Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Nur wenige Meter von der Neckarquelle entfernt befindet sich in Schwenningen ein ungewöhnlicher Treffpunkt für Modellbahnfreunde. Die Modelleisenbahnfreunde am oberen Neckar e.V. betreiben in der historischen Galerie87 eine große H0-Anlage sowie eine transportable Spur-N-Modulanlage nach amerikanischem Vorbild.
Schon das Vereinsheim ist eine Besonderheit. Das ehemalige Volkschorsängerheim aus den späten 1950er-Jahren stand jahrelang leer und galt zeitweise sogar als einsturzgefährdet. Die Modellbahner kauften das Gebäude 2015 von der Stadt Villingen-Schwenningen und verwandelten es mit tausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden in ein modernes und barrierearmes Vereinsheim.
Modelleisenbahnfreunde seit 1984
Die Geschichte der Modelleisenbahnfreunde am oberen Neckar begann 1984. Damals schlossen sich 18 Eisenbahn- und Modellbahnfreunde zusammen. Schon kurz nach der Gründung trat der Verein dem Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde bei.
Der Vereinsname wurde bewusst ohne einen konkreten Ortsnamen gewählt. Die Mitglieder kamen aus einem größeren Gebiet rund um den oberen Neckar und interessierten sich sowohl für die Modelleisenbahn als auch für das große Vorbild.
Erstes Vereinsheim im Trossinger Staatsbahnhof
Die erste Heimat war besonders passend: Ab 1985 nutzten die Eisenbahnfreunde Räume im ehemaligen Trossinger Staatsbahnhof an der Strecke Rottweil–Villingen.
Dort entstand eine rund 40 Quadratmeter große H0-Anlage. Bereits Ende 1985 wurde das Vereinsheim erstmals für Besucher geöffnet. Im Dezember 1986 folgte die erste Adventsausstellung – eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird.
Technisch waren die Modellbahner schon früh experimentierfreudig. Noch bevor moderne Digitalzentralen selbstverständlich waren, entwickelte der Verein eigene Blocksteuerungen und setzte einen Commodore 64 zur Unterstützung des Modellbahnbetriebs ein.
Eng verbunden mit der Trossinger Eisenbahn
Durch den Standort entstand eine enge Verbindung zur Trossinger Eisenbahn. Vereinsmitglieder unterstützten unter anderem Aktivitäten rund um die historischen Fahrzeuge des „Trossinger Bähnle“.
Auch beim Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen der Trossinger Eisenbahn im Jahr 1998 wirkten die Modelleisenbahnfreunde mit.
Zweites Vereinsheim in Trossingen
2006 musste der Verein den Staatsbahnhof verlassen. Die dortige Modellbahnanlage war nicht modular aufgebaut und konnte deshalb nicht einfach umziehen. Sie wurde vollständig abgebaut.
Eine neue Heimat fanden die Modellbahner in ehemaligen Mitarbeiterwohnungen der Trossinger Eisenbahn direkt neben dem Eisenbahnmuseum am Stadtbahnhof.
Ab 2007 entstand dort erneut eine große H0-Anlage. Gleichzeitig wurde eine Spur-N-Modulanlage aufgebaut.
2014 wieder ohne Vereinsheim
Doch auch der zweite Standort blieb nicht dauerhaft erhalten. 2014 kündigten die Stadtwerke Trossingen die Räume wegen eigener Umbau- und Neubaupläne.
Damit stand der Verein zum zweiten Mal vor der Situation, eine über Jahre gewachsene Modellbahnanlage abbrechen zu müssen.
Diesmal beschlossen die Mitglieder, nicht erneut Räume zu mieten. Ein neues Vereinsheim sollte ihnen selbst gehören.
Vom einsturzgefährdeten Sängerheim zur Galerie87
In Schwenningen fanden die Eisenbahnfreunde schließlich das ehemalige Volkschorsängerheim an der Erzbergerstraße. Das Gebäude war 1959 errichtet worden, stand mehr als zehn Jahre leer und befand sich in einem äußerst schlechten Zustand.
Risse, Feuchtigkeit und Schäden am Fundament hatten dazu geführt, dass das Haus zeitweise sogar als einsturzgefährdet galt.
2015 konnte der Verein das Gebäude von der Stadt Villingen-Schwenningen erwerben. Danach begann die bisher größte Gemeinschaftsarbeit der Vereinsgeschichte.
Mehr als 7.000 Arbeitsstunden für das neue Vereinsheim
Innerhalb von rund eineinhalb Jahren investierten die Mitglieder mehr als 7.000 Arbeitsstunden in die Sanierung.
Fundamente wurden gesichert, Räume erneuert und Technik installiert. Gleichzeitig entstand ein barrierearmes Vereinsheim, das nicht ausschließlich für Modellbahnveranstaltungen genutzt werden kann.
Am 11. September 2016 wurde die neue „Galerie87“ im Rahmen des Tags des offenen Denkmals offiziell eröffnet.
Denkmalgeschütztes Kunstwerk am Gebäude
Eine Besonderheit befindet sich bereits an der Außenwand. Dort ist ein großes Wandrelief des Schwenninger Künstlers Romuald Hengstler erhalten.
Das rund 23 Meter lange Werk entstand 1959 und zeigt in stark grafischer Form musizierende Menschen. Es steht unter Denkmalschutz und wurde bei der Sanierung des Vereinsheims bewusst erhalten.
Die dritte große H0-Anlage
Mit dem Umzug nach Schwenningen begann der Verein zum dritten Mal mit dem Aufbau einer großen H0-Anlage. Anders als zuvor konnte sie diesmal von Beginn an für den neuen Raum und moderne Digitaltechnik geplant werden.
Die Anlage befindet sich weiterhin im Ausbau. Der technische Betrieb ist jedoch bereits weit fortgeschritten und kann bei den öffentlichen Ausstellungen erlebt werden.
Lange Züge auf zweigleisiger Hauptstrecke
Im Mittelpunkt steht eine großzügige zweigleisige Hauptstrecke. Sie wurde bewusst für längere Reise- und Güterzüge ausgelegt.
Das Anlagenkonzept orientiert sich schwerpunktmäßig an der Bundesbahnzeit. Dampflokomotiven, Diesellokomotiven und elektrische Fahrzeuge können dadurch gemeinsam eingesetzt werden.
Auch bekannte TEE-Züge wie Rheingold oder Helvetica gehören zum Fahrbetrieb. Bei Ausstellungen werden zusätzlich moderne Fahrzeuge gezeigt.
Nebenbahn und H0e-Schmalspur
Abseits der Hauptstrecke gibt es eine kleinere Nebenbahn. Dort sind unter anderem Schienenbusse und Regionalzüge unterwegs.
Im Bereich eines kleineren Bahnhofs trifft die normalspurige H0-Bahn auf eine H0e-Schmalspurstrecke. Damit können später zusätzliche Betriebsabläufe zwischen Normal- und Schmalspurbahn dargestellt werden.
Acht Ebenen in der Gleiswendel
Unter beziehungsweise hinter der sichtbaren Landschaft steckt erheblicher technischer Aufwand. Eine zweigleisige Gleiswendel verteilt die Züge auf unterschiedliche Ebenen der Anlage.
Die Wendel erstreckt sich über acht Ebenen und verbindet sichtbare Strecken mit mehreren verdeckten Bereichen. Die Steigungen wurden auf maximal etwa drei Prozent begrenzt.
Paternoster für bis zu 30 Züge
Eine der ungewöhnlichsten technischen Lösungen ist der Zug-Paternoster. Statt einen großen Schattenbahnhof horizontal auszubreiten, werden komplette Züge platzsparend übereinander abgestellt.
Bis zu 30 Züge mit einer Länge von jeweils bis zu etwa 3,6 Metern können dort bereitgehalten werden. Die Steuerung wählt automatisch die benötigte Garnitur aus und schickt sie wieder auf die Anlage.
Digitalbetrieb mit DCC und iTrain
Die heutige H0-Anlage wird vollständig digital gesteuert. Als Datenformat setzt der Verein auf DCC.
Das Programm iTrain überwacht Fahrstraßen, Rückmeldungen, Schattenbahnhöfe und den Paternoster. Verschiedene Digitalzentralen und Booster teilen die Aufgaben untereinander auf.
Trotz Automatikbetrieb können die Vereinsmitglieder Züge weiterhin manuell mit Handreglern fahren.
Lokomotiven mit Originalsound
Viele Fahrzeuge sind mit Sounddecodern ausgestattet. Dampfloks besitzen das typische Auspuffgeräusch, Dieselloks lassen ihre Motoren hören und moderne Elektrolokomotiven geben charakteristische Fahrgeräusche wieder.
Die Digitalsteuerung kann Geräusche abhängig vom Standort auslösen. Vor Bahnübergängen oder Tunneln kann beispielsweise automatisch gepfiffen werden.
Auch Autos fahren über die Anlage
Die Automatisierung endet nicht an der Schiene. Auf Teilen der H0-Anlage verkehren selbstständig gesteuerte Straßenfahrzeuge.
Car-System und Modellbahnsteuerung sind dabei miteinander verknüpft. So entsteht neben dem Zugbetrieb zusätzliche Bewegung auf den Straßen der Modelllandschaft.
Amerikanische Eisenbahn in Spur N
Ein zweiter Schwerpunkt ist die transportable Spur-N-Modulanlage nach amerikanischem Vorbild.
Hier stehen lange US-Züge und weite Landschaften im Mittelpunkt. Unter anderem fahren bekannte Fernzüge wie der California Zephyr und der Santa Fe Super Chief durch Schluchten und über Brücken.
Einzelne Module werden in der Galerie87 in wechselnden Zusammenstellungen präsentiert und regelmäßig überarbeitet oder ergänzt.
Modelleisenbahn für Kinder
Die Adventsausstellung richtet sich ausdrücklich auch an Familien. Für kleinere Kinder wird eine Holzeisenbahn aufgebaut, ältere Kinder können an einer Eisenbahn aus Klemmbausteinen bauen und spielen.
Dadurch bleibt der Besuch nicht auf das reine Zuschauen an den großen Vereinsanlagen beschränkt.
TEE-Lounge und Modellbahn-Flohmarkt
Zur Galerie87 gehört außerdem die sogenannte TEE-Lounge. Während der öffentlichen Veranstaltungen werden dort Speisen und Getränke angeboten.
Zusätzlich gehört ein kleiner Modellbahn-Flohmarkt zur Adventsausstellung. Dort gibt es gebrauchte Fahrzeuge, Zubehör und weiteres Modellbahnmaterial.
Adventsausstellung 2026
Die traditionelle Ausstellung „Erlebnis Modelleisenbahn“ findet 2026 an vier Tagen statt:
- Sonntag, 6. Dezember 2026
- Sonntag, 13. Dezember 2026
- Sonntag, 20. Dezember 2026
- Samstag, 26. Dezember 2026
Der Verein nennt aktuell jeweils 10 bis 17 Uhr als Öffnungszeit.
Der Eintritt kostet 4 Euro für Erwachsene. Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.
Vereinsabende und Besuchsmöglichkeiten
Die Galerie87 ist keine täglich geöffnete kommerzielle Modellbahnschau. Interessierte Gäste können den Verein aber auch außerhalb der großen Ausstellungen kennenlernen.
Die Vereinsmitglieder treffen sich in der Regel dienstags und freitags ab etwa 20 Uhr. Von Januar bis März findet der Clubabend nur freitags statt. Besucher sind nach Angaben des Vereins ausdrücklich willkommen.
Für eine gezielte Besichtigung der Modellbahnanlagen empfiehlt sich trotzdem eine vorherige Kontaktaufnahme oder der Besuch der Adventsausstellung.
Direkt an der Bahnlinie und nahe der Neckarquelle
Auch die Lage passt hervorragend zu einem Eisenbahnverein. Das Vereinsheim befindet sich unmittelbar oberhalb der Bahnstrecke Rottweil–Villingen.
Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Stadtpark Möglingshöhe mit der symbolischen Neckarquelle. Dadurch lässt sich ein Besuch gut mit einem Spaziergang durch den Park verbinden.
Adresse
Modelleisenbahnfreunde am oberen Neckar e.V. Galerie87 Erzbergerstraße 35 78054 Villingen-Schwenningen
Lohnt sich ein Besuch?
Die Galerie87 ist besonders für Modellbahner interessant, die neben fertigen Landschaften auch die Technik hinter einer großen digitalen Anlage sehen möchten. Zug-Paternoster, mehrstöckige Gleiswendel, DCC-Steuerung, iTrain und Car-System zeigen, wie komplex eine moderne Vereinsanlage aufgebaut sein kann.
Gleichzeitig bietet die amerikanische N-Modulanlage einen deutlichen Kontrast zur deutschen H0-Welt. Familien profitieren von den zusätzlichen Spielmöglichkeiten und der familienfreundlichen Adventsausstellung.
Besonders interessant ist außerdem die Geschichte des Vereinsheims selbst: Aus einem beinahe aufgegebenen Gebäude entstand durch tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden ein dauerhaftes Zuhause für die Modelleisenbahnfreunde am oberen Neckar.
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