E 04 01, E 44 046 und E 94 056, der Schnelltriebwagen SVT 137 225 a/b sowie die Dampflokomotive 52 5448-7. Das DB Museum spricht insgesamt von sechs historischen Fahrzeugen beziehungsweise Fahrzeugeinheiten auf dem Gleis. Die Sammlung deckt damit unterschiedliche Formen des Eisenbahnbetriebs ab und zeigt ein Stück technischer Entwicklung vom Dampfbetrieb über frühe Elektrolokomotiven bis zum schnellen Dieseltriebwagen.
Die Fahrzeuge werden von Ehrenamtlichen betreut und gepflegt. Sie sollen rollfähig erhalten werden, auch wenn es sich bei dem Museumsgleis nicht um eine Sammlung betriebsfähiger Museumsfahrzeuge für regelmäßige Sonderfahrten handelt. Das Gleis dient in erster Linie dazu, historische Eisenbahntechnik an einem außergewöhnlichen Ort sichtbar zu machen.
E 04 01: Schnellzug-Elektrolok aus den frühen 1930er-Jahren
Zu den ältesten Elektrolokomotiven auf Gleis 24 gehört die E 04 01. Sie wurde 1932 von AEG gebaut und stammt damit aus einer Zeit, in der sich die elektrische Traktion auf immer mehr Strecken durchsetzte. Die Baureihe E 04 war für den schnellen Personenverkehr vorgesehen.
Gerade ihre vergleichsweise elegante Form unterscheidet sie deutlich von späteren schweren Güterzug-Elektrolokomotiven. Heute gehört die E 04 01 zum historischen Fahrzeugbestand des DB Museums. Auf dem Leipziger Museumsgleis lässt sich die Entwicklung der elektrischen Eisenbahntechnik deshalb sehr anschaulich nachvollziehen.
E 44 046: Eine wichtige Baureihe der elektrischen Eisenbahn
Direkt daneben befindet sich mit der E 44 046 eine weitere Elektrolokomotive aus der Vorkriegszeit. Die Lok wurde 1936 gebaut. Die Baureihe E 44 gehörte zu den bedeutenden Elektrolokomotiv-Baureihen ihrer Zeit und war über Jahrzehnte im Einsatz.
Anders als einige ältere Konstruktionen kam die E 44 ohne Laufachsen aus. Das Konzept mit vier angetriebenen Achsen erwies sich als ausgesprochen vielseitig. Lokomotiven dieser Familie wurden sowohl vor Personen- als auch vor Güterzügen eingesetzt.
Wer sich für die Entwicklung deutscher Elektrolokomotiven interessiert, findet auf dem Museumsgleis somit gleich mehrere Generationen und unterschiedliche Konstruktionsideen auf engem Raum.
E 94 056: Das berühmte „Deutsche Krokodil“
Besonders auffällig ist die E 94 056. Die schwere sechsachsige Elektrolokomotive besitzt zwei lange Vorbauten und ein mittig angeordnetes Führerhaus. Wegen dieser Bauform erhielt die Baureihe unter Eisenbahnfreunden den Spitznamen „Deutsches Krokodil“. Auch die Bezeichnung „Eisenschwein“ ist für die Maschinen bekannt.
Die E 94 wurde vor allem für schwere Güterzüge auf anspruchsvollen und steigungsreichen Strecken entwickelt. Die auf Gleis 24 ausgestellte E 94 056 entstand Anfang der 1940er-Jahre bei AEG. Später wurden Lokomotiven dieser Familie bei der Deutschen Bundesbahn als Baureihe 194 und bei der Deutschen Reichsbahn als Baureihe 254 geführt.
Durch ihre wuchtige Bauweise fällt die Lok selbst in der großen Halle des Leipziger Hauptbahnhofs sofort auf. Für Freunde historischer Elektrolokomotiven dürfte sie eines der interessantesten Fahrzeuge des Museumsgleises sein.
SVT 137 225: Schnellverkehr der 1930er-Jahre
Ein ganz anderes Kapitel der Eisenbahngeschichte repräsentiert der SVT 137 225 a/b. Der Schnelltriebwagen der Bauart Hamburg wurde 1935 bei WUMAG in Görlitz gebaut und gehörte zur Familie der sogenannten „Fliegenden Züge“.
Diese Fahrzeuge standen in den 1930er-Jahren für einen besonders schnellen und modernen Eisenbahnverkehr. Der SVT erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 km/h. Zwei Maybach-Dieselmotoren mit jeweils rund 410 PS sorgten für den Antrieb. Seine stromlinienförmige Gestaltung unterschied sich deutlich von den klassischen lokbespannten Zügen dieser Zeit.
Der Leipziger Triebwagen besitzt zudem eine ungewöhnliche Geschichte. Das Fahrzeug wurde später zum Salontriebwagen für die DDR-Regierung umgebaut und gelangte anschließend in den Museumsbestand. Heute wird der Triebwagen auf Gleis 24 gelegentlich auch für besondere Veranstaltungen genutzt. Das DB Museum nennt beispielsweise den bundesweiten Vorlesetag, bei dem der historische Zug als Veranstaltungsort diente.
Dampflok 52 5448-7
Natürlich darf auf einem Museumsgleis auch eine Dampflokomotive nicht fehlen. In Leipzig übernimmt diese Rolle die 52 5448-7. Sie wurde 1943 bei den Schichau-Werken in Elbing gebaut und gehört zur bekannten Baureihe 52.
Die Lokomotiven dieser Baureihe entstanden während des Zweiten Weltkriegs in großen Stückzahlen und waren bewusst vergleichsweise einfach konstruiert. Nach Kriegsende blieben zahlreiche Maschinen erhalten und wurden besonders bei der Deutschen Reichsbahn noch über viele Jahre eingesetzt.
Die 52 5448-7 gehört dem Eisenbahnmuseum Bayerischer Bahnhof zu Leipzig e.V. und steht bereits seit 1997 auf dem Museumsgleis im Leipziger Hauptbahnhof. Damit ist sie dort längst selbst zu einem festen Bestandteil der Bahnhofsgeschichte geworden.
Eisenbahngeschichte in besonderer Umgebung
Schon der Leipziger Hauptbahnhof allein ist sehenswert. Er wurde 1915 eröffnet und zählt mit seiner monumentalen Architektur zu den bekanntesten großen Bahnhöfen Deutschlands. Das Museumsgleis fügt sich erstaunlich gut in diese historische Umgebung ein.
Während wenige Gleise weiter moderner Fern- und Regionalverkehr abgewickelt wird, stehen auf Gleis 24 Fahrzeuge, die teilweise mehr als 90 Jahre Eisenbahngeschichte erlebt haben. Für Fotografen ergeben sich dadurch interessante Motive. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass sich das Gleis innerhalb eines weiterhin intensiv genutzten Hauptbahnhofs befindet.
Für einen Besuch muss man normalerweise keinen kompletten Museumstag einplanen. Wer ohnehin in Leipzig unterwegs ist, kann das Museumsgleis gut mit einem Rundgang durch den Hauptbahnhof verbinden. Auch bei einem längeren Umstieg lässt sich ein Abstecher zu den historischen Fahrzeugen einplanen.
Lohnt sich das Museumsgleis 24?
Für Eisenbahnfans eindeutig. Das Museumsgleis ist kein klassisches Eisenbahnmuseum mit Ausstellungshallen, Schautafeln und umfangreichem Rundgang. Gerade das macht seinen Reiz aus. Historische Originalfahrzeuge stehen dort, wo Eisenbahn auch heute täglich stattfindet.
Besonders spannend ist die große Bandbreite der erhaltenen Fahrzeuge. Mit einer Dampflok der Baureihe 52, drei sehr unterschiedlichen historischen Elektrolokomotiven und einem Schnelltriebwagen aus den 1930er-Jahren bekommt man auf wenigen Metern einen erstaunlich abwechslungsreichen Einblick in die deutsche Eisenbahngeschichte.
Wer den Leipziger Hauptbahnhof besucht, sollte deshalb ein paar zusätzliche Minuten für Gleis 24 einplanen. Für Freunde historischer Lokomotiven ist das Museumsgleis eines jener kleinen Eisenbahnziele, die man leicht übersehen könnte und die einen Besuch gerade deshalb besonders interessant machen.
Tipp für Eisenbahnfans: Wer mehr Zeit in Leipzig hat, kann den Besuch des Museumsgleises mit weiteren Eisenbahnzielen in der Region verbinden. Besonders interessant ist das Eisenbahnmuseum Bayerischer Bahnhof zu Leipzig, zu dessen Bestand auch die auf Gleis 24 ausgestellte Dampflok 52 5448-7 gehört.
Fotonachweis
Foto: wwwuppertal / Wikimedia Commons, lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/.
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