Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Im Remstal gibt es einen Modellbahnverein, bei dem Nachwuchsarbeit schon im Namen steckt. Der Jugend-Modellbahn-Club Remshalden e.V., kurz JMC Remshalden, baut seit 1999 gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Modelleisenbahnen und präsentiert die Anlagen regelmäßig bei öffentlichen Ausstellungen. Statt dass der Nachwuchs bei einem bestehenden Erwachsenenverein lediglich mitlaufen darf, war die Arbeit mit jungen Modellbahnern von Anfang an der eigentliche Vereinszweck.
Im Laufe der Jahre entstanden stationäre Anlagen, Dioramen und eine große H0-Modulanlage. Die Jugendlichen lernen dabei ganz unterschiedliche Bereiche des Hobbys kennen: Gleise verlegen, Landschaft gestalten, Gebäude bauen, Elektrik anschließen und schließlich gemeinsam Fahrbetrieb machen.
Gerade für Familien aus dem Raum Stuttgart und dem Remstal ist der Verein interessant. Remshalden liegt unmittelbar an der Remsbahn und ist mit der Stuttgarter S-Bahn erreichbar.
Angefangen hat alles mit geschenktem Modellbahnmaterial
Die Entstehungsgeschichte des Vereins ist ungewöhnlich.
Zwei Modellbahnfreunde aus Weinheim hatten im Laufe der Jahre umfangreiches Material gesammelt und ursprünglich geplant, daraus selbst eine große Anlage zu bauen. Dazu kam es nicht. Statt die Sammlung einzeln zu verkaufen, entstand die Idee, sie einem Jugendmodellbahnverein zur Verfügung zu stellen.
Das Problem: Einen geeigneten Verein gab es zunächst nicht.
Über persönliche Kontakte entstand deshalb die Idee, selbst einen solchen Club ins Leben zu rufen. Im August 1999 wurde im Mitteilungsblatt der Gemeinde Remshalden zu einer Gründungsversammlung eingeladen. Die Gemeinde stellte Räume an der damaligen Grund- und Hauptschule Geradstetten zur Verfügung. Das gespendete Modellbahnmaterial besaß nach Erinnerung des Vereins damals einen Wert von rund 30.000 D-Mark.
Aus dieser Ausgangslage entwickelte sich ein Verein, der 2024 bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte. Anlässlich des Jubiläums fand im Oktober 2024 eine große Ausstellung im Rahmen des Gemeindejubiläums statt.
Erst eine klassische Anlage, später Module
Zu Beginn entstand eine L-förmige Modelleisenbahn, auf der die jungen Mitglieder Grundlagen des Anlagenbaus und Fahrbetriebs lernen konnten.
Danach folgte eine größere stationäre Anlage. Beide wurden im klassischen Zweileiter-Gleichstromsystem mit Fleischmann-Gleisen betrieben.
Mit wachsender Mitgliederzahl wurde allerdings ein Problem sichtbar: An einer fest aufgebauten Anlage können nur begrenzt viele Kinder gleichzeitig sinnvoll arbeiten.
Zeitweise gehörten nach Angaben des Vereins 20 bis 30 Jugendliche zum Club. Deshalb entstand eine zweite Idee, die den JMC später besonders prägen sollte: eine große Modulanlage.
Dabei baut nicht der gesamte Verein gleichzeitig an derselben Platte. Einzelne Landschaftsabschnitte entstehen als Module. Am Ende werden diese miteinander verbunden und ergeben eine große gemeinsame Modelleisenbahn.
H0-Module mit Märklin C-Gleis
Für die Modulanlage entschied sich der Verein für den Maßstab H0 in 1:87 und das Märklin-C-Gleis-System.
Gerade für die Arbeit mit Jugendlichen hat ein Modulkonzept mehrere Vorteile. Ein einzelner Landschaftsabschnitt ist überschaubar. Die jungen Modellbauer können eigene Vorstellungen umsetzen und sehen innerhalb einer realistischen Zeit ein fertiges Ergebnis.
Später wird das Modul Teil einer großen Anlage.
Die Vereinschronik nennt etwa 60 Module mit insgesamt ungefähr 130 Metern Fahrstrecke. Auf den Modellmaßstab umgerechnet entspräche das mehr als elf Kilometern Vorbildstrecke. Diese Angabe stammt allerdings aus der Vereinschronik und beschreibt den über Jahre aufgebauten Bestand. Nach der Räumung der bisherigen Vereinsräume Ende 2025 lässt sich derzeit nicht zuverlässig feststellen, welche Module aktuell noch zum betriebsfähigen Ausstellungsbestand gehören.
Schon zum fünfjährigen Vereinsjubiläum konnte der JMC eine ungefähr 50 Meter lange Modulanlage in der Aula der Schule aufbauen. Spätere Ausstellungen wurden noch umfangreicher.
Bahnhof Grunbach im Zustand der 1950er-Jahre
Eines der interessantesten Module besitzt einen direkten Bezug zur Eisenbahn im Remstal.
Der Verein baute den Bahnhof Grunbach nach und zeigt ihn im Zustand der 1950er-Jahre. Bei einer Ausstellung 2020 wurde genau dieses Modul gemeinsam mit einer Anlage des MEC Waiblingen gezeigt. Damit standen zwei Bahnhöfe der Region im Modell im Mittelpunkt.
Grunbach liegt nur wenige Kilometer vom Vereinsstandort in Geradstetten entfernt und gehört heute wie Geradstetten zur Gemeinde Remshalden.
Der reale Bahnhof liegt an der Remsbahn Stuttgart–Aalen. Heute halten dort Züge der S-Bahn Stuttgart. Vom Eisenbahnbetrieb der 1950er-Jahre ist dagegen kaum noch etwas zu erkennen.
Gerade deshalb ist ein historisches Modell interessant. Gebäude, Gleisanlagen und Fahrzeuge können einen Zustand zeigen, der draußen längst verschwunden ist.
Landschaften, Bahnhöfe und kleine Szenen
Die einzelnen Module beschränken sich nicht auf einfache zweigleisige Streckenstücke.
Ältere Ausstellungsberichte des Vereins zeigen unter anderem die Bietschtalbrücke, Bahnübergänge, einen Jahrmarkt, Baustellenszenen, Bahnhöfe und unterschiedliche Landschaftsabschnitte. Bei Veranstaltungen kamen außerdem verschiedene Dioramen und Kleinanlagen hinzu.
2016 bestand eine öffentlich aufgebaute Version beispielsweise aus 33 Modulen mit rund 60 Metern Strecke. Zusätzlich waren mehrere Dioramen und Spielangebote für jüngere Kinder zu sehen.
Das zeigt einen großen Vorteil des Modulkonzeptes: Die Anlage muss nicht bei jeder Ausstellung identisch aussehen.
Je nach verfügbarem Raum können Module weggelassen, ergänzt oder in einer anderen Reihenfolge aufgebaut werden.
Kamerazug schon vor vielen Jahren
Technische Experimente gehörten ebenfalls früh zum Vereinsleben.
Bereits bei einer Ausstellung 2010 setzte der JMC einen kleinen Kamerazug ein. Eine Funkkamera übertrug das Bild von der Modellbahn auf einen Bildschirm. Besucher konnten dadurch die Anlage aus der Perspektive eines Lokführers erleben.
Heute wäre eine solche Technik mit winzigen Digitalkameras relativ einfach umzusetzen. Damals war der Aufwand deutlich größer. Der Verein berichtete sogar über Störungen der Funkübertragung durch die Gleise und das Digitalsignal.
Gerade solche Projekte zeigen, dass Modellbahn für Jugendliche sehr viel mehr sein kann als Landschaftsbau. Elektronik, Funktechnik, Computersteuerung und heute auch Mikrocontroller oder 3D-Druck lassen sich hervorragend mit dem Hobby verbinden.
Patenschaft für den echten Bahnhof Geradstetten
Der Club beschäftigt sich außerdem nicht ausschließlich mit Miniatureisenbahnen.
Bereits 2006 übernahm der Verein eine Patenschaft für den S-Bahn-Haltepunkt Geradstetten und kümmerte sich unter anderem um Sauberkeit und Pflege.
Damit entstand ein direkter Bezug zwischen Modellbahn und großer Eisenbahn.
Der Bahnhof Geradstetten liegt an der Remsbahn und wird von der Linie S2 der Stuttgarter S-Bahn bedient. Auch für Besucher des Vereins war die Bahn deshalb eine praktische Anreisemöglichkeit.
Regelmäßige Ausstellungen beim Weihnachtsmarkt
Über viele Jahre gehörte die Modellbahnausstellung fest zum Weihnachtsmarkt in Remshalden.
Dabei wurde die große H0-Modulanlage aufgebaut und durch Dioramen sowie kleinere Anlagen ergänzt. 2023 fand die Ausstellung beispielsweise wieder in der Realschule Remshalden statt.
Auch 2025 war der Verein dort vertreten. Am 6. und 7. Dezember zeigte der JMC seine große H0-Modulanlage sowie Dioramen und Kleinanlagen. Zusätzlich gab es einen großen Second-Hand-Verkauf mit Modellbahnmaterial.
Diese Ausstellung hatte allerdings einen besonderen Hintergrund.
Vereinsräume mussten Ende 2025 geräumt werden
Für den aktuellen Gleismomente-Eintrag ist diese Information besonders wichtig.
Im offiziellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Remshalden erklärte der Verein Ende 2025, dass die bisherigen Vereinsräume wegen Umbauarbeiten an der Grundschule Geradstetten zum Jahresende geräumt werden mussten. Deshalb wurde ein Teil des Inventars verkauft.
Die Vereinswebseite nennt aktuell weiterhin die Adresse Raiffeisenstraße 10 und bezeichnet sie als Nebengebäude der Grundschule. Das aktuelle Vereinsverzeichnis der Gemeinde führt dagegen als Kontaktdaten einen Ansprechpartner in der Fronäckerstraße 15. Diese Anschrift sollte nicht automatisch als neues öffentliches Vereinsheim interpretiert werden.
Stand September 2026 konnte ich keinen eindeutig bestätigten neuen öffentlich zugänglichen Vereinsraum finden.
Für Gleismomente sollte deshalb aktuell keine spontane Besichtigung an einer festen Adresse empfohlen werden.
Vor einem Besuch unbedingt Kontakt aufnehmen
Der Jugend-Modellbahn-Club ist weiterhin in den aktuellen Vereinsverzeichnissen von Remshalden aufgeführt. Auch die Vereinswebseite ist erreichbar.
Wer sich für den Verein interessiert, sollte allerdings zunächst über die offizielle Webseite Kontakt aufnehmen und nach dem aktuellen Treffpunkt fragen.
Das gilt besonders für Eltern mit Kindern, die einmal bei einem Vereinstreffen hineinschnuppern möchten.
Öffentliche Ausstellungen sind eine weitere gute Gelegenheit, die Anlagen zu sehen. Termine werden normalerweise auf der Vereinsseite und im Mitteilungsblatt der Gemeinde angekündigt.
Mehr Jugendprojekt als klassische Schauanlage
Für deine Gleismomente-Erlebniskarte ist diese Unterscheidung wichtig.
Der JMC Remshalden ist keine dauerhaft geöffnete Modellbahn-Schauanlage. Die große Modulanlage wird für Veranstaltungen aufgebaut. Der Schwerpunkt des Vereins liegt auf gemeinsamer Modellbauarbeit mit Jugendlichen.
Gerade das macht den Eintrag aber interessant.
Viele Modellbahnvereine versuchen nachträglich, eine Jugendabteilung aufzubauen. In Remshalden wurde der gesamte Verein von Anfang an genau für diesen Zweck gegründet.
Junge Mitglieder können eigene Module gestalten, Technik lernen und ihre Ergebnisse später bei einer großen öffentlichen Ausstellung präsentieren.
Lohnt sich der Jugend-Modellbahn-Club Remshalden?
Als klassisches Ausflugsziel, bei dem man an jedem Wochenende eine fertige Modellbahn besichtigen kann, derzeit nicht.
Für Familien mit modellbahnbegeisterten Kindern und Jugendliche aus der Region ist der Verein dagegen besonders interessant. Der JMC zeigt seit mehr als 25 Jahren, wie Modellbahn als gemeinsames Jugendprojekt funktionieren kann.
Für Besucher sind vor allem die öffentlichen Ausstellungen interessant. Dann wird aus den vielen einzelnen Modulen eine große H0-Welt.
Und gerade die regionalen Motive wie der historische Bahnhof Grunbach passen hervorragend zu Gleismomente: Hier treffen Modellbahn, regionale Eisenbahngeschichte und Nachwuchsarbeit direkt aufeinander.
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