Wendezug einfach erklärt: Lokomotive und Steuerwagen im Wechsel

Ein Wendezug ist ein Zug, der seine Fahrtrichtung wechseln kann, ohne dass die Lokomotive umgesetzt werden muss.

Am einen Ende des Zuges befindet sich die Lokomotive, am anderen Ende ein Steuerwagen. Fährt der Zug mit dem Steuerwagen voraus, steuert der Lokführer die Lokomotive vom Steuerwagen aus.

Das spart Zeit beim Richtungswechsel und macht den Betrieb besonders im Regionalverkehr deutlich effizienter.

Was ist ein Wendezug?

Ein Wendezug besteht normalerweise aus einer Lokomotive, mehreren Reisezugwagen und einem Steuerwagen.

Die Besonderheit: Der Zug kann in beide Richtungen eingesetzt werden, ohne dass die Lokomotive am Endbahnhof an das andere Zugende fahren muss.

Die Lok bleibt also während des Betriebs an derselben Position im Zugverband.

Was ist ein Steuerwagen?

Ein Steuerwagen ist ein Reisezugwagen mit einem Führerstand.

Von dort kann der Lokführer die Lokomotive am anderen Ende des Zuges steuern.

Dafür sind Steuerleitungen beziehungsweise moderne Datenverbindungen zwischen Steuerwagen und Lok erforderlich.

Wie funktioniert ein Wendezug?

Das Grundprinzip lässt sich einfach erklären:

  1. In einer Fahrtrichtung zieht die Lokomotive den Zug.
  2. Am Endbahnhof wechselt der Lokführer zum Führerstand am anderen Zugende.
  3. Der Steuerwagen befindet sich nun an der Zugspitze.
  4. Die Lokomotive bleibt am Zugende und schiebt den Zug.
  5. Die Steuerbefehle werden vom Steuerwagen an die Lok übertragen.

Beim nächsten Richtungswechsel läuft der Vorgang entsprechend umgekehrt.

Warum wurden Wendezüge eingeführt?

Bei einem klassischen lokbespannten Zug musste die Lokomotive am Endbahnhof häufig umgesetzt werden.

Dazu musste sie abgekuppelt, über ein anderes Gleis an das gegenüberliegende Zugende gefahren und dort wieder angekuppelt werden.

Das kostet Zeit, Personal und benötigt zusätzliche Gleisanlagen.

Beim Wendezug entfällt dieses Umsetzen vollständig.

Zieht oder schiebt die Lokomotive?

Beides ist möglich.

Befindet sich die Lokomotive an der Zugspitze, zieht sie die Wagen.

Befindet sich der Steuerwagen an der Zugspitze, schiebt die Lokomotive den Zug von hinten.

Der Lokführer sitzt dabei trotzdem vorne im Steuerwagen und hat freie Sicht auf die Strecke.

Wie kann eine Lokomotive von einem anderen Wagen gesteuert werden?

Zwischen Steuerwagen und Lokomotive besteht eine technische Verbindung.

Darüber werden Steuerbefehle für Antrieb, Bremsen und weitere Funktionen übertragen.

Je nach Fahrzeuggeneration kamen dafür unterschiedliche Steuerungssysteme zum Einsatz.

Was passiert beim Richtungswechsel?

Beim Richtungswechsel muss die Lokomotive nicht bewegt werden.

Der Lokführer wechselt lediglich den Führerstand vom einen Ende des Zuges zum anderen.

Dadurch kann der Zug nach vergleichsweise kurzer Wendezeit wieder abfahren.

Warum sind Wendezüge im Regionalverkehr besonders praktisch?

Regionalzüge wechseln an Endbahnhöfen häufig die Fahrtrichtung.

Ein Wendezug reduziert dort den Aufwand erheblich, weil kein Lokwechsel und kein Umsetzen notwendig sind.

Dadurch können kürzere Aufenthaltszeiten eingeplant und vorhandene Gleise effizienter genutzt werden.

Welche Lokomotiven wurden vor Wendezügen eingesetzt?

In Deutschland wurden zahlreiche Lokomotivbaureihen im Wendezugbetrieb eingesetzt.

Dazu gehörten unter anderem Elektrolokomotiven und Diesellokomotiven, die für die Fernsteuerung vom Steuerwagen aus ausgerüstet waren.

Besonders bekannt wurden Wendezüge im Regionalverkehr mit verschiedenen Nahverkehrswagen und passenden Steuerwagen.

Was ist der Unterschied zwischen Wendezug und Triebzug?

Ein Wendezug und ein Triebzug können zwar beide ohne Umsetzen die Fahrtrichtung wechseln, technisch unterscheiden sie sich deutlich.

  • Wendezug: separate Lokomotive mit Reisezugwagen und Steuerwagen.
  • Triebzug: Antrieb und Fahrgasträume sind Teil eines fest oder halb dauerhaft verbundenen Zugverbandes.

Bei einem Wendezug kann die Lokomotive grundsätzlich vom Wagenzug getrennt und durch ein anderes Fahrzeug ersetzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Wendezug und Doppeltraktion?

Bei der Doppeltraktion arbeiten zwei Triebfahrzeuge gemeinsam an einem Zug.

Beim Wendezug reicht dagegen normalerweise eine Lokomotive. Der Steuerwagen besitzt keinen eigenen Antrieb, sondern dient hauptsächlich zur Bedienung der Lok vom anderen Zugende.

Ist ein Steuerwagen eine Lokomotive?

Nein. Ein klassischer Steuerwagen besitzt keinen eigenen Antrieb.

Er enthält einen Führerstand und die notwendige Steuertechnik, um die Lokomotive am anderen Ende des Zuges zu bedienen.

Die eigentliche Zugkraft liefert weiterhin die Lokomotive.

Was ist ein Sandwich-Zug?

Bei manchen Zügen befindet sich an beiden Enden jeweils eine Lokomotive.

Eine solche Zusammenstellung wird umgangssprachlich teilweise als Sandwich bezeichnet.

Auch damit kann die Fahrtrichtung gewechselt werden, ohne eine Lok umzusetzen. Im Unterschied zum klassischen Wendezug befindet sich am gegenüberliegenden Ende allerdings keine reine Steuerwageneinheit, sondern ein zweites Triebfahrzeug.

Kann ein Wendezug rückwärts fahren?

Im normalen Wendezugbetrieb spricht man nicht einfach von einer Rückwärtsfahrt.

Der Steuerwagen bildet bei der geschobenen Fahrt die reguläre Zugspitze. Der Lokführer sitzt dort im Führerstand und führt den Zug in Fahrtrichtung.

Die Lokomotive arbeitet lediglich vom hinteren Zugende aus.

Welche Vorteile hat ein Wendezug?

  • schneller Fahrtrichtungswechsel
  • kein Umsetzen der Lokomotive notwendig
  • weniger Rangierbewegungen am Endbahnhof
  • geringerer Bedarf an zusätzlichen Gleisen
  • kurze Wendezeiten
  • flexibler Einsatz lokbespannter Züge

Hat ein Wendezug auch Nachteile?

Lokomotive und Steuerwagen müssen technisch miteinander kompatibel sein.

Außerdem benötigt der Zug eine durchgehende Steuerverbindung zwischen beiden Enden.

Bei älteren Fahrzeugen konnten unterschiedliche Steuerungssysteme die freie Kombination verschiedener Lokomotiven und Steuerwagen einschränken.

Warum sind Wendezüge heute teilweise seltener?

Im Regionalverkehr werden viele Leistungen heute mit Triebzügen gefahren.

Diese besitzen Führerstände an beiden Enden und benötigen keine separate Lokomotive.

Trotzdem kommen lokbespannte Wendezüge weiterhin in verschiedenen Verkehrsbereichen zum Einsatz.

Wendezug auf der Modellbahn

Wendezüge lassen sich auf einer Modellbahnanlage besonders einfach einsetzen, weil die Lok nicht an jedem Endbahnhof umgesetzt werden muss.

Ein Zug kann in den Kopfbahnhof einfahren und anschließend direkt in die entgegengesetzte Richtung zurückfahren.

Für eine realistische Darstellung sollte der Steuerwagen bei der geschobenen Fahrt ein weißes Spitzensignal und am anderen Ende entsprechend das rote Zugschlusssignal zeigen.

Bei digitalisierten Modellen können diese Lichtwechsel häufig automatisch mit der Fahrtrichtung geschaltet werden.

Kurz erklärt: Wendezug

  • Ein Wendezug besitzt eine Lokomotive und einen Steuerwagen.
  • Die Lok muss am Endbahnhof nicht umgesetzt werden.
  • Der Zug kann gezogen oder geschoben fahren.
  • Bei geschobener Fahrt sitzt der Lokführer im Steuerwagen.
  • Steuerbefehle werden vom Steuerwagen an die Lok übertragen.
  • Wendezüge ermöglichen kurze Fahrtrichtungswechsel.

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