Gleisdreieck einfach erklärt: Abzweigen, Verbinden und Züge wenden
Ein Gleisdreieck verbindet drei Bahnstrecken oder Streckenäste so miteinander, dass zwischen allen drei Richtungen gefahren werden kann. Die Gleise bilden dabei vereinfacht die Form eines Dreiecks.
Gleisdreiecke ermöglichen flexible Fahrwege und können zusätzlich dazu genutzt werden, Fahrzeuge oder ganze Züge zu wenden. Besonders früher waren sie deshalb eine interessante Alternative zu Drehscheiben oder Wendeschleifen.
Auch heute gibt es noch zahlreiche Gleisdreiecke im Eisenbahnnetz. Einige dienen dem regelmäßigen Zugverkehr, andere werden hauptsächlich für betriebliche Fahrten genutzt.
Was ist ein Gleisdreieck?
Bei einem Gleisdreieck treffen drei Streckenäste aufeinander. Zwischen diesen Ästen bestehen drei Verbindungskurven.
Dadurch kann ein Zug beispielsweise von Strecke A nach Strecke B, von Strecke B nach Strecke C oder von Strecke C zurück nach Strecke A fahren.
Aus der Vogelperspektive ergibt sich dadurch die typische dreieckige Form.
Wie ist ein Gleisdreieck aufgebaut?
Ein vollständiges Gleisdreieck besteht aus drei Verbindungspunkten und drei Streckenabschnitten beziehungsweise Verbindungskurven.
- Strecke A verbindet den ersten Bereich des Netzes
- Strecke B führt in eine zweite Richtung
- Strecke C erschließt die dritte Richtung
- drei Verbindungskurven ermöglichen Fahrten zwischen allen Streckenästen
Je nach Anlage können die Verbindungen eingleisig oder mehrgleisig ausgeführt sein. Auch die Größe eines Gleisdreiecks unterscheidet sich erheblich.
Wozu dient ein Gleisdreieck?
Die wichtigste Aufgabe ist die flexible Verbindung mehrerer Bahnstrecken. Züge können unterschiedliche Richtungen erreichen, ohne den Bahnhof wechseln oder längere Umwege fahren zu müssen.
Ein Gleisdreieck kann außerdem für betriebliche Fahrten genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise das Umsetzen von Fahrzeugen, Überführungen oder das Wenden eines Zuges.
Wie kann ein Zug im Gleisdreieck gewendet werden?
Eine besonders bekannte Funktion des Gleisdreiecks ist das Wenden von Fahrzeugen. Dabei fährt eine Lokomotive oder ein Zug nacheinander über alle drei Seiten des Dreiecks.
Vereinfacht funktioniert das so:
- Das Fahrzeug fährt über die erste Verbindung in einen anderen Streckenast.
- Anschließend fährt es über die zweite Seite des Gleisdreiecks weiter.
- Über die dritte Verbindung gelangt es wieder in den ursprünglichen Streckenbereich.
Nach dieser Fahrt zeigt das Fahrzeug in die entgegengesetzte Richtung.
Welche Fahrbewegungen dafür genau notwendig sind, hängt vom Aufbau der Anlage und den vorhandenen Fahrwegen ab.
Warum wurden Dampflokomotiven gewendet?
Viele Dampflokomotiven waren konstruktiv für die Vorwärtsfahrt ausgelegt. Rückwärts konnten sie zwar ebenfalls fahren, teilweise jedoch nur mit geringerer Geschwindigkeit oder weniger guten Laufeigenschaften.
Deshalb wurden Dampflokomotiven am Endpunkt einer Strecke häufig gedreht. Dafür kamen Drehscheiben, Wendeschleifen oder Gleisdreiecke infrage.
Ein Gleisdreieck benötigte zwar deutlich mehr Fläche als eine Drehscheibe, kam dafür ohne eine große bewegliche Drehbühne aus.
Gleisdreieck oder Drehscheibe?
Beide Anlagen können dazu dienen, Schienenfahrzeuge zu wenden. Ihre Funktionsweise ist jedoch unterschiedlich.
Bei einer Drehscheibe fährt die Lok auf eine drehbare Brücke. Anschließend wird die komplette Bühne gedreht.
Beim Gleisdreieck wird das Fahrzeug dagegen durch mehrere Fahrbewegungen über feste Gleise gewendet.
Eine Drehscheibe benötigt relativ wenig Fläche, besitzt dafür aber aufwendige Mechanik. Ein Gleisdreieck benötigt wesentlich mehr Platz, besteht jedoch hauptsächlich aus normalen Gleisen und Weichen.
Gleisdreieck oder Wendeschleife?
Auch eine Wendeschleife kann die Fahrtrichtung eines Zuges verändern. Dabei fährt der Zug durch eine große Schleife und gelangt anschließend aus der entgegengesetzten Richtung zurück.
Der Vorteil einer Wendeschleife besteht darin, dass der Zug ohne Richtungswechsel durchfahren kann. Dafür benötigt sie ebenfalls viel Fläche.
Ein Gleisdreieck lässt sich dagegen häufig besser an vorhandene Streckenverzweigungen anpassen.
Gleisdreieck als Streckenverzweigung
Nicht jedes Gleisdreieck wurde gebaut, um Fahrzeuge zu wenden. Häufig entstand die dreieckige Gleisform, weil drei wichtige Streckenrichtungen miteinander verbunden werden sollten.
Ohne die dritte Verbindung müssten manche Züge einen Umweg fahren oder im Bahnhof die Fahrtrichtung wechseln.
Gerade im Güterverkehr können solche direkten Verbindungen betriebliche Vorteile bieten.
Was passiert, wenn eine Seite fehlt?
Fehlt eine der drei Verbindungskurven, handelt es sich nicht um ein vollständiges Gleisdreieck. Bestimmte Fahrtrichtungen sind dann nicht direkt erreichbar.
Ein Zug müsste möglicherweise in einem Bahnhof Kopf machen oder einen anderen Fahrweg nutzen.
Was bedeutet Kopf machen?
Beim sogenannten Kopf machen ändert ein Zug seine Fahrtrichtung. Die bisherige Zugspitze wird zum Zugende.
Bei lokbespannten Zügen kann dafür beispielsweise die Lokomotive umgesetzt oder eine Lok am anderen Zugende eingesetzt werden. Wendezüge können die Richtung dank Steuerwagen deutlich einfacher wechseln.
Ein Gleisdreieck kann einen solchen Fahrtrichtungswechsel in bestimmten Verkehrsbeziehungen vermeiden.
Wie viel Platz braucht ein Gleisdreieck?
Der Flächenbedarf hängt vor allem von den verwendeten Kurvenradien ab. Eisenbahnstrecken benötigen große Radien, besonders wenn sie mit höheren Geschwindigkeiten befahren werden sollen.
Ein Gleisdreieck im Hauptstreckennetz kann deshalb eine sehr große Fläche einnehmen.
Bei Nebenbahnen, Industriebahnen oder Museumsbahnen können die Radien enger und die Anlagen entsprechend kompakter sein.
Warum gibt es heute weniger Gleisdreiecke?
Einige historische Gleisdreiecke verloren im Laufe der Zeit ihre Bedeutung. Strecken wurden stillgelegt, Verkehrsbeziehungen änderten sich oder einzelne Verbindungskurven wurden nicht mehr benötigt.
Auch moderne Triebzüge und Wendezüge müssen für die Rückfahrt normalerweise nicht gewendet werden. Dadurch spielt diese Funktion heute eine geringere Rolle als in der Dampflokzeit.
Wo Gleisdreiecke wichtige Strecken miteinander verbinden, können sie jedoch weiterhin einen großen betrieblichen Nutzen haben.
Gleisdreieck auf der Modellbahn
Ein Gleisdreieck kann auch auf einer Modellbahn interessante Betriebsabläufe ermöglichen. Züge können unterschiedliche Streckenäste erreichen und Lokomotiven oder ganze Züge können gewendet werden.
Bei Zweileiter-Gleichstromsystemen entsteht dabei allerdings eine elektrische Besonderheit. Durch die Gleisgeometrie können unterschiedliche Polaritäten aufeinandertreffen.
Dafür wird häufig eine automatische Kehrschleifen- beziehungsweise Gleisdreieckschaltung verwendet. Auch im Digitalbetrieb muss die elektrische Trennung entsprechend berücksichtigt werden.
Zusätzlich benötigt ein Gleisdreieck relativ viel Platz. Auf kleineren Modellbahnanlagen ist deshalb eine Drehscheibe häufig einfacher unterzubringen.
Kurz erklärt: Gleisdreieck
- Ein Gleisdreieck verbindet drei Streckenäste miteinander.
- Drei Verbindungskurven bilden die typische Dreiecksform.
- Züge können zwischen mehreren Fahrtrichtungen wechseln.
- Fahrzeuge können über das Dreieck gewendet werden.
- Gleisdreiecke benötigen deutlich mehr Platz als Drehscheiben.
- Auf der Modellbahn muss bei Zweileitersystemen die elektrische Polarität beachtet werden.
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