Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Im mittelfränkischen Rügland entsteht ein Eisenbahnmuseum, das sich ganz den kleinen Arbeitsbahnen vergangener Jahrzehnte widmet. Das Fränkische Feldbahnmuseum sammelt, restauriert und dokumentiert historische Feldbahnfahrzeuge aus Ziegeleien, Torfwerken, Steinbrüchen, Bergwerken, Baustellen und Industriebetrieben. Auf dem Museumsgelände am Ortsrand von Rügland befinden sich ein vierständiger Lokschuppen, zahlreiche historische Lokomotiven und Wagen sowie eine Feldbahnanlage mit 600 Millimetern Spurweite. Das Museum befindet sich weiterhin im Aufbau und ist deshalb nicht mit einem täglich geöffneten klassischen Eisenbahnmuseum vergleichbar.Was ist eigentlich eine Feldbahn?
Feldbahnen sind schmalspurige Eisenbahnen, die überwiegend für den Transport von Gütern genutzt wurden. Durch ihre vergleichsweise leichten Gleise konnten sie günstig gebaut, schnell verlegt und teilweise sogar an wechselnde Einsatzorte angepasst werden. Typische Einsatzgebiete waren Ziegeleien, Tongruben, Steinbrüche, Torfwerke, Sägewerke, Bergwerke und große Baustellen. Statt langer Reisezüge transportierten Feldbahnen meist Loren, Rohstoffe, Baumaterial oder Industrieprodukte. Mit Lastwagen, Förderbändern und moderner Bautechnik verschwanden viele dieser Bahnen ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Genau diese inzwischen fast verschwundene Arbeitswelt möchte das Museum in Rügland erhalten.Die Geschichte begann bereits 1981
Die Wurzeln der heutigen Sammlung reichen bis in die frühen 1980er-Jahre zurück. Damals entdeckten die späteren Vereinsgründer Jürgen Wening und Harald Trenner als Jugendliche die Überreste einer stillgelegten Feldbahn beim Tonwerk Lichtenau. Lokomotiven, Gleise und die noch vorhandene Strecke weckten das Interesse an den kleinen Industriebahnen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie schnell historische Feldbahnfahrzeuge und komplette Anlagen damals verschrottet wurden. Aus der Beschäftigung mit diesen verschwundenen Bahnen entwickelte sich nach und nach eine Sammlung historischer Fahrzeuge und Dokumente.Erste eigene Feldbahn in Wicklesgreuth
1988 stand den Feldbahnfreunden erstmals ein eigenes Grundstück in Wicklesgreuth zur Verfügung. Dort entstand ein kleiner Rundkurs mit Feldbahngleisen. Bei Veranstaltungen wurden bereits Fahrten für Besucher angeboten. Gleichzeitig wuchs die Sammlung um weitere Lokomotiven und Loren. 1994 musste das Gelände jedoch geräumt werden, weil das Grundstück verkauft und bebaut werden sollte.Von der Interessengemeinschaft zum Museum
Aus den inzwischen hinzugekommenen Feldbahnfreunden entstand die „IG Historische Feldbahn Franken“. Die Gruppe entwickelte ein Konzept für ein dauerhaftes Feldbahnmuseum und stellte es zahlreichen Gemeinden in Franken vor. Mehrere Kommunen zeigten Interesse. Die Entscheidung fiel schließlich auf Rügland, wo im Rahmen der Flurbereinigung ein geeignetes Grundstück zur Verfügung gestellt werden konnte. 2002 wurde schließlich der Verein Fränkisches Feldbahnmuseum e.V. gegründet.Vierständiger Lokschuppen seit 2007
Ein wichtiger Schritt beim Aufbau des Museums war der Bau eines eigenen Lokschuppens. Seit 2007 steht auf dem Gelände eine vierständige Fahrzeughalle. Die historischen Lokomotiven können dadurch geschützt und trocken untergestellt werden. Gleichzeitig dient der Lokschuppen als Arbeitsbereich für Restaurierungen und Reparaturen.Rund 30 historische Triebfahrzeuge
Die Fahrzeugsammlung ist inzwischen erstaunlich umfangreich. Das offizielle Fahrzeugverzeichnis führt rund 30 Triebfahrzeuge unterschiedlicher Bauarten auf. Dazu gehören Diesellokomotiven ebenso wie elektrische Grubenlokomotiven, Akkufahrzeuge, ein Benzolfahrzeug und ein historischer Gütertriebwagen. Vertreten sind zahlreiche bekannte Feldbahnhersteller wie Gmeinder, Jung, Orenstein & Koppel, Deutz, Diema, Henschel, Ruhrthaler, Schöma, Strüver und Hatlapa.Gmeinder-Lokomotive von 1929
Zu den ältesten Diesellokomotiven der Sammlung gehört eine Gmeinder-Maschine aus dem Jahr 1929. Die nur rund 2,1 Tonnen schwere Lok leistet etwa 10 PS. Sie wurde ursprünglich an ein Ziegel- und Klinkerwerk in Hainstadt geliefert. Dort transportierte sie Loren auf der 600-Millimeter-Feldbahn zwischen Tongrube und Ziegelei. Solche kleinen Maschinen zeigen besonders gut, dass Feldbahnlokomotiven nicht auf hohe Geschwindigkeit ausgelegt waren. Entscheidend waren einfache Technik, geringe Abmessungen und ausreichend Zugkraft für kurze Güterzüge.Jung-Lokomotiven aus den 1930er- und 1940er-Jahren
Mehrere Lokomotiven stammen vom bekannten Hersteller Arnold Jung. Dazu gehört eine Jung ZL 114 von 1937, die früher bei der Bauunternehmung Johann Stamminger in Ansbach eingesetzt wurde. Auch eine EL 110 aus dem Jahr 1941 und eine ZL 105 von 1942 gehören zur Sammlung. Gerade diese Fahrzeuge schaffen einen direkten Bezug zur regionalen Industrie- und Baugeschichte.Strüver Schienen-Kuli
Eine eigene kleine Fahrzeuggruppe bilden mehrere sogenannte Schienen-Kulis des Herstellers Strüver. Diese extrem kompakten Feldbahnfahrzeuge besitzen teilweise nur fünf bis sechs PS Leistung und wiegen weniger als eine Tonne. Sie wurden für leichte Rangier- und Transportaufgaben eingesetzt.Lokomotiven aus Ziegeleien und Torfwerken
Bei vielen Fahrzeugen ist die frühere Einsatzgeschichte noch bekannt. Maschinen stammen beispielsweise aus Ziegeleien in Waldsassen, Cham, Mainburg und Bechhofen, aus Torfwerken, Steinbrüchen oder von Bauunternehmen. Das Museum versucht diese Herkunft bewusst zu dokumentieren. Eine Lokomotive soll nicht nur restauriert werden, sondern auch ihre Geschichte und ihren ursprünglichen Arbeitsalltag erzählen.Grubenlokomotiven mit Elektroantrieb
Auch elektrische Feld- und Grubenbahnen werden berücksichtigt. Zur Sammlung gehören unter anderem elektrische Lokomotiven von Gmeinder und Schwartzkopff sowie eine Akkulokomotive. Solche Fahrzeuge kamen vor allem dort zum Einsatz, wo Abgase von Dieselmotoren problematisch waren – beispielsweise unter Tage oder in geschlossenen Produktionsanlagen.Kipploren und Spezialwagen
Neben den Lokomotiven besitzt das Museum zahlreiche historische Feldbahnwagen. Klassische Kipploren gehören ebenso dazu wie spezielle Fahrzeuge aus Bergbau, Ziegeleien und anderen Industriebetrieben. 2023 konnte beispielsweise ein kleiner Zug historischer Kipphunte aus dem Westerwälder Tonbergbau ergänzt werden. Weitere Fahrzeuge stammen aus ehemaligen Ziegeleien und Steinbrüchen.600 Millimeter Spurweite
Die Museumsbahn in Rügland wird auf 600 Millimetern Spurweite aufgebaut. Diese Spurweite war bei Feld-, Bau- und Industriebahnen besonders weit verbreitet. Auch Fahrzeuge, die ursprünglich auf anderen Spurweiten liefen, wurden in Einzelfällen für das Museum auf 600 Millimeter angepasst.Museumsstrecke Richtung Methlachmühle
Neben dem Gleisvorfeld und den Strecken auf dem Kerngelände arbeitet der Verein seit Jahren an einer längeren Demonstrationsstrecke. Langfristig soll die Museumsbahn vom Gelände am Kleeberg in Richtung Methlachgrund beziehungsweise Methlachmühle führen. Für das Projekt wurden bereits mehrere hundert Meter historisches Schienenmaterial beschafft. Da sich das gesamte Museum weiterhin im Aufbau befindet, wächst auch das Gleisnetz schrittweise.Ein „Museum zum Anfassen“
Der Verein bezeichnet sein Konzept selbst als „Museum zum Anfassen“. Historische Fahrzeuge sollen nicht ausschließlich lackiert in einer Halle stehen. Stattdessen sollen Technik, Herkunft und frühere Nutzung erklärt und – soweit möglich – im praktischen Betrieb demonstriert werden. Deshalb werden auch historische Dokumente, Herstellerprospekte, technische Unterlagen und Fotos ehemaliger Feldbahnbetriebe gesammelt und ausgewertet.Sommerfest 2026 mit Fahrbetrieb
Am 19. Juli 2026 veranstaltete das Museum erstmals ein großes Sommerfest. Zum Programm gehörten Fahrzeugschau, Mitfahrten auf der Feldbahn und Führungen durch die Sammlung. Der Eintritt war frei; der Verein bat um Spenden für den weiteren Aufbau des Museums.Tag des offenen Denkmals 2026
Auch beim Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 war das Fränkische Feldbahnmuseum geöffnet. Zwischen 10 und 16:30 Uhr wurden Führungen und Fahrzeugvorführungen angeboten.Keine regulären täglichen Öffnungszeiten
Das Fränkische Feldbahnmuseum ist derzeit kein täglich geöffnetes Museum. Öffentliche Besichtigungen finden hauptsächlich bei angekündigten Veranstaltungen statt. Besichtigungen außerhalb dieser Termine sind nach vorheriger Vereinbarung möglich. Wer eine längere Anreise plant, sollte deshalb unbedingt vorher Kontakt mit dem Verein aufnehmen.Adresse und Anfahrt
Fränkisches Feldbahnmuseum e.V. Am Kleeberg 91622 Rügland Das Museumsgelände liegt am Ortsausgang von Rügland in Richtung Adelmannsdorf, in der Nähe des Wertstoffhofs.Lohnt sich ein Besuch?
Das Fränkische Feldbahnmuseum ist vor allem für Besucher interessant, die sich für Industrie-, Feld- und Grubenbahnen interessieren. Statt großer Schnellzuglokomotiven stehen hier kleine Arbeitslokomotiven und Loren im Mittelpunkt. Gerade die dokumentierte Herkunft vieler Fahrzeuge macht die Sammlung interessant. Zahlreiche Lokomotiven stammen tatsächlich aus fränkischen Ziegeleien, Bauunternehmen und Industriebetrieben. Am interessantesten ist ein Besuch bei einem öffentlichen Fahrtag. Dann werden Fahrzeuge nicht nur im Lokschuppen gezeigt, sondern auf der 600-Millimeter-Feldbahn vorgeführt und für Besucherfahrten eingesetzt.
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