Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Das Straßenbahnmuseum Leipzig zeigt mehr als 150 Jahre Nahverkehrsgeschichte mitten in einem historischen Straßenbahndepot. In den Hallen an der Apelstraße stehen Fahrzeuge aus ganz unterschiedlichen Epochen der Leipziger Straßenbahn. Viele davon sind weiterhin betriebsfähig und können bei den Öffnungstagen auch auf dem regulären Leipziger Straßenbahnnetz erlebt werden.
Neben den Straßenbahnen gehören historische Busse, Oberleitungsbusse, Arbeitsfahrzeuge und zahlreiche technische Exponate zur Sammlung. Damit lässt sich hier gut nachvollziehen, wie sich der öffentliche Nahverkehr in Leipzig über mehr als ein Jahrhundert verändert hat.
Die Straßenbahn fährt seit 1872 durch Leipzig
Die Geschichte der Leipziger Straßenbahn begann mit Pferden. Am 16. Mai 1872 wurde die erste Pferdebahn feierlich eröffnet. Zwei Tage später startete der reguläre Linienbetrieb.
Anfangs führten die Strecken unter anderem vom Augustusplatz nach Reudnitz und vom Roßplatz nach Connewitz. Bereits wenige Jahre später war daraus ein umfangreiches Netz entstanden.
Bis Anfang 1873 besaß die Pferdebahn rund 18 Kilometer Strecke. In den folgenden Jahren wurde das Netz immer weiter ausgebaut.
Eine Besonderheit der Leipziger Straßenbahn entstand ebenfalls in dieser Zeit. Wegen Problemen mit dem damaligen Gleisoberbau vergrößerte sich die Spurweite. Daraus entwickelte sich die bis heute verwendete ungewöhnliche Leipziger Spurweite von 1458 Millimetern.
1896 kommt die elektrische Straßenbahn
Am 17. April 1896 begann auf der Strecke zwischen Connewitz und Gohlis der elektrische Straßenbahnbetrieb.
Damals konkurrierten in Leipzig zwei Unternehmen miteinander. Die Große Leipziger Straßenbahn fuhr mit blauen Fahrzeugen und wurde deshalb im Volksmund als „die Blaue“ bezeichnet.
Kurz darauf nahm die Leipziger Elektrische Straßenbahn ihren Betrieb auf. Ihre Fahrzeuge waren rot lackiert und wurden entsprechend „die Rote“ genannt.
Genau für diese Gesellschaft entstand 1895 das Hauptdepot an der Wittenberger Straße. In diesem historischen Betriebshof befindet sich heute das Straßenbahnmuseum.
Ein historischer Straßenbahnhof als Museum
Das Museumsgebäude ist selbst ein wichtiges Exponat.
Der Straßenbahnhof wurde 1895 für die Leipziger Elektrische Straßenbahn errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage schwer beschädigt. Teile des historischen Depots blieben jedoch erhalten.
Seit 2019 befindet sich das Straßenbahnmuseum an diesem Standort. Der öffentlich zugängliche Bereich wurde am 19. Mai 2019 eröffnet. Mehr als 1.800 Besucher kamen bereits am ersten Öffnungstag.
Der Umzug vom früheren Museumsstandort in Leipzig-Möckern zog sich anschließend noch einige Zeit hin. Heute befinden sich Ausstellung, Fahrzeugsammlung, Werkstatt und weitere Vereinsbereiche an der Apelstraße.
Die alten Hallen passen hervorragend zur Sammlung. Zwischen historischen Straßenbahnen, Werkstattausrüstung und Gleisen entsteht noch immer die Atmosphäre eines echten Straßenbahnbetriebshofes.
Straßenbahnen aus mehr als 100 Jahren
Die Sammlung reicht von Fahrzeugen aus den Anfangsjahren des elektrischen Betriebs bis in die Nachwendezeit.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe nennen derzeit 39 historische Straßenbahnfahrzeuge aus Ersteinsatzjahren zwischen 1896 und 2004. Ein großer Teil davon wurde wieder in einen historischen Zustand versetzt und ist betriebsfähig.
Dazu kommen Sonder- und Arbeitsfahrzeuge.
Die Sammlung soll möglichst typische Vertreter der verschiedenen Leipziger Straßenbahngenerationen erhalten. Dadurch stehen sehr unterschiedliche Fahrzeugkonzepte nebeneinander: kleine Zweiachser aus den Anfangsjahren, große Vierachser, Fahrzeuge aus DDR-Produktion und Tatrawagen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Triebwagen 349: vom Linienwagen zur Gartenlaube
Eine besonders interessante Geschichte hat Triebwagen 349.
Der Wagen wurde 1897 gebaut und gehörte zur ersten Generation elektrischer Straßenbahnen der Großen Leipziger Straßenbahn. Bis 1926 war er im regulären Linienverkehr unterwegs.
Danach wurde der Wagen verkauft und jahrzehntelang als Gartenlaube in Markkleeberg-West genutzt.
1987 konnte das Fahrzeug geborgen werden. Anschließend wurde es aufwendig restauriert. Heute erinnert der Triebwagen wieder an die Anfangsjahre der elektrischen Straßenbahn in Leipzig.
Solche Geschichten zeigen, wie knapp manche Fahrzeuge der Verschrottung entgangen sind.
Historische Fahrzeuge weiterhin im Einsatz
Ein großer Unterschied zu einer reinen Fahrzeugsammlung ist der betriebsfähige Zustand vieler Straßenbahnen.
Während der Fahrsaison verlassen historische Wagen regelmäßig das Museum und fahren über das Leipziger Straßenbahnnetz.
An den normalen Öffnungstagen werden Rundfahrten mit historischen Fahrzeugen angeboten. Start und Ziel befinden sich direkt auf dem Museumsgelände.
So kann man die alten Wagen genau dort erleben, wofür sie gebaut wurden: auf der Strecke.
Auch außerhalb der regulären Museumstage können bestimmte historische Straßenbahnen für Sonderfahrten angemietet werden.
Pullmanwagen und Tatras
Zu den besonders bekannten Museumsfahrzeugen gehört der Pullman-Triebwagen 1464 aus dem Jahr 1925.
Er zeigt, wie komfortabel Straßenbahnfahren bereits in den 1920er-Jahren sein konnte. Der Wagen gehört zu den Fahrzeugen, die weiterhin für Sonderfahrten eingesetzt werden können.
Eine ganz andere Straßenbahngeneration stellen die Tatrawagen dar. Sie bestimmten über Jahrzehnte das Leipziger Straßenbild und sind deshalb ebenfalls ein wichtiger Teil der Sammlung.
So lässt sich im Museum der enorme technische Wandel vom frühen Zweiachser bis zu den großen Straßenbahnzügen der DDR-Zeit gut nachvollziehen.
Busse, Obusse und Arbeitsfahrzeuge
Das Museum beschäftigt sich nicht ausschließlich mit Straßenbahnen.
Zur Sammlung gehören auch historische Omnibusse und Oberleitungsbusse. Ein Doppelstockbus befindet sich ebenfalls im Bestand.
Hinzu kommen technische Fahrzeuge, die früher für Wartung und Unterhaltung des Straßenbahnnetzes benötigt wurden.
Gerade Arbeitswagen zeigen einen Bereich des Straßenbahnbetriebs, den Fahrgäste normalerweise kaum wahrnehmen. Sie wurden beispielsweise für Gleisarbeiten, Fahrleitungsarbeiten oder Materialtransporte eingesetzt.
Restaurierung hinter den Kulissen
Viele historische Fahrzeuge wären ohne jahrelange Restaurierungsarbeiten nicht mehr erhalten.
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Historische Nahverkehrsmittel Leipzig arbeiten ehrenamtlich an Straßenbahnen, Bussen und weiteren Fahrzeugen.
Dabei geht es nicht nur um neue Farbe. Wagenkästen, elektrische Anlagen, Bremsen, Fahrwerke und Innenausstattungen müssen teilweise vollständig überarbeitet werden.
An den Öffnungstagen im Mai und September werden Führungen durch die Rekonstruktionswerkstatt angeboten. Für technisch interessierte Besucher ist das eine gute Gelegenheit, einen Blick hinter die fertige Ausstellung zu werfen.
Öffnungszeiten 2026
Das Straßenbahnmuseum Leipzig öffnet regulär von Mai bis September jeweils am dritten Sonntag eines Monats.
Geöffnet ist dann von:
10:00 bis 17:00 Uhr
Für 2026 steht aktuell noch folgender regulärer Öffnungstag an:
20. September 2026, 10:00 bis 17:00 Uhr
An diesem Tag werden auch Führungen durch die Rekonstruktionswerkstatt angeboten.
Zusätzliche Veranstaltungen können unabhängig von den normalen Museumstagen stattfinden.
Eintrittspreise
Der reguläre Museumseintritt kostet aktuell:
- Erwachsene: 4 Euro
- Ermäßigt: 2 Euro
- Familienkarte: 10 Euro
Eine historische Sonderfahrt ab dem Museum kostet:
- Erwachsene: 7 Euro
- Ermäßigt: 3,50 Euro
Für 25 Euro gibt es eine Tageskarte, die den Museumseintritt und beliebig viele angebotene Fahrten am jeweiligen Öffnungstag umfasst.
Die Teilnahme an den Fahrten ist von den verfügbaren Plätzen abhängig.
Führungen außerhalb der Öffnungstage
Auch außerhalb der regulären Museumssonntage kann das Straßenbahnmuseum besucht werden.
Gruppenführungen werden ganzjährig nach vorheriger Anmeldung angeboten. Eine Führung dauert ungefähr eine Stunde.
Die Anfrage sollte mindestens vier Wochen vor dem gewünschten Termin beim Museum eingehen.
Reko-Café und Museumsladen
Zu einem Öffnungstag gehört auch das kleine Reko-Café. Dort gibt es Getränke und Verpflegung für Besucher.
Im historischen Verkaufswagen werden außerdem Bücher, Ansichtskarten, Modelle, Souvenirs und teilweise originale Gegenstände aus dem Straßenbahnbetrieb angeboten.
Gerade für Straßenbahnfreunde lohnt sich dort ein genauerer Blick.
Adresse und Anreise
Straßenbahnmuseum Leipzig
Apelstraße 1
04129 Leipzig
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Museum sehr gut erreichbar.
Die Straßenbahnlinien 9 und 14 halten an der Haltestelle:
Apelstraße, Historischer Straßenbahnhof
Von dort sind es nur wenige Schritte bis zum Museum.
Vom Leipziger Hauptbahnhof kann die Linie 9 direkt in Richtung Thekla genutzt werden.
Wer mit dem Auto anreist, kann beispielsweise das Parkdeck an der Mockauer Straße nutzen und anschließend mit der Straßenbahn zum Museum fahren.
Für einen Besuch sollte man ruhig mehrere Stunden einplanen. Besonders interessant wird der Tag, wenn man Ausstellung, Werkstattführung und eine Fahrt mit einem historischen Straßenbahnwagen miteinander verbindet.
Fotonachweis
Historischer Triebwagen 20 im Straßenbahnmuseum Leipzig. Foto: Falk2 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE
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