Zuletzt aktualisiert am 22.09.2026
Nur wenige Kilometer von Salzburg entfernt befindet sich mit der Lokwelt Freilassing eines der interessantesten Eisenbahnmuseen im südlichen Bayern. Schon das Gebäude ist einen Besuch wert. Die Ausstellung befindet sich in einem historischen Rundlokschuppen des früheren Bahnbetriebswerks Freilassing, der zwischen 1902 und 1905 errichtet wurde. Auf 17 Gleisständen stehen heute Dampflokomotiven, Elektroloks, Wagen und weitere Fahrzeuge aus mehr als 150 Jahren Eisenbahngeschichte.
Das Besondere ist die Atmosphäre. Die Fahrzeuge stehen nicht in einer modernen Ausstellungshalle, sondern dort, wo früher tatsächlich Lokomotiven gewartet und für den nächsten Einsatz vorbereitet wurden. Vor dem Lokschuppen liegt noch immer die große Drehscheibe. Sie ist funktionsfähig und wird an ausgewählten Museumstagen sogar mit Besuchern in Bewegung gesetzt.
Vom Bahnbetriebswerk zum Eisenbahnmuseum
Freilassing entwickelte sich durch die Eisenbahn stark. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung der Bahnstrecke München–Salzburg im Jahr 1860. Durch die Lage unmittelbar an der Grenze zu Österreich entwickelte sich der Bahnhof zu einem bedeutenden Eisenbahnstandort.
Zwischen 1902 und 1905 entstand westlich des Bahnhofs das neue Bahnbetriebswerk mit Rundlokschuppen, Werkstätten und weiteren Betriebsgebäuden. Der Lokschuppen erhielt insgesamt 20 radial angeordnete Gleisstände. Später wurde die Anlage für den elektrischen Eisenbahnbetrieb erweitert.
Wie wichtig die Eisenbahn für Freilassing war, zeigen die Beschäftigtenzahlen. In den 1970er- und 1980er-Jahren arbeiteten nach Angaben der Lokwelt mehr als 1.000 Menschen beim Bahnhof, Bahnbetriebswerk, der Bahnmeisterei und der Fahrleitungsmeisterei.
1994 wurde das Bahnbetriebswerk aufgelöst. Vier Jahre später kam der historische Gebäudekomplex auf die Bayerische Denkmalliste. Die Stadt Freilassing kaufte den Lokschuppen 2003 von der Deutschen Bahn und begann gemeinsam mit dem Deutschen Museum mit dem Aufbau eines Eisenbahnmuseums.
Am 2. September 2006 öffnete die Lokwelt schließlich für Besucher. Von den ursprünglich 20 Gleisständen werden heute 17 für das Museum genutzt. Drei weitere stehen für Werkstattarbeiten zur Verfügung.
Die Drehscheibe ist noch immer in Betrieb
Eines der wichtigsten Exponate befindet sich direkt vor dem Lokschuppen.
Die Drehscheibe wurde 1924 eingebaut, besitzt einen Durchmesser von 23 Metern und war ursprünglich für Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen ausgelegt. Sie war notwendig, um Dampflokomotiven zu drehen und die einzelnen Stände des Rundlokschuppens zu erreichen.
Bis heute funktioniert die Anlage. An Museumstagen mit trockener Witterung können Besucher nach Angaben der Lokwelt teilweise sogar an einer Fahrt auf der Drehscheibe teilnehmen.
Ein ungewöhnliches Detail ist die erhaltene Oberleitungsspinne über der Drehscheibe. Sie stammt aus der Zeit, als das Bahnbetriebswerk für den elektrischen Betrieb erweitert wurde, und steht ebenfalls unter Denkmalschutz.
Allein diese Kombination aus Rundlokschuppen, Drehscheibe und Oberleitung macht Freilassing für Freunde historischer Bahnbetriebswerke sehenswert.
Bayerische Schnellzuglok B IX „1000“
Zu den ältesten und auffälligsten Fahrzeugen gehört die bayerische Schnellzuglokomotive B IX „1000“ von Maffei.
Die elegante Dampflok stammt aus dem 19. Jahrhundert und gehört zu den Fahrzeugen, an denen sich die Entwicklung der frühen Schnellzuglokomotiven besonders gut erkennen lässt. Mit ihren großen Treibrädern unterscheidet sie sich deutlich von späteren schweren Güterzug- und Einheitsdampflokomotiven.
Die Lok ist eines der wichtigsten Ausstellungsstücke der Lokwelt und gehört zum Bestand des Deutschen Museums.
Gerade vor der historischen Holzkonstruktion des Rundlokschuppens wirkt die Maschine fast so, als wäre sie nur für einen kurzen Werkstattaufenthalt hereingekommen.
Zahnraddampflokomotiven aus den Bergen
Durch die Nähe zu den Alpen spielen Zahnradbahnen ebenfalls eine Rolle.
Zu sehen ist unter anderem die Zahnraddampflokomotive III Nr. 719. Auch eine Lok der Schafbergbahn gehört zur Ausstellung.
Zahnradbahnen benötigen für besonders steile Strecken ein zusätzliches Zahnrad, das in eine zwischen den Schienen liegende Zahnstange greift. Dadurch können Steigungen befahren werden, die für eine normale Adhäsionsbahn zu groß wären.
Gerade im Alpenraum gehörte diese Technik zu den wichtigsten Möglichkeiten, Berge für Eisenbahn und Tourismus zu erschließen.
E 16: Elektrischer Schnellzugverkehr in Bayern
Auch Freunde historischer Elektrolokomotiven finden in Freilassing einiges.
Mit der E 16 07 steht eine klassische elektrische Schnellzuglok im Rundlokschuppen. Die Baureihe wurde speziell für den Einsatz auf elektrifizierten Strecken in Bayern entwickelt.
Ihre Konstruktion unterscheidet sich deutlich von modernen Drehgestelllokomotiven. Besonders auffällig ist der traditionelle Stangenantrieb. Die elektrische Technik erzeugte zwar bereits die notwendige Leistung, die Kraftübertragung auf die großen Treibräder erinnerte äußerlich jedoch weiterhin an Dampflokomotiven.
Für Technikfans lohnt sich hier ein genauer Blick auf Fahrwerk und Antrieb.
E 44 508 mit direktem Bezug zu Freilassing
Noch enger mit dem Standort verbunden ist die E 44 508.
Die Lok gehört zur bekannten Familie der Baureihe E 44 und ist ein Beispiel für den Übergang zu moderneren elektrischen Lokomotiven mit Einzelachsantrieb. Die Lokwelt bezeichnet sie selbst als „Freilassinger Lok“.
Daneben gehört mit der 244 051-9 eine weitere E 44 zur Sammlung. Gerade diese Baureihe zeigt gut, wie stark die Elektrifizierung das Bild der deutschen Eisenbahn ab den 1930er-Jahren veränderte.
V 140 001: Ein besonderes Diesel-Einzelstück
Ein weiteres interessantes Fahrzeug ist die V 140 001.
Sie gehört zu den frühen leistungsfähigen deutschen Diesellokomotiven und blieb ein Einzelstück. Damit steht in Freilassing ein Fahrzeug, das einen ganz anderen Entwicklungsweg als die später in großen Stückzahlen gebauten Bundesbahn-Dieselloks zeigt.
Die Lok wird bei besonderen Veranstaltungen gelegentlich auf der Drehscheibe beziehungsweise im Außenbereich präsentiert. Historische Veranstaltungsprogramme der Lokwelt nennen sie regelmäßig zusammen mit E-Loks aus dem Museumsbestand.
Zwei Modellbahnanlagen
Auch Modellbahner sollten sich für den Besuch etwas Zeit nehmen.
Die Lokwelt besitzt zwei Modellbahnanlagen. Dazu gehören eine H0-Anlage und eine große LGB-Westernbahn.
Für Eisenbahnfreunde ist besonders die Darstellung des früheren Bahnbetriebswerks interessant. Hier lässt sich die historische Anlage im Modell noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive betrachten.
Gerade nach einem Rundgang durch den echten Lokschuppen bekommt eine Modellbahnanlage mit Drehscheibe und Bahnbetriebswerk eine andere Wirkung. Man sieht unmittelbar, welche Elemente des großen Vorbilds beim Modellbau übernommen wurden.
Eisenbahn für Kinder
Die Lokwelt richtet sich nicht ausschließlich an Erwachsene und eingefleischte Eisenbahnfans.
Für Kinder gibt es mit der „Kleinen Lokwelt“ einen eigenen Museumsbereich. Dort sollen Eisenbahn, Technik und Arbeitswelt spielerisch vermittelt werden.
Bei größeren Veranstaltungen kommt außerdem eine Parkbahn zum Einsatz. Dazu gibt es immer wieder Aktionen wie Draisinenfahrten, Bastelangebote oder spezielle Programme für Familien.
Damit lässt sich der Besuch auch gut als Familienausflug planen.
20 Jahre Lokwelt im September 2026
Aktuell gibt es einen besonders guten Anlass für einen Besuch.
Die Lokwelt feiert am Samstag, 19. September, und Sonntag, 20. September 2026 ihr 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum fällt gleichzeitig auf den bundesweiten Tag der Schiene. Geöffnet ist an beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr.
Geplant sind mehrere Modellbahngastanlagen, Fahrten mit einer Handhebeldraisine, Demonstrationen auf der Drehscheibe und Fahrbetrieb auf der Parkbahn.
Am Sonntag kommen zusätzlich große Gastfahrzeuge von SOB, ÖBB sowie Plasser & Theurer nach Freilassing. Ein historischer Rottenwagen von Robel soll als Dauerleihgabe an die Lokwelt übergeben werden. Außerdem wird die E 44 beziehungsweise 244 051-9 im Freien präsentiert.
Wer im September 2026 ohnehin einen Besuch plant, dürfte dieses Jubiläumswochenende deshalb einer der interessantesten Termine des Jahres sein.
Öffnungszeiten und Eintritt
Außerhalb besonderer Veranstaltungen ist die Lokwelt aktuell freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen können nach Vereinbarung auch außerhalb dieser Zeiten stattfinden.
Der reguläre Eintritt beträgt derzeit 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für zwei Erwachsene mit eigenen Kindern bis 18 Jahre gibt es eine Familienkarte für 14 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.
Da sich Preise ändern können, würde ich auf Gleismomente zusätzlich immer auf die aktuelle Betreiberseite verweisen.
Die Adresse lautet:
Lokwelt Freilassing
Westendstraße 5
83395 Freilassing
Offizielle Webseite der Lokwelt Freilassing
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für einen normalen Rundgang würde ich ungefähr zwei Stunden einplanen.
Wer sich Fahrzeuge und Technik genauer anschaut, bei einer Führung mitmacht oder eine Drehscheibenvorführung erleben möchte, kann problemlos länger bleiben.
Bei großen Aktionstagen lohnt sich ein halber Tag. Dann stehen häufig zusätzliche Fahrzeuge draußen, die Parkbahn fährt und einzelne Museumslokomotiven werden auf der Drehscheibe präsentiert.
Lohnt sich die Lokwelt Freilassing?
Für Eisenbahnfreunde eindeutig. Das Entscheidende ist dabei nicht nur die Anzahl der Fahrzeuge.
Der historische Rundlokschuppen bildet gemeinsam mit der funktionierenden Drehscheibe ein fast ideales Umfeld für die Ausstellung. Hier lässt sich noch nachvollziehen, wie ein großes Bahnbetriebswerk aufgebaut war und wie Lokomotiven auf die einzelnen Schuppengleise verteilt wurden.
Dazu kommt eine interessante Mischung verschiedener Epochen. Die B IX „1000“ steht für den frühen Schnellzugverkehr des 19. Jahrhunderts, Zahnraddampfloks erinnern an die Alpenbahnen, E 16 und E 44 an die Elektrifizierung und V 140 an die frühen Versuche mit leistungsfähigen Diesellokomotiven.
Wer im Berchtesgadener Land oder im Raum Salzburg unterwegs ist, sollte die Lokwelt deshalb fest einplanen. Auch die Anreise mit der Bahn bietet sich an. Schließlich liegt der ehemalige Lokschuppen direkt an der weiterhin stark befahrenen Strecke zwischen München und Salzburg.
Fotonachweis
Lokwelt Freilassing/Daniel Schvarcz
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