Vorsignal einfach erklärt: So kündigt es das nächste Hauptsignal an
Ein Vorsignal informiert den Lokführer darüber, welche Stellung am nächsten Hauptsignal zu erwarten ist. Dadurch kann der Zug rechtzeitig abbremsen, falls das folgende Hauptsignal Halt zeigt.
Das ist wichtig, weil Züge einen langen Bremsweg haben. Ein Lokführer könnte häufig nicht erst am Hauptsignal selbst reagieren. Das Vorsignal kündigt deshalb bereits vorher an, ob der Zug weiterfahren kann oder mit einem Halt rechnen muss.
Vorsignale gehören damit zu den wichtigsten Elementen der Eisenbahnsicherungstechnik.
Was ist ein Vorsignal?
Ein Vorsignal ist ein Eisenbahnsignal, das den Signalbegriff des nächsten Hauptsignals ankündigt.
Es entscheidet selbst nicht darüber, ob ein Zug fahren darf. Diese Aufgabe übernimmt das Hauptsignal.
Das Vorsignal gibt dem Lokführer jedoch rechtzeitig die Information, ob er weiterfahren kann oder bereits mit dem Bremsen beginnen muss.
Warum braucht die Eisenbahn Vorsignale?
Züge benötigen deutlich längere Bremswege als Straßenfahrzeuge. Ein schwerer Güterzug oder ein schneller Reisezug kann nicht innerhalb weniger Meter zum Stillstand kommen.
Würde der Lokführer erst direkt am Hauptsignal erfahren, dass er anhalten muss, wäre es häufig zu spät.
Das Vorsignal gibt deshalb bereits in ausreichender Entfernung einen Hinweis auf die Stellung des folgenden Hauptsignals.
Wie funktioniert ein Vorsignal?
Das Grundprinzip ist einfach.
- Ein Zug nähert sich dem Vorsignal.
- Das Vorsignal zeigt an, welche Stellung am nächsten Hauptsignal zu erwarten ist.
- Zeigt das Vorsignal eine Fahrtankündigung, kann der Zug entsprechend weiterfahren.
- Kündigt das Vorsignal Halt an, muss der Lokführer den Zug rechtzeitig abbremsen.
Das eigentliche Hauptsignal steht weiter voraus und entscheidet schließlich, ob der Zug den folgenden Fahrweg befahren darf.
Was ist der Unterschied zwischen Vorsignal und Hauptsignal?
Hauptsignal und Vorsignal erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
- Hauptsignal: regelt unmittelbar die Zugfahrt.
- Vorsignal: kündigt die Stellung des folgenden Hauptsignals an.
Das Hauptsignal sagt also vereinfacht „Halt“ oder „Fahrt“. Das Vorsignal informiert den Lokführer frühzeitig darüber, welche dieser Informationen ihn am nächsten Hauptsignal erwartet.
Mehr dazu findest du in unserem Artikel Hauptsignal bei der Eisenbahn einfach erklärt.
Wo steht ein Vorsignal?
Das Vorsignal steht vor dem zugehörigen Hauptsignal. Der Abstand muss so gewählt sein, dass ein Zug bei einer angekündigten Haltstellung rechtzeitig abbremsen kann.
Dieser Abstand wird als Vorsignalabstand bezeichnet.
Wie groß er ist, hängt unter anderem von der Streckengeschwindigkeit und den betrieblichen Verhältnissen ab.
Was bedeutet Vr 0?
Im klassischen deutschen H/V-Signalsystem bedeutet Vr 0 „Halt erwarten“.
Der Lokführer muss damit rechnen, dass das nächste Hauptsignal Halt zeigt.
Der Zug muss deshalb so abgebremst werden, dass er sicher vor dem folgenden Hauptsignal zum Stillstand kommen kann.
Was bedeutet Vr 1?
Vr 1 bedeutet „Fahrt erwarten“.
Das folgende Hauptsignal zeigt einen Fahrtbegriff oder es ist mit einer entsprechenden Fahrtstellung zu rechnen.
Der Zug muss also nicht wegen eines angekündigten Halts abbremsen.
Was bedeutet Vr 2?
Vr 2 bedeutet „Langsamfahrt erwarten“.
Das folgende Hauptsignal wird voraussichtlich eine Fahrt mit begrenzter Geschwindigkeit zulassen.
Der Lokführer muss seine Geschwindigkeit deshalb bereits rechtzeitig anpassen.
Wie erkennt man ein Vorsignal?
Die genaue Form hängt vom verwendeten Signalsystem ab.
Klassische Lichtvorsignale des H/V-Systems besitzen eine eigene Signaloptik und zeigen verschiedene Lichtkombinationen.
Historische Formvorsignale besitzen dagegen bewegliche Signalscheiben oder Flügel. Bei modernen Signalsystemen können Haupt- und Vorsignalfunktionen teilweise in einem gemeinsamen Signal zusammengefasst sein.
Was ist ein Formvorsignal?
Ein Formvorsignal ist die mechanische Variante eines Vorsignals.
Statt verschiedener Lichtpunkte wird die Signalstellung durch bewegliche Elemente dargestellt.
Formvorsignale sind heute deutlich seltener geworden, lassen sich aber noch auf einigen historischen oder weniger modernisierten Strecken finden.
Was ist ein Lichtvorsignal?
Bei einem Lichtvorsignal werden die Signalbegriffe durch verschiedenfarbige Lichtpunkte dargestellt.
Diese Signale benötigen keine beweglichen Signalflügel und lassen sich elektrisch beziehungsweise elektronisch steuern.
Sie wurden deshalb im Laufe der Zeit auf vielen Strecken zum Standard.
Kann ein Hauptsignal gleichzeitig Vorsignal sein?
Ja. Bei modernen Signalsystemen können Haupt- und Vorsignalfunktion in einem gemeinsamen Signal kombiniert werden.
Ein bekanntes Beispiel ist das Ks-Signalsystem.
Dort kann ein Signal gleichzeitig die aktuelle Zugfahrt regeln und Informationen über das folgende Signal geben.
Dadurch werden weniger getrennte Signale benötigt.
Was ist eine Vorsignaltafel?
Vorsignale werden häufig durch eine besondere Tafel gekennzeichnet. Dadurch kann der Lokführer das Signal eindeutig als Vorsignal erkennen.
Die Kennzeichnung ist besonders wichtig, weil die Information des Vorsignals für das rechtzeitige Bremsen entscheidend sein kann.
Warum steht ein Vorsignal manchmal direkt am Hauptsignal?
In Bahnhöfen oder bei kurzen Signalabständen können Haupt- und Vorsignalfunktionen räumlich eng zusammenliegen.
Ein Hauptsignal kann dabei gleichzeitig eine Information über das nächste Hauptsignal weitergeben.
Solche Kombinationen treten besonders bei modernen Signalsystemen auf.
Welche Rolle spielt die PZB am Vorsignal?
Die Punktförmige Zugbeeinflussung, kurz PZB, überwacht unter anderem die Reaktion des Lokführers auf bestimmte Signalstellungen.
Wird beispielsweise „Halt erwarten“ angekündigt, muss der Lokführer entsprechend reagieren und die Geschwindigkeit reduzieren.
Die PZB kann überprüfen, ob diese Reaktion erfolgt. Wird eine notwendige Bedienhandlung oder Geschwindigkeitsreduzierung nicht eingehalten, kann das System eingreifen.
Die PZB werden wir in einem eigenen Artikel noch ausführlicher erklären.
Vorsignale an Blockstellen
Auch vor Blocksignalen muss ein Lokführer rechtzeitig erfahren, wenn der folgende Blockabschnitt nicht befahren werden darf.
Deshalb spielt die Vorsignalisierung auch bei der Sicherung der Zugfolge eine wichtige Rolle.
Wie Blockabschnitte funktionieren, erklären wir im Artikel Blockstelle bei der Eisenbahn einfach erklärt.
Warum kann ein Vorsignal eine andere Stellung zeigen als erwartet?
Signalstellungen können sich während des Betriebs ändern. Ein vorausliegender Zug verlässt beispielsweise einen Blockabschnitt oder eine Fahrstraße wird im Bahnhof eingestellt.
Dadurch kann sich auch die Information für den nachfolgenden Zug ändern.
Der Lokführer muss deshalb immer die tatsächlich angezeigten Signalbegriffe beachten.
Vorsignale auf der Modellbahn
Auch auf einer Modellbahnanlage können Vorsignale den Betrieb deutlich realistischer machen.
Idealerweise wird das Vorsignal automatisch mit dem zugehörigen Hauptsignal gekoppelt.
Zeigt das Hauptsignal Halt, zeigt das Vorsignal entsprechend „Halt erwarten“. Wird das Hauptsignal auf Fahrt gestellt, ändert sich auch das Vorsignal.
Mit digitaler Steuerung lässt sich diese Abhängigkeit besonders einfach in komplette Fahrstraßen integrieren.
Kurz erklärt: Vorsignal
- Ein Vorsignal kündigt die Stellung des nächsten Hauptsignals an.
- Es gibt dem Lokführer genügend Zeit zum Bremsen.
- Vr 0 bedeutet „Halt erwarten“.
- Vr 1 bedeutet „Fahrt erwarten“.
- Vr 2 bedeutet „Langsamfahrt erwarten“.
- Moderne Signale können Haupt- und Vorsignalfunktion kombinieren.
Weitere Eisenbahn-Technik einfach erklärt
Weitere verständliche Erklärungen zu Signalen, Gleisen, Bahnhöfen und Sicherungstechnik findest du in unserem Bereich Eisenbahn-Technik einfach erklärt.
Passend dazu erklären wir bereits das Hauptsignal und die Blockstelle. Als weitere Themen folgen unter anderem Ks-Signale, Formsignale und PZB.
