Mit der Hermann-Hesse-Bahn nach Calw: Strecke, Fahrplan und Ausflugstipps
Mehr als 40 Jahre lang endete die Bahnverbindung aus Richtung Stuttgart in Weil der Stadt. Seit Februar 2026 fahren wieder Personenzüge über die alte Württembergische Schwarzwaldbahn nach Calw. Für uns war das natürlich ein guter Grund, die reaktivierte Strecke selbst einmal auszuprobieren.
Die Hermann-Hesse-Bahn verbindet heute Renningen und Weil der Stadt mit Calw. Gerade für einen Tagesausflug ist das interessant. Aus dem Großraum Stuttgart erreicht man Calw wieder bequem über die Schiene und steigt praktisch direkt oberhalb der Innenstadt aus.

Von Renningen über Weil der Stadt nach Calw
Die Hermann-Hesse-Bahn wird als RB 76 betrieben. Von Renningen führt sie zunächst über die bestehende Strecke der S6 nach Weil der Stadt. Dort beginnt der eigentlich spannende Abschnitt auf der reaktivierten Schwarzwaldbahn.
Die Haltepunkte in Richtung Calw sind:
- Renningen
- Weil der Stadt
- Ostelsheim
- Althengstett
- Calw-Heumaden
- Calw ZOB
Zwischen Weil der Stadt und Calw verläuft die Strecke größtenteils eingleisig. Im Bereich Ostelsheim gibt es einen zweigleisigen Abschnitt, auf dem sich die Züge begegnen können.
Hinter Weil der Stadt verändert sich die Strecke deutlich. Der Stuttgarter Ballungsraum bleibt zurück und die Bahn führt durch das Heckengäu in Richtung Nordschwarzwald. Allein dieser Abschnitt macht die Fahrt für Eisenbahnfreunde interessant.
Tunnel, Brücken und moderne Bahntechnik
Bei der Reaktivierung konnte die alte Strecke nicht einfach freigeschnitten und wieder in Betrieb genommen werden. Große Teile der Infrastruktur mussten erneuert oder neu gebaut werden.
Besonders auffällig ist der rund 498 Meter lange Neubautunnel zwischen Weil der Stadt und Ostelsheim. Hinzu kommen zwei ältere Tunnel, die aufwendig saniert wurden. Eine Besonderheit ist der Fledermausschutz, denn Teile der Tunnelanlagen dienen weiterhin als Lebensraum für die Tiere.
Auch in Calw-Heumaden entstand neue Infrastruktur. Dort überspannt heute eine etwa 40 Meter lange Eisenbahnbrücke die B295.

Quelle: https://www.hermann-hesse-bahn.de
Gesteuert wird die Strecke mit moderner elektronischer Stellwerkstechnik. Die Stationen Calw, Calw-Heumaden, Althengstett und Ostelsheim wurden neu gebaut beziehungsweise umfassend modernisiert und barrierefrei gestaltet.
Batterie statt Oberleitung
Auch die Fahrzeuge sind einen genaueren Blick wert. Auf der Hermann-Hesse-Bahn kommen Siemens Mireo Plus B zum Einsatz.
Die Triebzüge besitzen einen batterieelektrischen Antrieb. Unter vorhandener Oberleitung können die Batterien geladen werden. Auf dem nicht elektrifizierten Abschnitt nach Calw fährt der Zug anschließend mit der gespeicherten Energie weiter.
Dadurch kommt die Strecke zwischen Weil der Stadt und Calw ohne durchgehende Oberleitung aus. Die Tunnel wurden allerdings bereits so vorbereitet, dass eine spätere Elektrifizierung möglich bleibt.

Über 150 Jahre Eisenbahngeschichte
Ganz neu ist die Verbindung natürlich nicht. Die Strecke gehörte ursprünglich zur Württembergischen Schwarzwaldbahn, die 1872 zwischen Stuttgart, Leonberg, Weil der Stadt und Calw eröffnet wurde.
1940 wurde der Abschnitt Stuttgart–Weil der Stadt elektrifiziert. Ab 1953 kamen zwischen Weil der Stadt und Calw unter anderem Diesel-Schienenbusse zum Einsatz.
Am 27. Mai 1983 fuhr schließlich der letzte Personenzug zwischen Weil der Stadt und Calw. Der Güterverkehr hielt sich noch einige Jahre, bevor 1988 auch hier Schluss war.
Mehr als vier Jahrzehnte später kehrte der Personenverkehr zurück. Am 1. Februar 2026 startete der reguläre Betrieb der Hermann-Hesse-Bahn.
Fahrplan der Hermann-Hesse-Bahn
Seit Juni 2026 fahren die Züge tagsüber grundsätzlich im 30-Minuten-Takt zwischen Calw und Renningen. Abends sowie an Wochenenden und Feiertagen gilt teilweise ein 60-Minuten-Takt.
Für die Fahrt von Calw nach Renningen werden rund 23 Minuten benötigt. Stuttgart Hauptbahnhof ist mit Umstieg in die S6 in ungefähr einer Stunde erreichbar.
Vor dem Ausflug lohnt sich trotzdem ein Blick in den aktuellen Fahrplan, da Bauarbeiten oder betriebliche Änderungen zu Abweichungen führen können.
Ankunft mitten in Calw
Der Endpunkt Calw ZOB ist für einen Stadtbesuch hervorragend gelegen. Die Hermann-Hesse-Bahn hält auf einer höher gelegenen Ebene oberhalb des Haltepunkts der Nagoldtalbahn. Über Treppen und Aufzug geht es hinunter zum ZOB und weiter in Richtung Innenstadt.

Von hier sind es nur wenige Minuten zu Fuß in die historische Altstadt. Sehenswert sind der Marktplatz mit seinen Fachwerkhäusern, die kleinen Gassen und natürlich die zahlreichen Spuren Hermann Hesses, der 1877 in Calw geboren wurde.
Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann den Stadtbesuch außerdem mit einem Spaziergang entlang der Nagold verbinden.

Stellwerk 1: ein Stück alte Eisenbahn in Calw
Eisenbahnfreunde sollten rund um den Bahnhof noch etwas genauer hinsehen. Mit dem Stellwerk 1 ist in Calw ein interessantes Stück Eisenbahngeschichte erhalten geblieben.
Das historische Stellwerk erinnert an den früheren Bahnbetrieb in Calw und bildet heute einen schönen Kontrast zur Technik der neuen Hermann-Hesse-Bahn. Moderne Batterietriebzüge und elektronische Stellwerkstechnik treffen hier auf Relikte aus einer ganz anderen Epoche der Eisenbahn.
Da das Stellwerk direkt zum Bahnhofsumfeld gehört, lässt es sich ohne großen Umweg in einen Rundgang durch Calw einbauen. Bei unserem Besuch hatte es aber leider nicht geöffnet (aktuell laut Webseite nur Samstags). Wir werden hier aber demnächst nochmals Samstags vorbei schauen und dann darüber berichten.

Ein Abstecher zu Modellbahn Schumacher
Einen weiteren Tipp haben wir bei unserem Besuch eher zufällig entdeckt. In der Bahnhofstraße 46 befindet sich Modellbahn Schumacher.
Für Modellbahner lohnt sich ein Blick hinein. Im Geschäft findet man Modelle und Zubehör verschiedener Hersteller und Spurweiten. Auch Spur N ist vertreten, was für uns natürlich besonders interessant war.
Solche klassischen Modellbahn-Fachgeschäfte sind inzwischen deutlich seltener geworden. Gerade deshalb passte der zufällige Fund perfekt zu unserem Eisenbahnausflug nach Calw.
Wer von der Hermann-Hesse-Bahn in Richtung Altstadt läuft, kann den Modellbahnladen gut in seinen Rundgang einbauen.

Unser Tipp für einen Tagesausflug
Wir würden für Calw ein paar Stunden einplanen. Schon die Anreise ist ein Teil des Ausflugs. Nach der Fahrt mit der Hermann-Hesse-Bahn kann man sich zunächst den Bahnhof und das Stellwerk ansehen und anschließend in Richtung Altstadt laufen.
Dort lassen sich Fachwerkhäuser, Marktplatz und Hermann-Hesse-Spuren entdecken. Ein Abstecher zu Modellbahn Schumacher passt ebenfalls gut in die Runde. Wer danach noch Zeit hat, kann an der Nagold entlanglaufen und anschließend wieder zum Bahnhof zurückkehren.
So verbindet der Ausflug gleich mehrere Themen, die gut zusammenpassen: historische Eisenbahn, eine reaktivierte Bahnstrecke, moderne Fahrzeugtechnik, Modellbahn und die sehenswerte Altstadt von Calw.
Unser Fazit
Die Hermann-Hesse-Bahn ist weit mehr als eine neue Regionalbahn nach Calw. Besonders spannend ist ihre Geschichte. Eine Strecke, auf der 1983 der letzte Personenzug fuhr, ist mehr als vier Jahrzehnte später wieder Teil des regulären Bahnverkehrs.
Dazu kommen moderne Batteriezüge, neue und historische Tunnel, das alte Stellwerk und schließlich Calw selbst als lohnendes Ausflugsziel.
Wer Eisenbahn und ein wenig Nostalgie mag, bekommt hier bereits bei der Anreise einiges geboten. Und spätestens beim Modellbahnladen schließt sich für uns der Kreis zwischen Vorbild und Modell.
