Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Nur wenige Gehminuten vom deutsch-tschechischen Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein entfernt befindet sich ein Eisenbahnmuseum mit einem besonderen Schwerpunkt. Das Localbahnmuseum Bayerisch Eisenstein widmet sich der Geschichte der bayerischen Lokal- und Nebenbahnen und zeigt mehr als 20 historische Schienenfahrzeuge in einem originalen Lokschuppen aus dem Jahr 1877.
Dampflokomotiven, Dieseltriebwagen, eine historische Elektrolok, Personen- und Güterwagen sowie Draisinen erzählen von einer Eisenbahnwelt abseits der großen Hauptstrecken. Drehscheiben, Wasserkran, Stellwerkstechnik und Signale ergänzen die Fahrzeugsammlung.
Historischer Lokschuppen von 1877
Schon das Museumsgebäude ist ein bedeutendes Stück Eisenbahngeschichte. Der Lokomotivschuppen wurde 1877 von der Königlich Privilegierten Aktiengesellschaft der Bayerischen Ostbahn errichtet.
Er gehörte zu den umfangreichen Bahnanlagen des damaligen Grenzbahnhofs Eisenstein. Im selben Jahr wurde die durchgehende Eisenbahnverbindung von Plattling in Richtung Böhmen eröffnet.
Der historische Lokschuppen und die angrenzenden Eisenbahnanlagen bilden heute eine passende Kulisse für die Sammlung. Statt in einer modernen Museumshalle stehen die Fahrzeuge dort, wo früher tatsächlich Lokomotiven behandelt und abgestellt wurden.
Vom alten Bahnbetriebswerk zum Localbahnmuseum
Der Bayerische Localbahn Verein übernahm den historischen Lokschuppen Anfang der 1980er-Jahre. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Gebäude und Gleisanlagen teilweise in schlechtem Zustand.
Zwischen 1981 und 1994 restaurierten die Vereinsmitglieder das Gelände mit großem ehrenamtlichem Einsatz. Gleise wurden neu verlegt, Gebäudeteile saniert und technische Einrichtungen wiederhergestellt.
Seit 1994 wird die Anlage offiziell als Localbahnmuseum Bayerisch Eisenstein betrieben.
Bayerische Lokalbahnen im Mittelpunkt
Der Schwerpunkt unterscheidet Bayerisch Eisenstein von vielen großen Eisenbahnmuseen. Im Mittelpunkt stehen bewusst die kleineren Lokal- und Nebenbahnen.
Solche Strecken erschlossen ab dem späten 19. Jahrhundert zahlreiche kleinere Städte und ländliche Regionen. Dort kamen häufig leichtere Lokomotiven, kurze Personenwagen und vergleichsweise einfache Bahnhofsanlagen zum Einsatz.
Das Museum verfolgt diese Entwicklung von den Anfängen der bayerischen Lokalbahnen im 19. Jahrhundert bis zu den Dieseltriebwagen und Schienenbussen der Nachkriegszeit.
Mehr als 20 historische Fahrzeuge
Im Lokschuppen und auf dem Freigelände sind mehr als 20 historische Schienenfahrzeuge zu sehen. Dazu gehören Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven, Triebwagen sowie unterschiedliche Reisezug- und Güterwagen.
Einige Fahrzeuge besitzen einen direkten Bezug zum Bayerischen Wald und zu den dort früher betriebenen Privat- und Lokalbahnen.
Dampflok „Sepperl“ von 1902
Zu den bekanntesten Fahrzeugen gehört die Dampflok „Sepperl“. Sie wurde 1902 von J. A. Maffei gebaut und leistet rund 300 PS.
Viele Jahre diente die Maschine als Werkslokomotive bei Maffei. 1985 gelangte sie zum Bayerischen Localbahn Verein. Nach einer Aufarbeitung wurde sie noch bis 1993 vor historischen Sonderzügen eingesetzt.
Seit 2001 gehört „Sepperl“ zur Ausstellung in Bayerisch Eisenstein.
„Anna“ aus der Anfangszeit der Regentalbahn
Besonders interessant für die regionale Eisenbahngeschichte ist die Dampflok „Anna“. Krauss & Cie. baute die dreiachsige Tenderlok bereits 1890.
Sie ist die einzige erhaltene Lokomotive aus der Gründungszeit der Regentalbahn und besitzt damit einen direkten Bezug zur Eisenbahngeschichte des Bayerischen Waldes.
D VII 1854 als bayerische Rarität
Eine weitere Besonderheit ist die bayerische D VII 1854. Die Tenderlok wurde 1892 von Krauss gebaut.
Nach Angaben des Museums handelt es sich um das letzte erhaltene Exemplar dieser erfolgreichen Lokomotivgattung. Damit zählt sie zu den historisch wertvollsten Fahrzeugen der Sammlung.
Bayerwald und Deggendorf
Auch größere Tenderdampflokomotiven der Regentalbahn gehören zum Museumsbestand. Die Maschinen „Bayerwald“ und „Deggendorf“ wurden für den Einsatz auf den Strecken des Bayerischen Waldes gebaut.
Solche Lokomotiven zeigen gut, dass Privat- und Lokalbahnen keineswegs ausschließlich mit winzigen Maschinen betrieben wurden. Auch schwere Züge und anspruchsvolle Strecken verlangten entsprechend leistungsfähige Fahrzeuge.
Elektrolok von 1907
Nicht nur Dampflokomotiven gehören zur Sammlung. Mit der SSW 333 besitzt das Museum eine kleine historische Elektrolokomotive aus dem Jahr 1907.
Sie erinnert an frühe elektrische Industrie- und Kleinbahnen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden solche Lokomotiven dort eingesetzt, wo eine geeignete Stromversorgung vorhanden war.
VT 07 der Regentalbahn
Mit zunehmender Motorisierung wurden auf Nebenbahnen Dieseltriebwagen immer wichtiger. Ein Beispiel dafür ist der VT 07.
MAN baute den Triebwagen 1939 ursprünglich für die Lokalbahn Lam–Kötzting. Nach dem späteren Zusammenschluss mit der Regentalbahn erhielt er seine heutige Bezeichnung VT 07.
1982 gelangte das Fahrzeug zum Bayerischen Localbahn Verein und ist heute im Museum ausgestellt.
Schienenbus VT 10.05
Auch die typische Schienenbus-Zeit der 1950er-Jahre ist vertreten. Der 1955 gebaute VT 10.05 stammt aus der Waggonfabrik Uerdingen.
Der zweimotorige Triebwagen gehört zur Familie der Uerdinger Schienenbusse. Solche Fahrzeuge ermöglichten auf vielen schwach ausgelasteten Nebenbahnen einen wirtschaftlicheren Personenverkehr als lokbespannte Züge.
Eine ungewöhnliche Besonderheit: Im historischen Triebwagen können heute sogar standesamtliche Trauungen stattfinden.
Betriebsfähige Köf II
Ein Fahrzeug der Sammlung wird weiterhin für Rangierarbeiten im Museum genutzt. Die 1949 gebaute Diesellokomotive A6 11517 entspricht technisch weitgehend einer Köf II.
Die Maschine wurde ursprünglich an die Bayernwerk AG geliefert. 1994 gelangte sie als Schenkung nach Bayerisch Eisenstein und wurde vom Verein wieder betriebsfähig aufgearbeitet.
Schneepflug für den Bayerischen Wald
In einer schneereichen Region darf auch ein besonderes Winterfahrzeug nicht fehlen. Zur Sammlung gehört ein Klimaschneepflug aus dem Jahr 1965.
Solche Fahrzeuge wurden benötigt, um Bahnstrecken nach starken Schneefällen freizuhalten. Gerade im Bayerischen Wald gehörte die Schneeräumung lange zu den wichtigen Aufgaben des Eisenbahnbetriebs.
Stellwerk, Signale und Wasserkran
Der Museumsrundgang beschränkt sich nicht auf Fahrzeuge. Historische Signal- und Stellwerkstechnik zeigt, wie Zugfahrten auf älteren Nebenbahnen geregelt wurden.
Auf dem Gelände sind außerdem Einrichtungen aus der Dampflokzeit erhalten. Dazu gehören unter anderem ein Wasserkran und eine Untersuchungsgrube.
Dadurch lässt sich auch nachvollziehen, welche Infrastruktur für den täglichen Betrieb von Dampflokomotiven erforderlich war.
Drehscheiben auf dem Museumsgelände
Besonders auffällig ist die große Drehscheibe vor dem historischen Lokschuppen. Sie gehört zu den charakteristischen Motiven des Museums.
Auf dem weitläufigen Gelände sind insgesamt zwei Drehscheiben erhalten. Eine kleinere Drehscheibe wurde bei der Restaurierung der Anlagen ebenfalls wieder funktionsfähig hergerichtet.
TAG 1 seit 2024 im Museum
Die Ausstellung wird weiterhin ergänzt. Im Sommer 2024 kam beispielsweise der historische Wagen TAG 1 nach Bayerisch Eisenstein.
Er war der erste Personenwagen der Tegernsee-Bahn und stammt noch aus dem 19. Jahrhundert. Später wurde sein Holzaufbau entfernt und der Wagen als Güterwagen weiterverwendet.
Der Bayerische Localbahn Verein konnte das Fahrzeug sichern, konservieren und schließlich in die Ausstellung überführen.
Sonderausstellung zu Triebwagen in Ostbayern
Auf der Museumsgalerie werden zusätzlich wechselnde Themen behandelt. Eine aktuelle Ausstellung beschäftigt sich mit den sogenannten „eckigen Triebwagen“ in Ostbayern.
Fotos und Informationen zeigen die Entwicklung leichter Triebwagen, mit denen kleinere Bahnstrecken wirtschaftlicher betrieben werden sollten.
Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein direkt nebenan
Ein Museumsbesuch lässt sich hervorragend mit dem historischen Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein verbinden. Vom Museum sind es nur ungefähr fünf Minuten zu Fuß.
Der Bahnhof ist selbst eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit. Die deutsch-tschechische Staatsgrenze verläuft mitten durch das Bahnhofsgebäude. Auf deutscher Seite endet die Waldbahn aus Richtung Zwiesel und Plattling, auf tschechischer Seite führen die Gleise weiter nach Železná Ruda, Klatovy und Pilsen.
Der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr war während des Eisernen Vorhangs jahrzehntelang unterbrochen. Am 2. Juni 1991 wurde die Verbindung wieder eröffnet.
Historische Sonderzüge des Bayerischen Localbahn Vereins
Der Bayerische Localbahn Verein betreibt neben dem Museum weiterhin historische Eisenbahnfahrzeuge. Die betriebsfähige Sammlung und die Werkstatt befinden sich heute überwiegend im Bahnbetriebswerk Landshut.
Mehrmals im Jahr organisiert der Verein Sonderfahrten mit historischen Elektro-, Diesel- oder Dampffahrzeugen. Das Fahrtprogramm ist organisatorisch vom Museumsbetrieb in Bayerisch Eisenstein getrennt.
Öffnungszeiten 2026
Das Localbahnmuseum ist nicht an jedem Tag des Jahres geöffnet. Für 2026 veröffentlicht der Verein einen eigenen Jahreskalender mit den jeweiligen Öffnungstagen.
An den ausgewiesenen Museumstagen ist die Ausstellung jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Vor einer längeren Anreise sollte der aktuelle Kalender des Bayerischen Localbahn Vereins geprüft werden.
Eintrittspreise 2026
- Erwachsene: 8 Euro
- Kinder von 7 bis 14 Jahren: 5 Euro
- Familienkarte für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder: 20 Euro
- Gruppen ab zehn Personen: 7 Euro pro Person
- Gruppen ab 25 Personen: 6 Euro pro Person
Für verschiedene Gästekarten, Bayern- beziehungsweise Bayerwaldtickets und weitere Angebote gelten ermäßigte Tarife. Bar- und Kartenzahlung sind möglich.
Anreise mit der Waldbahn
Für Eisenbahnfreunde bietet sich die Anreise mit der Bahn besonders an. Die Waldbahn fährt über Plattling, Regen und Zwiesel bis zum Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein.
Vom Bahnhof sind es laut Museum nur etwa fünf Minuten zu Fuß bis zum historischen Lokschuppen.
Auch eine Anreise mit dem Auto ist möglich. Direkt vor dem Museum stehen Parkplätze zur Verfügung.
Adresse
Localbahnmuseum Bayerisch Eisenstein Bahnhofstraße 44 94252 Bayerisch Eisenstein
Lohnt sich ein Besuch?
Das Localbahnmuseum ist besonders für Eisenbahnfreunde interessant, die sich für klassische Nebenbahnen, Privatbahnen und die Eisenbahngeschichte des Bayerischen Waldes interessieren.
Der historische Lokschuppen, die Drehscheiben und die regional geprägte Fahrzeugsammlung schaffen eine Atmosphäre, die sich deutlich von einem großen Verkehrsmuseum unterscheidet.
Für einen Tagesausflug lässt sich der Museumsbesuch sehr gut mit dem Grenzbahnhof, einer Fahrt mit der Waldbahn oder einem Ausflug über die Grenze nach Železná Ruda verbinden.
Fotonachweis
Localbahnmuseum Bayerisch Eisenstein im historischen Lokschuppen von 1877. Foto: Joachim Lutz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
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