Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Das historische Bahnbetriebswerk Gerolstein gehört zu den eindrucksvollsten erhaltenen Eisenbahnanlagen der Eifel. Mittelpunkt des rund 38.000 Quadratmeter großen Geländes sind der Ringlokschuppen und die weiterhin betriebsfähige 20-Meter-Drehscheibe.
Das Gelände wird bis heute für Eisenbahnfahrzeuge genutzt. Historische Fahrzeuge stehen hier ebenso wie Fahrzeuge der Vulkan-Eifel-Bahn. Dadurch wirkt das Bahnbetriebswerk weniger wie eine abgeschlossene Museumssammlung. Vieles erinnert noch an einen echten Arbeitsplatz der Eisenbahn.
Ein Bahnbetriebswerk seit 1870
Mit der Eisenbahn begann in Gerolstein 1870 ein neues Kapitel. Am 15. November wurde der Ort erstmals regulär von Zügen bedient. Neben Bahnhof und weiteren Dienststellen entstand auch ein erstes Bahnbetriebswerk.
Mit zunehmendem Verkehr wurden die Anlagen am Bahnhof jedoch zu klein. Deshalb entstand 1912 und 1913 am heutigen Standort in Richtung Pelm ein neues Bahnbetriebswerk.
Herzstück war ein Ringlokschuppen mit ursprünglich 15 Ständen. Über eine 20 Meter lange Drehscheibe konnten die Lokomotiven auf die einzelnen Schuppengleise verteilt werden. Zum Betriebswerk gehörten außerdem Bekohlungsanlagen, Wasserkräne, Werkstätten und weitere Gebäude.
Dampfloks für die Eifel
Gerolstein war über viele Jahrzehnte ein wichtiger Standort für die Versorgung und Unterhaltung von Lokomotiven in der Eifel.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Anlagen beschädigt. Nach Kriegsende begann bereits im Mai 1945 der Wiederaufbau. 1947 erhielt das Betriebswerk eine neue 20-Meter-Drehscheibe.
Vom ursprünglich 15-ständigen Ringlokschuppen wurden acht Stände wieder überdacht. Den größten nachgewiesenen Dampflokbestand erreichte Gerolstein 1952. Damals waren 23 Dampflokomotiven hier stationiert.
1966 wurde Gerolstein nach der Auflösung des Bahnbetriebswerks Jünkerath wieder zu einer selbstständigen Dienststelle. Neben Dampflokomotiven spielten inzwischen auch Dieselfahrzeuge eine immer größere Rolle.
Das Ende des regulären Bahnbetriebswerks
Am 31. Mai 1977 endete die eigenständige Lokomotivunterhaltung in Gerolstein. Teile des Geländes wurden anschließend weiterhin von der Bundesbahn genutzt.
Nach und nach verschwanden allerdings viele typische Einrichtungen. Bekohlungsanlagen wurden abgebaut, die Werkstatteinrichtung wurde 1985 entfernt und Anfang der 1990er-Jahre endete schließlich auch die Nutzung der Dieseltankanlage.
Lokschuppen, Drehscheibe und ein großer Teil der Gleisanlagen blieben erhalten.
1995 wurde das ehemalige Bahnbetriebswerk als Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt.
Rettung des Lokschuppens
Nach dem Rückzug der Bahn drohte der Anlage zeitweise der Verfall. 2004 wurde deshalb die gemeinnützige Bahnbetriebswerk Gerolstein gGmbH gegründet.
Im selben Jahr konnte ein großer Teil des Geländes erworben werden. Seitdem wurden Gebäude, Gleise und technische Anlagen schrittweise instand gesetzt.
Besonders wichtig war die Restaurierung der Drehscheibe. Sie funktioniert heute wieder und kann weiterhin zum Umsetzen von Lokomotiven und Triebwagen genutzt werden.
Auch ein funktionsfähiger Wasserkran für Dampflokomotiven ist auf dem Gelände erhalten.
Bis heute eine Eisenbahnwerkstatt
Das Bahnbetriebswerk ist kein stillgelegtes Denkmal. Die Vulkan-Eifel-Bahn hat hier ihren Firmensitz und nutzt Teile der Anlage als Werkstatt und Stützpunkt für ihre Fahrzeuge.
Auf den Gleisen können deshalb ganz unterschiedliche Fahrzeuge stehen. Je nach Zeitpunkt reicht das von historischen Triebwagen und Diesellokomotiven bis zu Reisezugwagen und Sonderfahrzeugen.
Gerade diese Verbindung aus historischer Anlage und heutiger Eisenbahnnutzung macht Gerolstein interessant.
Veranstaltungen im Ringlokschuppen
Der Ringlokschuppen wird inzwischen auch für Veranstaltungen genutzt. Konzerte, Kulturveranstaltungen und andere Termine finden direkt zwischen den historischen Eisenbahnanlagen statt.
Der eigentliche Lokschuppen besitzt eine Veranstaltungsfläche von rund 1.000 Quadratmetern. Historische Fahrzeuge können dabei weiterhin Teil der Kulisse sein.
In den vergangenen Jahren fanden außerdem immer wieder Eisenbahnveranstaltungen und Tage der offenen Tür auf dem Gelände statt.
Besuch und Öffnungszeiten
Für das Bahnbetriebswerk gibt es derzeit keine regelmäßig veröffentlichten Museumsöffnungszeiten.
Die früher angebotenen Führungen werden auf der offiziellen Webseite weiterhin als „bis auf weiteres ausgesetzt“ geführt. Ein Besuch des Geländes sollte deshalb mit einer angekündigten Veranstaltung oder einem Tag der offenen Tür verbunden werden.
Vor einer Anreise lohnt sich unbedingt ein Blick auf die aktuelle Webseite des Lokschuppens und den Veranstaltungskalender des Gerolsteiner Landes.
Das Betriebsgelände sollte außerhalb öffentlich angekündigter Veranstaltungen nicht eigenständig betreten werden.
Adresse
Bahnbetriebswerk Gerolstein
Kasselburger Weg 16
54568 Gerolstein
Das Gelände liegt zwischen Gerolstein und Pelm direkt an der Eifelstrecke.
Für Eisenbahnfreunde ist besonders die Kombination aus Ringlokschuppen, Drehscheibe und den zahlreichen Gleisen interessant. An kaum einem anderen Ort in der Eifel lässt sich noch so gut erkennen, wie ein mittelgroßes Bahnbetriebswerk früher aufgebaut war.
Fotonachweis
Luftaufnahme des historischen Bahnbetriebswerks Gerolstein mit Ringlokschuppen und Drehscheibe. Foto: Wolkenkratzer / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
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