Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Der Modellbahnhof Stockheim in Glauburg ist ein schönes Beispiel dafür, wie gut ein historischer Bahnhof und Modelleisenbahn zusammenpassen. Die Schauanlagen befinden sich im ehemaligen Empfangsgebäude des Bahnhofs Glauburg-Stockheim. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1870 und liegt direkt an den heute noch betriebenen Bahnstrecken. Wer mit dem Zug anreist, kommt damit praktisch direkt vor der Modellbahn an.
Im Mittelpunkt stehen mehrere Modellbahnanlagen in den Spurweiten H0 und G. Nach aktuellen Angaben des Vereins sind fünf getrennte Schauanlagen vorhanden. Rund 70 Modellzüge können darauf eingesetzt werden. Zusammengenommen kommen etwa 1.200 Meter Modellbahngleis, 120 Signale und 180 Weichen zusammen. Die einzelnen Anlagen unterscheiden sich deutlich voneinander und reichen von historischen Strecken der Wetterau bis zu modernem Bahnverkehr und Schweizer Gebirgsbahnen.
Gerade dieser Mix macht den Modellbahnhof interessant. Wer historische Bundesbahnzüge mag, findet ebenso passende Szenen wie Besucher, die moderne Regionalzüge, S-Bahnen oder lange Reisezüge sehen möchten.
Die Vogelsbergbahn als Herzstück
Besonders sehenswert ist die große H0-Anlage zur ehemaligen Vogelsbergbahn. Sie orientiert sich an der Strecke von Stockheim in Richtung Lauterbach und zeigt die Region überwiegend so, wie sie Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre ausgesehen hat.
Der Bahnhof Stockheim wurde dabei sehr detailliert umgesetzt. Zu sehen sind unter anderem das Empfangsgebäude, die beiden früheren Stellwerke, der Ringlokschuppen und weitere typische Gebäude des Bahnbetriebs. Die Darstellung fällt damit genau in die Zeit, in der Dampflokomotiven langsam durch Dieselfahrzeuge ergänzt und später verdrängt wurden.
Vom Bahnhof aus führt die Modellstrecke weiter durch Orte der Region. Nachgebildet wurden beispielsweise Ortenberg, Eckartsborn, Lißberg, Hirzenhain, Merkenfritz und Gedern. Der Abschnitt bis Gedern beziehungsweise Ober-Seemen zieht sich über rund 25 Meter durch die Ausstellung. Im Hintergrund werden teilweise echte Landschaftsaufnahmen der Region verwendet. Dadurch entsteht ein starker Bezug zum tatsächlichen Verlauf der früheren Bahnstrecke.
Für Eisenbahnfans ist besonders interessant, dass vorbildgerechte Zugzusammenstellungen eingesetzt werden. So bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Fahrzeuge auf solchen Nebenbahnen früher unterwegs waren.
Ein Bahnhof mit echter Eisenbahngeschichte
Der Standort könnte für eine Modellbahnausstellung kaum passender sein. Stockheim war früher ein wichtiger Eisenbahnknoten in Oberhessen. Heute treffen hier weiterhin die Lahn-Kinzig-Bahn und die Niddertalbahn aufeinander. Der Bahnhof wurde bereits am 30. Oktober 1870 eröffnet.
Früher führte die Strecke von Stockheim weiter über Gedern in Richtung Lauterbach. Genau diesen inzwischen stillgelegten Abschnitt greift die Modellanlage wieder auf. Besucher können sich dadurch zuerst die historische Strecke im Maßstab 1:87 ansehen und anschließend Teile des früheren Streckenverlaufs in der Landschaft suchen.
Das ehemalige Empfangsgebäude wurde Anfang 2006 für das Modellbahnprojekt erworben. Anschließend begannen Umbau und Aufbau der Schauanlage. Bereits rund ein Jahr später konnte der erste Abschnitt zwischen Stockheim und Gedern gezeigt werden. Im ersten Jahr kamen nach Angaben des Betreibers etwa 10.000 Besucher.
Große Gartenbahn mit Rhätischer Bahn
Ein deutlicher Wechsel erwartet Besucher in einem weiteren Gebäudeteil. Hier geht es von der Spur H0 zur wesentlich größeren Spur G im Maßstab 1:22,5.
Thematisch dreht sich dieser Bereich um die Schweizer Rhätische Bahn und die Berninabahn. Ein auffälliges Bauwerk ist der Nachbau des Kreisviadukts von Brusio. Beim großen Vorbild gewinnen die Züge dort über eine fast vollständige Schleife an Höhe. Auch im Modell ist das Viadukt einer der Blickfänger.
Die Züge erreichen auf dieser Anlage Längen von etwa drei bis fünf Metern. Durch den großen Maßstab wirken Fahrzeuge und Landschaft noch einmal völlig anders als auf der H0-Anlage. Zusätzlich können Besucher über Taster verschiedene Szenen und eine Bergbahn in Bewegung setzen.
Die Gartenbahnanlage entstand einige Jahre nach der Eröffnung der ersten H0-Bereiche. Rund fünf Jahre nach dem Start war bereits ein erster großer Abschnitt mit ungefähr 200 Quadratmetern Anlagenfläche fertiggestellt.
Moderne Eisenbahn im Obergeschoss
Im Obergeschoss entsteht eine weitere Modellwelt. Die sogenannte Neubaustrecke widmet sich stärker dem heutigen Eisenbahnverkehr und dem Betrieb rund um Ballungsräume.
Hier fahren unter anderem S-Bahnen, Regionalzüge und Fernverkehrszüge. Ein großer Hauptbahnhof soll sich in seiner Gestaltung an Frankfurt orientieren. Weitere Teile der Anlage besitzen bewusst kein konkretes Vorbild und geben den Modellbauern mehr gestalterische Freiheit.
Spannend ist dabei auch die Verbindung von Eisenbahn und Straßenverkehr. Auf neueren Anlagenteilen verwendet der Verein unter anderem das Faller Car System 3.0. Bereits die ältere Vogelsbergbahn besitzt bewegte Autos, Busse, Lastwagen und Traktoren.
Dazu kommen beleuchtete Gebäude, bewegte Figuren und eine Tag-Nacht-Darstellung. Der Modellbahnhof wird deshalb ständig weitergebaut. Auch regelmäßige Arbeitsberichte auf der Vereinsseite zeigen, dass neue Abschnitte entstehen und bestehende Bereiche technisch überarbeitet werden.
Modellbahn für Kinder
Auch Kinder können im Modellbahnhof selbst aktiv werden. Dafür gibt es eine eigene Spielanlage, auf der der Nachwuchs Züge steuern und Aufgaben rund um den Bahnbetrieb übernehmen kann. Der Verein nutzt diesen Bereich zugleich für seine Kinder- und Jugendarbeit.
Seit 2019 wird der Modellbahnhof von einem gemeinnützigen Verein getragen. Nach aktuellen Angaben gehören ihm etwa 50 Mitglieder an, von denen rund 15 regelmäßig aktiv am Betrieb und Weiterbau mitarbeiten. Neben der Ausstellung gehört die Vermittlung von Modellbahntechnik ausdrücklich zu den Vereinszielen.
Für Modellbahner kann sich deshalb auch ein Gespräch mit den Vereinsmitgliedern lohnen. Neben den fertigen Anlagen lassen sich viele technische Lösungen zu Gleisbau, Steuerung, Car System, Landschaftsbau und Anlagenbetrieb entdecken.
Öffnungszeiten und Eintritt
Nach dem derzeit veröffentlichten Stand öffnet der Modellbahnhof samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. An mehreren Feiertagen bleibt die Ausstellung geschlossen. Kurzfristige Änderungen veröffentlicht der Verein auf seiner Webseite.
Der reguläre Eintritt kostet derzeit 7 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder und Jugendliche von 4 bis 18 Jahren. Eine Familienkarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder kostet 15 Euro. Kinder unter drei Jahren haben freien Eintritt. Da sich Preise ändern können, würde ich bei Gleismomente trotzdem keine dauerhafte Preistabelle einbauen und stattdessen auf die aktuelle Betreiberseite verweisen.
Die Adresse lautet Bahnhofstraße 51, 63695 Glauburg. Die Anreise mit der Eisenbahn bietet sich besonders an. Stockheim ist direkt aus Richtung Frankfurt über die Niddertalbahn sowie aus Richtung Gießen und Gelnhausen erreichbar. Kostenlose Parkplätze befinden sich ebenfalls vor Ort. Direkt am Bahnhof führt außerdem der Vulkanradweg vorbei.
Offizielle Webseite des Modellbahnhofs Stockheim
Lohnt sich der Modellbahnhof Stockheim?
Wer Modelleisenbahnen mag, kann für Stockheim problemlos mehrere Stunden einplanen. Besonders gelungen ist der starke Bezug zur Eisenbahngeschichte der Region. Bahnhof, Strecke und umliegende Orte wurden in der H0-Anlage anhand realer Vorbilder umgesetzt. Dadurch ist die Ausstellung auch für Besucher interessant, die sich für stillgelegte Eisenbahnstrecken und die Geschichte der Wetterau interessieren.
Fotonachweis
Foto: Jannis Raabe / Wikimedia Commons. Historisches Bahnhofsgebäude Glauburg-Stockheim, Standort des Modellbahnhofs Stockheim, aufgenommen am 6. Dezember 2019. Lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Quelle: Wikimedia Commons, „2019-12 Stockheim Bahnhofsgebäude.jpg“. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
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