Ablaufberg einfach erklärt: So funktioniert das Rangieren im Rangierbahnhof
Ein Ablaufberg gehört zu den wichtigsten Anlagen eines klassischen Rangierbahnhofs. Er sorgt dafür, dass Güterwagen mit Hilfe der Schwerkraft auf verschiedene Richtungsgleise verteilt werden können. Auf diese Weise lassen sich große Güterzüge zerlegen und anschließend neu zusammenstellen.
Das Prinzip wirkt zunächst einfach: Eine Rangierlok schiebt die Wagen langsam über einen kleinen künstlichen Hügel. Hinter dessen Scheitelpunkt rollen die zuvor getrennten Wagen selbstständig bergab. Weichen führen sie anschließend auf das passende Gleis.
Damit die Wagen weder zu schnell noch zu langsam rollen, kommen in größeren Rangierbahnhöfen zusätzlich Gleisbremsen und automatische Steuerungen zum Einsatz.
Was ist ein Ablaufberg?
Ein Ablaufberg ist eine erhöhte Gleisanlage innerhalb eines Rangierbahnhofs. Güterwagen werden von einer Rangierlok bis über den höchsten Punkt des Berges geschoben und anschließend getrennt.
Sobald ein Wagen oder eine Wagengruppe den Scheitelpunkt überschritten hat, übernimmt die Schwerkraft. Die Wagen rollen ohne arbeitende Lokomotive in Richtung der sogenannten Richtungsgleise.
In der Fahrdienstvorschrift der DB wird dieser Vorgang als Ablaufen bezeichnet. Gemeint ist das Bewegen von Fahrzeugen durch Schwerkraft, in der Regel von einem Ablaufberg herab.
Warum braucht ein Rangierbahnhof einen Ablaufberg?
Güterzüge bestehen häufig aus Wagen mit unterschiedlichen Zielorten. Ein Zug kann beispielsweise Wagen für mehrere andere Rangierbahnhöfe oder Güterterminals enthalten.
Im Rangierbahnhof wird der ankommende Güterzug deshalb zunächst zerlegt. Die einzelnen Wagen oder Wagengruppen werden nach ihrem weiteren Ziel sortiert und anschließend mit anderen Wagen zu neuen Zügen zusammengestellt.
Genau dabei hilft der Ablaufberg. Statt jeden Wagen einzeln mit einer Rangierlok in das richtige Gleis zu fahren, können viele Wagen nacheinander über den Berg verteilt werden. Das spart Rangierbewegungen und ermöglicht eine deutlich höhere Leistung.
So funktioniert ein Ablaufberg Schritt für Schritt
1. Güterzug fährt in die Einfahrgruppe
Der ankommende Güterzug fährt zunächst in die Einfahrgruppe des Rangierbahnhofs. Dort wird festgelegt, welche Wagen später auf welches Richtungsgleis rollen sollen.
2. Wagen werden vorbereitet
Vor dem Ablaufen müssen die Wagen so vorbereitet werden, dass sie an den vorgesehenen Stellen voneinander getrennt werden können. Die Schraubenkupplungen zwischen den einzelnen Wagengruppen werden entsprechend gelockert.
3. Rangierlok drückt den Zug zum Ablaufberg
Eine Rangierlok schiebt den Wagenzug langsam in Richtung Ablaufberg. Dieser Vorgang wird als Abdrücken bezeichnet.
In modernen Anlagen kann die Geschwindigkeit der Abdrücklok automatisch gesteuert werden. Dadurch gelangen die Wagen möglichst gleichmäßig über den Scheitelpunkt.
4. Wagen werden getrennt
Am Ablaufberg werden die vorbereiteten Wagen oder Wagengruppen voneinander getrennt. Sobald sie über den höchsten Punkt des Berges rollen, bewegen sie sich durch die Schwerkraft selbstständig weiter.
5. Weichen stellen den richtigen Fahrweg
Hinter dem Ablaufberg beginnt ein umfangreiches Netz aus Weichen. Diese werden so gestellt, dass jeder Wagen das für ihn vorgesehene Richtungsgleis erreicht.
In großen Rangierbahnhöfen übernimmt diese Aufgabe weitgehend eine automatische Ablaufsteuerung. Der Computer kennt das Ziel jedes Wagens und stellt die benötigten Weichen rechtzeitig.
6. Gleisbremsen regulieren die Geschwindigkeit
Ein leerer Güterwagen rollt anders als ein schwer beladener Wagen. Zusätzlich beeinflussen Wind, Temperatur und der Zustand der Fahrzeuge die Geschwindigkeit.
Deshalb befinden sich hinter dem Ablaufberg häufig Gleisbremsen. Sie bremsen die vorbeifahrenden Räder gezielt ab und sorgen dafür, dass die Wagen mit geeigneter Geschwindigkeit in das Richtungsgleis rollen.
Moderne Anlagen berücksichtigen dabei unterschiedliche Eigenschaften der Wagen. Auch Windrichtung und Windstärke können Einfluss auf das Bremsverhalten haben.
Was ist eine Gleisbremse?
Eine Gleisbremse ist eine technische Einrichtung im Gleis, die die Räder eines rollenden Güterwagens abbremst. Sie befindet sich meist zwischen oder neben den Schienen.
Je nach Bauart werden die Räder beziehungsweise Radreifen mit mechanischer, hydraulischer oder elektromagnetischer Technik gebremst. Ziel ist immer, die Geschwindigkeit des ablaufenden Wagens so zu reduzieren, dass er sicher im Richtungsgleis ankommt.
Die Deutsche Bahn setzt beispielsweise in Seddin elektromagnetische Gleisbremsen ein. Sie sollen gegenüber älteren hydraulischen Bremsen leiser arbeiten und weniger Energie benötigen.
Was passiert im Richtungsgleis?
Nachdem die Wagen den Ablaufberg und die Weichenstraßen passiert haben, rollen sie in eines der Richtungsgleise. Dort sammeln sich alle Wagen, die später gemeinsam weiterfahren sollen.
Nach Abschluss des Sortiervorgangs werden die Wagen zu einem neuen Zug zusammengestellt, gekuppelt und technisch geprüft. Anschließend kann der neu gebildete Güterzug den Rangierbahnhof wieder verlassen.
Warum rollen die Wagen nicht einfach zusammen?
Ohne Geschwindigkeitsregelung könnten schwere Wagen mit großer Geschwindigkeit auf bereits stehende Fahrzeuge treffen. Das würde Fahrzeuge und Ladung belasten und könnte gefährlich werden.
Deshalb muss die Geschwindigkeit jedes Wagens möglichst genau geregelt werden. Neben Gleisbremsen können in Richtungsgleisen weitere technische Einrichtungen dafür sorgen, dass Wagen kontrolliert zusammenlaufen.
Warum haben nicht alle Rangierbahnhöfe einen Ablaufberg?
Ein Ablaufberg lohnt sich vor allem dort, wo regelmäßig große Mengen einzelner Güterwagen sortiert werden müssen. Die Anlagen benötigen viel Platz und aufwendige Technik.
Kleinere Zugbildungsanlagen kommen deshalb teilweise ohne Ablaufberg aus. Dort werden Wagen beispielsweise mit Rangierlokomotiven direkt zwischen den Gleisen bewegt.
DB InfraGO unterscheidet entsprechend zwischen kleineren Zugbildungsanlagen ohne Ablaufberg, Anlagen mittlerer Größe mit Ablaufberg und großen, hochproduktiven Rangierbahnhöfen mit umfangreicher Automatisierung.
Ablaufberg im Rangierbahnhof Kornwestheim
Ein großes Beispiel in Baden-Württemberg ist der Rangierbahnhof Kornwestheim nördlich von Stuttgart. Dort lassen sich die Dimensionen eines großen Rangierbahnhofs mit Einfahrgruppe, Ablaufbereich und zahlreichen Richtungsgleisen besonders gut erkennen.
Auf Gleismomente haben wir den Rangierbahnhof bereits ausführlicher vorgestellt und zeigen dort auch, wie der Ablaufberg in die gesamte Anlage eingebunden ist.
Ablaufberg auf der Modellbahn
Auch auf einer Modellbahn kann ein Ablaufberg ein interessantes Betriebselement sein. Besonders auf größeren H0- oder N-Anlagen lassen sich Güterwagen über ein leichtes Gefälle in verschiedene Richtungsgleise rollen.
In der Praxis ist das allerdings anspruchsvoll. Unterschiedliche Laufeigenschaften der Modellbahnwagen führen dazu, dass einige Fahrzeuge zu schnell rollen und andere bereits nach kurzer Strecke stehen bleiben.
Für einen zuverlässigen Modellbetrieb müssen Gefälle, Weichen und Wagen deshalb sehr sorgfältig abgestimmt werden.
Kurz erklärt: Ablaufberg
- Ein Ablaufberg ist eine erhöhte Gleisanlage in einem Rangierbahnhof.
- Eine Rangierlok schiebt Güterwagen über den Scheitelpunkt.
- Die Wagen rollen anschließend durch die Schwerkraft weiter.
- Automatische Weichen verteilen sie auf verschiedene Richtungsgleise.
- Gleisbremsen regulieren die Geschwindigkeit.
- Im Richtungsgleis werden die Wagen zu neuen Güterzügen zusammengestellt.
Weitere Eisenbahn-Technik einfach erklärt
Der Ablaufberg ist nur ein Teil der Technik hinter dem Eisenbahnbetrieb. In unserem neuen Bereich Eisenbahn-Technik einfach erklärt sammeln wir verständliche Erklärungen zu Gleisen, Bahnhöfen, Signalen, Sicherungstechnik und Zugbetrieb.
Als Nächstes erklären wir unter anderem Überwerfungsbauwerke, Gleisdreiecke, Blockstellen und die Punktförmige Zugbeeinflussung PZB.
