Silikonformen selber bauen: Formenbau für die Modelleisenbahn
Wer an einer Modelleisenbahn baut, kennt das Problem: Manche Teile benötigt man nicht einmal, sondern gleich mehrfach. Eine bestimmte Mauer soll an mehreren Stellen auftauchen, ein Felsen gefällt besonders gut oder ein kleines Bauteil soll für verschiedene Szenen verwendet werden. Genau hier lohnt es sich, über eine eigene Silikonform nachzudenken.
Ich habe das selbst ausprobiert und dafür eine einfache Form aus Abformsilikon hergestellt. Das Verfahren ist erstaunlich unkompliziert und lässt sich auch ohne besondere Werkstattausrüstung umsetzen. Gerade im Landschaftsbau bietet es einige interessante Möglichkeiten.
In diesem Artikel zeige ich Schritt für Schritt, wie ich dabei vorgegangen bin, welche Materialien ich verwendet habe und worauf man beim ersten Versuch achten sollte.

Warum überhaupt eine eigene Silikonform?
Fertige Formen für den Modellbau gibt es von verschiedenen Herstellern. Für Felsen, Mauern oder Straßenstrukturen findet man inzwischen eine große Auswahl. Spannend wird der Eigenbau dann, wenn ein bestimmtes Teil nicht erhältlich ist oder wenn man eine vorhandene Struktur mehrfach verwenden möchte.
Das kann zum Beispiel ein selbst gebautes Mauerstück sein. Auch ein interessant geformter Felsen oder ein Bauteil aus einem alten Bausatz kann grundsätzlich als Vorlage dienen, sofern man die notwendigen Rechte an der Vorlage hat und sie sich technisch zum Abformen eignet.
Für meine Modellbahn ist vor allem der Landschaftsbau interessant. Hat man einmal eine gute Urform gefunden, lassen sich später mehrere identische Abgüsse herstellen. Diese können anschließend unterschiedlich bemalt, zugeschnitten und in die Landschaft eingebaut werden. Dadurch fällt später kaum auf, dass ursprünglich dieselbe Form verwendet wurde.
Was benötigt man zum Herstellen einer Silikonform?
Der Materialbedarf ist überschaubar. Neben dem eigentlichen Abformsilikon benötigt man vor allem eine Begrenzung, damit das noch flüssige Silikon nicht davonläuft.
- Abformsilikon
- Formrahmen oder selbst gebaute Umrandung
- Unterlage für die Form
- Mischbecher
- Rührstab
- Einweghandschuhe
- Waage oder Messbecher, abhängig vom verwendeten Silikon
- das Bauteil, das abgeformt werden soll
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Für meinen Versuch habe ich einen verstellbaren Formrahmen für Silikonformen bei Amazon* verwendet. Der Vorteil dabei ist, dass sich die Größe recht flexibel an das jeweilige Projekt anpassen lässt. Man muss also nicht für jede Form zuerst einen eigenen Kasten aus Holz oder Kunststoff bauen.

Der Formrahmen
Natürlich kann man einen solchen Rahmen auch selbst bauen. Kleine Holzleisten, Kunststoffplatten oder andere glatte Materialien reichen grundsätzlich aus. Bei häufigerem Formenbau finde ich einen wiederverwendbaren Rahmen allerdings praktisch.
Der von mir verwendete Rahmen besteht aus mehreren Kunststoffteilen, die miteinander kombiniert und mit Klammern fixiert werden. So kann der Innenraum relativ genau an die Größe der Vorlage angepasst werden. Das spart Silikon, denn jeder unnötige Zentimeter um das Modell herum muss später ebenfalls ausgegossen werden.
Bei Silikon sollte man mit dem Material durchaus etwas sparsam umgehen. Gerade bei größeren Formen kommt schnell eine erstaunliche Menge zusammen.
Welches Silikon habe ich verwendet?
Für meinen ersten Versuch habe ich STARTSO WORLD Abformsilikon 20A bei Amazon* verwendet. Das Set besteht aus zwei Komponenten, die vor der Verarbeitung miteinander vermischt werden.
Bei diesem Produkt werden beide Komponenten laut Hersteller im Verhältnis 1:1 nach Volumen gemischt. Das macht die Verarbeitung angenehm unkompliziert. Trotzdem sollte man die Anleitung des jeweils verwendeten Silikons noch einmal lesen, denn Mischungsverhältnis und Verarbeitung können sich zwischen verschiedenen Produkten unterscheiden.
Die Shore-Härte 20A ergibt nach dem Aushärten eine relativ flexible Form. Genau diese Flexibilität ist beim Modellbau hilfreich. Feine Strukturen lassen sich gut wiedergeben und fertige Gussteile können später vorsichtig aus der Form gelöst werden.
Schritt 1: Die Urform vorbereiten
Bevor Silikon angerührt wird, sollte alles vorbereitet sein. Sobald beide Komponenten vermischt sind, beginnt schließlich die Verarbeitungszeit.
Die Vorlage wird auf einer möglichst glatten und ebenen Unterlage befestigt. Wichtig ist, dass sie sich beim Eingießen des Silikons nicht verschiebt. Leichte Bauteile können durch das flüssige Material sonst ihre Position verändern.
Auch über die spätere Entformung sollte man sich jetzt Gedanken machen. Teile mit starken Hinterschneidungen können problematisch sein. Das Silikon ist zwar flexibel, trotzdem muss die fertige Form später wieder vom Original getrennt werden können.

Schritt 2: Den Rahmen möglichst dicht aufbauen
Jetzt wird der Formrahmen um das Modell aufgebaut. Zwischen Vorlage und Rahmen sollte etwas Abstand bleiben. Eine extrem dünne Silikonwand kann später schnell einreißen oder sich beim Gießen stark verformen.
Die Unterseite ist besonders wichtig. Flüssiges Silikon findet erstaunlich zuverlässig kleine Öffnungen. Ist zwischen Rahmen und Boden ein Spalt vorhanden, kann das Material langsam herauslaufen.
Ich würde deshalb beim nächsten Formenbau lieber einige Minuten mehr in die Abdichtung investieren. Das ist deutlich angenehmer, als das Silikon anschließend vom Arbeitstisch zu entfernen.
Schritt 3: Silikon anmischen
Jetzt kommen die beiden Komponenten des Abformsilikons zum Einsatz. Ich bereite dafür einen sauberen Mischbecher und einen Rührstab vor. Außerdem verwende ich Einweghandschuhe und schütze die Arbeitsfläche.
Bei meinem verwendeten Silikon werden beide Komponenten im Verhältnis 1:1 nach Volumen zusammengegeben. Beim Mischen sollte man gründlich arbeiten und auch Material vom Boden und vom Rand des Bechers mit einbeziehen.
Gleichzeitig sollte möglichst wenig Luft in die Mischung eingerührt werden. Sehr hektisches Rühren erzeugt viele kleine Luftblasen. Diese können später genau dort sitzen, wo eigentlich eine feine Struktur entstehen soll.
Schritt 4: Silikon langsam eingießen
Beim Eingießen lohnt sich etwas Geduld. Ich gieße das Silikon langsam an einer Stelle neben der Vorlage in den Formkasten. Von dort kann es sich selbst um das Bauteil herum verteilen.
Bei einer strukturierten Oberfläche ist dieser Punkt besonders wichtig. Wird das Silikon direkt und schnell über das komplette Modell geschüttet, können sich leichter Luftblasen in Vertiefungen festsetzen.
Feine Details lassen sich vor dem eigentlichen Auffüllen auch mit einer kleinen Menge Silikon benetzen. Anschließend wird der restliche Formkasten langsam gefüllt.
Was tun gegen Luftblasen?
Luftblasen gehören zu den häufigsten Problemen beim Formenbau. Bei großen glatten Bereichen sind einzelne kleine Blasen oft egal. Sitzt eine Blase an einem Mauerstein, einer Felskante oder einem anderen feinen Detail, sieht man sie später bei jedem Abguss.
Nach dem Eingießen kann man deshalb vorsichtig gegen die Außenseite des Formrahmens klopfen. Kleine Luftblasen steigen dadurch häufig noch an die Oberfläche. Auch leichtes Bewegen oder vorsichtiges Rütteln der gesamten Unterlage kann helfen.
Für meine Anwendungen auf der Modelleisenbahn muss das Ergebnis nicht die Präzision eines industriellen Formenbaus erreichen. Entscheidend ist, dass die sichtbaren Strukturen sauber wiedergegeben werden.
Schritt 5: Die Form aushärten lassen
Danach heißt es warten. Wie lange die Form benötigt, hängt vom verwendeten Silikon und von den Umgebungsbedingungen ab. Ich halte mich hier an die Herstellerangaben und lasse die Form lieber vollständig aushärten, bevor ich sie aus dem Rahmen nehme.
Während dieser Zeit sollte die Form auf einer ebenen Fläche stehen und möglichst nicht mehr bewegt werden.
Schritt 6: Die Silikonform entformen
Nach dem Aushärten kann der Formrahmen entfernt werden. Jetzt zeigt sich zum ersten Mal, ob die Vorbereitung funktioniert hat.
Die Silikonform wird langsam von der Vorlage gelöst. Dabei ziehe ich nicht einfach kräftig an einer Stelle, sondern löse das Material Stück für Stück rund um das Bauteil.
Gerade bei feinen Strukturen ist es beeindruckend, wie viele Details das Silikon übernimmt. Fugen, kleine Unebenheiten und Oberflächenstrukturen erscheinen in der fertigen Negativform deutlich.

Und was kann man anschließend damit gießen?
Die fertige Form ist im Grunde erst der Anfang. Je nach Projekt lassen sich damit unterschiedliche Gießmaterialien verwenden. Für den Landschaftsbau auf der Modelleisenbahn finde ich vor allem Gips und ähnliche Modelliermassen interessant.
Bei Mauern und Felsen muss ein Abguss auch nicht immer perfekt sein. Kleine Beschädigungen können sogar glaubwürdig wirken. Nach dem Aushärten lassen sich die Teile brechen, zuschneiden, einfärben und anschließend in die Landschaft integrieren.
Eine einzige Form kann auf diese Weise viele Bauteile liefern. Durch unterschiedliche Farbgebung und Bearbeitung sehen die späteren Ergebnisse trotzdem individuell aus.
Wo sich eigene Formen auf der Modellbahn besonders lohnen
Interessant finde ich eigene Silikonformen überall dort, wo Strukturen mehrfach benötigt werden. Ein typisches Beispiel sind lange Stützmauern entlang einer Bahnstrecke. Statt jedes Stück einzeln zu bauen, kann eine gute Grundstruktur mehrfach abgegossen werden.
- Stützmauern und Bruchsteinmauern
- Felsstrukturen für Einschnitte und Hänge
- Tunnelportale und kleinere Betonteile
- Bahnsteigkanten
- Fundamente und Sockel
- Geländeteile mit wiederkehrender Struktur
- kleine Details für Gebäude und Industrieanlagen
Gerade in Spur N kann das interessant sein. Viele Details sind so klein, dass ein mehrfacher kompletter Eigenbau ziemlich mühsam wäre. Eine einmal erstellte Form nimmt einem später viel Arbeit ab.

Meine Erfahrungen beim ersten Formenbau
Vor dem ersten Versuch hatte ich mir den Silikonformenbau deutlich komplizierter vorgestellt. Tatsächlich besteht die meiste Arbeit aus einer sauberen Vorbereitung. Die Vorlage muss gut liegen, der Rahmen muss dicht sein und das Mischungsverhältnis muss stimmen.
Besonders praktisch finde ich den verstellbaren Formrahmen. Für gelegentliche Formen reicht natürlich auch eine selbst gebaute Umrandung. Wer mehrere verschiedene Formen herstellen möchte, kann den Rahmen anschließend einfach wieder zerlegen und für das nächste Projekt neu zusammensetzen.
Auch das verwendete 1:1-Abformsilikon hat den Einstieg für mich einfacher gemacht. Zwei Komponenten in gleicher Menge abzumessen ist deutlich unkomplizierter als ein System, bei dem kleine Mengen Härter exakt dosiert werden müssen.
Beim nächsten Projekt würde ich vor allem noch stärker auf Luftblasen achten und mir bereits vor dem Anmischen genau überlegen, wie viel Silikon tatsächlich benötigt wird. Gerade bei kleinen Modellbauteilen lässt sich der Verbrauch durch einen passend aufgebauten Formrahmen deutlich reduzieren.
Fazit: Silikonformen eröffnen im Modellbau viele Möglichkeiten
Eigene Silikonformen sind eine interessante Ergänzung für die Modellbahnwerkstatt. Der Einstieg ist überschaubar und schon mit wenigen Hilfsmitteln lassen sich brauchbare Ergebnisse erzielen.
Besonders sinnvoll wird der Formenbau für mich dann, wenn ein bestimmtes Bauteil häufiger benötigt wird. Eine einmal angefertigte Mauerstruktur oder ein gut gelungener Felsen kann anschließend immer wieder verwendet werden.
Für meine Spur-N-Anlage werde ich das Verfahren deshalb auf jeden Fall weiter nutzen. Gerade bei Mauern, Felsen und kleineren Bauteilen sehe ich einige Möglichkeiten, individuelle Teile herzustellen, die es so fertig nicht zu kaufen gibt.
Verwendete Produkte
- Verstellbarer Formrahmen für die Herstellung von Silikonformen bei Amazon*
- STARTSO WORLD 20A Abformsilikon bei Amazon*
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